Zimo Decoder MX600, der günstige (fast) Alleskönner

Für rund 20 Euro bietet Zimo den Lokdecoder MX600 an. Das ist ein flacher Decoder mit hochwertiger Lastregelung, den es derzeit in drei Varianten gibt: Mit achtpoligem Stecker nach NEM652, mit Plux12 Stecker und mit Kabeln. Derzeit versteht er DCC mit bis zu 128 Fahrstufen, ist also von HighEnd-Systemen bis runter zur Lokmaus1 oder märklins alter „DCC“-Zentrale 6029 verwendbar (dazu die CV29 auf ’04‘ programmieren, damit in der Lok die Beleuchtung funktioniert).

Die Lego-Figur zeigt, wie flach Zimos MX600 Decoder ist.

Leistung, Abmessungen und die vier schaltbaren Funktionen prädenstinieren den MX600 vor allem für herkömmliche H0-Lokomotiven mit rot/weißem Lichtwechsel – oder natürlich Dampfloks mit Rauchentwickler. Quer durch alle Marken und Modell-Generationen lässt sich der günstige MX600 also in ziemlich viele Modelle sinnvoll einbauen, sodass auch eine Sammlung analoger Loks zügig und ohne zu große Belastungen auf digitalen Betrieb umgestellt werden kann.

Das erste Beispiel ist eine BR189.

Klar gibt es auch Decoder anderer Hersteller, die diese oder ähnliche Features mitbringen. Für mich persönlich aber ist der MX600 wegen seiner Kombination aus fantastischen Fahreigenschaften und vielen, einfach zu programmierenden Funktionen so empfehlenswert.

Features

Das Besondere an diesem Decoder ist, dass er trotz seines relativ niedrigen Preises vier Schalt-Funktionen mitbringt, deren Effekte sich sehr klug auf die meisten Modell-Loks nach Vorbildern der (europäischen) Epochen 1 bis 5 programmieren lassen, zum Beispiel für den weiß/roten Lichtwechsel oder intelligent eingestellte Rauch-Entwickler, die beim Anhalten weniger stark qualmen.

Weiterhin ermöglicht der MX600 seitenweises Abschalten der Spitzen- und Schlusslichter, zum Beispiel für Wendezüge. Schaltbar sind sowohl ein Rangiergang sowie der so genannte ‚Kupplungs-Walzer‘ für digitale Ent-Kupplungen. Sanftes Auf- und Abblenden der Lampen sollte heute ohnehin zum Standard gehören. Außerdem ist der MX600 platt wie eine Flunder, man bringt ihn also leicht in allen möglichen Loks unter.

Damit ist Zimos MX600 meiner persönlichen (!) Einschätzung der beste Decoder der Einsteiger-Klasse. Als erstes Umbau-Beispiel zeige ich eine moderne BR189 aus 2004. (…Moment, die ist jetzt 14 Jahre alt. Ist das eigentlich noch ‚modern’…? Zurück zum Thema. 🙂 )

Beleuchtung


So verkabelt man den MX600 direkt mit Motor und LED.

Anschluss der Beleuchtung ‚vorn‘ (Führerstand 1).

Quer unter der flexiblen Leiterbahn liegt der Decoder.

Um die Lampen sinnvoll ansteuern zu können, muss man sie separat anschließen. Gemäß der Norm: Stirnlampe in Führerstand 1 an weiß, Stirnlampe in Führerstand 2 an gelb, Schlusslicht rot in Führerstand 2 an grün, Schlusslicht rot in Führerstand 1 an braun. Die Fotos zeigen, wie das geht. Im Fall der 189 klebt man die flexiblen Leiterbahnen einfach oben auf die Platine und lötet die Kabel dort an.


Die 19V LED und Tesafilm zur Isolierung.

