Klassisches Märklin – Spielen und Sammeln mit Charme.

Ein Wettrüsten hat eingesetzt: Einige Hersteller überbieten sich gegenseitig mit technischen Features. Während sich der normale Modellbahner freut, alte Schätzchen auf neuen Gleisen fahren zu lassen. Am Besten digital, und das geht auch günstig.

*RRRRRR* 🙂 Technik, die man versteht, und die man (gerne) hört. Ohne Sounddecoder.

Für einen Bekannten sollte ich eine alte E-Lok von märklin auf digital umbauen, mit im Paket lag der günstige Umrüstsatz 60760. Ich ahnte Schreckliches, aber ich wurde belehrt. Denn nur wenig Mehr-Arbeit und diese €30.- Zutaten entlocken so einer alten Maschine einen Charme, den man als ach-so-abgeklärter DC-Bahner nicht erwartet. Zu der dem Decoder beiliegenden Anleitung hier ein paar ergänzende Hinweise.

Motor (Die Umsetzung dieses Tipps ausdrücklich auf eigene Gefahr!)

So glatt sollte der Kollektor aussehen.

Wie immer bei märklins klassischem Motor sollte man den kupfernen Kollektor sorgsam glätten. Denn ab Werk besitzt dieser sehr scharfe Kanten, die die Schleifkohlen abfräsen. Der Staub setzt sich in die Spalten und sorgt irgendwann für Verdruss. Also: Polierleinen besorgen, zum Beispiel 6000 und 14000, den Anker vorsichtig (!!) mit dem Zahnrad in eine kleine Bohrmaschine spannen, dabei das Zahnrad optimalerweise heile lassen, und auf den sich drehenden Kollektor mit Polierleinen einwirken.

Zum Beispiel, indem man schmale Streifen abschneidet und um ein Hölzchen spannt. Erst mit grobem Leinen die Kanten brechen, und dann mit dem feinen Stoff den Anker spiegelglatt polieren. Diese Sache dauert insgesamt nur so etwa eine Minute. Nochmal: märklin spart sich das Glätten seit Jahrzehnten und brockt den Modellbahnern wissentlich Frust ein; nett ist das nicht.

Meine Polierleinen habe ich dort gekauft: http://www.meshy.de/

Getriebe

Alte Lokomotiv-Modelle haben oft bereits viele Stunden Freude bereitet. Entsprechender Schmutz hat sich im Getriebe angesammelt. Mit dem bekannten Dampf- und Reinigungsöl SR24 und Wattestäbchen lässt sich diese Schmiere wirksam entfernen. Auch märklin-Loks, die sich keinen Millimeter bewegen, weil sie im märklin-Werk mit dem berüchtigten „Getriebe-Kleber“ versehen wurden (‚Öl‘ genannt), lassen sich mit SR24 und vor allem Geduld wieder ins Leben zurückholen. Vor dem richtigen Ölen sollte man alle Spuren des SR24 von bewegten Metallteilen mit reinem Alkohol und weiteren Wattestäbchen entfernen.

Beleuchtung

Aktuelle LED in einer alten märklin-Lok. Harmoniert wunderbar.

Klassischerweise sind diese Lokomotiven mit Glühlampen beleuchtet. Ich habe statt derer kleine LED-Plättchen aus einer längeren Lichtleiste verwendet. Diese kann man dank ihres Widerstandes direkt an die Kabel des märklin-Digitaldecoders anschließen. Mit Sekundenkleber von Pattex habe ich die Plättchen direkt auf den Metallboden geklebt. Auf die Polung muss man natürlich achten, die Kabel grau und gelb jeweils an die Kontakte der LED, orange als Masse (im Foto schwarz) an die Kontakte der Widerstände.

Karton gegenüber der LED verteilt das Licht gleichmäßig; die Karton-Farbe beeinflusst dabei die Farb-Temperatur.

Damit das Licht gleichmäßiger auf die Lichtleiter reflektiert wird, habe ich in die Fronten der Lok gegenüber der LED cremefarbenen Karton geklebt.

Anfahr- und Bremsverzögerung

Es ist sinnvoll, diese Werte etwas heraufzusetzen. Die Maschine benimmt sich dann wesentlich eleganter.

