BASS, BASS, wir brauchen BASS! (im TEE und Lyntog von Roco)

…rappt ‚Das Bo‘, und recht hat er: Auch Modellbahn-Loks klingen besser mit Bassreflex-Boxen.

Wer glaubt, dass die aktuell beliebten Lautsprecher im ‚Zuckerwürfel‘ Format guten Sound produzieren, hat noch nie die Bassreflex-Speaker von DCC Supplies gehört. Kurz gesagt: Die! Haben! Wumms!

…ein alter TEE von Roco mit LED-Innenbeleuchtung, Esu Sound und Bassreflex-Box.

Offensichtlich probehalber habe ich so ein Ding in einen TEE von Roco eingebaut und wohl ein bisschen naiv die Taste F1 gedrückt. …und eine Bestie erwachte zum Leben! 😀

Schnell das Dach aufgeklippst (die runden Gitter sitzen dann direkt über dem Lautsprecher), und es klingt direkt noch satter. Sowas in H0, das ist unglaublich und bedarf im Spielbetrieb dringend der Lautstärken-Regulierung.

Zwar passen diese Lautsprecher nicht überall hinein, aber in klassischen H0-Loks von Fleischmann und märklin kriegt man die schon unter.

Meiner Einschätzung nach sind das die derzeit besten Lautsprecher für Modellbahnen, die man kaufen kann. Apropos, Bezugsquellen sind entweder ebay oder natürlich die DCC Supplies Website:

https://www.dccsupplies.com/cl-108/miniature-speakers.htm

…könnte allerdings sein, dass man danach an normalen ‚Zuckerwürfeln‘ die Lust verliert.

Führerstände für Rocos TEE

Seit 1983 besitzt der ‚Trans Europ Express‚ von Roco den Makel, dass man durch die Fenster der Führerstände direkt auf die zumeist knallgrünen Platinen schauen kann – denn trotz der feinen Gehäuse-Detaillierung hat es nicht für die Nachbildung der Führerstände gereicht. Bis heute ist das so. 🤷🏻‍♂️

Dabei gibt es inzwischen ein passendes Bauteil: Zum Erscheinen der dänischen Variante ‚Lyntog‘ (Blitzzug) konstruierte man bei Roco einen solchen Führerstand, der dann im speziellen Steuerwagen zum Einsatz kam. Dieser Führerstand passt aber auch in den Motorwagen und zwar so exakt, dass man Absicht vermuten darf. Leider ist man bei Roco zu doof, diesen Führerstand ab Werk in beide Fahrzeuge einzusetzen – der Jubi-TEE wird es zeigen, ob man in Österreich aufgewacht ist.

So sieht ein TEE bzw. ein Lyntog mit Führerstand aus.

Das Ersatzteil hat übrigens die Nummer 115347 und ist zur Onlinestellung dieses Artikels nicht lieferbar. Man sollte also immer mal wieder Rocos Ersatzteil-Website checken, ob sich daran etwas geändert hat. Denn wie die Bilder zeigen, wertet so ein Führerstand das Fahrzeug wirklich extrem auf.

Fehlt nur noch der oder (die beiden) Lokführer.

Bremsscheiben

Beim Vorbild besitzen die acht (vier) angetriebenen Räder auffällige Bremsscheiben. Auch deren Nachbildung spart sich Roco seit 1983, immerhin ist die Form der Räder in deren Bereich erhaben ausgeführt. Das erleichtert die Nach-Arbeit.

Bremsscheiben, wie sie sein sollen.

Verwendet habe ich kein normales Silber (das kann ja jeder), sondern Humbrol Polished Steel 27003. Diese Farbe pinselt man sorgfältig auf, lässt sie gut trocknen, und erst am nächsten Tag poliert man sie mit einem weichen Tuch glänzend, bis es ‚echt‘ aussieht. Der Effekt ist fantastisch.

Wer dabei eine gewisse Ungereimtheit feststellt, was Rad-Zentrum und in der Blende dargestellte Radlager betrifft, der hat recht: Diese sollten eigentlich übereinstimmen. Tun sie aber nicht. Und seltsamerweise findet sich ganz genau dieser Fehler auch beim märklin-Modell aus 2002. Welches überdies ebenfalls keine Führerstände besitzt. 🙀Also wirklich. ZUFÄLLE gibt es…

Rocos grausames Grau – und das Problem dahinter.

Während sich andere Modellbahnhersteller bemühen, ihre Produkte möglichst attraktiv zu gestalten, setzt die Firma, die ich kurz ‚Roco‘ nenne, nach Möglichkeit überall ein blaues Grau ein. Dahinter steckt eine fragwürdige Denkstruktur.

Aufgefallen ist mir das schon 1989, als es bei Roco diesen Farb-Putsch gab, um die Bettung des nahenden Bettungsgleises nicht im angenehmen und vorbildgerechten Braun zu färben, sondern in einem bläulichen Grau-Ton. Ich war damals 17 Jahre alt und wirklich geschockt über diese bekloppte Entscheidung. Tatsächlich färbte Roco über lange Zeit alles (un-) Mögliche in diesem Blaugrau ein, egal, ob die Farbe zu den jeweiligen Vorbildern passte oder nicht.

Oben das RocoLine Seriengleis in grau, unten eins der ersten Muster mit brauner Bettung.

…grau, grau, grau.

So erhielten Rocos Eilzugwagen in den Auflagen der 80er Jahre nicht nur grauen Rahmen, sondern auch Drehgestelle, Dachlüfter und Faltenbälge wurden derart falsch eingefärbt. So viel zum Mantra, Roco verwende „immer nur die originalen Farbtöne“. Mitnichten. Spätere Auflagen der Waggons besaßen die angesprochenen Teile übrigens in schwarz. Potz Blitz!

Graue Bettungen, graue Drehgestelle, ein grauer Rahmen, graue Lampen, graue Faltenbälge – sogar der Prellbock ist blaugrau! Roco war da schon konsequent.

Auch die Serie der Popwagen erhielt blaugraue Drehgestelle und Fahrzeug-Rahmen. LSmodels, Märklin und auch Piko färben diese Bereiche schwarz. Woran das wohl liegen mag. Eine komplette Neu-Auflage, dieses Mal mit Speisewagen, wäre sicher ein Erfolg.

Auch an diesem Roco-Waggon sind Rahmen und Drehgestelle falsch blaugrau. Genau passend zu Rocos ähnlich falsch gefärbten Drehgestellen der stahlbauen 181.2.

Sogar die Kupplungen färbt Roco seit etwa 1990 blaugrau, obwohl gerade diese Bauteile durch eine schwarze Färbung diskreter aussähen, wie das Foto beweist: Märklin, Fleischmann und sogar Liliput färben ihre Kupplungen schwarz – Roco alle grau. Alle. Drei.

Lustig ist das Argument, das man von Roco dazu hört: Der graue Kunststoff gleite besser übereinander, als der schwarze. Offenbar ein chemischer Geheimtipp, dessen Brisanz sich dem Rest der Branche entzieht. Zum Glück.

Oben drei graue Kupplungen von Roco, unten Pendants von Liliput, Fleischmann und märklin.

Hinter diesem Blau-Grau offenbart sich unfreiwillig eine ängstliche Denke, die das Programm der Marke Roco seit Ende der 80er Jahre durchzieht. Die tote Farbe ist nur eine Signifikanz dafür.

Denn Grau lässt einen kalt. Es erzeugt keine Emotionen. Roco bevorzugt den Weg des geringsten Widerstandes: Anstelle klarer Ansagen tarnt man sich im Ungefähren, damit möglichst niemand sich an irgendetwas Auffälligem stören könne. Sensible Naturen vermissen dagegen das Mögliche. Was Andere bieten. Das ist eins der signifikanten Probleme der Marke Roco.

Was ist eigentlich ‚Roco H0‘?

Anstelle sich zu einer ausdrucksstarken Konzeption des Produktes ‚Roco H0‘ zu bekennen, bietet man einen chaotischen Gemischtwaren-Laden an mit vier Kupplungen, ehemals sechs Gleissystemen, diversen Schnittstellen und drei Wagenlängen. Dass so etwas bei Kunden zu Verdruss führt, dürfte sich jedem klar Denkenden erschließen. Denn man braucht nicht für den Hersteller mitzudenken, das erledigt dieser schön selbst.

Modellbahnen kauft man zumeist über Jahrzehnte; das Hobby baut sich langsam auf, und es ist nicht nur Luxus oder Lifestyle. Die meisten Modellbahner identifizieren sich mit der Marke oder wenigstens der Ausrichtung der eigenen Sammlung – so, wie es eben einen Unterschied macht, ob man BMW oder Mercedes fährt.

