Digitaldruck ist die Pest. (2024)

Ich finde Digitaltechnik meistens ganz gut. Es sei denn, das Ergebnis ist mies. Bei märklin ist das so, in den meisten Fällen. Die „perfekte Modellbahn“ erzielt man so nicht.

Sieht aus, wie draufgeniest. 🤧 Oder mit dem Küchen-Schwamm getupft… Die „perfekte Modellbahn“, na klar.

Die Modellbahn-Hersteller verschandeln mit der aktuelle Qualität bei Digitaldruck ihre schönen Modelle. märklins InterRegio (43900) ist das beste Beispiel. Oder auch dieser 2024er Sonderwaggon, dessen Beschriftung exakt und scharf aufgedruckt wurde, dessen Illustration aber eine Zumutung darstellt. Erinnert an eine Collage aus Krepp-Papier….

Kartoffeldruck wäre wenigstens lustig. ☺️

Digitaldruck ist machbar, er erfüllt seinen Zweck, aber, sorry, es sieht derzeit oft richtig beschissen aus. Billig, matschig, manchmal sogar fühlbar dick. Egal, ob bei märklin, Piko oder Roco. Modellbahnen aber sollen schön sein.

Sogar das Hersteller-Logo ist verschwommen. Und in falscher Farbe…

Sowas traut märklin sich, auszuliefern. Nicht zu fassen. Screenshot (c) stummiforum.

Okay, die Drucker-Maschinen sind längst gekauft, sie sollen verwendet werden. Warum setzt man diese Maschinen nicht sinnvoll dort ein, wo sie ihrem Niveau ent-sprechend an-sprechende Ergebnisse erzielen können?

Das Gleis für ‚graue Herren‘. Sympathisch ist anders.

Seit 1996 gibt es das C-Gleis, man erzählt sich, es sei das erfolgreichste Modellbahn-Gleissystem unseres Planetens. Die Menschen lieben es, weil es so herrlich unkompliziert aufzubauen ist. Aber die Farbe! 🥱

Anfangs mattgrau mit mittelbraunen Schwellen ist es heute dunkelgrau mit dunkelbraunen Schwellen, noch dazu glänzend. Das Ganze sieht nass aus, und durch die dunklen Farben entzieht sich der gesamte Gleiskörper dem Auge des Betrachters.

märklins C-Gleis zeigt keinerlei farblichen Kontraste, nichts Angenehmes oder Sympathisches; 1996 lästerten manche märklin-Mitarbeiter über „Asphalt-Gleise“. Und das mit Recht.

Es ist die perfekte Farbgebung für gefühllose Menschen, die alle Wohnungswände reinweiß streichen, das Auto in schwarz bestellen und das Kinderzimmer beige halten. 👎🏻

C Gleise von märklin, Trix und eins aus Spaß umlackiert.

Schon mal eine Folge ‚Deko-Queen‘ geschaut? Es ist immer dasselbe: Mit Farbe wirken die Räumlichkeiten sofort freundlicher. Menschen mögen Farben, aber in diesen gefühlsarmen Zeiten trauen sie sich nur noch selten von allein an Farben heran. Und ‚Basaltgrau‘ ist keine Farbe. Sondern eine Fehl-Entscheidung.

Vermutlich führte das damals relativ neue Roco-Line Gleis mit blaugrauer Bettung zu dieser Un-Farbe, denn märklins Alpha-Gleis war noch freundlicher dunkelbraun durchgefärbt. 

Als ich noch vor der Messe 1996 wegen des grauen C-Gleises entsetzt einen märklin-Mitarbeiter ansprach, warum man den Roco-Weg des unfreundlichen Graus gehe, stimmte er mir zu und sagte „Das kommt davon, wenn man auf sogenannte Fachleute hört!“ Bäm. 💥☺️

Warum wohl hat das alte M-Blechgleis noch immer Liebhaber? Natürlich wegen seiner Farbgebung.

Die Verwandschaft ist klar. Wer das Farb-Konzept links ablehnt mit „das ist ja alt“, der ignoriert das aktuelle Gleis rechts, hat vielleicht kein besseres Argument gefunden und hat womöglich Probleme mit dem eigenen Altern. Menschen sind kompliziert.

Und warum wohl orientiert sich das C-Gleis von Trix farblich an märklins M-Gleis und dem Profi-Gleis von Fleischmann? Weil beide ’sympathisch‘ aussehen. Und ja, das ist tatsächlich der Grund.

Pikos Bettung für das A Gleis hat den Vorteil, abnehmbar zu sein. Auseinandernehmen, mit Pinsel oder Sprühfarbe lackieren, zusammenbauen. Yay.

Das A Gleis von Piko, unten versuchsweise lackiert. Das geht noch besser…

Aber das indifferente Grau von märklins C-Gleis sieht überhaupt nicht aus. Es macht das Gleis unsichtbar, was schade ist angesichts der soliden Konstruktion mit vielen Details.

Den Trix C-Gleisen sieht man das alles an, märklin-C nicht. Ausgerechnet beim Zugpferd verschenkt man Sympathie-Potenzial.

Die richtige Aufgabe für Digitaldrucker:

Also, Digitaldrucker angeworfen und Resultate erzeugt: Das wäre doch was, ein angenehm und aufwändig eingefärbtes märklin C-Gleis mit digital aufgedruckten Sprenkeln in vorbildgerechter, angenehmer Optik, vielleicht als Testpaket ‚Primex‘ oder als Sommer-Neuheit.

Die Modellbahner würden erneut reagieren wie bei märklins Generations-Wechsel vom Drehgestell-Motor zum Mittel-Motor: Das gewohnte ‚Heiligtum‘ wird erst verteidigt und dann doch willig ersetzt durch angenehmere Produkte.

Schöne Gleise ab Werk wären eine Errungenschaft, die auch andere Hersteller aktuell nicht bieten. Es sei denn, man verwendet Schwellenband-Gleise zusammen mit der Merkur-Bettung. Was denkbar ist ist machbar.

K-Gleise von märklin in hochwertiger Merkur-Bettung. So ist das ’schön‘, auch wenn „alt“. ☺️

🙂🚂