Die passende Ergänzung: Alte Waggons in blau/elfenbein.

Fürnehme Distanz: So sah das eben Anfang/Mitte der 80er Jahre aus. Und es funktioniert.

So eine alte Maschine sieht vor nagelneu gekauften Waggons natürlich ein bisschen seltsam aus. Aber via Ebay, Hood oder auf Modellbahn-Börsen kann man sich gebrauchte, zeitgenössische Waggons besorgen. Oft zu fairen Preisen.

Die im Bild gezeigten Fahrzeuge besitzen nicht einmal die Mechaniken für Kurzkupplungen, sie sind also wirklich angejahrt und damit perfekt geeignet als Ergänzung der gezeigten Lokomotive. Jeder Waggon besitzt seinen eigenen Schleifer, aber die Zugkraft der schweren 140 steckt das locker weg. (meine Ohren dafür umso weniger…)

Leicht abgerockt aber mit großem Spaßfaktor! Gleichstrom-Fahrer bekommen DC Achsen unter der märklin-Nummer E700580. Damit rollen diese Waggons auch auf Trix C Gleisen, Fleischmann Profi, Roco geoLine und Line und natürlich dem Piko A Gleis.
Waggons mit Innenbeleuchtung machen mehr Spaß, gerade im Dunklen quer durch die Wohnung.

Oft besitzen diese Waggons bereits eine Innenbeleuchtung von märklin mit Glühlampen. Das Alles kann man im Prinzip so belassen und nutzen, aber für den Digitalbetrieb bietet es sich an, diese Glüh(!)Lampen gegen baugleiche moderne LED-Alternativen auszutauschen. Auf Ebay einfach mal die Suchbegriffe „märklin LED Glühlampe“ eingeben, dann findet man zum Beispiel das:

https://www.ebay.de/itm/4-Stuck-MS4-LED-Gluhlampen-Birnen-wie-60000-600000-Warm-weis-kurz-NEU-E600000/313324137068?epid=4011374540&hash=item48f392ea6c:g:jeYAAOSwjkdZ8FYs

Mit diesen Schrauben ist das Gehäuse befestigt. Es wäre möglich, Kurzkupplungen aus 7205 einzusetzen.
Hier verstecken sich die Glühlampen, die man gegen warmweiße LED austauschen kann. …und ein bisschen sollte. 🙂
So werden die Laufflächen wieder sauber – ähnlich, wie früher die Tonköpfe vom Cassettendeck.

Die Räder haben oft über die Jahre eine dicke schwarze Schmutzschicht aufgebaut. Mit dem SR24 und einer beachtlichen Anzahl von Wattestäbchen kriegt man die alten Räder prima sauber.

Sanft hilft der Roco Rubber dem Schleifer zu gutem Kontakt.

Den Schleifer kann man auch damit reinigen; in hartnäckigen Fällen einfach einen Roco-Rubber verwenden zum Sauberpolieren.

Fazit: Die klassische märklin-Modellbahn mit Drehgestell-Antrieb und vernehmbar arbeitendem Getriebe mag aus einer anderen Zeit stammen, aber sie macht noch immer viel Spaß.

Freidenker bekommen eine Auswahl dieser alten Fahrzeuge für DC Gleise (Fleischmann, Piko, Roco, Trix) oft gebraucht unter der Bezeichnung märklin Hamo. Spaß mit märklin kann man haben mit und ohne Mittelleiter. 🙂

Maßstäblichkeit – Pflicht oder Kür? Fleischmann 4169.

Vor Kurzem besuchte mich ein Dampflok-Modell von Fleischmann, sozusagen. Diese schicke Lok ist bekanntlich noch in 1:85 konstruiert, also dezent zu groß. Na und?

Links Fleischmann, rechts Roco. Rechts maßstäblich, links gerade Griffstangen: Who’s Bad?

Im direkten Vergleich mit einem passenden Modell von Roco fällt vor allem auf, dass die Fleischmann-Maschine noch immer gut mithalten kann – angesichts ihrer Konstruktion von …? 1970?