Bei Roco aber hegt man offenbar die Befürchtung, durch ein klares Programm Kunden zu verprellen. Gerade diese ängstliche Konzeptlosigkeit vergrätzt nicht nur Neu- sondern auch langjährige Stamm-Kunden. Bei einem Sammelhobby möchte man wissen, woran man ist.

Alle Plastikteile der Steuerung dieser Roco-Dampflok sind blaugrau gefärbt. Völlig unpassend.

Wie oft haben wir in der Vergangenheit über eine immer wieder neue Ausrichtung von ‚Roco H0‘ gelesen, die jedesmal nach kurzer Zeit in Vergessenheit gebracht wurde. Sogar die eigentlich sehr sinnige Unterteilung in Playtime, Professional und Platin wurde nicht nur wenig nachvollziehbar umgesetzt, man gab sie auch nach kürzester Zeit wieder auf. Hü und hott.

Von der „Nachwuchs-Förderung“ durch den Unsinn „Next Generation“ ganz zu schweigen: Da war ich der Einzige, der diesem Quatsch einen 100%igen Mega-Flop vorhergesagt hat. Und wirklich jeder Gesprächspartner schulmeisterte mich, -ich sei zu engstirnig, -man müsse was für Kinder blah, -das Konzept sei toll, – und ich hätte eben keine Ahnung von Kindern und -sei vielleicht zu alt… Kurz gesagt, nach 18 Monaten war der unselige Spuk vorbei. Und Roco hatte keine „Nachwuchs-Förderung“ mehr. Man könnte sagen: Wie immer.

Immerhin fuhren die Lok von „Next Generation“ aus der Packung heraus mit DCC-digital, was Roco übrigens fortwährend vergaß, den Kunden mitzuteilen.

Auch Erwachsene würden sich über Loks mit Decodern freuen, denn auch das Prinzip der Schnittstelle ist ein Indiz dafür, dass man sich bei Roco seit über 25 Jahren nicht traut, dem Kunden fertige Produkte anzubieten: Der Kunde möge bittschön selber Hand anlegen und den „Decoder seiner Wahl“ einsetzen.

In Wahrheit birgt dies ein hohes Frustrations-Potenzial. Ich habe gestandene und wirklich nette Mannsbilder gesehen, die verzweifelt versucht haben, Griffstangen in ihre neuen Roco Loks einzusetzen. Was passiert wohl, wenn man solchen angehenden Modellbahnern zumutet, ein Gehäuse abzuklippsen, einen Decoder einzustecken – UND zu programmieren…? Klar, warum märklin das cooleres Image besitzt. Damit kommt jeder zurecht.

Und wer jetzt arrogant einwirft, solche Zeitgenossen seien eben nicht das richtige Publikum für Roco H0, der darf sich stolz zu den potenziellen Totengräbern von ‚Roco‘ zählen. Im Laden stellen sich die Dinge nämlich anders dar, als im Forum. Oder im Verein. Und im Laden wird das Geld verdient. Weder im Forum, noch im Verein.

Oben die veraltete 8polige Schnittstelle, unten die aktuelle mit 22 Kontakten.

Denn was schon 1995 fummelig war (und dem Fachhandel unnötige Arbeit bescherte!), das ist in 2020 ein muffiger Anachronismus. Heute erwartet man Produkte, die aus der Schachtel heraus funktionieren. märklin-Loks sind stabil, man nimmt sie aus der Schachtel, sie melden sich an der Zentrale an, und dann kann man digital Modellbahn spielen. So muss das in 2020 sein, und, peinlich für Roco, märklin-Loks können das seit 1984 (okay, Anmelden durch mfx seit 2005).

Mit Zimo hat Roco einen Decoder-Hersteller, dessen Decoder selbst in der €20.- Version auch analog wunderbar funktionieren. Mehr dazu hier:

Loks mit Decoderplatinen drin, gut abgestimmt und ready to run – bei märklin gibt es das. Bei Roco (und Piko) für DCC nur mit Sound. Bis heute versteckt sich Roco hinter dem Argument „der Markt verlangt analoge Loks“. Von wegen: Eine simple Steuerung ähnlich märklins 6021 oder Rocos Lokmaus1 und Loks zu normalen Preisen, plus klare Anleitungen, wie sich ältere Loks umbauen lassen, das wäre es schon.

Es fehlt eine klare Ausrichtung bei Roco. Natürlich baut die Marke schöne Modellbahnen. Und deren Fundus bietet sogar unzählige, nett gemachte Waggons in 1:100, über die sich viele Platz-beengte Modellbahner freuen würden.

Aber solange man bei Roco keine Idee hat, womit man sich eigentlich am ‚Markt‘ platzieren möchte, solange muss man eben mit dem österreichischen Chaos leben lernen. Oder resignieren und Schlüsse ziehen, jeder nach seiner Fasson. Kein Wunder, dass Rocos Kupplungen und die Line-Bettung noch immer grau sind… 🙂

Messe-Neuheiten 2020, ein paar Kommentare.

Die Spielwarenmesse 2020 hat für die Modellbahn keine Knaller-Neuheit gebracht. Das Meiste ist nur eine logische Fortsetzung des Vorhandenen. Es macht sich eine Tendenz zum Hochpreisigen bemerkbar, die ich vorerst umkommentiert lasse. Es folgen ein paar Bemerkungen zu Neuheiten, die mir aufgefallen sind. Dabei beziehe ich mich ausschließlich auf die Baugröße H0.

Meine absolute Lieblings-Neuheit ist der H0-Bausatz von Faller für ein modernes Büro-Gebäude, variabel zu gestalten:

(c) Faller Versicherungsgebäude H0 130891

https://www.faller.de/de/de/Produkte/Neuheiten-2020/H0-Programm/Handel-Gewerbe-Industrie/pid.14.17.1148/agid.2272.2278/atid.28410/ecm.at/Versicherungsgeb%C3%A4ude.html

Dicht gefolgt von den ‚gleichgeschlechtlichen Paaren‘ der Marke NOCH.

(c) NOCH 15511, na endlich: Nette Schwule und Lesben. 🏳️‍🌈

https://www.noch.de/de/noch-modell-landschaftsbau-neuheiten/noch-neuheiten-2020/gleichgeschlechtliche-paare-15511.html

Beide Produkte sind eigentlich seit fünfzehn Jahren überfällig; endlich sind sie da. Und es sind Faller und NOCH, die in der Jetztzeit angekommen sind. Und die Anderen so?

Kurz gesagt, märklin macht ‚Dienst nach Vorschrift‘ und bedient seine Kunden, die offenkundig begierig die höchstmöglichen Preise zahlen wollen: Der BIGBOY, Grundkonstruktion 19 Jahre alt, kostet 970.- Liste? Achso.

Bei der Marke Roco hat man dafür ganz offensichtlich keinen Plan: „Nie wieder verkürzte Waggons“ verlautbarte es vor Kurzem aus Österreich, und prompt kommen dieses Jahr Waggons in 1:100, noch dazu für die SBB vorbild-frei. Die neue Bogenweiche soll vielleicht Ende dieses Jahres (2020) erscheinen. IC2? BR612? Andere Eierköpfe? Ein maßstäblicher ICE1? Nix da.

Den maßstäblichen ICE1 avisiert dieses Jahr Hornby unter dem Label ‚Lima Expert‘ mit einer Längen-Angabe, die dem in 1:100 von märklin gleicht. Deswegen dreimal (!) bei Hornby angefragt, kam schließlich eine völlig nichtssagende blahblah-Antwort. Aus dem Stummiforum schließlich floss die Info, der ICE1 komme entgegen der Angabe sehr wohl komplett maßstäblich. Worst consumer experience ever, dear. https://www.hornby.com/uk-en/lima-expert-h0-1-87-db-4-unit-set-emu-class-401-ice-1-contains-2-powerheads-and-2-intermediate-coaches-period-iv-v.html

Nachtrag: Nur zwölf Stunden nach Veröffentlichung dieses Textes traf ganz zufällig eine Email von Hornby ein zum Thema ICE1 mit dem Wortlaut „Lima ICE1: Totally new tooling and first 100% H0 scale model of this train (competitors made it shorter). 2020 packs include a 2nd class and 1st class service car. Standard 1st class and restaurant carriages will be made 2021 to complete the train to correct length.“ Na also, warum denn nicht gleich so. Und die ‚Adler‘ kam ja auch aus UK. 🙂👍🏻🇬🇧

Irgendwie originell ist, wieviel Mühe man sich bei Roco gibt, die wirklich typische Variante einer blauen Kasten-110 nach Vorbild der 80er Jahre zu vermeiden: Mit blauem Dach, Klatte-Lüftern und Doppellampen. Inzwischen gab es wirklich alle anderen möglichen Kombinationen – bis eben auf die genannte Version. (Vom nicht vergleichbaren Modell in sogenannter ‚ClassiC‘-Qualität mal abgesehen.) Dieses Jahr bringt Roco eine blaue 110 mit blauen Dach und eben Klatte-Lüftern – aber Einfach-Lampen. Zu lustig. Nicht. Sicher werden in diesen Lampen wieder nicht die kleinen roten Schlusslichter sein, wie noch um 2008… https://www.roco.cc/de/product/242515-110-0-0-0-0-0-002-1/products.html Piko, übernehmen Sie!

