Piko „Expert“-Qualität: Rocos Ablösung?

(…Hinweis: noch nicht. 🙂 )

Pikos Modellbahnen aus der „Expert“ Reihe werden seit ein paar Jahren mit Lob gerade zu überschüttet und manchmal schon als Ablösung des Roco-Programms gefeiert. Und natürlich sind viele, wirklich schöne Modelle dabei. Vor allem bietet Piko Varianten an, auf die man bei Roco zum Teil seit Jahrzehnten wartet.

Aber im Vergleich zu Roco oder märklin gibt es bei Piko noch immer Abstriche zu bemerken in Bezug auf Material oder Haltbarkeit. Und damit sich niemand mehr anhören muss „Sie sind der Erste, der sich beschwert!“, habe ich eine Art lästige Liste erstellt, die ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen widerspiegelt. Diese Liste kommt zunächst ohne Bilder aus, was für einen Online-Artikel vielleicht ungewöhnlich ist. Aber über die Jahre stellt man auch mal Ärgerliches einfach ab, ohne alles zu dokumentieren.

Zwar setzt Piko auf aktuelle Modellbahn-Technik mit Plux22 Steckdose und vielen LED-Spielereien. Aber die Qualität eines Modellbahn-Fahrzeuges definiert sich auch durch andere Aspekte. Und da bin ich inzwischen etwas ernüchtert, was Piko „Expert“ betrifft. Denn obwohl diese Modellbahn-Produkte Freude bereiten, ist auch klar, dass es oftmals mit nur wenig Aufwand besser gegangen wäre. Und das ist es, was einen irritiert zurücklassen kann.

Klar gibt es Fahrzeuge von Piko, die wirklich klasse sind, die 220 zählt natürlich dazu, auch Loks wie die 141 oder die 140. Auch der 612 und die ganzen modernen Triebzüge sind schön gemacht. Aber schon die 103 gefällt mir wegen ihrer eigenartigen Beulen über den Führerständen weniger gut, als Rocos 103 oder gar die relativ neue Insider-103 von märklin/Trix, die wirklich klasse gelungen ist. Dagegen bringen einem Pikos hyperdetaillierten Drehgestellblenden der 103 keinen Vorteil: Irgendwo muss man die Lok ja anfassen können, und die Mühe der vielen Einzelteile im letztlich einfarbigen Fahrgestell hätte Piko besser für filigrane Scheibenwischer aufwenden sollen: Die nämlich erkennt man auf den ersten Blick.

Dass Pikos Getriebe-Gehäuse noch immer aus Kunststoff bestehen, obwohl zum Beispiel Roco hier seit Anfang der 80er Jahre Metall verwendet und so den Schwerpunkt weit nach unten verlagert, ist nur ein weiterer subtiler Unterschied. Und die aktuelle Qualität der Motore ist eine Sache für sich.

Ich schreibe hier über eigene Erfahrungen, denn es ist ja nichts Nettes, fortwährend mit Mängeln konfrontiert zu werden, schließlich produziert Piko im Grunde richtig schöne Modellbahnen. produkte, vor denen andere große Hersteller schon solchen Respekt haben, dass sie angejahrte Modelle unvermittelt Verjüngungskuren unterziehen.

Und natürlich habe ich Piko ein paar Mal nett zu den jeweiligen Themen angeschrieben. Aber wenn als Antworten unter Anderem der Original-Wortlaut erfolgt „…richten Sie Herrn Kath aus, dass wir seine Fragen nicht beantworten.“ (liegt mir tatsächlich schriftlich vor), dann ist das schon eine bemerkenswerte Reaktion auf sachlich begründete Kritik.

Expert-Lokomotiven

Motore: Meine zuerst gekauften Expert-Loks (BR220, BR141) fahren außerordentlich geschmeidig. Trotz dreipoliger Motore. Neue Piko-Loks mit fünfpoligem Motor fahren lauter, und die Motore gehen oft schnell kaputt, ohne besondere Belastung. Einfach so, beim Herumfahren mit wenigen Waggons als Last. Inzwischen sind mir rund zwölf Piko-Motore kaputtgegangen. Inzwischen verzichte ich in diesen Fällen auf Reklamationen bei Piko und kaufe statt dessen im Bedarfsfall direkt bei Conrad Austauschmotore von Motraxx für zehn Euro. Die sind qualitativ völlig in Ordnung, und der Austausch ist schnell erledigt. Piko-Schwungmassen umstecken, Kabel anlöten, Motor eindrücken fertig. Dazu kommt demnächst ein kurzer Artikel.