Tipp: Die Glühlampen habe ich gegen 19 Volt-LED ausgetauscht, die keine Vorwiderstände benötigen. Die minimalen Mehrkosten sind schnell vergessen, weil die Gefahr von Schmelzschäden durch zu heiße Glühlampen gebannt ist. Bei einigen Loks sollte das Gehäuse innen mattschwarz lackiert werden, um Durchleuchten auszuschließen.

Dieser Austausch empfiehlt sich für fast jede Lokomotive, zumal fast alle Modellbahn-Lokomotiven seit den 60er Jahren bis Mitte der Nuller-Jahre mit 12V Lämpchen ausgeliefert wurden. Mehr zu diesem Thema später auf diesem Blog.

LED 19V 3mm warmweiß:
https://www.modelsector.com/leuchtdioden-und-zubehoer/led-spannungsfest-bis-19v/led-3mm-zylinderform-warmwei-4-19v.php

LED 19V 3mm rot:
https://www.modelsector.com/leuchtdioden-und-zubehoer/led-spannungsfest-bis-19v/led-3mm-klar-rot-4-19v.php

Fahr-Eigenschaften

Für optimale Fahreigenschaften kann man Zimos Decoder mit nur zwei Werten auf die jeweilige Lok einstellen. Ratz-fatz ist das erledigt:

  • Roco-Lok mit typischem Flachmotor: CV09 => 95, CV56 => 33
  • Fleischmann Rundmotor: CV09 => 89, CV56 => 91
  • N-Motor (in kleinen Loks): CV09 => 95, CV56 => 55
  • Glockenanker-Motor: CV09 => 51, CV56 => 133

Tipp: Meiner Erfahrung nach kann man einige Loks von Roco und Piko auch fahren mit CV09 = 37. Dann ist das Brummen im Motor leiser und tieffrequenter, was für mein Empfinden angenehmer klingt.

Tipp: Zur geschmeidigen Bewegung der Lokomotiven kann man beispielsweise die CV03 auf ’20‘ setzen und die CV04 auf ’12‘. Die Vmax sollte man deutlich reduzieren, weil die meisten Modell-Loks viel zu schnell unterwegs sind.

Licht-Konfiguration

So kann die Standard-Konfiguration aussehen. So sind die umgebauten Loks übrigens voll mit Lokmaus2 oder einer alten märklin 6029 Zentrale ansteuerbar:

  • Taste F1 = Spitzen- und Schlusslichter an Führerstand 1 ausgeschaltet
  • Taste F0 = Licht weiß/rot an, wechselt mit der Fahrtrichtung
  • Taste F2 = Spitzen- und Schlusslichter an Führerstand 2 ausgeschaltet
  • Taste F4 = Rangiergang; also Beschleunigung und Bremsen minimiert

Dazu geht man schrittweise vor:

Seitenweises Abschalten der Lampen

  • CV107 => 01
  • CV108 => 02
  • CV109 => 02
  • CV110 => 01

Für den Fall, dass die Lampen augenscheinlich unsinnig arbeiten, einfach zwei weitere Werte verändern:

  • CV35 => 08
  • CV36 => 04

Rangiergang auf F4

  • CV124 auf den Wert 23 programmieren.

Sanftes Auf- und Abblenden der Lampen

  • CV125 => 88
  • CV126 => 88
  • CV127 => 88
  • CV128 => 88

Fazit:

Mit diesem Decoder und der kurzen CV-Einstellerei wertet man seine Modellbahn-Lokomotiven ungemein auf. Auch ältere Loks mit ungeregelten Decodern aus den 90er Jahren lassen sich mit Zimos MX600 günstig in die Jetzt-Zeit holen. Mehr dazu später auf diesem Blog.

Roco Lokmaus 10792 mit orange-farbenen LED

Lokmaus-Customizing in orange.

Früher mal war die Hausfarbe der „Roco“-Produkte ein knalliges Orange. In diese Farbe war auf der kurzzeitig lieferbaren Lokmaus ‚R3‘ ein Kreis aufgedruckt. Diese neu designte Lokmaus2 besitzt beleuchtete Tasten, unter denen herkömmliche rote LED arbeiten. Mir kam der Gedanke, dass LED in der ehemaligen Hausfarbe netter aussehen könnten. Der Umbau ist schnell erledigt.

