Kategorien
Allgemein Digital Gedanken H0 DC(C) märklin & friends Spur H0 Umbauten Lokomotiven Umbauten Waggons

„Warum kaufen die Leute noch Lenz-Standard Decoder?“

Echtes Zitat eines Mitbewerbers. Man sieht: Entspannte Spielbahner werden in der Branche oft vergessen – oder belächelt. Aber wer so eine Frage stellt, der lässt außer acht, wie die weitaus größte Anzahl der Modellbahner tickt. Die wollen nämlich nur: Spielen.

Der Lenz Standard Decoder. Foto (c) Lenz Elektronik.

Der Chef eines Elektronik-Anbieters (Hinweis: natürlich NICHT ‚Lenz‘ 🙄) erklärte vor einiger Zeit, er erwarte, dass man sich seine Produkte „erarbeite“. Im Smartphone-Zeitalter drückt diese Aussage nur aus, wie wenig man von der heutigen Denke der Menschen verstanden hat. Und wie rücksichtslos man potenzielle Kunden der eigenen Sturheit aussetzt.

Die Zeiten, in denen man sich notgedrungen ewig lange mit umständlicher Technik herumgeschlagen hat, sind vorbei. Wem eine App nicht gefällt, der löscht sie eben, per Fingertipp. Ähnlich, wenn einen das Digitalsystem nervt: Das stellt man dann bei Ebay ein. ‚Fott damit.‘ Das sind die heutigen Zeiten.

Die Decoder von Lenz namens Standard, Silver und Gold haben gegenüber Esu und Uhlenbrock einen gravierenden Vorteil: Sie sind direkt beherrschbar. Die Anleitungen sind klar formuliert, die paar Sonderfunktionen unmissverständlich beschrieben. Aus der Schachtel heraus bewirken die Lenz Decoder bei den meisten mir bekannten Lokomotiven wirklich schöne Fahreigenschaften, ausprobiert habe ich Loks von Fleischmann, Lima / Rivarossi, märklin / Trix, Roco und Piko.

Außerdem kann man seine Kabel weiß, gelb, grün und violett auch für die Lichter in Personen- oder Steuerwagen verwenden – und das für rund €20.-. Made in Germany.

So haben auch Modellbahner mit nur wenig Zeit jedesmal ein Erfolgserlebnis, wenn sie eine DC-Lok mit einem Lenz-Decoder umbauen. Und auch diese Kunden wollen ernstgenommen werden.

Ja, die Lenz-Decoder bieten weniger Komfort-Funktionen, als Decoder der Mitbewerber, aber das, was sie können, ist direkt erreichbar. Sie erfordern keine Nachfragen. Dazu kommt die angenehme Lastregelung, die die Motore nahezu lautlos und höchst geschmeidig ansteuert. Mit niedrigerer Mindestgeschwindigkeit wäre dieser Aspekt fast perfekt. 😉

Der Dünkel, mit dem sogenannte Fachleute, auch selbsternannte, auf normale, ’spielende‘ Modellbahner herabschauen, ist oft schwer erträglich. Offenkundig nimmt man den Frust der Kunden billigend in Kauf. Dabei liegt die Ursache dafür tatsächlich auf der Seite der Entwickler; es sind ja nicht die Modellbahner ‚zu blöd‘, sondern das Produkt ist zu kompliziert.

Natürlich könnte man auch hoch-komplexe Produkte so komfortabel konzipieren, dass die Kunden binnen Sekunden ihr Ziel erreichen. Dafür müsste man aber bereit sein, sich mit Respekt in die höchst unterschiedlichen Gegenüber zu versetzen. Man vergleiche Smartphones mit nervigen Windows-PCs.

Zum Beispiel soll der  Programmer von Esu die Sache eigentlich vereinfachen. Aber weil die Software nullstens intuitiv konzipiert ist, bin ich immer wieder auf Erklärungen durch Fachleute angewiesen, die tagtäglich mit dieser Materie zu tun haben. Und auch die sind manchmal überrascht, was alles wie zu programmieren ist.

Ähnlich bei märklins USB Programmer findet der Kunde bei ESU eine völlig undurchschaubare Bedienoberfläche vor, die man sich „erarbeiten“ müsste. Das ist nicht zeitgemäß – und es nervt mächtig. 

Man könnte natürlich Lok- oder Waggon-spezifischen Pre-Sets zum Aufspielen anbieten, aber dadurch könnten sich die oben Genannten ja beleidigt fühlen. Also muss der Normalo-Bahner immer wieder neu herumprobieren, obwohl inzwischen 20 Jahre Erfahrungen mit dem Gerät vorliegen. 

Da sollte sich in der Schwarm-Intelligenz der eigenen Zielgruppe eigentlich so Einiges finden lassen. Gerade märklin könnte die Bedien-Oberfläche des Programmers sehr intuitiv konzipieren – derzeit ist sie eher was für Nerds. 

Und um genau diesem potenziellen Frust vorzubeugen kaufen viele Menschen bevorzugt Produkte, die mit wenig Aufwand zum Ziel führen. Und das ist bei den Lenz-Decodern der Fall. 

Und solange die Anbieter der ‚elaborierten‘ Systeme die Bedienung absichtlich kryptisch halten, kann man die oben gestellte Frage beantworten mit „weil Lenz Decoder Spaß machen, ohne an den Modellbahner zu große Ansprüche zu stellen.“ 👍🏻

Und das ist auch gut so. ☺️

Von Alexander Kath

...jetzt bloggt er auch noch! :-)

Die kleinen Züge sind für mich das Größte überhaupt, und ich spiele mit der Modelleisenbahn, soweit ich mich zurückerinnern kann.

Von Spielzeug-Zügen bis zu filigranen Großserien-Modellen war und ist alles dabei. Ich nehme mir also eine Menge Zeit für Modell(eisen)bahnen.

Die Erfahrungen daraus gebe ich nun an dieser Stelle gerne weiter.

Ich möchte meine Leser dazu inspirieren, ihr Modelleisenbahn-Hobby mit mehr Freude und Gelassenheit zu erleben und dabei eigene Ideen und eine eigene Sichtweise zu entwickeln. Denn nicht die Hersteller bestimmen, wie man ein Hobby auslebt, sondern der Hobbybahner selbst.

Auf den Austausch mit freundlichen Artgenossen, gleich welchen Alters, freue ich mich. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann das gerne per Email tun. Info@mobaz.de Sprachnachrichten auf Cassette oder MiniDisc akzeptiere ich ebenfalls. ;-)

Übrigens, Cookies interessieren mich tatsächlich nur dann, wenn man sie essen kann.

Alexander Kath