Steckteile: Piko verwendet hier sehr bruchgefährdeten Kunststoff; bei anderen Herstellern kommt für solche Teile klugerweise elastisches Material zum Einsatz. Bei Piko reicht eine Berührung, und es knackt. Egal, ob Antennen oder Pfeifen. Bei meinen vier 220ern brachen bei normalen Entgleisungen gleich die Schienenräumer ab. Außerdem befestigt Piko Steckteile oft durch winzige Steckerchen, das ist völlig praxisfern. Im Bruch-Fall ist es eine grausame Fummelei, mit einer Nadel die Reste herauszupulen.

Lampen-Einsätze: Bei Lokomotiven wie BR 103 / 140 / 141 und 150 färbt Piko die Lampenringe nur vorne silbern, seitlich bleiben sie klar. Dadurch strahlen sie rundherum Licht ab, und das sieht nun wirklich vorbildwidrig aus.

LED-Farbtemperatur: Pikos erste Loks der E41 / BR141 besitzen schöne LED, die wie richtige Glühlampen leuchten. Aber Pikos 103er und 150er leuchten ab Werk fast rosa, das gilt auch für andere neue Piko-Modelle. Meine Lokomotiven habe ich deswegen mit tauglichen LED bestückt, eine recht lästige und eigentlich unnötige Arbeit: Das sollte ab Werk so sein. Es ist eben nicht egal, ‚Hauptsache, es leuchtet irgendwie‘. Meine Empfehlung für Glühlampen-ähnliche LED: https://www.railroad24.com/de/10x-smd-led-0603-goldweiss.html

Gewicht: Rocos V200 ist seit 1984 bis unters Dach mit Gewicht vollgepackt, Rocos BR 110 erging es bis Ende der 90er Jahre ebenfalls so. Auch das macht diese Modelle haptisch so hochwertig. Piko dagegen setzt auf seine Lokrahmen aus Zinkdruckguß einen weiteren Rahmen, in den Platine und Lautsprecher integriert werden. Dieser wird aus Kunststoff gefertigt, und Piko verschenkt hier mögliches Mehr-Gewicht.

Schlepp-Achsen: Piko belässt bei dreiachsigen Drehgestellen die mittlere Achse ohne Antrieb. Bei den Loks BR 103 und BR 150 sind nicht einmal Radkontakte vorhanden, was bei der BR 232 noch der Fall ist. Gerade im DC-Betrieb sollte jedes Rad der Stromabnahme dienen, das ist eine Binsen-Weisheit. Außerdem sitzen diese Achsen locker im Rahmen, sie werden nicht einmal sanft auf die Gleise gedrückt. So drehen sie sich nicht zuverlässig mit, und ganz prima sammeln sie durch den ‚Schleifbetrieb‘ Schmutz von den Gleisen: Die Räder dieser Achsen erfordern besonders oft Reinigung.

Radlaufflächen: Nahezu sämtliche Räder meiner Piko-Modelle besitzen ab Werk so raue Räder, dass Staub und Schmutz sich unverzüglich darauf ablagern. Fortwährend müssen diese Räder gereinigt werden. Die Räder der Rheingold-112 sind die endlich glatt, aber Käufer älterer Loks können meiner Erfahrung nicht auf Kulanz seitens Piko hoffen: Neue Achsen mit glatten Rädern soll man aus eigener Tasche bezahlen – und man muss sie ja auf die anderen Achsen setzen (lassen). Danke nein.

Schlusslichter: Pikos Kasten-E10 bekam endlich die winzigen Schlusslichter in den großen Lampen, das sieht toll aus. Aber: Das hätte Piko von Anfang an so machen sollen. Schon 2008 hat Roco gezeigt, wie schön solche Lampen wirken. Aber Piko bessert wieder einmal erst später nach, ältere Modelle ähnlicher Bauart haben nichts davon.

Schürzen: Die Idee der auslenkbaren Schürze von DB-V200 / BR220 ist wirklich gut umgesetzt, allerdings war an der Front oftmals ein Spalt zu erkennen. Also habe ich mit einer Pinzette die Feder des Kupplungsträgers, an dem die Schürzen befestigt sind, mit Maß einfach etwas straffer neu eingehängt. Immerhin soll sich das Teil noch frei bewegen können. Danach sehen die Loks von vorn wirklich besser aus. Auch einer beschürzten BR 103 verschönert diese Straffung das Antlitz.