Piko ist ohnehin unübersehbar im Attacke-Modus: Natürlich zielt die Dampflok der BR 78 zugleich auf Roco (Fleischmann-Modell, neu aufgelegt) und märklin (Jahres-Neuheit). https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=30469&vw_name=detail Die schrullige E-Lok der alten BR 191 dürfte ebenfalls gegen Roco gerichtet sein, später dürfte Piko dann die E60 nachreichen. Wirklich ein Zirkuspferd ist die E-Lok der BR S 499 der CSD https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=30439&vw_name=detail, die mit ihren speziellen Formen und Farben sicher jeden Bauhaus-Fanatiker in den Wahnsinn treiben und dennoch auch den Mich(a)el erfreuen dürfte…

Bei der Produkt-Range von Viessmann, Kibri und Vollmer vermisse ich irgendwie die gute Laune; die Produkte wirken alle so gelangweilt zusammengestellt. Ebenso bei der Firma Lenz, deren Decoder fraglos das, was sie können sollen, sehr gut erledigen. Was aber im Vergleich zur Konkurrenz nur noch Basics sind. Ich persönlich finde ja, dass Handregler, die im Jahr 2020 weder Loknamen noch Funktions-Icons anzeigen können, nicht minimalistisch sind, sondern die Grammophone der Digitaltechnik. https://www.lenz-elektronik.de/digitalplus-handregler-lh101.php

Bei märklin macht mir das Einsteiger-Programm mehr Spaß, als der ernste Rest. Der Halloween-Zug ist schon mal direkt geordert. Dazu passend gibt es übrigens online in verschiedenen Shops die Villa der ‚Munsters‘ in 1:87, Das war eine alte, reichlich bekloppte Fernseh-Gruselserie. https://www.maerklin.de/de/suche/?q=halloween Auch der MyWorld Kran auf Rädern ist toll, und die Emma, wie alles von Michael Ende. https://www.maerklin.de/de/produkte/details/article/29199.

Aber sonst? In Summe baut märklin seit Mitte der Nullerjahre das gesamte H0-Sortiment neu und lässt dabei fast alles hinter sich, was früher charakteristisch für „märklin H0“ gewesen ist. Fast könnte man meinen, bei märklin gebe es Bestrebungen, die typische märklin-Bahn dem internationalen DC-Standard zu opfern, nur mehr der umständliche Mittelleiter ist noch übrig, in seinem Ursprung ein Relikt aus den grausamen 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ausgerechnet daran hält man fest? Diese Logik denke ich lieber nicht zuende.

Wirklich gelungen finde ich Hornbys Idee, Fahrzeuge nach ‚Steampunk‚ Ästhetik zu produzieren. Dazu passend bietet NOCH Landschafts-Segmente an unter dem Namen ‚ZITERDES‘.

(c) Hornby Steampunk Dampflok für normale H0 DC Gleise
(c) Hornby Steampunk Personenwagen für normale H0 DC Gleise

Wer Züge durch eine eigene Fantasie-Welt fahren lassen möchte, für den bietet sich hier eine tolle, kreative Möglichkeit. Mit einer gewissen kriminellen Energie ließe sich auch märklins MyWorld-Züge optisch in den Steampunk-Stil versetzen, entsprechende Design-Elemente bietet Hornby ebenfalls an. Und die MyWorld-Züge rollen ja sowieso auf AC- und DC-Gleisen. märklins Alpha-Bahn (auf eigenen Gleisen!) passt auch prima dazu; endlich mal ein Umstyling, bei dem niemand heult. 🙂

(c) NOCH, passend zum Steampunk eine ZITERDES Szene

HORNBY Steampunk: https://www.hornby.com/uk-en/bassett-lowke-steampunk

NOCH Ziterdes: https://www.ziterdes.de/

Zu allem Anderen finden sich genug Kommentare in den Foren und Zeitschriften. 🙂

ein Jahr „Mobaz“ – Vorschau 2020.

Vielen Dank für die netten Zuschriften – und überhaupt für‘s Lesen meines Blogs. 🙂

Werbefrei soll dieses Portal auch zukünftig bleiben, denn ich möchte gern frei über Modelleisenbahnen schreiben und urteilen können.

In naher Zukunft kommen zum Beispiel Artikel zu den im Bild avisierten Themen. 🙂

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Jahreswechsel und uns allen ein friedlicheres 2020. 🙂🚂

Das Piko A Gleis mit Bettung. Von Merkur.
Farben für Pikos D-Zug Wagen.
Die Z21 von Roco. Das dolle Ding. 🙂👍🏻

ET403, “der weiße Hai”; der Super-Schnellzug der Bundesbahn.

Fünf Jahre jung war ich, als mir mein Großvater 1977 eine damals gerade nagelneue Schallplatte schenkte, mit dem spektakulären Titel “ET 403 – Wie ein Blitz durch Deutschland”.

Eine Schallplatte als Ursache für eine lebenslange Leidenschaft. 🙂

Auf dem zeitgenössisch gstalteten Cover warf sich stolz der ET403 in Pose. Klar wurde die LP direkt aufgelegt, und ich erfuhr viel über diesen supermodernen Schnelltriebzug, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Die Aufnahme vermittelt durch viele Interviews mit Bundesbahn-Leuten eine fast greifbare Nähe zum Fahrzeug, der Auflockerung halber eingebettet in eine nette, harmlose Rahmenhandlung. Sogar Modellbahnen werden erwähnt. Übrigens, wer zeitgenössische Hörspiele von Europa mag, wird viele der Sprecher wiedererkennen.

Nach den vielen Jahren etwas abgenudelt, aber spielt nach wie vor. 🎶 Hat jemand zufällig die Cassette übrig? 🙂
„Printed by Gerhard Kaiser GmbH, Essen“.

Nur wenige Tage später präsentierte sich der neue Starzug der Bundesbahn höchstpersönlich in Essen HBF, da mussten wir natürlich hin. Vor allem beeindruckten mich die dramatisch geneigten Frontscheiben. Um die LP zu zitieren: So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen.

Auf Youtube gibt es ein Privat-Video zu dieser Veranstaltung, so etwas ist natürlich als Erinnerung besonders schön: https://www.youtube.com/watch?v=OzURTN81P2Y

Und es sollte 15 Jahre dauern, bis ich wieder einen echten ET 403 in 1:1 berühren konnte. Bis dahin musste 1:87 reichen, und um diese Modelle soll es hier gehen.

ET403 von Lima ‚Golden Series‘.

So sahen Lima-Startsets in den 80er Jahren aus. Braucht man zum Einstieg eigentlich mehr? Okay, mehr Gleise, das ist klar.

Als ich Mitte der 80er Jahre beschlossen hatte, meine LGB mit einer H0 Modellbahn zu ergänzen, war klar, dass ich mit dem Lima-Modell des ET403 als InterCity beginnen wollte. Geschenkt bekam ich dann aber nicht den Zug aus dem Sortiment “Golden Series”, sondern eine Startpackung von Lima mit einem abgespeckten ET403 darin. Und dieser war weder beleuchtet, noch schön lackiert: Es war ein viel zu dunkelgrauer Zug mit zuwenig Gleisen. Das war schon doof.

Plastik-Achsen im Startset. Sammeln Schmutz von den Gleisen und verteilen ihn gleichmäßig.

Viele Jahre später habe ich dann gehört, Lima habe diesen Zug Ende der 70er Jahre nur als ‚Spielzeug‘ konzipiert, daher die in diesem Fall angegossenen Dachlüfter, sei dann aber auf eine ‚Modell‘-Ausführung mit mehr Details umgeschwenkt. Ob das so stimmen kann, angesichts der maßstäblichen Länge? Ein klarer Nachteil waren die nur hinterlegten Seitenfenster, so sahen die Modelle weniger schnittig aus, als sie hätten sein können.

Dächer im Vergleich: Lima Nova (mit Sommerfeldt-Panto), Hornby-Rivarossi, Lima-Start.

