Die vielleicht beste Kurzkupplung für H0 Modellbahnen. RTS.

So gleitet die RTS-Kupplung unter Rocos langen Waggons durch.

Sie existiert längst: Eine Kupplung, die mit einem weltweit riesigen Anteil an H0-Modelleisenbahnen ohne Einschränkungen funktioniert. Nur wird sie derzeit nicht produziert.

Wieder einmal war es der Zufall, der mir geholfen hat: In einem Kästchen lungerten diverse Austauschkupplungen herum. Mehr gelangweilt probierte ich einige davon aus, unter anderem irgendwas mir Unbekanntes mit der Prägung „RTS“. Ich lernte: Es gab Varianten mit und ohne Strom-Übertragung. Letztere steckte ich in so ziemlich Alles, was ich an H0 Fahrzeugen mit Normschacht besitze. Das Ergebnis war schnell klar: DAS ist DIE Kupplung. 🙂

Sanftes Einkuppeln, ohne Hakelei in Kurven, relativ unauffällig – wieso hatte ich das verschlafen! Die RTS-Kupplung ähnelt zwar den Kurzkupplungen von märklin und ihren Nachahmungen bei Roco und Esu. Aber vor allem der RTS-Metallbügel ist unglaublich intelligent konstruiert. Sämtliche Probleme der genannten Kupplungen sind eliminiert. Wieso haben das eigentlich auch Andere verschlafen?!

Inzwischen hat märklin die Formen gekauft, und anstelle diese modernisierte Version ihrer alten Kurzkupplung flächendeckend einzusetzen und damit sämtliche Nervereien mit Fahrzeugen anderer Hersteller abzustellen (und nebenher die Pufferhöher eigener Loks endlich zu berichtigen), setzte man den breiten märklin-Bügel auf den RTS-Kopf. Nicht. Zu. Fassen. Dennoch, die Formen und Stanzwerkzeuge sind ja vorhanden und könnten genutzt werden.

RTS mit Lima (70er Jahre). Passt. 🙂

Vorteile:

  • Die RTS-Kupplungen schwenken daher frei unter allen Puffern durch, auch bei den extra-langen 32cm Speisewagen. Weil: Der Bügel klappt nicht einfach rauf und runter, sondern er besitzt Langlöcher. Mit diesen kann er sich leicht bewegen und liegt immer gerade auf, sowohl auf dem eigenen Kupplungs-Körper als auch auf dem Bügel der Gegenüber-Kupplung.
  • Der RTS-Bügel kuppelt neben aktuellen Normkupplungen auch ältere Fahrzeuge sicher an, wie z.B. Spielzeug-Züge von Lima oder Jouef. Weil: Er besitzt eine herkömmliche Öse, kein einseitig offenes L-Bauteil. So macht das Hobby noch mehr Spaß, weil man alles querbeet mischen kann.
  • Die gesamte Kupplung wirkt filigran und weniger auffällig, als märklins Version mit dem breiten Bügel oder gar Rocos graue Universal-Kupplung mit dem breiten Gußteil. Weil: Die Öse selbst ist auffallend schmal gehalten.
  • Das Einkuppeln erfolgt supersanft. Weil: Vorn an der Öse befindet sich eine unauffällig angebrachte Verdickung, eine Art Nase. Diese erzeugt nur wenig Reibung.
  • Auf Vorentkupplung wurde verzichtet – gut so. Ich kenne niemanden, der diese Funktion wirklich nutzt: Entweder, die Waggons rollen in einer Senke plötzlich davon, oder aber die Lok ruckelt kurz (und vergrößert dabei den Abstand zu den Waggons, die Kupplungen legen sich wieder in Ausgangsstellung) und kuppelt dann ungewollt die Waggons wieder an.
  • Schwarz. Auch dadurch diskreter, als Rocos Uni-Kuppler.
RTS mit märklin-KK. Passt. 🙂
RTS mit Röwa (70er Jahre). Passt. 🙂

Nachteile:

  • Mit der bislang bekannten Digitalkupplung von Roco klemmt die RTS-Kupplung. Offenbar muss man die Digi-Kupplungen etwas angleichen.
  • Der dicke Kupplungshaken sorgt dafür, dass die Kupplungen recht fest zusammensitzen – ohne das lästige Längs-Spiel wie bei Rocos Unikupplung oder gar bei Esus Interpretation. So aber kann es im Zusammenspiel mit einigen anderen Fabrikaten zu eng sein. Möglichkeit: Den RTS-Bügel auf den märklin-Kopf setzen, ohne dessen Vorentkupplungs-Funktion.