Lack: Licht und Schatten. Viele Fahrzeuge hat Piko wirklich exzellent lackiert. Negativ-Beispiele aber gibt es sehr wohl:

  • Die BR220 von Piko in blau/elfenbein zeigt an ihren Fronten deutliche Spuren einer nachträglichen Lackierung in elfenbein. Als trüge die Maschine Kappen auf den Nasen.
  • Blau/Elfenbein ist offenbar ein Problem für Piko. Gleich zwei Loks habe ich nicht gekauft, die BR 141 mit blauem Dach und auch die BR 150, weil deren Elfenbein viel zu weiß aussah. Vom breiten, schwarzen Trauerflor um die Lüfter der 150, der sich dann auch noch durch Anfassen verreibt, ganz zu schweigen. Offenbar existieren aber auch Fertigungs-Lose in exakten Farbtönen.
  • Ich hatte zwei Loks von Piko der BR103, beide nicht „beige“, obwohl das so richtig gewesen wäre, sondern irgendwie elfenbein, und dies auch noch voneinander abweichend.
  • Pikos drei zuerst ausgelieferte Varianten der Familie V200 / BR 220 tragen jeweils unterschiedliche Rot-Töne. Wozu gibt es eigentlich genormte RAL Farben?
  • Einige der ersten verkehrsroten Triebzüge von Piko sollte man besser nicht innen-beleuchten, denn ihr Kunststoff lässt das Licht durchleuchten. Dies gilt auch für frühe Auflagen des ICE3.
  • Die Lampenkästen von Pikos Hobby-101, der E-Lok, sind innen grau eingefärbt. Richtig wäre die Gehäuse-Farbe, also zumeist verkehrsrot. Eigenartig, dass dies über zehn Jahre niemanden stört.

Fall des Falles: Drehgestell-Blenden Pikos erster BR 103 und der ersten E41 / 141 sitzen so locker, dass sie unabsichtlich abfallen können. Neuere Piko-Auslieferungen haben diesen Mangel nicht. Sind Erst-Auflagen etwa Montags-Modelle…?

LED-Geiz ist ungeil: Viele Piko-Loks und Triebzüge nach modernen Vorbildern besitzen freie LED-Pads, die es ermöglichen, Fernlicht etc. einzubauen. Dazu gehören zum Beispiel der Vectron, BR245, BR440 und BR442. Bestückt sind diese Pads aber nicht, und natürlich sind sie auch nicht an die (zudem nur achtpoligen) Schnittstellen angeschlossen. Solche Sparmaßnahmen erschließen sich einem nicht wirklich, und sie kollidieren mit der Außen-Darstellung der Marke ‚Piko‘: Im Jahr 2019 darf man erwarten, dass moderne Modelle komplett bestückt ausgeliefert werden. Dank der Plux22 Schnittstelle ist eine vorbildgerechte Ansteuerung ein Leichtes.

Expert-Personenwagen

Pikos D-Zugwagen nach Bundesbahn-Vorbild sind recht spielstabil und wurden ursprünglich sehr günstig angeboten. Diese Preise passten zum optischen Niveau der Waggons, ich fand das sehr sympathisch. Inzwischen hat Piko das Preis-Niveau in die Nähe der wesentlich aufwändigeren Roco-Waggons gehoben, obwohl man bei diesen Piko-Waggons optisch und technisch eher Hobby-Niveau vorfindet. Was ja okay ist. Aber das Preis-Leistungsverhältnis geriet so in Schieflage. Außerdem…