Man benötigt nur einen Beutel mit zehn ‚axial‘-LED in orange, dazu einen Lötkolben mit Lötzinn und einen Schraubendreher. Die LED habe ich über ebay bezogen; man sucht einfach nach LED orange axial, dann findet man schon die Richtigen.

Umbau

Das Kabel der Lokmaus2 abziehen. Dann die vier Gummifüße sanft abheben und zur Seite legen. Die vier recht langen Schrauben herausdrehen und die Lokmaus ‚R3‘ auseinandernehmen.

Oben: ‚axial‘ LED aus der Tüte, unten: So gekürzt passen die LED in die Maus.

Eine (!) der LED herauslöten. Dazu vorsichtig mit der Lötspitze wechselseitig nur kurz die gelöteten Kontakte der LED berühren, bis sie sich mit einer Pinzette wegschieben lässt.

Neun LED müssen ausgetauscht werden.

Von einer der neuen LED die Kontaktfahnen auf etwa drei oder vier Millimeter kürzen, wie im Foto zu sehen, und mit einer Pinzette schräg Richtung Kuppe abwinkeln. Nun probehalber in die Platine einsetzen und anlöten, dabei nur sehr wenig Lötzinn verwenden.

Testweise das Kabel zur Zentrale anschließen, wenn die LED orange aufleuchtet, stimmt die Ausrichtung. Wenn nicht, die LED einfach mit vertauschten Kontakten erneut anlöten. Die Markierung innerhalb der LED beachten: Gleichlautend müssen alle anderen orangefarbenen LED eingelötet werden. Immer wieder testhalber die Platine an das Kabel zur Zentrale anstecken, um die Funktionen zu überprüfen.

LED zu fotografieren ist nicht so einfach. 🙂

Abschließend die Lötstellen kontrollieren, und wenn alles sauber ist, die Lokmaus3 ‚R3‘ wieder zusammenschrauben und die Gummikappen festkleben. Das war es schon. Fertig ist die „Custom-Lokmaus2 R3“. 🙂

Märklins Diesellok BR212 für DC Gleise

märklins ehemalige ‚delta‘ Lok rollt nun auf Roco-Gleisen.

Als ein junger Bekannter sein Modellbahnhobby reaktivieren wollte (mit 26!), fragte ich ihn angelegentlich, ob denn unbedingt der Mittelleiter bleiben müsse… Nein, musste er nicht. Zu märklins Glück bleibt man dem C Gleis treu, aber nun mit ‚Trix‘-Logo. Die Fahrzeuge werden Stück für Stück auf DC umgebaut, damit trotz des komfortableren Betriebs auf international kompatiblen Gleisen die Zügen ‚von früher‘ weiterhin unterwegs sein können. In etwa zwanzig Jahren wird er vermutlich verstehen, warum der Erhalt der geliebten alten Züge eine gute Idee war. 😉

Die erste Lok, die internationalisiert wurde, war sein Diesellok-Klassiker BR 212. In diesem Fall in orientrot, das ich noch als ’neurot‘ kenne; für ihn war es die „alte Farbe“. Also, das mit dem Älterwerden ist ja so eine Sache…

Im Grunde ist der ganze Umbau sehr einfach, wenn man bastlerisches Geschick mitbringt. Schrauben und Löten, mehr braucht man nicht zu können.

Anstelle einer (heißen) Glühlampe arbeitet hier nun eine LED.

Decoder & Licht

Der vorhandene Delta-Decoder, ohnehin wenig brauchbar, wurde ausgetauscht gegen einen aktuellen Sounddecoder von märklin, der auch DCC versteht. Statt Glühlampen stecken nun warmweiße LED für 19V in den Buchsen. Das Aufbohren der roten Lampen habe ich unterlassen, weil märklins Gehäuse aus der betreffenden Fertigungs-Zeit spröde werden können, bis hin zum Zersplittern. Dann lassen wir die ‚historische Substanz‘ aus 2002 sicherheitshalber unangetastet.