Das Modell ‚Golden Series‘ hat unter beiden Führerständen eine Glühlampe, die man beim Umbau auf Digital unbedingt gegen eine 24V Birne oder LED austauschen sollte, die Gehäuse sind meistens nett weiß lackiert, und die Achsen sämtlich aus Metall (in der Startpackung aus Plastik), wobei eventuelles Eiern eliminiert werden kann durch den Austausch gegen neue Achsen von Roco (Räder 10mm Durchmesser!) oder www.Modellbahn-Radsatz.de .

Limas Haken-Ösen-Kupplungen sehen archaisch aus, funktionieren aber ganz gut, sogar beim Schieben.

Wer seine ‚Golden Series‘ 403er enger kuppeln möchte, findet perfekt geeignete Kurzkupplungskulissen (was für ein Wort) bei Symoba, die diese bewährten Produkte bereits seit Mitte der 80er Jahre anbieten. Man beachte das Firmen-Logo: http://www.symoba-schniering.de/

Ebenso ist der sogenannte „Pfannkuchen-Motor“ zwar offiziell ungeliebt – aber er funktioniert klaglos. Im Drehgestell dieses langen Fahrzeugs schrappen die Zahnräder in engen Kurven allerdings gegen die Fenster. Na sowas.

Schlicht, aber eigentlich unverwüstlich.
Limas Italo-Motor fällt weniger auf, als sein China-Nachfolger.

In Summe war das hier nicht gezeigte ‚Golden Series‘ Modell ganz gut gelungen, gerade im Vergleich zu dem, was Lima zuvor so gefertigt hatte. Auf ebay bekommt man diese Versionen oft für €90 (bespielt) bis €110. Und für Bastler ideal, um Innenbeleuchtungen, LED-Lichtwechsel etc. nachzurüsten.

ET403 von Lima ‚Nova‘.

Die zweite Generation der ‚Lima-Nova‘ Sets in dunkelblauem Karton, nun als ‚Collection‘ bezeichnet. Latein hielt man offenbar für zu kompliziert…

1991 Jahre brachte Lima in Zusammenarbeit mit Lemke eine überarbeitete Version heraus. Dazu bediente man sich einer ungewöhnlichen Konstruktion: Die Fenster waren nicht mehr eingesetzt. Sondern das gesamte Gehäuse bestand aus einem Stück leicht getönten Kunststoffs, dass dann unter Aussparung der Fenster lackiert wurde. Diese Lackierung war nun etwas näher an den Vorbildern (aber noch immer nicht kieselgrau), und es gab ab Werk eine funktionierende Kurzkupplung. Auch wichtig: Die Drehgestelle besaßen nun endlich den richtigen, weiteren Achsstand.

Man sieht das, was unsichtbar sein soll: Gestatten, der Motor.

Aber im Endwagen mit Antrieb hatte man die Einrichtung weggelassen. Denn trotz der Vorhänge aus Plastik klar zu erkennen thronte der Motor auf einem massiven Metallblock. Außerdem lag der Motorwagen etwas tiefer, als die anderen drei Fahrzeuge. Insgesamt wenig sinnvoll konstruiert (und später von Roco für den ICE-TD ähnlich wiederholt – denken darf man).

Fliegend verkabelt, das wird bald ersetzt. Schlimmer ist, dass keinerlei Einrichtung übrig blieb.
Die kleinen weißen Plastik-Plättchen bringen den ‚Nova‘-Triebkopf auf passende Höhe.

Es gab zwar einen Lichtwechsel, aber die Glühlampen lagen nebeneinander. Wie das ausgesehen hat, kann sich jeder vorstellen, am Schluss einseitig rot, an der Front halb weiß, halb rosa.

Wiederum wurde auch die Variante in Lufthansa-Farbe produziert, und zwar in zwei Auflagen: Die zweite Auflage im blauen Karton war schöner lackiert, als die erste im silbernen. Die Panthos aller ‚Nova‘-Versionen zerbrechen gern, Neuteile von Sommerfeldt, Roco oder Piko helfen.

Links die bewegliche Kupplung, die in den starren Kupplungsträger des Motorwagen greifen soll.

Einer der Kupplungsträger der Mittelwaggons besitzt eine leicht seitenbewegliche Kupplung. Diese gehört an das Ende des Mittelwaggons, der direkt an den Motorwagen angekuppelt wird. Das kann man selber leicht austauschen. Der Fertigungung war der Sinn dieses Elements wohl nicht ganz klar…

In Summe ist diese zweite Modell-Generation ’schöner‘, als die erste. Aber sie birgt eben neue Nachteile.

ET403 von “Rivarossi” (Hornby).

Hornbys Version in knallrotem Karton mit Klappdeckel.

2010 oder so lieferte Hornby unter deutscher Federführung eine aufgemotzte Neuauflage der Lima-Nova-Version als InterCity. Und endlich stimmten die Farben, kieselgrau, braun mit orange-Anteil, orangefarbene Streifen im passenden Ton! Der Antrieb war in den Speisewagen verlegt worden – erstmal eine gute Idee. Aber der Motor ragte unübersehbar weit in den Speiseraum hinein, total bekloppt. Dass die Pantographen noch immer nicht an der richtigen Stelle sitzen nervt zwar, lässt sich aber mit etwas Aufwand korrigieren.

Was für eine gleichgültige Konstruktion. Ich habe die Fenster meines Zuges mit schwarzem Karton abgeklebt, damit der Motor im Speisewagen nicht wirkt, wie ein toter Walfisch…

Technisch auf der Höhe der Zeit gab es gleich zwei verschiedene Schnittstellen und rot/weißen Lichtwechsel sowie Innenbeleuchtung in allen Fahrzeugen, zu 100% mit LED. Zudem eine Stromaufnahme, die je nach Fahrtrichtung wechselt – allerdings nur im Analogbetrieb. Im Digitalbetrieb schaltete das Relais munter alle paar Sekunden hin und her. Klick … klack … klick … Warum zum Henker baut man so einen Mist in eine Neu-Konstruktion, probiert eigentlich irgendjemand sowas aus vor der Auslieferung? Am Besten, der Modellbahner legt den Unsinn still und überbrückt diese Schaltung.

…nett gemeint, fummelig gemacht.

Warnung: Bei der Demontage der Endwagen VORSICHTIG vorgehen. Denn man reißt sich sonst die Lichtleiter ab. Diese befinden sich fest in einem Kästchen am Wagenboden und ragen vorn tief ins Gehäuse. Dieses muss man also seeehr bedächtig handhaben und dabei immer nur sanft Richtung Führerstand arbeiten. Ersatzteile? Kicher, nee nee…

Zu niedrige Spurkränze machen keinen Spaß, wenn man mit seinen Zügen auf normalen Gleisen fahren möchte…

Die Räder trugen nun silberne Nachbildungen der Bremsscheiben (gut), aber ihre Spurkränze waren extrem niedrig, ähnlich RP25 (schlecht), sodass diese Züge z.B. auf Fleischmanns Bogen-Weichen aus dem ‚Profi‘-Sortiment entgleisen können. Es gibt technische Normen. Diese sollte man einhalten. Die Strom führenden Kupplung reichten bis knapp über die Schienen-Oberkante – ebenfalls nicht gerade eine brilliante Idee.

Bremsscheiben: gut. Kabelführung: Sechs, setzen.

Eine avisierte märklin-kompatible Version ersparte man sich (und dem Markt), in Lufthansa-Farben erschien der Hornby-Zug gleich gar nicht.

Zu dieseR Modell-Generation hat jemand ein nettes Fahr-Video auf YouTube gepostet: https://www.youtube.com/watch?v=IAlZtgqYlAY

Fazit: Dreieinhalb Modell-Generationen. Und noch immer gibt es kein Modell des ET403, das wirklich rundum überzeugt. Gerade im Fall von Hornby hatte ich anhand der maßstäblichen Basis ein cooles Modell erwartet.

ET403 von märklin / Trix.

https://www.maerklin.de/de/produkte/details/article/37778/136/

https://www.trix.de/produkte/details/article/22778

Auch märklin hatte sich zwischenzeitlich des ET 403 angenommen. Es wurden erst die Variante IC, dann die Lufthansa angeboten, als als Insider-Modelle, in zwei direkt aufeinander folgenden Jahren. Auch angesichts der hohen Verkaufspreise nicht unbedingt eine verkaufsfördernde Entscheidung. Die Züge besaßen, typisch märklin, Gehäuse aus Metall und viele technischen Features wie Lichtwechsel über LED, Innenbeleuchtung und Sound. Wobei im Stummiforum viele Monate lang die optimalen Decodereinstellungen diskutiert wurden… Die aufwändig und zufällig beschalteten Tisch-Lampen im Speisewgen hätte sich märklin übrigens sparen können: Diese waren von außen gar nicht zu erkennen.

