Pola / Faller: Bahnhof Bad Dürkheim in (ex-) Original-Farben.
Polas Bahnhof-Modell nach Vorbild ‚Bad Dürkheim‘ ist seit seinem Erscheinen recht beliebt, trotz seiner immensen Tiefe. Nur die etwas trübe Farbgebung störte mich.
Irgendwann fand ich Vorbild-Fotos, zum Beispiel hier, und aaa-ha! Das Biest war also eigentlich altrosa angestrichen (gewesen). Nur, rosa ist bekanntlich amtlich untersagt. Also wählte man bei Pola seltsam erdige Töne aus, um nur niemanden zu verschrecken. Wie kleingeistig Menschen sein können.
Denn rot und rosa sind ursprünglich reine Männer-Farben. Wohlgemerkt: Bevor Mattel mit seinen pinken Puppen alles verdrehte.
Rot wurde als männlich und kraftvoll betrachtet (Blut, Herrscher, die ganze Nummer), und weil die Herstellung der Farbe rot damals sehr aufwändig und den Erwachsenen vorbehalten war erhielten junge Männer weniger stark gefärbte Kleidung, und die war dann naturgemäß: rosa.
https://www.geo.de/wissen/warum-rosa-einst-die-farbe-fuer-jungen-war-30176546.html
Wer also heute rosa als ‚tuntig‘ oder ‚für Mädchen‘ abtut beweist einfach nur mangelnde Bildung.
Mir jedenfalls gefiel der Bahnhof in dieser Farbgebung viel besser, also habe ich ihn komplett umgefärbt, manche Bereiche sogar zweimal…
Denn nur der versteht etwas von Farbe, der sich nicht so doof anstellt, wie ich. 😁 Es gibt nämlich nicht nur grau-beige sondern auch beige-grau! Jaha! 🤬

…und spätestens wenn man beim Anstreichen denkt ‚das sieht irgendwie dunkel aus‘ sollte man aufhören. So. Fort. Aber es könnte ja beim Trocknen heller… …nein. Wurde es nicht. Kurz, ich musste die untere Hälfte ein zweites Mal anpinseln, weil. Siehe oben.
Dabei ist das Umfärben eigentlich einfach und geht recht fix. Ohne Airbrush-Lärm und -Sauerei.
Die beiden wichtigsten Farben, natürlich in seidenmatt: RAL 1019 Graubeige, RAL 3012 Beigerot.

Zuerst klebt man die Grundmauern des Gebäudes thematisch passend zusammen, in diesem Fall jeweils Oberstübchen und Erdgeschosse. Die Elita Farben habe ich dann auf ein leicht streichbares aber noch deckendes Maß verdünnt.

Mit einem guten Krimi für die Ohren trägt man in aller Ruhe die Farben auf; manchmal doppelt, damit die Farbe kraftvoller wirkt.

Zierlinien und Türen etc. werden noch an den Spritzlingen lackiert und erst nach dem Trocknen auf das Gebäude geklebt.
Tipp: Ein guter RAL Fächer mit großen Farbflächen leistet gute Dienste! Wenn man achtsam ist….
Tipp 2: Natürlich musste ich die bereits eingeklebten Fenster komplett gegen neue, saubere ersetzen. Zum Glück verschweißt heutiger Faller-Kleber die Teile nicht mehr so extrem fest, wie früher.
Mit einem Teppichmesser und einer Dosis krimineller Energie schneidet man die Fenster aus den Rahmen. Eine Feile hilft, die Innenseiten der Rahmen zu glätten.
Und Fallers Kundenservice ist wirklich exzellent; zusammen fanden wir einen relativ aktuellen Bausatz, dessen Fenster auch im ‚Bad Dürkheim‘ Verwendung finden.
Die neuen Fenster werden eingeklebt, und fortan kann man so tun, als sei nichts gewesen… 😏

Anders beim Vorbild, das inzwischen anstelle von rosa in weiß gestrichen wurde. Vermutlich, um den ‚ursprünglichen Zustand‘ wiederherzustellen: Viele (West-) Deutsche haben nicht nur eine Farb-Phobie, sie eliminieren auch Signifikanzen der selbst erlebten Jahrzehnte vor dem Mauerfall. Das lässt tief blicken…
🙂🚂