  • Es gibt Serien der DB-Waggons, deren Farbe der Fensterrahmen sich beim Anfassen abreibt. Bislang hatte ich mehrheitlich Glück, einige Waggons mussten aber zum Umtausch eingesanft werden. Immerhin hat Piko diese Fahrzeuge umgehend und ohne Umstände ausgetauscht, das war mehr als erfreulich. Toller Service! Betroffen waren Waggons aus den Serien in grün und blau sowie blau/elfenbein.
  • Die 1. Klasse-Waggons in kobaltblau, blau/elfenbein und Pop-orange liegen minimal tiefer, als die anderen Fahrzeuge dieser Serien.
  • Auch Pikos Silberlinge lagen ursprünglich viel zu tief, und ihre Gehäuse saßen eher unpräzise auf dem Wagenboden. Zwischenzeitlich wurde hier nachgebessert, die Waggons aus dem Set mit der grünen 141 und aktuelle Einzelwagen sind prima.
  • Thema ozeanblau/elfenbein: Im direkten Vergleich zu Waggons von Roco / märklin / Fleischmann (letzte Serie aus Nürnberg) wirkt Pikos Farbe oft etwas grünlicher. Die anderen Genannten passen farblich prima zusammen.
  • Sehr gut passen Pikos Waggons in ozeanblau/elfenbein zu den zuletzt produzierten DB-Waggons von Rivarossi, diese zeigen exakt denselben minimal zu grünlichen Farbton. Ein bemerkenswerter Zufall.
  • Außerdem ist der Halbspeisewagen oben eher hell-elfenbein lackiert, und seine Fensterrahmen sind nicht messingfarben, sondern silbern gefärbt. Ein 1. Klasse Wagen desselben Farbschemas war fast beige lackiert. Also, das ist auf Dauer schon lästig.
  • Den Popwagen fehlen die grauen Zierstreifen über den Fenstern. Damit ist die ganze Serie verpfuscht (natürlich mit Ausnahme der 1. Klasse, deren gelbe Streifen sind vorhanden). Es ist wirklich ärgerlich, dass so etwas Signifikantes falschläuft. Und auch Pikos Verhalten zu diesem Thema irritiert: Man hätte ja eine konzertierte Aktion zur Nachbesserung veranstalten und den ollen Streifen aufdrucken können. Auf zwei Emails kam, genau, keine Antwort.
  • Die Innen-Einrichtungen sind zwar nur einteilig, dabei aber mit sehr vielen, schön dargestellten Details gestaltet. Torpediert wird der hochwertige Eindruck durch die Verwendung greller Farben wie Kaugummi-Rosa und Gift-Grün. Eine Zumutung. Die Abteilwände hatte man als separates Steckteil konzipieren können (ähnlich Tillig-TT), dann ließen sich die Abteile sauberer den Vorbildern angleichen.

Die Kupplungs-Halterungen von Pikos Schnellzugwagen sind sehr ungenau geführt:

  • Zuviel Spiel innerhalb der Halterung sorgt dafür, dass Bewegungen in alle Richtungen möglich sind, auch nach oben und unten.
  • Die Kupplungs-Schächte sind etwas zu großzügig bemessen: Rocos Uni-Kuppler sitzt zu locker in den Schächten. Bei Schiebebetrieb können sich im Wagenboden die Kupplungs-Halter verkeilen. Außerdem sitzen die Norm-Schächte zu weit nach außen an den Trägern: Sogar mit Fleischmanns Kurzkupplungen bleiben die Waggons zu weit voneinander entfernt. Man müsste also die Schächte mechanisch kürzen, für die Unikupplungen Einlagen erstellen und für sicheren Schiebebetrieb innen die Führung stabilisieren. Oder kurz: Leider wurde hier schlampig konstruiert.
  • Die Achsspitzen meiner Schnellzugwagen hatten sich bereits nach zweistündiger Fahrzeit bei diversen Waggons in das Plastik der Drehgestelle hineingefressen. Meine Lösung besteht aus Messinglagern und neuen Achsen von Thomschke.
  • Die Rad-Laufflächen meiner Piko-Waggons waren ebenfalls so rau, dass sie nicht nur unnötig laut rollen, sondern quasi begierig jede Form von Schmutz aufsammelten. Wo Roco- oder Fleischmann-Waggons nach längerer Fahrzeit höchstens kleine dunkle Fleckchen auf den Rädern bekommen, sind Pikos Räder recht schnell mit dunklem Schmutz beschmiert. Erst die neuen Waggons zum IC’79 haben neue, glatte Räder bekommen. Das hätte man gleich besser machen können. (…ich wiederhole mich.)
  • Pikos originale Achsschleifer raspeln nach wenigen Stunden Fahrzeit die silberne Schicht der Achsen weg. Der kupferfarbene Kern kommt dann zum Vorschein. Eine gute Alternative sind Esu-Radschleifer auch für eine Stromaufnahme über alle Räder. Pikos neue Radschleifer für Achtpunkt-Aufnahme wie bei den S-Bahn Steuerwagen verursachen bei meinem Fahrzeug seltsam fiepende Geräusche.
  • Zwar bietet Piko viele sinnvoll abgestimmte LED-Lichtleisten für die eigenen Personenwagen an, aber es fehlen Platinen mit roten Schlusslichtern für D-Zug-Wagen und Silberlinge.

Silberlinge:

  • Alle mir bekannten Silberlinge von Piko sind Bananen-ähnlich verbogen. Sie biegen sich mittig nach oben.
  • Die Stirnlampen der Steuerwagen des Karlsruher Kopfes sind entgegen der Vorbilder nicht rechteckig leuchtend, sondern punktförmig. Das sieht völlig anders aus, als beim Vorbild. Nachbesserung ist nur höchst aufwändig mit Fräsen und 3D-Druck möglich. Auf der Platine ist keine Schnittstelle für einen Funktionsdecoder, diese muss man selber nachrüsten.