Artverwandtes:

Die RTS-Kupplung ohne Strom-Kontakt, richtig prima zum Modellbahn-Spielen.
Die märklin-KK mit dem Bügel des Anstoße(n)s. Nervig seit 1987.
Rocos Universalkupplung; offensichtlich ein Nachbau der märklin-KK.
Die Kupplung von Esu. Ohne Vorentkupplungsbügel, der sanftes Ankuppeln verhindert.

Fazit:

Die isses. 🙂 Ich glaube fest, dass mit dieser Kupplung, oder wenigstens dem RTS-Bügel auf dem märklin-Kopf, die berühmten „85% der Kunden“ perfekt zufrieden wären. Jetzt muss man sie nur noch kaufen können.

Vor allem filigrane Fahrzeuge gewinnen durch die RTS Kupplung.

H0 & TT auf Ikea-Tisch ‚Lack‘

Kein Platz – das gilt umso mehr für H0-Modellbahnen. Die Gleis-Systeme Roco-geoLine und Fleischmann-Profi passen prima auf Ikeas Lack-Tische.

Darauf kann eine schöne Modellbahn-Anlage entstehen. 🙂 (c) IKEA, Hofheim-Wallau

Nachdem der Artikel über die Minitrix fertig war, probierte ich aus, welche anderen Gleis-Systeme ohne Säge-Arbeiten auf Ikeas Lack-Tische passten. Die ‚Gewinner‘ heißen Roco geoLine, Fleischmann-Profi und das TT-Gleis von Kühn-Modell.

Also habe ich für diese Systeme ein paar Gleispläne zusammengeklickt. Viel Spaß beim Nachbauen. 🙂

Minikea – Minitrix auf Ikea

‚Kein Platz‘ ist die Ausrede für Teppichbahning oder Schachtel-Aufbewahrung. Die Ikea-Tische aus der Serie ‚Lack‘ lassen sich aber prima als Module einsetzen. Hier zum Thema Spur N – Minitrix.

Bei einem Ikea Besuch fielen mir die günstigen ‚Lack‘-Tische auf: Alle mit identischer Höhe und hübsch unterschiedlichen Grundrissen – das wären sicher schicke Module. Und dann habe ich mal mit einem Programm herumgeklickt…

Für die Marke Minitrix von märklin realisierte ich diese Idee auf drei verschiedenen Tischen. Wesentlich mehr Gleispläne habe ich vorausgeplant. Egal, ob Jugendlicher oder Erwachsener mit wenig Platz – hier kann man sich eine kleine Welt aufbauen, die sich bei Bedarf schnell wegstellen lässt. Zwei der Artikel findet man online.

Teil 1: https://www.maerklin.de/fileadmin/media/journal/maerklin-magazin/05-2018/Fo.1_Kompakte_Tischbahn_mit_Minitrix_MM0518.pdf

Teil 2: https://www.maerklin.de/fileadmin/media/journal/maerklin-magazin/01-2019/Fo.3_Kompakte_Tischbahn_mit_Minitrix_MM0119.pdf

Hier ein Screenshot der einzelnen Tisch-Pläne. Wer lesbare Dateien haben möchte, schreibt einfach eine Email-Anfrage. 🙂

Pikos neues H0-Bettungsgleis (A-Gleis).

…wird fortwährend ergänzt. 🙂

Pikos neues Bettungsgleis.

Für mich war es DIE Messe-Überraschung 2019: Piko spendiert seinem etablierten A-Gleis ein Schotterbett. Seit Ende März befinden sich die ersten Bettungsgleise in Auslieferung.