Im Gegensatz zu früheren märklin-Verkabelungen dient der Rahmen elektrisch nur noch für den zweiten Gleis-Pol, das ’schwarze Kabel‘ des Decoders. Die Beleuchtung wird direkt vom Decoder aus versorgt.

Wer unbedingt Glühlampen verwenden möchte, sollten bei Conrad oder Ebay nach Lämpchen für 22V oder 24V schauen. Mit anderen Lampen setzt man seine Lok der Gefahr von Schmelzschäden aus.

Ich habe 19V-LED verwendet, deren Drähte gekürzt und vor dem Einsetzen leicht angespitzt. Dazu verwendet man einfach einen guten Seitenschneider, mit dem man das Draht-Ende schräg ablängt. Mit einer Pinzette drückt man die LED-Beinchen in die Buchsen, danach sitzen sie wirklich fest.

Die verwendeten LED gibt es hier zu kaufen: https://www.modelsector.com/leuchtdioden-und-zubehoer/led-spannungsfest-bis-19v/led-2x5mm-warmwei-5-19v.php

Bei der ersten Probefahrt stellte sich heraus, dass das helle Licht an vielen Stellen zwischen Gehäuse und Rahmen zu sehen ist. Um das wirksam zu unterbinden, klebt man kurze Streifen Moosgummi auf den Rahmen.

Lautsprecher

Zuerst steckt man den Stecker des Lautsprechers in die Buchse auf der Schnittstellen-Platine. Tatsächlich ist der einzige passende Befestigungs-Platz für den Lautsprecher ein Knubbel am Rahmen. Um den Lautsprecher dort langfristig zu fixieren benötigt man einen wirklich guten „Kraftkleber“, ich habe einen von UHU ausgewählt. Man gibt also jeweils einen Klecks Kontakt-Kleber auf den hochstehenden Knubbel und auf die später darauf liegende Ecke des Lautsprechers. Nach wenigen Minuten presst man die Teile exakt aufeinander. Der Lautsprecher sitzt damit wirklich fest und strahlt seinen Klang nach unten Richtung Gleis.

Klassische märklin-Technik auf DC-Gleisen. Mir macht es Spaß.

Antrieb

Märklins fünfpolige Anker mit neuem Magneten sind schon eine nette Sache: Klassische Technik in solider Qualität. Im Fall dieser Variante der 212 braucht man glücklicherweise am Rahmen nichts auszufräsen, weil sie bereits ab Werk für den besseren Antrieb vorbereitet wurde. Bei älteren märklin-Modellen muss man für den neuen Magneten eine Aussparung herausfräsen, das kann man auch in einer Werkstatt erledigen lassen. Alternativ verwendet man eben den vorhandenen dreipoligen Anker und kauft einen Magneten von Esu dazu.

Tipp: An dieser Stelle ein grundsätzlicher Tipp für alle drei- und fünfpoligen Anker der klassischen märklin-Motore. Ein typisches Merkmal für diese Anker sind die leider recht scharfkantigen Kollektor-Kanten. Im normalen Fahrbetrieb fräsen diese Kanten die Kohlen regelrecht ab. Der entstehende Staub setzt die Kollektor-Ritzen zu, bis die Lok schließlich ruckelig fährt. Selber Abhilfe schaffen kann man, indem man die Kollektor-Kanten glättet. Am Besten poliert man den Kollektor vorsichtig mit sogenanntem Polierleinen in extrem feiner (!) Körnung. Das geht ganz einfach, ist schnell erledigt, und beim Anfahren rollt die Lok noch etwas sanfter los.