Die Produkt-Qualität des Zuges war im Prinzip okay – ausgerechnet das typische Gesicht des Zuges aber war gründlich vergeigt worden. Märklins Scheinwerfer wirken zu groß und eigenartig angeordnet, die Rahmen der Frontfenster zu eckig, die Seitenfenster und Zwischenstege folgen nicht den Proportionen des Vorbildes. Das Ganze sieht dem ET403 allemal ähnlich, aber das 30 Jahre ältere Modell von Lima trifft das Vorbild um Welten besser. Und sowas konstruiert märklin in Deutschland. Ziemlich fragwürdig. Damit ist dieses Modell raus aus meinem Beute-Raster.

ET403 von El-Mo.

In H0 gab es Anfang der 80er Jahre noch ein weiteres, eher unbekanntes Modell einer Marke, die sich “El-Mo” nannte. Diese Abkürzung hat natürlich nichts mit dem roten Knuddeldingens aus der Sesamstraße zu tun, sondern ‚elektrische Modellbahn‘ ist die sinnfällige Erklärung. Ich habe so einen Zug mal besessen. Kurz. Die passend ausgesuchte Farben sind Pluspunkte, und man hat ein paar nette Ideen umgesetzt, wie zum Beispiel von außen eingesetzte Seitenfenster. Aber mein Modell konnte sich vierteilig nicht sorgenfrei fortbewegen. Eigentlich schade, richtig doof war das Modell nämlich nicht.

ET403 von LSmodels.

Da war doch was? Seit rund zehn Jahren lässt Lsmodels nun seine Kunden auf ein vorgeblich rundum perfektes Modell des ET403 warten. Und man hört jährlich immer neue Gruselgeschichten, warum es auch diesmal wieder nicht klappen könne… Kurz, das bekannte Muster verspricht tatsächlich eine Sensation, und immerhin die Wartezeit erfüllt diesen Anspruch bereits. Ich habe mir unterdessen einen zweiten Hornby-Zug gekauft, und dazu einen Lufthansa-Zug von Lima-Nova. Entsprechend tiefenentspannt sehe ich einer möglicherweise doch noch erfolgenden Produktion meines Lieblingszuges von LSm entgegen.

ET403 1:1 der Lufthansa.

Meine zweite und bislang letzte Begegnung mit einem ET403 war 1991 in Düsseldorf. Ich war auf dem Weg zu einer Flugreise, und ziemlich aufgeregt quatschte ich auf meine bedauernswerte Großmutter ein. Diese deutete plötzlich nach vorn und sagte im Wissen um die besagte Schallplatte “schau mal, was da steht”. Ui. Ich blickte auf eine Doppel-Traktion des ET403, in Lufthansa-Farben und rundherum prima gepflegt.

Meine Reise war für die nächsten Minuten vergessen, und meine Großmutter grinste sich eins über ihren 403er-begeisterten Enkel, der jeden Winkel der schneidigen Front ausloten musste: Was für eine Eleganz! Was für eine Arroganz! Wie kühn und vor allem hartnäckig müssen die damaligen Designer gewesen sein, so ein irres Ding innerhalb der Bundesbahn durchzukriegen! Und beim Wegfahren des Zuges gab es für mich eine Überraschung: Ich sah den Schnellzug weggleiten, aber ich meinte, eine S-Bahn zu hören. Denn der ET403 ist technisch sehr eng verwandt mit den “Olympia”-S-Bahn-Zügen ET420.

Eins, Zwei oder drei – zum Glück braucht man sich nicht zu entscheiden. 🙂

So sind denn die drei Züge der Reihe ET403 für mich mehr, als sogenannte ‚Lieblings-Züge‘, sie sind vor allem eine besondere Erinnerung an meine Großeltern und an eine insgesamt angenehmere Zeit. Vielleicht kommen wir ja doch noch in den Genuss eines möglicherweise fantastischen Modells von LSm.

Eine ganz wunderbare Website über den ET403 gibt es natürlich längst, das dort gezeigte Buch ist für Freunde dieser Triebzüge unbedingt empfehlenswert. http://et403.de/

Weiteres zu den Vorbildern und ihrem angedachten Neu-Aufbau gibt es hier: http://et403.com/home.html

Piko bestätigt schriftlich: A-Gleis kann Räder „bei Dauerbetrieb“ schädigen…

Man könne ja neue Achsen als Ersatzteile kaufen. …wie bitte?!

Diese Riefen traten nach nur zwei Tagen Betrieb auf. Sie wurden durch die A-Gleis Profile in die Radflächen geritzt.

Wenn man eine Marke insgesamt und zudem ein bestimmtes Produkt wirklich mag, ist es eine unbequeme Situation, darüber Negatives zu schreiben. Aber wenn dieses Produkt das Zeug dazu hat, den Wert von Modellbahn-Sammlungen zu reduzieren, dann wäre es höchst unfein, anderen Modellbahnern diese Information zu verschweigen.

Während die Marke Roco qualitativ wie programmatisch in eine mir nicht nachvollziehbare Richtung treibt, erkenne ich bei Piko ein schlüssiges Konzept mit fairem Preis-Leistungsverhältnis und vertrauenswürdigem Service. So gewinnt man Kunden. Und behält sie.

Auch und gerade Pikos A-Gleis war von Anfang an eine tolle Idee: Filigranes Aussehen, recht solide verarbeitet, intelligente Geometrie, sinnvolle Auswahl und vor allem für jedermann erschwinglich. Piko präsentiert sein A-Gleis als schicke Basis zum günstigen Kurs. Und das brachte den Erfolg. 👍🏻

Nun müsste ich diesen Text gar nicht schreiben, hätte man bei Piko schon vor über zehn Jahren meine Hinweise ernstgenommen. Und sicher besäße ich längst eine Unzahl dieser ausgefuchst erdachten Gleise.

Aber schon 2006 hatte ich Piko per Email informiert, dass das A-Gleis meiner persönlichen Erfahrung nach die Räder von Lokomotiven und Waggons angreifen kann. Eine Antwort erhielt ich damals nicht.

…nur eine Schotterprobe, dennoch: Pikos A Gleis macht was her.

Nun liegt mir ein Brief aus dem August 2019 vor, in dem Piko offiziell zugibt, um die destruktiven Eigenschaften des A-Gleises zu wissen, wenngleich mit falscher Ursachen-Angabe. Ein ranghoher Mitarbeiter von Piko (ausdrücklich: nicht der Eigentümer!) schreibt darin unter Anderem Folgendes:

“…unser Gleisprofil nicht abgerundet ist und es somit beim Betrieb auf der Anlage zu leichten Abnutzungsspuren an den Rädern kommen kann. Dies ist allerdings so minimal, dass im Rahmen eines „normalen“ Modellbahnlebens an den Modellen keine signifikanter Verschleiß auftritt. Sollten die Loks und Wagen allerdings im Dauereinsatz betrieben werden, kann sich über die Zeit der Austausch der Achsen notwendig machen. Hierfür sind in den Katalogen und Ersatzteilblättern die passenden Ersatzachsen aufgeführt.”

Screenshot des Schreibens. (Erlaubnis zur Veröffentlichung liegt mir vor.)

Das ist ja mal interessant. 🙂

Ein Anbieter kennt also die potenziell schädigenden Eigenschaften seines Gleis-Produktes, sieht aber keine Veranlassung, diese Kritikpunkte auszumerzen, zum Schutz des Eigentums und der Investitionen der eigenen Kunden. Und offenbart nebenher Ahnungslosigkeit um die wahren Ursachen.

Der Ratschlag, wer (zu?)viel auf den A-Gleisen fahre, möge sich später Ersatz-Achsen kaufen, ist schon bemerkenswert. Schließlich ist exzessives Spiel mit der Modellbahn der Idealzustand dieses Hobbys und Glück für die Hersteller.

Hier aber steht ja eine klare Warnung, der Verweis auf die Ersatzteile steht da ja nicht ohne Grund.

Gleise anderer Anbieter zeigen keinerlei negativen Effekt auf die Räder der Züge. Zudem: Bei mir hat der angesprochene “Dauereinsatz” bis zum Sichtbarwerden der Spuren zwei Nachmittage betragen. Wie würden die betroffenen Fahrzeuge wohl nach ein paar Monaten aussehen…

Nochmal: Nicht die zweifellos scharfkantige Form des A-Schienenprofils ist die Ursache für die Beschädigungen der Modellbahn-Räder. Sondern es ist das grobe Material. Dieses wirkt wie eine Feile.

Fotos und Infos zu diesem Themen-Komplex habe ich bereits hier veröffentlicht, unter dem Absatz “Schrubb-Schienen”.
https://blog.mobaz.de/2019/04/02/pikos-neues-h0-bettungsgleis-a-gleis/

Pikos A Gleis 20fach vergrößert. Unübersehbar: Die grobe Oberfläche.