Alle großen Hersteller haben Modellbahn-Gleise mit Schotterbett im Sortiment. Nun hat Piko nachgezogen, und dieser Text wird sich ausführlich mit diesem System beschäftigen, auch, was zukünftige Neuheiten betrifft. Das ist ja das Praktische an der Online-Schreiberei. 🙂

Fleischmann, Trix, Piko, Roco.

Derzeit lieferbar sind notwendige Standard-Gleise, Gerade, Gebogene und normale Weichen sowie Bogenweichen. Pikos Website wird dem Programm folgend aktuell gehalten:

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=301&vw_id=348&vw_name=detail

Startsets von Piko mit dem Bettungsgleis findet man hier:

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=301&vw_id=358&vw_name=detail

Ein erstes Video zum Bettungsgleis kann man hier anschauen:

Als eine preiswerte und dennoch attraktive Alternative zu teuren Gleissystemen startete Piko sein Schwellenband-‚A-Gleis’ in den Nullerjahren. Weichen für zehn Euro und gerade Gleise für rund €1,10 waren eine klare (Kampf-) Ansage. Längst hat sich das A-Gleis eine stabile Fan-Basis erarbeitet.

Hinweis: Am Ende dieses Textes beschreibe ich meine Beobachtungen zur Schienenprofil-Qualität. 🛤

Das A-Konzept.

Offensichtlich hatte man bei Piko die vorhandenen Gleissysteme anderer Hersteller sehr genau analysiert und die jeweils überzeugenden Merkmale übernommen. So macht man das. Von märklin kennt man die praktische lang-kurz-Geometrie, von Roco die Weichen-Charakteristika und von Peco die Blechzungen der Weichen (die Piko zum Glück gegen stabile Teile aus Profilen ersetzt.

Die besonders schmalen Schienenprofile sind zwar 2,5mm hoch, damit auch uralte Modelle hubbelfrei darauf rollen können, sie wirken dennoch recht filigran, zumal wenn seitlich rostbraun eingefärbt.

Links unten die Lücke.

Vor allem die Geometrie macht Spaß, sie ist so nett übersichtlich. Bei RocoLine gehen einem die vielen, vielen Ausgleisgleise auf den Keks. Allein, es fehlt bei Piko das eine (!) wichtige Mini-Gleis, das die beiden Standard-Geraden ausgleicht. Auch für kompakte Weichenstraßen ist dieses 8mm Gleis wichtig.

Bettungen für das A-Gleis.

Was dem A-Sortiment außerdem fehlt(e), ist noch immer ein Entkupplungsgleis – und eben bislang eine Bettung. Die Firma Merkur bietet zwar für das A-Gleis verschiedene Bettungs-Teile mit dem typischem braunen Korkschotter an, man kennt diese Produkte unter dem bekannten Namen ‚Styroplast‘. Leider aber ist das Sortiment nicht komplett. Und für‘s Teppichbahning ist Styroplast nicht geeignet, sondern für distinguierte Anlagenprojekte.

https://www.merkur-styroplast.de/Gleisbett-Zubehoer/PIKO-A:::46_88.html?MODsid=ddb99248789199dff522b2ef88a76f8c

Zuschnitt ab Werk. Die Perspektive als Zitat.
 Längs- und Querstreben als Stabilisatoren.

Nun hat Piko eine eigene Bettung entwickelt, ein bisschen fühlt man sich an Kato-Gleise erinnert. Sie ist wieder einmal grau gefärbt und zum Glück nicht zu fein strukturiert, so wirkt sie auf den ersten Blick vertraut und sympathisch.

Die Bettungsteile bestehen aus unerwartet stabilem, leicht flexiblem Kunststoff. Piko war so klug, im Böschungskörper durchgehende Streben anzuformen, die dem Schienenverlauf folgen.

Und klar ist natürlich, dass man es hier mit einem direkten Konkurrenz-Produkt zu RocoLine mit Bettung zu tun hat. Man kann sich fragen, warum Roco in seiner speziellen Situation 2005 das nicht schon genau so umgesetzt hat…

Ordentliche Übergänge.
Schienen-Laschen umgebogen.