Die InterCity-Waggons nach Vorbild des IC’79 zeigen ein paar subtile Fehler:

  • Der Speisewagen ist anstelle von elfenbein leider in beige lackiert. Das erste Pressemuster lag keineswegs ruhig auf den Drehgestellen, sondern wackelte entlang der Fahrzeug-Achse. Ein wohlwollender Hinweis diesbezüglich an Piko noch vor Auslieferung brachte diverse Mitarbeiter gegen mich auf – verstehen muss man das nicht. Und es wird auch nicht wieder vorkommen :-)) Die Serienwaggons sind übrigens in Ordnung.
  • Der Großraumwagen 1. Klasse zeigt auch auf der Gangseite weiß lackierte Fenster – so ein Unsinn.
  • Der Abteilwagen 1. Klasse muss vorsichtig angefasst werden, der schmale Steg unten am Gehäuse bricht schnell ab.
  • Die Inneneinrichtungen sämtlicher IC-Waggons sind in eigenartigem Curry-gelb durchgefärbt. Für einen vorbildgerechten Eindruck muss man auch hier aufwändig mit Pinsel und Farbe nacharbeiten.
  • Das Ozeanblau des ersten ausgelieferten Großraumnwagens Bpmz wirkte zu leuchtend.

Zu den neuen S-Bahn-Wagen Rhein-Ruhr habe ich bereits einen eigenen Artikel verfasst, der sich auch mit der unsinnigen neuen Spezial-Schnittstelle befasst. Eine Plux22 hätte vollkommen gereicht. https://blog.mobaz.de/2019/05/14/piko-s-bahn-rhein-ruhr/

Minitrix auf Ikea Vol.2

Zum Spielen reicht für die Spur N auch ein ‚Linnmon‘ Tisch 150cm x 75cm. https://www.ikea.com/de/de/p/linnmon-adils-tisch-schwarzbraun-schwarz-s49932670/

Es gibt viele verschiedene Linnmon Tische bei Ikea. Auf diesem kann man viel variieren.

Wer sich eine Modellbahn in Spur N zum ‚Spielen‘ aufbauen möchte, kann auch zu Ikeas günstigen Tischplatten namens Linnmon greifen. Auf 150×75 cm kann man schon wunderbar Fahrstrecken aufbauen, Häuserzeilen arrangieren und Rangieren üben.

Warum von Ikea? Weil es eben dort diese preiswerte Lösung gibt, dem Modellbahn-Hobby einen eigenen Raum zu geben. Aufbauen-Abbauen ist auf Dauer lästig. Und bevor man sich bei einem Tischler in Kosten stürzt, kann man sich erstmal auf so einem Tisch mit der Modellbahn vertraut machen.

Basierend auf den ‚ABC‘ Gleisplänen von Minitrix aus den 70er Jahren habe ich ein paar Pläne erstellt, die diese Fläche gut ausfüllen. Die PDF Dateien zeigen die Artikelnummern.

Die Minitrix-Gleise habe ich übrigens nur aus Gewohnheit verwendet; ich schreibe hier zum Glück unabhängig.

Viel Spaß beim Nachbauen. 🙂

Minitrix Nr.1. Viel Strecke zum Fahren und Abstellen langer Züge.
Die bekannte Rangier-Anlage, nun mit mehr Raum.
Etwas verspielt, aber dennoch nett. (PDF folgt)
Für eine großstädtische Umgebung und vielleicht sogar Automatik-Betrieb.

Uhlenbrocks aktuelle Lok- und Wagen-Decoder

Uhlenbrocks bietet seit 2017 eine moderne Decoder-Generation an. Hier stelle ich den Plux22 (74560) sowie den Funktions-Decoder (76900) vor.

Lokdecoder Plux22

Uhlenbrock 74560.

Bisherige Lokdecoder von Uhlenbrock waren eher robuste Gesellen, nicht eben fein auf die Motore abstimmbar. Das hat sich gründlich geändert. Die Fahreigenschaften des aktuellen Plux22 sind wirklich exzellent. Man merkt das schon bei den ersten Fahrproben, ohne irgendetwas verstellt zu haben: Derart sanftes Losrollen ist für Uhlenbrock-Nutzer eine neue Erfahrung. Möglich ist auch endlich sanftes Auf- und Abblenden der Funktions-Ausgänge. Der Effekt ist toll gelungen, und auch viele weitere Licht-Effekte sind programmierbar.