Man erinnere sich an die erfolgreiche US-Klage gegen McDonalds wegen brühend heißer Kaffeebecher. Im Vergleich zu den vielen, vielen Modellbahn-Achsen, die tagtäglich weltweit auf A-Gleisen rollen war dieser Klagepunkt Kleinkram. Aber im Ergebnis für McD teuer.

Man erkennt sogar hier die spiegelglatte Oberfläche des Trix-C Gleises und dagegen das matte, also rauhe A-Gleis.

Es ist eigentlich sehr einfach: Piko braucht nur wirklich hochwertiges Schienen-Material mit glatter Oberfläche einzukaufen, dieses beim Ziehen mit abgerundeten „Schultern“ zu versehen (siehe Trix C) – und diese Teile auch für die Weichenzungen einzusetzen.

Bei Piko sträubt man sich also hartnäckig, sein A-Gleis qualitativ auf das Niveau der aktuellen Fahrzeug-Flotte anzuheben. Und setzt währenddessen weiterhin Modellbahnen weltweit einer unnötig groben Behandlung aus.

Schade.

Piko „Expert“-Qualität: Rocos Ablösung?

(…Hinweis: noch nicht. 🙂 )

Pikos Modellbahnen aus der „Expert“ Reihe werden seit ein paar Jahren mit Lob gerade zu überschüttet und manchmal schon als Ablösung des Roco-Programms gefeiert. Und natürlich sind viele, wirklich schöne Modelle dabei. Vor allem bietet Piko Varianten an, auf die man bei Roco zum Teil seit Jahrzehnten wartet.

Aber im Vergleich zu Roco oder märklin gibt es bei Piko noch immer Abstriche zu bemerken in Bezug auf Material oder Haltbarkeit. Und damit sich niemand mehr anhören muss „Sie sind der Erste, der sich beschwert!“, habe ich eine Art lästige Liste erstellt, die ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen widerspiegelt. Diese Liste kommt zunächst ohne Bilder aus, was für einen Online-Artikel vielleicht ungewöhnlich ist. Aber über die Jahre stellt man auch mal Ärgerliches einfach ab, ohne alles zu dokumentieren.

Zwar setzt Piko auf aktuelle Modellbahn-Technik mit Plux22 Steckdose und vielen LED-Spielereien. Aber die Qualität eines Modellbahn-Fahrzeuges definiert sich auch durch andere Aspekte. Und da bin ich inzwischen etwas ernüchtert, was Piko „Expert“ betrifft. Denn obwohl diese Modellbahn-Produkte Freude bereiten, ist auch klar, dass es oftmals mit nur wenig Aufwand besser gegangen wäre. Und das ist es, was einen irritiert zurücklassen kann.

Klar gibt es Fahrzeuge von Piko, die wirklich klasse sind, die 220 zählt natürlich dazu, auch Loks wie die 141 oder die 140. Auch der 612 und die ganzen modernen Triebzüge sind schön gemacht. Aber schon die 103 gefällt mir wegen ihrer eigenartigen Beulen über den Führerständen weniger gut, als Rocos 103 oder gar die relativ neue Insider-103 von märklin/Trix, die wirklich klasse gelungen ist. Dagegen bieten Pikos hyperdetaillierte Drehgestellblenden der 103 keinen Vorteil: Irgendwo muss man die Lok ja anfassen können.

Diese Kosten hätte Piko besser für filigrane Scheibenwischer aufwenden sollen: Direkt und unübersehbar sieht man bei Pikos 103, dass deren eine Hälfte am Fenster und die andere am Gehäuse angeformt sind. Och nö! Dabei sind die Loks sonst wirklich schön.

Dass Pikos Getriebe-Gehäuse noch immer aus Kunststoff bestehen, obwohl zum Beispiel Roco hier seit Anfang der 80er Jahre Metall verwendet und so den Schwerpunkt weit nach unten verlagert, ist nur ein weiterer subtiler Unterschied. Und die aktuelle Qualität der Motore ist eine (lästige) Sache für sich.

Ich schreibe hier über eigene Erfahrungen, denn es ist ja nichts Nettes, fortwährend mit Mängeln konfrontiert zu werden, schließlich produziert Piko im Grunde richtig schöne Modellbahnen. Das sind Produkte, vor denen andere große Hersteller schon solchen Respekt haben, dass sie ihre zum Teil angejahrten Modelle unvermittelt Verjüngungskuren unterziehen. Nur Roco ist offenbar zu doof, die 111 auf das neuere Fahrgestell der 110 mit LED zu setzen…

Und natürlich habe ich Piko ein paar Mal nett zu den jeweiligen Themen angeschrieben. Aber wenn als Antworten unter Anderem der Original-Wortlaut erfolgt „…richten Sie Herrn Kath aus, dass wir seine Fragen nicht beantworten.“ (liegt mir tatsächlich schriftlich vor), dann ist das schon eine bemerkenswert unfröhliche Reaktion auf sachlich begründete Kritik.

Expert-Lokomotiven

Motore: Meine zuerst gekauften Expert-Loks (BR220, BR141) fahren außerordentlich geschmeidig. Trotz dreipoliger Motore. Neue Piko-Loks mit fünfpoligem Motor fahren lauter, und die Motore gehen oft schnell kaputt, ohne besondere Belastung. Einfach so, beim Herumfahren mit wenigen Waggons als Last. Inzwischen sind mir rund zwölf Piko-Motore kaputtgegangen. Inzwischen verzichte ich in diesen Fällen auf Reklamationen bei Piko und kaufe statt dessen im Bedarfsfall direkt bei Conrad Austauschmotore von Motraxx für zehn Euro. Die sind qualitativ völlig in Ordnung, und der Austausch ist schnell erledigt. Piko-Schwungmassen umstecken, Kabel anlöten, Motor eindrücken fertig. Dazu kommt demnächst ein kurzer Artikel.

Steckteile: Piko verwendet hier sehr bruchgefährdeten Kunststoff; bei anderen Herstellern kommt für solche Teile klugerweise elastisches Material zum Einsatz. Bei Piko reicht eine Berührung, und es knackt. Egal, ob Antennen oder Pfeifen. Bei meinen vier 220ern brachen bei normalen Entgleisungen gleich die Schienenräumer ab. Außerdem befestigt Piko Steckteile oft durch winzige Steckerchen, das ist völlig praxisfern. Im Bruch-Fall ist es eine grausame Fummelei, mit einer Nadel die Reste herauszupulen.

Lampen-Einsätze: Bei Lokomotiven wie BR 103 / 140 / 141 und 150 färbt Piko die Lampenringe nur vorne silbern, seitlich bleiben sie klar. Dadurch strahlen sie rundherum Licht ab, und das sieht nun wirklich vorbildwidrig aus.

LED-Farbtemperatur: Pikos erste Loks der E41 / BR141 besitzen schöne LED, die wie richtige Glühlampen leuchten. Aber Pikos 103er und 150er leuchten ab Werk fast rosa, das gilt auch für andere neue Piko-Modelle. Meine Lokomotiven habe ich deswegen mit tauglichen LED bestückt, eine recht lästige und eigentlich unnötige Arbeit: Das sollte ab Werk so sein. Es ist eben nicht egal, ‚Hauptsache, es leuchtet irgendwie‘. Meine Empfehlung für Glühlampen-ähnliche LED: https://www.railroad24.com/de/10x-smd-led-0603-goldweiss.html

Gewicht: Rocos V200 ist seit 1984 bis unters Dach mit Gewicht vollgepackt, Rocos BR 110 erging es bis Ende der 90er Jahre ebenfalls so. Auch das macht diese Modelle haptisch so hochwertig. Piko dagegen setzt auf seine Lokrahmen aus Zinkdruckguß einen weiteren Rahmen, in den Platine und Lautsprecher integriert werden. Dieser wird aus Kunststoff gefertigt, und Piko verschenkt hier mögliches Mehr-Gewicht.

Schlepp-Achsen: Piko belässt bei dreiachsigen Drehgestellen die mittlere Achse ohne Antrieb. Bei den Loks BR 103 und BR 150 sind nicht einmal Radkontakte vorhanden, was bei der BR 232 noch der Fall ist. Gerade im DC-Betrieb sollte jedes Rad der Stromabnahme dienen, das ist eine Binsen-Weisheit. Außerdem sitzen diese Achsen locker im Rahmen, sie werden nicht einmal sanft auf die Gleise gedrückt. So drehen sie sich nicht zuverlässig mit, und ganz prima sammeln sie durch den ‚Schleifbetrieb‘ Schmutz von den Gleisen: Die Räder dieser Achsen erfordern besonders oft Reinigung.