Das Zusammenstecken ist ein bisschen fummelig, weil Piko darauf verzichtet, die Schienenfüße unten anzuschrägen. Durch die weit herausragenden Laschen der Schienenverbinder kann man sich schnell mal unfein pieksen, diese Dinger gehören umgebogen. (Wenn man schon abguckt, dann bitte richtig.) Die Böschungs-Enden haben zueinander keine nennenswerten Abstände, es entsteht ein homogenes Bild.

Verbogene Gebogene . 😉

Ich stelle fest, dass auf der „Platte“ nicht alle Gleise wirklich eben aufliegen. Man kann sie aber leicht aufdrücken, da ist kein Widerstand. Der Grund ist die ‚Buchse’, in die die Gleisklammern einschnappen.

So sehen die ‚Verwerfungen‘ von unten aus.

Diese Buchsen wurden mit sich nach unten schräg erweiternden Seiten gestaltet. Das ist unklug, denn durch die Gleisklammer wird die Bettung hochgedrückt. Fällt sowas eigentlich vor Auslieferung niemandem auf…? Beim Ankleben während des Anlagenbaus ist das allerdings kein Thema mehr.

Rechts die ‚Buchse‘ mit schrägen Seiten.

Für den hauseigenen Prellbock hat man eigens ein Viertelgleis mit spezieller Bettung konstruiert; ein schönerer, komplett neuer Prellbock wäre vielleicht willkommener gewesen.

Prellbock mit Spezialbettung.

Das Schwellenband ist mit zwei bis vier Schrauben auf der Bettung befestigt und ragt ein bisschen über den Schotter hinaus. Das gefällt mir recht gut: So lassen sich die neuen A-Gleise bei Bedarf auch nachträglich noch einschottern. Investitionen und bei klugem Aufbau auch die Lärmdämmung bleiben erhalten.

Weichen-Details.

Ruhe macht Freude.

Denn einer der wichtigsten Vorteile der Bettungen aus flexiblem Material ist das Dämpfen der Fahrgeräusche. Wer das für unwichtig hält, sollte es selbst ausprobieren und vergleichen. Sinnig auf Matten aus Zellkautschuk verlegt, bleibt vom Rollgeräusch kaum etwas übrig.

Manche vergleichen das Roll-Geräusch auf Pikos Bettung mit dem Sound der Vorbilder. Fairerweise muss man sagen, dass das RocoLine-Gleis mit Bettung bis heute in Sachen Lärmdämmung unübertroffen ist. Dessen weiche Böschung erstickt fast sämtliche Eigenschwingung.

Auf dem A-Bettungsgleis entsteht eine Art Rauschen im mittleren Frequenzbereich, das zwar vernehmlich ist, mich zumindest aber nicht stört. Die Gleise von Fleischmann und Märklin-C und Trix-C vibrieren wegen ihres harten Materials recht vernehmlich, und sie reflektieren den Schall. Sensible Gemüter sind für weniger Krach beim Fahren allerdings sehr dankbar.

Einfärben macht schön. ☺️

Die Schrauben in den Schwellen mögen bei Vorbild-Fanatikern Stirnrunzeln verursachen, aber für diese Zielgruppe ist Pikos Gleis ohnehin nicht gemacht. Dabei bietet das A-Bettungsgleis so einen unerwarteten Vorteil gegenüber den Mitbewerbern:

Umfärben ist einfach!

Die Farbgebung der Böschung ist typisch für die Branche. Wählte man früher Wohlfühl-Farben, greift man heute zu Neutralem. Zum Glück kann man Pikos Bettung besonders einfach aufwerten.

Die Böschung lässt sich nämlich unabhängig vom Schwellenband einfärben, sogar noch nachträglich und auch im Fall der Weichen. Denn die Gleise sind nur mit Schrauben auf dem Schotterbett befestigt. Man kann also die Bettungen separat lackieren und nach dem Trocknen der Farbe die Gleise einfach wieder draufschrauben. Für kreative Modellbahner ist das eine tolle Sache.

So sieht Pikos Bettung ‚nackt aus‘.