Damit erfüllen Uhlenbrocks neue Decoder die wichtigsten Anforderungen der meisten Digital-Fahrer: Vorzügliche Lastregelung und intelligente Beleuchtungs-Steuerung. Dass der im Piko-Katalog gezeigte Plux22 Lok-Decoder dem von Uhlenbrock frappierend ähnlich sieht, lässt sich möglicherweise interpretieren als höchst fruchtbare Zusammenarbeit.

Der Plux22 versteht DCC, Motorola und Selectrix, und eine Version für märklin-Fahrer mit mfx-Fähigkeit ist ebenfalls lieferbar. Bis zu sieben Zusatzfunktionen sind schaltbar, die auch von Besitzern märklins kultverdächtiger Zentrale 6021 nutzbar sind: Der Decoder behält bis zu drei Adressen.

Der Motor wird mit bis zu 1,2A versorgt; kurzzeitig sollen bis zu 2A möglich sein. Damit verkraftet dieser Decoder auch die Strom fressenden Spur Null Motore von Roco, die früher oft in Loks wie V200, TEE oder BR103 eingebaut worden waren. Es sollte ihn in einer Kabel-Version geben.

Weiterhin beachtet der Decoder RailCom und RailComPlus sowie die beliebten Bremsstrecken Lenz BM2. Die als „Kupplungs-Walzer“ bekannte Funktion bezeichnet Uhlenbrock (und so auch Piko) als „Rangier-Tango“, was ein bisschen nervt: Wozu einen etablierten Begriff mutwillig torpedieren…?

Wer Uhlenbrock-Technik einsetzt, kann zwei Lissy-Minisender anschließen. Außerdem integriert ist eine Susi-Schnittstelle. Praktisch ist die Möglichkeit von zwei verschiedenen Bremswegen, auslösbar entweder über die Bremsmodule in Zentimetern einstellbar oder über die Fahrstufe Null.

Ebenfalls durchdacht und bereits von Zimo bekannt ist die spezielle Ansteuerung der Rauch-Generatoren: Beim Anfahren wird die volle Leistung ausgegeben und dann zurückgenommen, im Stand wird der Dampf-Generator automatisch abgeschaltet. Das ist vorbildgerecht, und man braucht nicht so oft Öl nachzufüllen. Sogar ein Anfahr-Trick ist programmierbar, sodass die Lok beim Anfahren zunächst noch stehenbleibt, der Rauch beginnt sich, zu entwickeln, und erst dann fährt die Lokomotive unter kräftigen Rauchwolken los. Nett!

Bei allen Neuigkeiten ist etwas Vertrautes geblieben: Der für Uhlenbrock so typische Brummton, den die Lücke der Lastregelung im Lok-Motor verursacht. Während Decoder von Lenz oder Zimo ausgesprochen leise arbeiten, erkennt man das Uhlenbrock-Produkt ab der ersten Fahrstufe am Brummen. Man vermisst allerdings ein automatisches Einmess-Verfahren für die Motor-Einstellungen, so bleibt die ungeliebte Tüftelei.

Ebenfalls geblieben ist die in Teilen kryptische Anleitung. Im Jahr 2019 ist es schon extrem dreist (oder ignorant), den Modellbahnern, die inzwischen komfortable Smartphones nutzen, solch ein unverständliches Papier zuzumuten. Das dürfte ein Kauf-Hemmnis sein. Zwar avisiert Uhlenbrock dazu eine Software namens „Lok-Tool“, aber dazu braucht man ein zusätzliches Gerät. Das passt alles nicht in unsere Zeit. Der Weg von Esu und märklin, dass sich die Decoder von allein auf die jeweilige Lok einmessen, ist heute der einzig gangbare.

Hier ein Beispiel für die Programmierung einer E-Lok der Baureihe 110 von Roco. Ich habe deren Schlusslichter nachträglich separat an die Plux-Schnittstelle angeschlossen, weil man bei Roco auf so etwas ja nicht gekommen ist. Die Beleuchtung soll sanft an- und ausgehen, und sie soll über die Tasten F7 und F9 führerstandsseitig abschaltbar sein.

Eine beschreibung folgt später.

CV03 = 13, CV04 = 08, CV06 = 12, CV33 = 01, CV34 = 02, CV107 = 23, CV108 = 41, CV117 = 30, CV118 = 30, CV186 = 15, CV187 = 7

Der Funktionsdecoder:

Uhlenbrock 76900

Auch Uhlenbrocks neue Funktionsdecoder bieten endlich dem Wettbewerb Paroli. Die Schaltfunktionen lassen sich auf eine Unzahl möglicher Effekte programmieren, sanftes Auf- und Abblenden ist natürlich dabei.