Radlaufflächen: Nahezu sämtliche Räder meiner Piko-Modelle besitzen ab Werk so raue Räder, dass Staub und Schmutz sich unverzüglich darauf ablagern. Fortwährend müssen diese Räder gereinigt werden. Die Räder der Rheingold-112 sind die endlich glatt, aber Käufer älterer Loks können meiner Erfahrung nicht auf Kulanz seitens Piko hoffen: Neue Achsen mit glatten Rädern soll man aus eigener Tasche bezahlen – und man muss sie ja auf die anderen Achsen setzen (lassen). Danke nein.

Schlusslichter: Pikos Kasten-E10 bekam endlich die winzigen Schlusslichter in den großen Lampen, das sieht toll aus. Aber: Das hätte Piko von Anfang an so machen sollen. Schon 2008 hat Roco gezeigt, wie schön solche Lampen wirken. Aber Piko bessert wieder einmal erst später nach, ältere Modelle ähnlicher Bauart haben nichts davon.

Schürzen: Die Idee der auslenkbaren Schürze von DB-V200 / BR220 ist wirklich gut umgesetzt, allerdings war an der Front oftmals ein Spalt zu erkennen. Also habe ich mit einer Pinzette die Feder des Kupplungsträgers, an dem die Schürzen befestigt sind, mit Maß einfach etwas straffer neu eingehängt. Immerhin soll sich das Teil noch frei bewegen können. Danach sehen die Loks von vorn wirklich besser aus. Auch einer beschürzten BR 103 verschönert diese Straffung das Antlitz.

Lack: Licht und Schatten. Viele Fahrzeuge hat Piko wirklich exzellent lackiert. Negativ-Beispiele aber gibt es sehr wohl:

  • Die BR220 von Piko in blau/elfenbein zeigt an ihren Fronten deutliche Spuren einer nachträglichen Lackierung in elfenbein. Als trüge die Maschine Kappen auf den Nasen.
  • Blau/Elfenbein ist offenbar ein Problem für Piko. Gleich zwei Loks habe ich nicht gekauft, die BR 141 mit blauem Dach und auch die BR 150, weil deren Elfenbein viel zu weiß aussah. Vom breiten, schwarzen Trauerflor um die Lüfter der 150, der sich dann auch noch durch Anfassen verreibt, ganz zu schweigen. Offenbar existieren aber auch Fertigungs-Lose in exakten Farbtönen.
  • Ich hatte zwei Loks von Piko der BR103, beide nicht „beige“, obwohl das so richtig gewesen wäre, sondern irgendwie elfenbein, und dies auch noch voneinander abweichend.
  • Pikos drei zuerst ausgelieferte Varianten der Familie V200 / BR 220 tragen jeweils unterschiedliche Rot-Töne. Wozu gibt es eigentlich genormte RAL Farben?
  • Einige der ersten verkehrsroten Triebzüge von Piko sollte man besser nicht innen-beleuchten, denn ihr Kunststoff lässt das Licht durchleuchten. Dies gilt auch für frühe Auflagen des ICE3.
  • Die Lampenkästen von Pikos Hobby-101, der E-Lok, sind innen grau eingefärbt. Richtig wäre die Gehäuse-Farbe, also zumeist verkehrsrot. Eigenartig, dass dies über zehn Jahre niemanden stört.

Fall des Falles: Drehgestell-Blenden Pikos erster BR 103 und der ersten E41 / 141 sitzen so locker, dass sie unabsichtlich abfallen können. Neuere Piko-Auslieferungen haben diesen Mangel nicht. Sind Erst-Auflagen etwa Montags-Modelle…?

LED-Geiz ist ungeil: Viele Piko-Loks und Triebzüge nach modernen Vorbildern besitzen freie LED-Pads, die es ermöglichen, Fernlicht etc. einzubauen. Dazu gehören zum Beispiel der Vectron, BR245, BR440 und BR442. Bestückt sind diese Pads aber nicht, und natürlich sind sie auch nicht an die (zudem nur achtpoligen) Schnittstellen angeschlossen. Solche Sparmaßnahmen erschließen sich einem nicht wirklich, und sie kollidieren mit der Außen-Darstellung der Marke ‚Piko‘: Im Jahr 2019 darf man erwarten, dass moderne Modelle komplett bestückt ausgeliefert werden. Dank der Plux22 Schnittstelle ist eine vorbildgerechte Ansteuerung ein Leichtes.

Expert-Personenwagen

Pikos D-Zugwagen nach Bundesbahn-Vorbild sind recht spielstabil und wurden ursprünglich sehr günstig angeboten. Diese Preise passten zum optischen Niveau der Waggons, ich fand das sehr sympathisch. Inzwischen hat Piko das Preis-Niveau in die Nähe der wesentlich aufwändigeren Roco-Waggons gehoben, obwohl man bei diesen Piko-Waggons optisch und technisch eher Hobby-Niveau vorfindet. Was ja okay ist. Aber das Preis-Leistungsverhältnis geriet so in Schieflage. Außerdem…

  • Es gibt Serien der DB-Waggons, deren Farbe der Fensterrahmen sich beim Anfassen abreibt. Bislang hatte ich mehrheitlich Glück, einige Waggons mussten aber zum Umtausch eingesanft werden. Immerhin hat Piko diese Fahrzeuge umgehend und ohne Umstände ausgetauscht, das war mehr als erfreulich. Toller Service! Betroffen waren Waggons aus den Serien in grün und blau sowie blau/elfenbein.
  • Die 1. Klasse-Waggons in kobaltblau, blau/elfenbein und Pop-orange liegen minimal tiefer, als die anderen Fahrzeuge dieser Serien.
  • Auch Pikos Silberlinge lagen ursprünglich viel zu tief, und ihre Gehäuse saßen eher unpräzise auf dem Wagenboden. Zwischenzeitlich wurde hier nachgebessert, die Waggons aus dem Set mit der grünen 141 und aktuelle Einzelwagen sind prima.
  • Thema ozeanblau/elfenbein: Im direkten Vergleich zu Waggons von Roco / märklin / Fleischmann (letzte Serie aus Nürnberg) wirkt Pikos Farbe oft etwas grünlicher. Die anderen Genannten passen farblich prima zusammen.
  • Sehr gut passen Pikos Waggons in ozeanblau/elfenbein zu den zuletzt produzierten DB-Waggons von Rivarossi, diese zeigen exakt denselben minimal zu grünlichen Farbton. Ein bemerkenswerter Zufall.
  • Außerdem ist der Halbspeisewagen oben eher hell-elfenbein lackiert, und seine Fensterrahmen sind nicht messingfarben, sondern silbern gefärbt. Ein 1. Klasse Wagen desselben Farbschemas war fast beige lackiert. Also, das ist auf Dauer schon lästig.
  • Den Popwagen fehlen die grauen Zierstreifen über den Fenstern. Damit ist die ganze Serie verpfuscht (natürlich mit Ausnahme der 1. Klasse, deren gelbe Streifen sind vorhanden). Es ist wirklich ärgerlich, dass so etwas Signifikantes falschläuft. Und auch Pikos Verhalten zu diesem Thema irritiert: Man hätte ja eine konzertierte Aktion zur Nachbesserung veranstalten und den ollen Streifen aufdrucken können. Auf zwei Emails kam, genau, keine Antwort.
  • Die Innen-Einrichtungen sind zwar nur einteilig, dabei aber mit sehr vielen, schön dargestellten Details gestaltet. Torpediert wird der hochwertige Eindruck durch die Verwendung greller Farben wie Kaugummi-Rosa und Gift-Grün. Eine Zumutung. Die Abteilwände hatte man als separates Steckteil konzipieren können (ähnlich Tillig-TT), dann ließen sich die Abteile sauberer den Vorbildern angleichen.