Beim direkten Konkurrenten RocoLine ist das Nacharbeiten im Fall vieler Weichen nur sehr umständlich möglich, weil diese fest mit speziellen Platinen im Sockel verlötet sind.

Wer sich an Pikos sichtbaren Schrauben stört, kann die Gleise beim Anlagenbau mit dauerlastischem Kleber in der Böschung befestigen und die Löcher mit Kitt von Revell füllen und braun betupfen – fertig.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, das A-Bettungsgleis schöner aussehen zu lassen. Piko war so klug, die Schwellen etwas aus dem Schotterbett herausragen lassen. So entstand Raum, um später beim festen Aufbau zusätzlich Modellbahn-Schotter aufbringen zu können. Mir gefällt das sehr gut. So fährt man vielleicht jahrelang auf seinen Gleisen herum, erweitert über die Zeit seinen Gleis-Fundus, und wenn eine Anlage aufgebaut werden soll, verwendet man weiterhin die geliebten Gleise und professionalisiert mit Schotter ihr Aussehen. Dazu hat Piko ein kurzes Video online gestellt. Ein paar Dinge lassen sich natürlich auch etwas sinnvoller bauen, dazu später mehr.

Schnippeln ist okay.

Links die Schnittkante.

Bei Geraden, die an die Weichen angesteckt werden, müssen die Bettungen schräg abgeschnitten werden, das kennt man von RocoLine mit Bettung. Im Fall des A-Gleises ist der abzutrennende Bereich aber übersichtlicher, denn die Bettung selbst ist kompakter gehalten.

Mit einem Lineal aus Stahl und einem scharfen Cuttermesser ist das schnell und sauber erledigt. Diffizil wird diese Sache bei den Bogenweichen. Unter allen Gleisen finden sich Hilfslinien zum Schneiden, auch das kennt man von einigen RocoLine Gleisen.

Oben RocoLine, unten Piko-A.

Oben Piko, unten Roco.

Oben Fleischmann Profi, unten Piko-A.

Rocos gefühlt überbreite Bettung war meiner Erfahrung nach einer der Gründe, warum viele Einsteiger lieber zu Fleischmann-Profi gegriffen haben: Das Gefühl, etwas „kaputtmachen“ zu müssen, nur, um die Bahn aufzubauen, ist gerade Einsteigern eher unangenehm. Pikos schmalere Bettung ist auf den ersten Blick sympathischer.

Update: Piko bietet neuerdings wirklich alle Bettungen auch separat an. Ganz offiziell, im normalen Programm. Auch für Weichen. Das ist wirklich klasse, denn so kann man verschnippelte Bettungen einfach gegen einwandfreie ersetzen: Der Angstfaktor vom Rocogleis entfällt damit.

Man kann sich auch unterschiedliche Bettungs-Varianten für variables Aufbauen hinlegen. Ein klarer System-Vorteil gegenüber RocoLine mit Bettung. Dort hat man seine Chance seit 1989 ungenutzt verstreichen lassen. Tschä. 🤷🏻‍♂️

A-Zubehör.

Interessant ist das Bettungs-Zubehör. Wo andere Hersteller die Strom-Anschlüsse oder Weichen-Antriebe unter der Böschung verbergen, setzt Piko diese Dinge sogar ausdrücklich in Szene: Kleine Sockel mit Mauerstruktur stützen die bekannten, seitlichen Antriebe und die Anschlusskästen. Das wird diejenigen freuen, die auch nach dem Anlagenbau noch von oben an diese Dinge herankommen möchten.

So bezieht man die Modellbahn-Technik in die Gestaltung mit ein; Andere tun das, indem sie unübersehbare Mittelpunkt-Kontakte abfeiern. Jedem das Seine. Und längst nicht jeder krabbelt gern unter dem Holz herum…

Viessmann-Sockel lassen sich zum Spielen unterstellen.