Besonders beeindruckend ist der Neonröhren-Effekt, wenn Innenbeleuchtungen in vier Bereiche teilbar sind, wie zum beispiel bei Pikos neuen IC-Waggons. Beim Einschalten der Beleuchtung ereignet sich ein chaotisches Blink-Gewitter, das schnell abklingt, bis alles gleichmäßig leuchtet. Man muss sich selbst ermahnen, die Effekte nicht allzu dramatisch einzustellen, weil’s so drollig blinkt.

Die Ausgänge sollten allerdings ab Werk nicht nur als Lötpads, sondern mit ausreichend langen Kabeln ausgestattet sein. Nicht jeder Hobbybahner mag direkt auf dem Decoder herumbraten.

Uhlenbrocks 76900 in einem Großraumwagen von Piko.

Als Besonderheit bietet dieser Decoder vier zusätzliche Funktionsausgänge als Logikpegel-Kontakte. Und, man höre und staune, er reagiert sogar auf den Umschalt-Impuls der analogen Märklin-Trafos.

Fazit: So geht das! 🙂 So machen jetzt auch Uhlenbrock Decoder wirklich Spaß.

Plastik-Pest – Rocos Version von ‚Zink-Pest‘.

Früher habe ich mich amüsiert über zerbröselnde Märklin-Modelle. Dass Ähnliches auch mit Kunststoff passieren kann, und dann auch noch mir, das wäre mir im Traum nicht eingefallen.

Metall, das sich wegen seiner unreinen Legierung selbst zerlegt, das ist mit der sogenannten ‚Zink-Pest‘ befallen. Unter märklin-Sammlern ist das ein bekanntes Schreck-Gespenst und alles andere, als lustig. Schließlich werden hier wertvolle Modelle unaufhaltbar zerstört.

Aber seit ein paar Jahren mehren sich die Berichte über splitterndes Plastik von Roco-Modellen. Erstmals habe ich über die S-Bahn-Waggons gelesen (2011?), deren braune Böden auseinanderbrechen. Dann brachen Rocos Güterwaggons auseinander, ein spezieller Fall ist das Digital-Set der Teleskop-Haubenwagen.

Mir war das Thema völlig neu. Inzwischen hat es meine eigene Sammlung erwischt. Der Bruch trifft Modelle aus unterschiedlichen Fertigungs-Jahren. Wer sowas mit ‚Alter‘ erklären möchte: Meine ältesten Roco-Loks stammen aus dem Jahr 1977, und deren Gehäuse sind tippitoppi.

Mein InterRegio stammt aus dem Jahr 2013. Die Klippse der braunen Bodenwannen brechen reihenweise ab, eine Drehgestell-Halterung ist nach innen gebrochen, und auch einen Drehgestell-Klipps hat es getroffen. Natürlich hält das Gehäuse jetzt nicht mehr fest; Ersatz-Rahmen oder -Gehäuse bietet Roco nicht an, und verkaufen kann man sowas nicht. Frustrierend.

Wie dünnes Glas bricht das Gehäuse der BR364 (2004) in der drolligen Ausführung in blau-elfenbein: Diese hier Gezeigte ist lediglich vom Gleis auf ihre Seite gekippt. Prompt war das schmale Seitendach weggebrochen. Das ist übrigens bereits ein Ersatzteil; das erste Gehäuse grinste nach dem Abnehmen geradezu boshaft. Entegen der landläufigen Meinung fährt diese Lok wenigstens ganz fein und geschmeidig.

Am Schlimmsten hat es den Glaskasten (2006) in Farbgebung der K.P.E.V. getroffen. Beim ersten Gehäuse brach beim Abnehmen seitlich ein großes Stück heraus. Das Ersatzgehäuse kam direkt mit zerstörter Rückseite bei mir an.

Das Problem dieser Lokomotiven ist, dass ihre Ersatzteile zur Zeit der Serien-Produktion mitproduziert worden sind, also exakt dieselbe Qualität darstellen. Märklin produziert schon mal Gehäuse oder ganze Loks nach, wenn die Zink-Pest mal wieder zugeschlagen hat. Und Roco…? Still ruht der See. Nett ist das nicht. Man sollte diese Teile endlich in solider Qualität nachproduzieren.

LaisDCC Decoder, die Billigen aus China.

Klein sind sie, die Decoder von LaisDCC.

Funktional eingeschränkt und moralisch fragwürdig, so lässt sich wohl am Besten beschreiben, was hier aus China angeboten wird.