Die Kupplungs-Halterungen von Pikos Schnellzugwagen sind sehr ungenau geführt:

  • Zuviel Spiel innerhalb der Halterung sorgt dafür, dass Bewegungen in alle Richtungen möglich sind, auch nach oben und unten.
  • Die Kupplungs-Schächte sind etwas zu großzügig bemessen: Rocos Uni-Kuppler sitzt zu locker in den Schächten. Bei Schiebebetrieb können sich im Wagenboden die Kupplungs-Halter verkeilen. Außerdem sitzen die Norm-Schächte zu weit nach außen an den Trägern: Sogar mit Fleischmanns Kurzkupplungen bleiben die Waggons zu weit voneinander entfernt. Man müsste also die Schächte mechanisch kürzen, für die Unikupplungen Einlagen erstellen und für sicheren Schiebebetrieb innen die Führung stabilisieren. Oder kurz: Leider wurde hier schlampig konstruiert.
  • Die Achsspitzen meiner Schnellzugwagen hatten sich bereits nach zweistündiger Fahrzeit bei diversen Waggons in das Plastik der Drehgestelle hineingefressen. Meine Lösung besteht aus Messinglagern und neuen Achsen von Thomschke.
  • Die Rad-Laufflächen meiner Piko-Waggons waren ebenfalls so rau, dass sie nicht nur unnötig laut rollen, sondern quasi begierig jede Form von Schmutz aufsammelten. Wo Roco- oder Fleischmann-Waggons nach längerer Fahrzeit höchstens kleine dunkle Fleckchen auf den Rädern bekommen, sind Pikos Räder recht schnell mit dunklem Schmutz beschmiert. Erst die neuen Waggons zum IC’79 haben neue, glatte Räder bekommen. Das hätte man gleich besser machen können. (…ich wiederhole mich.)
  • Pikos originale Achsschleifer raspeln nach wenigen Stunden Fahrzeit die silberne Schicht der Achsen weg. Der kupferfarbene Kern kommt dann zum Vorschein. Eine gute Alternative sind Esu-Radschleifer auch für eine Stromaufnahme über alle Räder. Pikos neue Radschleifer für Achtpunkt-Aufnahme wie bei den S-Bahn Steuerwagen verursachen bei meinem Fahrzeug seltsam fiepende Geräusche.
  • Zwar bietet Piko viele sinnvoll abgestimmte LED-Lichtleisten für die eigenen Personenwagen an, aber es fehlen Platinen mit roten Schlusslichtern für D-Zug-Wagen und Silberlinge.

Silberlinge:

  • Alle mir bekannten Silberlinge von Piko sind Bananen-ähnlich verbogen. Sie biegen sich mittig nach oben.
  • Die Stirnlampen der Steuerwagen des Karlsruher Kopfes sind entgegen der Vorbilder nicht rechteckig leuchtend, sondern punktförmig. Das sieht völlig anders aus, als beim Vorbild. Nachbesserung ist nur höchst aufwändig mit Fräsen und 3D-Druck möglich. Auf der Platine ist keine Schnittstelle für einen Funktionsdecoder, diese muss man selber nachrüsten.

Die InterCity-Waggons nach Vorbild des IC’79 zeigen ein paar subtile Fehler:

  • Der Speisewagen ist anstelle von elfenbein leider in beige lackiert. Das erste Pressemuster lag keineswegs ruhig auf den Drehgestellen, sondern wackelte entlang der Fahrzeug-Achse. Ein wohlwollender Hinweis diesbezüglich an Piko noch vor Auslieferung brachte diverse Mitarbeiter gegen mich auf – verstehen muss man das nicht. Und es wird auch nicht wieder vorkommen :-)) Die Serienwaggons sind übrigens in Ordnung.
  • Der Großraumwagen 1. Klasse zeigt auch auf der Gangseite weiß lackierte Fenster – so ein Unsinn.
  • Der Abteilwagen 1. Klasse muss vorsichtig angefasst werden, der schmale Steg unten am Gehäuse bricht schnell ab.
  • Die Inneneinrichtungen sämtlicher IC-Waggons sind in eigenartigem Curry-gelb durchgefärbt. Für einen vorbildgerechten Eindruck muss man auch hier aufwändig mit Pinsel und Farbe nacharbeiten.
  • Das Ozeanblau des ersten ausgelieferten Großraumnwagens Bpmz wirkte zu leuchtend.

Zu den neuen S-Bahn-Wagen Rhein-Ruhr habe ich bereits einen eigenen Artikel verfasst, der sich auch mit der unsinnigen neuen Spezial-Schnittstelle befasst. Eine Plux22 hätte vollkommen gereicht. https://blog.mobaz.de/2019/05/14/piko-s-bahn-rhein-ruhr/

Plastik-Pest bei Roco (1)

Früher habe ich mich amüsiert über zerbröselnde Märklin-Modelle. Dass Ähnliches auch mit Kunststoff passieren kann, und dann auch noch mir, das wäre mir im Traum nicht eingefallen.

Metall, das sich wegen seiner unreinen Legierung selbst zerlegt, das ist mit der sogenannten ‚Zink-Pest‘ befallen. Unter märklin-Sammlern ist das ein bekanntes Schreck-Gespenst und alles andere, als lustig. Schließlich werden hier wertvolle Modelle unaufhaltbar zerstört.

Aber seit ein paar Jahren mehren sich die Berichte über splitterndes Plastik von Roco-Modellen. Erstmals habe ich über die S-Bahn-Waggons gelesen (2011?), deren braune Böden auseinanderbrechen. Dann brachen Rocos Güterwaggons auseinander, ein spezieller Fall ist das Digital-Set der Teleskop-Haubenwagen.

Mir war das Thema völlig neu. Inzwischen hat es meine eigene Sammlung erwischt. Der Bruch trifft Modelle aus unterschiedlichen Fertigungs-Jahren. Wer sowas mit ‚Alter‘ erklären möchte: Meine ältesten Roco-Loks stammen aus dem Jahr 1977, und deren Gehäuse sind tippitoppi.

Mein InterRegio stammt aus dem Jahr 2013. Die Klippse der braunen Bodenwannen brechen reihenweise ab, eine Drehgestell-Halterung ist nach innen gebrochen, und auch einen Drehgestell-Klipps hat es getroffen. Natürlich hält das Gehäuse jetzt nicht mehr fest; Ersatz-Rahmen oder -Gehäuse bietet Roco nicht an, und verkaufen kann man sowas nicht. Frustrierend.

Wie dünnes Glas bricht das Gehäuse der BR364 (2004) in der drolligen Ausführung in blau-elfenbein: Diese hier Gezeigte ist lediglich vom Gleis auf ihre Seite gekippt. Prompt war das schmale Seitendach weggebrochen. Das ist übrigens bereits ein Ersatzteil; das erste Gehäuse grinste nach dem Abnehmen geradezu boshaft. Entegen der landläufigen Meinung fährt diese Lok wenigstens ganz fein und geschmeidig.

Am Schlimmsten hat es den Glaskasten (2006) in Farbgebung der K.P.E.V. getroffen. Beim ersten Gehäuse brach beim Abnehmen seitlich ein großes Stück heraus. Das Ersatzgehäuse kam direkt mit zerstörter Rückseite bei mir an.

Das Problem dieser Lokomotiven ist, dass ihre Ersatzteile zur Zeit der Serien-Produktion mitproduziert worden sind, also exakt dieselbe Qualität darstellen. Märklin produziert schon mal Gehäuse oder ganze Loks nach, wenn die Zink-Pest mal wieder zugeschlagen hat. Und Roco…? Still ruht der See. Nett ist das nicht. Man sollte diese Teile endlich in solider Qualität nachproduzieren.

Piko-Stadthäuser wie Pola?

In der März-Ausgabe 1993 der Zeitschrift „Eisenbahn Magazin“ erschien eine Anzeige von Piko, die den neuen Bausatz eines wunderschönen Stadthauses avisierte.

…schräger Schnappschuss der EM-Seite.

Ich war sofort elektrisiert: Schon immer gefielen mir die Stadthäuser von Pola am Besten. Sie sehen eben so richtig ‚echt’ aus. Und nun wollte Piko diese Serie aktualisiert ergänzen: Speziell der Erker mit den großen Fensterflächen stellt eine für 1993 zeitgenössische Modernisierung dar. Im Erdgeschoss zeigt die Bank-Filiale sogar die so typischen Lamellen-Vorhänge. Großartig! 😀

Ich hätte diesen Bausatz unverzüglich gekauft! Und sicher wäre es nicht bei dem einen Gebäude geblieben, weder bei mir, noch bei Piko. Aber leider gab es die „Modelle mit Perspektive“ dann doch nicht zu kaufen, bis heute. Man hörte einfach nichts mehr davon. Sehr bedauerlich, wäre diese Serie sicher von Erfolg gekrönt: Faller wiederbelebt seit Kurzem alle möglichen Formen dieser Pola-Stadthäuser, auch die beliebte ‚Milchbar‘ wird zurückkehren. Pikos Bausätze wären die perfekte Ergänzung.

Vielleicht mag man sich bei Piko nun an dieses schöne Stück erinnern, epochengerecht sozusagen genau passend zum im Herbst auszuliefernden InterCity in orientrot mit Bundesbahn-Logo.

Die ‚Deutsche Bank‘ Filiale lasse ich mal ausdrücklich unkommentiert. :-))

Pikos neue InterCity Waggons:

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=28095&vw_name=detail

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=28097&vw_name=detail

Infos zu POLA Bausätzen:

Auf dieser sehr informativen Fansite zur Firma ‚Pola‘ findet man auch eine Aufstellung der damaligen Bausätze.

Klick: http://www.ingomoegling.de