Erst glättet man den Kollektor mit ‚groberem‘ Leinen, dann poliert man die geglättete Oberfläche mit feinem Material nach, bis sie im Wortsinn spiegelglatt ist. Im Fall von wenig gefahrenen Loks ist es oft ausreichend, den Anker mehrfach mit den Fingern in sanft um den Kollektor gewickelten Polierleinen zu drehen. Nur in stark gebrauchten Loks sollte man den Kollektor in eine Bohrmaschine einspannen und mit dem Polierleinen semi-professionell glätten. Stets äußerst umsichtig vorgehen!

Ich habe meine Streifen Polierleinen hier gekauft: http://www.meshy.de/ Brauchbar sind auch Polierfeilen aus dem Kosmetik-Bedarf.

Decoder

Anstelle des Delta-Moduls wird märklins neuer Sounddecoder eingesetzt, inklusive 21poliger Schnittstellen-Platine von märklin. Die Verkabelung erfolgt nach NEM-Farbschema, nicht nach märklins Hausnorm, denn immerhin wird die Lok zukünftig in reiner DCC Umgebung unterwegs sein. Da braucht ein DC-Newbie keine unterschiedlichen Farb-Schemata zu lernen.

Klar zu erkennen sind die beiden neuen Radschleifer.

Neue Drehgestelle

Bei märklins Service war man von meiner Anfrage nach passenden DC Rädern überfragt bis belustigt. Zufälligerweise hatte ein Bekannter zwei passende 212-Drehgestelle mit DC Rädern im Fundus, die er sich irgendwann hatte anfertigen lassen. Bis heute wissen wir nicht, von welchem Fahrzeug diese Räder eigentlich stammen. (Zielführende Hinweise nehme ich gerne entgegen!)

Im DC Betrieb sollten nur zwei Haftreifen eingesetzt werden, am besten über Kreuz angeordnet. Das verbessert die Stromaufnahme. Den separaten Radkontakt klebt man mit UHU-Kontaktkleber unter das Antriebs-Drehgestell. Das schwarze Kabel führt man im Rahmen nach oben.

Vor dem Einbau des Laufgestells sollte in dessen Rahmen das schwarze Massekabel am Metall angelötet werden, diesen Bereich dazu etwas blank reiben. Ein rotes Kabel kommt an den ehemaligen Schleifer-Anschluss. Beide Kabel führt man durch den Rahmen nach oben, dann baut man die Drehgestelle in den Rahmen. Erst abschließend wird der neue Rad-Schleifer angeschraubt.

Innen braun eingefärbt, Radreifen metallisch. Schon edel.

Der metallische Glanz der seitlichen Radscheiben hat mich gestört, also wurden sie des netteren Aussehens wegen seitlich im zum Drehgestell-Rahmen passenden RAL-Farbton Graubraun 8019 eingefärbt. Die äußeren Radreifen bleiben metallisch. Ich finde, die Fahrzeuge gewinnen so an Attraktivität

Kupplungen

Märklins Kurzkupplung funktioniert prima im märkliniverse, aber wenn andere Fabrikate dazukommen, kann es hakelig werden. Also wurde die märklin Kupplung ausgetauscht werden gegen Rocos Universalkupplung. Da die betreffenden Halterungen nicht wirksam waagerecht zu befestigen waren, wurden später die höhenverstellbaren Universalkupplungen angebracht, die für sicheres Einkuppeln sorgen.

Der Widerspenstigen Zähmung. Tesafilm hilft.