Zubehör anderer Hersteller lässt sich mit dem neuen Bettungsgleis kombinieren: Viessmanns Oberleitungsmasten lassen sich ganz einfach unter der Böschung platzieren, dazu muss man nur mit einer Zange die Lasche vor dem Mast plattbiegen. Ebenso sind märklins Hobby-Signale einsetzbar, den passenden Signal-Decoder gibt es für elf Euro bei diesem Anbieter.

Die rechte Lasche muss man plattbiegen. Dann passt es.

Wer preiswerte Fahrleitungsmasten bevorzugt, kann die bekannten Hobbex-Masten (solange es sie noch gibt) einfach auf zurechtgeschnittene Plastikplättchen kleben und diese unter der Böschung einklemmen. Passt.

Für Decoder muss man die Stege aussparen.

Gibt es Kritik? Ein bisschen. Das A-Gleis hat sich vor allem durch seinen attraktiven Preis verbreitet. Die neuen Bettungsgleise bietet Piko deutlich teurer an, obwohl die Bettungen nur einteilig ausgeführt sind. Allein bei den Weichen geht man behutsamer vor. Möglicherweise hat man sich an marktüblichen Preisen orientiert, die eigenen Fans aber sind eine mildere Denke gewohnt. Meinem Empfinden nach langt man hier etwas sehr hart hin, eine gewisse Abmilderung des Preisniveaus verbesserte auch die Nachfrage.

Offenbar nicht eingeplant hat Piko einen Weichen-Antrieb, der sich ‚unsichtbar’ in der Bettung verstecken lässt, wie das bei Roco und Märklin/Trix möglich ist. Dieser müsste sehr flach sein, vielleicht eine prima Baustelle für Viessmann-Modell. Und für die Seite der Weiche wäre es schön, die glatte Kante neben den Schwellen mit einem schmalen Streifen Bettungs-Plastik ausfüllen zu können.

Die Sockel für Weichenantriebe bietet Piko im unpraktischen Sechserpack an, dessen Listenpreis beträgt rund €14. Nicht gerade einladend für – technisch gesehen – überflüssige Dekorationsartikel, zumal, wenn man den Modellbahn-Nachwuchs mit (immer zuwenig) Taschengeld im Blick hat, der sich kaum fünf überschüssige Teile hinlegen möchte.

Rocos digitaler Bettungs-Weichenantrieb kostet nur rund 20 Euro – ohne Sockel oder Ähnliches zu benötigen. Und das bei einem allgemein anerkannten Gleis-System.

Im Vergleich zu diesem Preis steht Piko teuerer da: Allein der Antrieb kostet bereits 23.- Liste. Plus Einzeldecoder von einem externen Anbieter für rund elf Euro.

Antrieb: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=664&vw_name=detail

Einzeldecoder: https://modellbahnshop.moba-digital.de/epages/12489450.mobile/de_DE/?ObjectPath=/Shops/12489450/Products/WeichEi&Locale=de_DE

Schrubb-Schienen.

Pikos 150 mit deutlichen Spuren.

Es gibt leider einen Aspekt, der mich noch davon abhält, dieses schöne Gleis wirklich zu verwenden. Das betrifft Pikos A-Schienenprofile: Bereits beim ersten Testen der A-Gleise 2006 stellte ich fest, dass darauf vor allem Schlepptender-Dampfloks von Roco mit Kardan-Antrieb vom Tender zur Lok eine Art Metallstaub neben den Schienen zurücklassen. Farblich eindeutig Rocos Rädern zuzuordnen. Klar zu erkennen waren die Radreifen der via Kardan angetriebenen Lok-Treibräder auf einmal hellglänzend poliert, obwohl sie vorher noch matt und dunkel ausgesehen hatten. Bei keinem anderen Gleis-System war mir so etwas jemals vorgekommen.

Eine augenblicklich an Piko geschriebene E-Mail blieb ohne Resonanz. Auch späteres Nachfragen brachte kein Ergebnis.

Deutliche Riefen nach zwei Tagen Betrieb auf dem A-Gleis.
Normale Spuren nach drei Jahren Betrieb auf Roco-Line und Trix-C.

Da ich ahnte, was für Folgen der Betrieb auf dem A-Gleis haben kann, setzte ich für diese Besprechung nur eine kleine Auswahl von Loks meinen neuen A-Gleisen aus.