Fleischmanns leicht zu große Loks erklären sich übrigens aus einem Zeitgeist der 60er, als die Schienenprofile noch extrem dick waren, und man davon ausging, dass sich das nie ändern würde. Man wollte den Eindruck der Loks auch auf diesen Gleisen erhalten.

Heute kommt einem das eigenartig vor, aber das Denken der Menschen ändert sich eben: Auch Smartphones werden uns nicht ewig begleiten; die Klötze werden irgendwann durch Eleganteres abgelöst.

Links Fleischmann, rechts Roco. Fleischmanns Pufferhöhe ist schon amüsant, fällt aber im normalen Betrieb nicht auf.

Ende der 80er Jahre bekamen viele Fleischmann-Dampfloks diese feineren Räder, mir gefällt dieses Modell wirklich gut. Sogar der angeblich ungeliebte Rund-Motor arbeitet schön leise, geschmeidig und lässt die Lok ordentlich ziehen. Keine Ahnung, was die Leute habem, außer…

…moralinsauer auf Perfektion-ab-Werk zu bestehen. Tut das Not? Gäb‘ es diese Lok zu einem fairen, ihrem Alter angemessenen Kurs zu kaufen, sie würde ihre Käufer finden. Das Totschlag-Argument ‚unmaßstäblich‘ verwenden ohnehin nur Modellbahner, die aus Arroganz und geistiger Bequemlichkeit ihre Ansprüche Andersdenkenden überdäuen wollen – ohne drüber nachzudenken, welche praktischen Gründe es gibt, Personenwagen zum Beispiel zu verkürzen.

Man kann Dinge auch trotz oder wegen ihrer unperfekten Mach-Art wertschätzen; so besitzen auch Blechwagen von märklin ‚Charme‘. 🙂

Oben Fleischmann, unten Roco. Die Kürze ist wirklich da, trotz der Kamera-Perspektive – na und?

Längst nicht alles, was früher mal beliebt war, wird auf Dauer ausrangiert: Schallplatten sind auch wieder da. Marke und Produkte von Fleischmann H0 hätten zeitnah ein Comeback verdient, unter kundigem Management versteht sich.

Kurz: Wer so ein Modell angeboten bekommt, kann beruhigt zugreifen. Die Lok mag etwas bullig aussehen (sozusagen vorbildgemäß), aber ihre Qualität, hergestellt in Nürnberg zu Zeiten ohne österreichischen Einfluss, kann auch heute noch überzeugen.

Märklin H0 Vectron 36292 für „internationale“ Gleise.

märklin bringt ja öfter schöne Fantasie-Modelle heraus. Mit ist es schnuppe, ob Andere Derartiges ablehnen, weil es „das beim Vorbild nicht gegeben“ habe – mir gefällt’s. Und es ist ja MEINE Modellbahn, ne? Also.

Eine Fantasie-Lackierung auf echtem Karo-Block. 🙂

Für 2020 bietet märklin eine Diesellok aus der Vectron-Familie an, die in Bundesbahn-Farben lackiert worden ist. Sie entspricht in etwa den Farben des Triebzuges ET11, leider ohne dessen hellgraues Dach. Mir gefiel diese Lok auf Anhieb, und es sind lediglich kleinere Löt-Arbeiten notwendig, um sie auf Fleischmann-, Roco- oder gar hauseigenen Trix-Gleisen einzusetzen.

Märklin-Qualität ist nämlich tatsächlich ganz cool. Allein: Mit dem ollen Schlitter-Schleifer fange ich nichts an, wozu auch. Im traditionellen Sinne hat das Prinzip seine Berechtigung. Aber im Sinne der Evolution von Modellbahnen ist der Mittelschleifer ein lästiger Anachronismus der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, dem märklin selbst in sämtlichen Baugrößen bereits abgeschworen hat bzw. Alternativen zeigt.

Dieses Vectron-Modell ähnelt technisch den ‚Hobby‘ Traxx-Loks, die märklin erstmalig Mitte der Nullerjahre präsentierte. Sie waren eine Antwort auf Pikos Billig-Aktionen; das krasseste Beispiel waren Piko-Loks für das märklin-System mit Decoder für €25 (!). Sorry, alles hat seine Grenzen. Märklin reagierte auf eigene Art mit einer modernen BR 185 mit solidem Metallgehäuse, Antrieb durch Mittelmotor auf beide Drehgestelle (für manche ‚Märklinisten‘ vermutlich ein Kultur-Schock) und lastgeregeltem Decoder – für 99 Euro. Definitiv das seriösere Angebot.