Tipps:

  • Auf der Motor-Rückseite fixiert man die Kabel dauerhaft mit einem Streifen Tesa-Film.
  • Das Gehäuse dieser Lok entwickelte über die Zeit seitlich einen kleinen Sprung. Es zeigte sich, dass märklins Kunststoff aus den 90er Jahren wirklich spröde wird. Beschädigungen bei diesen Lokmodellen lassen sich vermeiden, indem beim Zusammenbau die Gehäuseschraube nicht zu fest hineindreht: Sicher fest ja, zu stramm nein. Lieber etwas lockerer lassen.
  • Das Fahrwerk war recht schwergängig, Verursacher dürfte märklins berüchtigtes Werks-Schmieröl sein, auch als „Getriebekleber“ bekannt. Also wurde die Lok anfangs komplett zerlegt, selbst der Motor wurde auseinander genommen. Das ‚Modellbahn-Öl SR24‘ ist sehr geeignet, feste Getriebe wieder gangbar zu machen. Man pinselt das Zeug großzügig über die betroffenen Stellen und prüft alle paar Minuten vorsichtig, ob sich irgendetwas bewegen lässt und pinselt nach. Irgendwann bewegt sich alles wieder. Mit einem festen, sauberen Borstenpinsel entfernt man später alte Öl-Brocken, bis alles wieder sauber ist und sich frei dreht. Über Nacht trocknen lassen und mit einem guten Schmier-Öl vorsichtig nachölen.

Roco Köf 43437 mit Nano-Decoder von Esu.

Kein Decoder zu sehen…

Die kleine Lok ist in Rocos Programm seit 1983, und dank ihres klug konstruierten Fahrgestells mit Dreipunkt-Lagerung erfreut sie ihre Besitzer mit ausgezeichneten Fahreigenschaften. Viele Digital-Fahrer packen den Decoder nun umständlich ins Führerhaus. Und das muss ja nicht sein.

Diese Umbau-Idee entstand eigentlich aus Übermut. Irgendwann fiel mir die große Aussparung in der Bodenwanne auf. Da könnte doch ein kleiner Decoder hineinpassen…

Zuerst schraubt man die Köf auseinander und nimmt den Motor heraus. Dann befreit man die Platine aus dem Fahrgestell restlos von elektrischem ‚Vogelfutter‘, bis nur die Radschleifer übrig sind.

Der Decoder wird mit einem Klecks Sekundenkleber auf der Platine befestigt, sodass er später gut in der Vertiefung der metallenen Bodenplatte verschwinden kann. Am Decoder kürzt man die Kabel weiß, gelb, grün, violett und blau und bändigt sie mit einem kurzen Schrumpfschlauch: Vielleicht möchte man in der Zukunft digital schaltbare Funktionen einbauen.

…der Decoder ist perfekt versteckt.

Die Kabel schwarz und rot kürzt man ebenfalls sinnvoll und lötet sie direkt an die Platinen der Radschleifer. Nur orange und grau belässt man zunächst lang. Platine, Radsätze und Kupplungshalter werden wieder eingesetzt, dabei führt man die Kabel grau und orange nach oben zum Motor, kürzt sie und lötet sie an die Kontakt-Ösen des Motors. (Wieso hat der Motor meiner Lok eigentlich keine Schwungmasse…?)

…zwei Litzen zum Motor, das ist schon alles.

Nun die Bodenplatte einsetzen, die erste Schraube festdrehen, den Gehäuse-Vorbau einschieben, die zweite Schraube eindrehen und schließlich das Führerhaus aufstecken. Fertig.

Tipps:

  • Lampen: Die Optik gewinnt, wenn man alle sechs Lampengläser innen weiß auslegt. Zum Herauslösen der gläsernen Einsätze habe ich einen Pin verwendet. Von unten sanft zwischen Lampe und Gehäuse pieken, dann lösen sich die Gläser fast von allein. Nun die Rückseiten dünn (!) mit weißer Farbe auslegen und über Nacht trocknen lassen. Erst danach wieder einsetzen.
  • Lokführer: Anstelle von Rocos stoischem Standard-Beamten kann man eine freundlichere Person einkleben, in den Sortimenten von Noch und Preiser gibt es dazu eine nette Auswahl. Zu einer Rangierlok in relativ moderner Lackierung passt vielleicht besonders gut ein (halbierter) Rangierer mit orangefarbener Weste.

Piko Pimping: Silberling – Steuerwagen aus 58113.