Man könnte annehmen, dass nicht jede Lokomotive den besten Decoder braucht. Zehn Euro für einen DCC-Lokdecoder, das klingt nach einem Preis, zu dem man auch Spielzeug-Loks umbauen würde. Die LaisDCC-Decoder werden für viele international bekannten Schnittstellen angeboten. Es gibt sie in klein für N und etwas stärker für H0 Lokomotiven. Auch ein Lichtwechseld-Decoder ist dabei. Übrigens, die hier besprochenen Decoder wurden mir auf meine Anfrage hin vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Was können LaisDCC-Decoder?

Hauptsächlich die Basics. Man kann damit im DCC-Betrieb Loks fahren und ihre Funktionen schalten oder eben Steuerwagen digital einbinden. Eine Beschleunigungskurve lässt sich einschreiben, und um Schmutzstellen zu überbrücken, kann man günstige Elko-Pakete anschließen.

Was können LaisDCC-Decoder nicht?

Die vielen unterschiedlichen Modell-Lokomotiven erfordern es, die Lastregelung der Decoder an die jeweiligen Getriebe anzupassen. Die Lastregelung der LaisDCC Decoder ist fix auf irgendwelche Werte eingestellt. Im Ergebnis fahren einige Loks recht gut, andere aber rollen mit flotter Geschwindigkeit los (trotz CV02 = 01), ruckeln und zittern und bleiben beim Abbremsen schlagartig stehen. Das macht alles keinen Spaß. Auch weitere charmante Funktionen wie sanftes Ein- und Ausschalten des Lichtes oder dessen seitenweises aktives Ausschalten für Wendezug-Betrieb sind nicht an Bord. Susi-Buchsen sucht man vergebens.

Was nervt an LaisDCC-Decodern?

Es gibt Verschiedenes an den Fahreigenschaften zu kritisieren: Abruptes Losrasen nach einer kurzen Strom-Unterbrechung wie Schmutz oder Ähnlichem nervt nicht nur, es kann auch zu Entgleisungen führen. Vor allem bei langen Zügen. Auch kann es beim Programmieren passieren, dass die Lokomotive unvermittelt zu einer Seite wegfährt, als würde sie sich erschrecken. Meiner Erfahrung nach bis zu 50cm Strecke.

LaisDCC bietet auch Plux22 Decoder an – hier mit einem ’stay alive‘ Rucksack, bereit zum Anschluss.

Auf meine Email von vor zwei Wochen mit Detail-Fragen zu den Decodern erhielt ich leider keine Antwort.

Ich bin mir auch nicht sicher, inwiefern der Erwerb oder die Einfuhr dieser Decoder in der EU überhaupt legal ist.

Aber auch die moralische Komponente ist nicht zu unterschätzen: LaisDCC hat anfangs die Decoder des US-Herstellers ‚TCS‘ kopiert, inklusive der Software. Darauf verweisen Internet-Quellen und eine persönliche Aussage des TCS-Chefs via Email an mich. Man war ursprünglich sogar so dreist, die Hersteller-Kennung von TCS zu übernehmen. Falls das alles so stimmt, dann stellen diese Decoder in Summe einen klaren Fall von Produkt-Piraterie dar. Nachfolgend findet man eine Äußerung des TCS-Boss zur Angelegenheit: http://yourmodelrailway.net/view_topic.php?id=13788&forum_id=10&jump_to=248529#p248603

Inzwischen erscheint beim Auslesen der CV 08 eines aktuellen Decoders die Angabe ‚134‘, was immerhin auf den tatsächlichen Produzenten hinweist.

an die Kabel schwarz & blau kann man den ’stay alive‘ Baustein anschließen.

Fazit: Auch der günstigste Decoder ergibt keinen Sinn für mich, wenn die Fahreigenschaften nicht überzeugen und einem das Fahren mit der Modellbahn keine Freude bereitet. Dazu gesellt sich der Aspekt der Piraterie, deren persönliche Bewertung natürlich jedem freigestellt ist. Ich persönlich bevorzuge Original-Produkte.

Wer günstige DCC-Decoder sucht, erhält für rund 20 Euro Bausteine, die wirklich fantastische Fahreigenschaften und diverse Schaltfunktionen ermöglichen. Meine persönlichen Empfehlungen sind der Zimo MX600 (Kabel, 8poliger Stecker, Plux12) und der Lenz Standard+ V2 (8polig). Auch Esu und Tams halten gute Angebote in dieser Preisgruppe.

Kurz: Die LaisDCC Decoder erfüllen leider nicht die Erwartungen.