Und siehe da: Die Räder der grünen 150 von Piko, einem übrigens wirklich wunderschönen Modell, zeigten nach nur zwei Tagen Betrieb auf dem Test-A-Oval deutliche Polier-Spuren und Riefen. Zuvor glichen diese Räder noch denen der hier zum Vergleich gezeigten Räder einer 141, ebenfalls von Piko.

Testhalber habe ich meine Piko-221 einen Tag lang über das A-Gleis geschickt, mit nahezu identischem Ergebnis. 🤷🏻‍♂️

Auch die Räder der 221 waren schnell poliert.

Leider interessiert man sich bei Piko trotz diverser Hinweise nicht für die A-Profile, obwohl auch intern bereits Verdachts-Momente bestehen sollen. Schienen, die Räder verkratzen können, so etwas dürfte es gar nicht geben. Bedauerlich, dass man sich diesem Thema seit so langer Zeit nicht annehmen mag.

Und für märklin H0?

Pukos als logische Erweiterung.

Pikos hohes und dennoch zierliches Schienen-Profil legt den Gedanken nahe, darauf auch märklin-Modellbahnen fahren zu lassen. Denn das K-Gleis findet bei märklins Entscheidern inzwischen wenig Beachtung. Leider.

Eine uralte 01 von märklin konnte ich durch die Herzstücke der A-Weichen schieben, ohne dass es irgendwo geklemmt hätte. Es bedarf lediglich flacher, vorgebogener Punktkontakt-Einsätze, die unter die Schwellen geklippst werden.

Es ist also naheliegend, dass Piko sein A Gleis in naher Zukunft sowohl für DC als auch AC anbietet. 👍🏻 Eine echte Konkurrenz dieser Art wäre für wahre ‚Märklinisten’ sicher eine neue Erfahrung.

Fazit:

Mir gefällt Pikos A-Gleis mit Bettung (B-Gleis?) ziemlich gut. Weder folgt Piko Rocos und märklins Bestreben, technisch das Aufwändigste umzusetzen, noch verbleibt man auf ehemaligem „Hobby“-Niveau. Man beschreitet einen Mittelweg, den man als Modellbahner eigentlich schon verloren glaubte.

Piko gibt sich alle Mühe, das eigene Sortiment auf immer solidere Säulen zu stellen, das ist sehr erfreulich. Folgen sollten zeitnah das angesprochene 8mm-MiniGleis und ein Entkupplungsgleis.

Aber: Solange das Schienen-Profil aus verschiedenen Gründen die Räder meiner Fahrzeuge verschrammen kann, mag ich Pikos Gleis nicht für meine Sammlung verwenden.

Sollte man bei Piko ein Einsehen haben und ein neues, in vielerlei Hinsicht hochwertigeres Profil verwenden, könnte man die Lage neu bewerten. Bis dahin beobachte ich aufmerksam die Entwicklungen. Und fahre auf dem Trix-C-Gleis. Dazu bald mehr.

(…wird fortwährend ergänzt.)

Roco geoLine – ein ‚MakeOver‘.

GeoLines Haupt-Kritikpunkt, das künstliche Aussehen des Schotters, lässt sich mit zwei einfachen Methoden abstellen. So bewahrt man sich seine vorhandenen geoLine Gleise und damit Investitionen, die vielleicht über Jahre erfolgt sind, und auch etwaige Erinnerungen an Geschenke bleiben. Aber das geoLine Gleis bereitet nun mehr Freude.

Originalfarbe – lackiert – mit Schottermatte beklebt.

Farbe ist die einfachste Maßnahme, um den blaugrauen Eindruck zu verbessern. In bräunlichen Farbtönen lackiert sieht geoLine angenehmer aus. So oder ähnlich hätte Roco es natürlich von Anfang an machen sollen. Man verwendet dazu entweder Pinsel oder Airbrush und Farben nach Wahl, etwa Revell oder elita-Color.

Mit N-Schottermatte von Merkur beklebtes geoLine-Gleis.