Die S-Bahn im Ruhrgebiet der 70er Jahre: Piko 58113 (DC)

Pikos Silberlinge gibt es derzeit in einer Sonder-Auflage nach Vorbild eines S-Bahnzuges aus dem Ruhrgebiet der 70er Jahre. Die passende Lokomotive, eine grüne BR 141, lässt sich dank Plux22 Schnittstelle problemlos mit einem Steck-Decoder bestücken. Aber der Steuerwagen kommt technisch geradezu archaisch daher. Diese Waggons waren eben als ‚Hobby‘-Modelle auf den Markt gekommen, und sie sind seitdem nicht überarbeitet worden. Diverse Bauteile von Esu versetzen ihn technisch in die Jetzt-Zeit.

Radschleifer

Pikos altmodische Radkontakte für Personenwagen greifen den Strom ausgerechnet dort ab, wo die Drehbewegung am Langsamsten ist, an der Achse. Der fester Anpressdruck erhöht den Rollwiderstand spürbar. Eine elegantere Lösung bietet Esu an. Deren klug geformte Radschleifer erfüllen diese Aufgabe weitaus sinnfälliger.

Oben Pikos Achsschleifer, unten Esu Radschleifer.

Man kann a.) die Original-Verkabelung belassen, der Strom wird weiterhin nur ‚vorne links‘ und ‚hinten rechts‘ aufgenommen, oder aber b.) man legt Wert auf eine sichere Versorgung der Beleuchtung. In diesem Fall müssen alle acht Räder in die Stromaufnahme einbezogen werden. Dazu bedarf es zweier weiterer Kabel, und man benötigt insgesamt vier Pärchen der Esu-Radkontakte.

Eine wirksame Stromabnahme von allen Rädern.

Zur Befestigung der Radschleifer verwende ich Sekundenkleber von Uhu. Dieser zieht schnell und hält recht sicher, aber zum Glück nicht ‚bombenfest‘, wie das früher der Fall war. Bei Bedarf lassen sich die Teile also wieder voneinander lösen, zum Beispiel mit der Klinge eines Schraubendrehers.

Schnittstelle & Decoder

Pikos LED-Platine besitzt weder Schnittstelle, noch Decoder On-Board. Einen Lichtwechsel-Decoder anzuschließen, erfordert schon gewissen Aufwand. Umso wichtiger, hier eine Schnittstelle einzusetzen, um im Fall eines Decoder-Aus-Falles nicht schon wieder löten zu müssen.

Vier angelötete Kabel, weiß, blau, gelb und grün.

Zunächst entfernt man zwei Widerstände mit dem Wert ‚0‘, wie im Foto und auf Pikos Zeichnung zu sehen:
https://www.piko-shop.de/media/org/orgb_P/orgid_1/k11/thumbs/3571_10619.jpg

Die Schnittstellen-Platine wird einfach direkt auf die Rückseite von Pikos LED-Platine geklebt, dabei darauf achten, den Durchlass unter den Platinen für die Verbindungskabel frei zu halten! So bleibt der Decoder später unsichtbar. (Das sollte natürlich besser ab Werk so gelöst sein…) Zwei Tröpfchen Sekundenkleber reichen dazu aus.

Litzen von der LED-Platine zur Schnittstelle.

Der Kabel-Anschluss ist recht einfach, wenngleich fummelig. Die Zeichnungen zeigen die Kabelfarben. Um die Schnittstelle mit der LED-Platine zu kontaktieren, reichen Kabel in weiß, gelb und blau mit jeweils zwei Zentimetern Länge.

Wer alle Räder zur Stromaufnahme heranziehen möchte, sollte direkt zwei weitere Kabel verlegen, jeweils rot und schwarz, kurz und lang, an einem Ende zum leichteren Anlöten verdrillt. Das Foto zeigt, wie das aussehen muss.

Flacker-Schutz ‚PowerPack mini‘

Als zusätzlichen Flackerschutz dient ein ‚Power Pack‘ von Esu. Diesen habe ich so plaziert, dass er von außen möglichst wenig zu sehen ist. Seine Kabel werden direkt an den Lichtwechsel-Decoder angeschlossen, aber das ist gar nicht so einfach: Ausdrücklich sei hier darauf hingewiesen, dass diese Löt-Arbeit wegen der winzigen Löt-Pads auf dem Decoder eine Herausforderung darstellt.

Das PowerPack könnte man noch durch eine Holzkiste tarnen.
So wird das PowerPack direkt an den Decoder angeschlossen .

Beim Programmieren mit Esus Lokprogrammer überschreibe ich gern die Werkswerte mit meinen eigenen Präferenzen, sodass diese nach einem möglichen Reset wieder aktiv sind: Sanftes Auf- und Abblenden der Lichter, eigene Adresse. Hin und wieder gibt es eine aktuelle Firmware; schön, dass sowas angeboten wird.

Mit Sandkästen am Drehgestell gefällt der Steuerwagen besser.

Radsätze

Wie viele andere Modelle von Piko besitzen auch diese Fahrzeuge Räder mit recht rauer Oberfläche. Darauf setzt sich auffallend schnell Schmutz ab, und bei meinen ‘Schnellzugwagen’ von Piko hatten sich die Radspitzen nach nur wenigen Stunden Fahrbetrieb in die Drehgestelle hineingefräst. Das muss ja nicht sein. Also ersetzte ich Pikos Achsen gegen Produkte von Thomschke. https://modellbahn-radsatz.de/h0/radsaetze-h0-gleichstrom/piko/piko-lkdm-114mm—achse-244mm.php

Sicherheitshalber wurden zusätzlich Messinglager von Peho in die Drehgestelle eingebracht. Vor dem Einsetzen der Achsen unbedingt ein Tröpfchen Öl spendieren.

Tipps

  • Die unteren, sichtbaren Bereiche der messingfarbenen Radschleifer kann man tiefschwarz lackieren, bzw. RAL graubraun 8019 bei den Silberlingen mit blauem Längs-Träger
  • In denselben Farben sollte man die Radscheiben seidenmatt schwarz bzw. graubraun 8019 auslegen. nur die äußeren Radreifen und natürlich die Spitzen bleiben frei. Dadurch wirken die Fahrzeuge ’schwerer‘ und vorbildgerechter.
  • Das Pult im Führerständ sollte mattgrün eingefärbt werden, ein Lokführer schadet nie.
  • Die Drehgestelle wurden zwischenzeitlich von Piko etwas überarbeitet. Seitdem halten sie die Wagenkästen auf gesundem Abstand. Hier im Vergleich sieht man links ein schwarzen Drehgestell neuer Fertigung, rechts ein braunes, älteres. Man kann neue Drehgestelle als Ersatzteile ordern, dabei immer auf aktuellste Artikelnummern und die passenden Farben achten.
links ein aktuelles Drehgestell, rechts die erste Ausführung.
Unterhalb der Klippse ist rechts mehr Raum bis zur Kante zu erkennen.

Materialliste

Esu Radkontakte 50707
http://www.esu.eu/produkte/innenbeleuchtungen/powerpack-radkontakt/

Esu Platine 51967
www.esu.eu/produkte/zubehoer/adapterplatinen/21mtc-adapterplatine-2/

Esu FX Decoder 54621 21mtc
http://www.esu.eu/produkte/lokpilot/lokpilot-fx-v40/

Messing-Lager
http://peho-kkk.de/mshop/index.php/spur-h0.html

Radsätze
http://www.das-service.de/modellbahn-radsatz/h0/radsaetze-h0-gleichstrom/piko/piko-lkdm-104mm—achse-244mm.php

LED 0603 in Glühlampen-Farbtemperatur
https://www.railroad24.com/epages/es10595924.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/es10595924/Products/5611