Geradezu dramatisch verändert wirkt geoLine, wenn man es unter einer Schotterschicht verschwinden lässt. Besonders geeignet dafür sind die bewährten Schotterfmatten der Firma Merkur. Der feinen Optik wegen haben sich besonders die dunkelbraunen Matten empfohlen, die früher für die Spur-N angeboten worden sind. Leider werden diese nicht mehr produziert, sodass man eben zu den Matten für H0 greifen sollte:
https://www.merkur-styroplast.de/Gleisbett-Zubehoer/Korkschotter-Schottermatten/Orig-Schottermatte-HO-Artikel-Nr-702060::331.html?MODsid=ed6f53433377f6671c813e0f53a58e39

Links Schottermatten für N, rechts für H0.

Mit ein bisschen Probieren findet man die passenden Abmessungen für die Bögen und Quadrate schon heraus. Dann klebt man die Folienstücke einfach mit dünn aufgetragenem Pattex auf die geoLine-Bettung – fertig. Im Ergebnis könnte man meinen, ein neues Gleissystem zu besitzen, so schick sehen die geoLine Gleise jetzt aus.

Stein-Schotter kann unordentlich aussehen.

Herkömmlicher Schotter aus Stein ist für geoLine weniger geeignet, weil die Schwellen nur unwesentlich über die Böschungs-Oberfläche hinausschauen. Man müsste schon extrem feinen Schotter auswählen; letztlich ist die Verwendung der Merkur-Produkte die einfachste Lösung, mit der man am Schn ellsten zum Ergebnis kommt.

So kann geoLine aussehen.

Den letzten Schliff erzielt man mit einer braunen Färbung der Schienenprofile, die die typischen Rostspuren der Vorbildgleise nachahmen. Dazu reicht ein Pinsel, ein rostbrauner Farbtopf und ein langes aber spannendes Hörspiel. Man pinselt die Seiten der Schienen mit nicht zuviel Farbe ein und streicht direkt danach die Oberseiten mit einem quer gehaltenden Streichholz sauber. Dabei nur sanft aufdrücken. Meistens dunkelt die Farbe beim Trocknen nach und wirkt dann noch vorbildgerechter. So kann geoLine gefallen. Und man fragt sich, warum die Böschung nicht schon ab Werk so aussehen durfte…

Antriebe unter die Platte!

Für Teppichbahner ist es eine praktische Sache, den Antrieb und Digital-Decoder in der Gleis-Bettung zu verstauen. Man hat keine nervigen Kabel quer durch die Wohnung liegen, und dennoch genießt man die Vorteile des Digitalbetriebs. Und wenn etwas kaupttgeht, nimmt man die weiche einfach heraus und repariert die Sache. Letzteres aber gilt nicht mehr für fest installierte Anlagen, und gerade mechanische Dinge wie Weichenantriebe können schnell kaputtgehen.

Es gibt nun den Tipp, in die Anlagenplatte riesige Löcher unter die Weichen einzubringen, durch die man höchst umständlich den Antrieb austauschen könnten, aber das ist wirklich Quatsch. An dieser Stelle schlage ich den teilweisen Wechsel der Hardware vor: Bettungs-Antrieb und Decoder werden entnommen und verkauft, sicher freuen sich andere Teppichbahner darüber.

Statt dessen wählt man sich einen hochwertigen Weichenantrieb aus, der dann unter der Anlagenplatte befestigt wird. Für seinen Stelldraht bohrt man ein kleines Loch in die Anlagenplatte, und für die Ansteuerung nimmt man einen Weichendecoder nach Wahl. Falls so ein Antrieb wirklich einmal kaputtgeht, ist er schnell ausgetauscht. Rocos geoLine Weichen sind dafür sogar klugerweise vorbereitet, erkennbar an der kleinen Öffnung in den Stellschwellen und dem Langloch in der Böschung.

Mittig die runde Öffnung für den Stelldraht.

Dort hinein führt man den Stelldraht. So kombiniert man die Vorteile beider Welten: Bettungsgleise, die einem vielleicht schon viele Jahre gut gedient haben & Unterflur-Antriebe.