Antrieb auf alle Achsen, Stromaufnahme über alle Räder – internationaler Standard ist auch bei märklin längst Usus. Man beachte die Bremsscheiben…

Diese Loks besitzen Achsen aus Kunststoff, darauf aufgepresst sitzen die Räder aus Metall. Außerdem besitzen Viele (aber nicht alle) dieser Räder recht niedrige Spurkränze, sodass sie selbst auf RocoLine Gleisen nicht über die Klein-Eisen hoppeln; Ausprobieren hilft. Wer also Metall-Modelle mag, findet hier ein inzwischen umfangreiches Sortiment.

Aktuelle märklin-Decoder verstehen fast immer auch DCC, und viele ältere ‚Hobby‘-Loks kann man mit einfachen (und original-Märklin-) Mitteln mit Schnittstelle und DCC-Decoder umbauen. Das macht dann sogar Spaß.

märklin ohne Mittelleiter, eine prima Sache, die Spaß macht und nicht rasselt.

Umbau auf oM – ohne Mittelleiter.

Das geht ganz fix: Entfernen des Schleifers & Ordnen der Kabel-Verbindungen zur Platine. Das isses. Die einzelnen Schritte:

  • Gehäuse abschrauben (vier Schrauben)
  • Schleifer abklipsen
  • Kontaktplättchen herausnehmen und Kabel abtrennen
  • Das Kabel des Mittelschleifers nach oben herausziehen und von der Platine ablöten
  • Blenden der Drehgestelle sicherheitshalber abhebeln, Achsen zur Seite legen
  • Kabel-Brücken der Rad-Kontakte ablöten oder aufzwicken (diese schwarzen Kabelverbindungen verstecken sich quasi unsichtbar eng anliegend auf den Getriebe-Gehäusen!)
  • Kabelverbindungen herstellen zwischen den zwei freien Radkontakte und Platinenkontakten
  • Achsen wieder einsetzen, jeweils etwas Schmiermittel dazu
  • Drehgestellblenden einklipsen
  • Gehäuse aufsetzen, festschrauben
  • Adresse 03 anwählen und losfahren.

So fährt die schöne Lokomotive über meine Gleise nach internationalem Standard, angesteuert mit DCC durch einen Fleischmann-ProfiBoss. Die Kupplung von märklin sitzt in einem Normschacht und lässt sich so einfach gegen Andere austauschen. Der quakige Original-Lautsprecher könnte später durch eine Bassreflexbox ersetzt werden.

Die rosa Kreise (no Agenda here…) zeigen, wo die Kabel von den Radkontakten angelötet werden müssen.

Glänzende Bremsscheiben für Hobby Traxx Lok von märklin / Trix.

Die brünierten Bremsscheiben dieser Modelle sollten natürlich silbern aussehen; hier spart märklin seit 15 Jahren an der falschen Stelle. Bei diesen aktuellen Lokomotiven sind es ja gerade die Räder, die den ‚Hingucker‘ darstellen; diese dunkel zu belassen, das ist schon feist.

So glänzend sollten Bremsscheiben aussehen. Nicht grau, nicht brüniert (!).

Abraten möchte ich von Pinseleien; das Anmalen der Bremsscheiben kann eine Sauerei werden.

Ich habe mich an 1:1 orientiert und die Bremsscheiben blank poliert, vorsichtig und mit Augenmaß. Vorbildgetreuer geht es nicht.

Das geht sehr einfach; am Besten mit einem zweiten Modellbahner als Hilfe: Man besorgt sich Polierleinen (6000 & 12000) zum Beispiel bei http://www.meshy.de/ und schneidet sich davon Streifen ab, die in etwa der Breite der Bremsscheiben entsprechen. Außerdem braucht man ein Holzstäbchen in gleicher Breite.

Nun legt man die Lok mit den Rädern nach oben in eine Lokliege und gibt Strom auf die Räder bzw. Räder und Schleifer, dazu kann man ein normales Anschlussgleis verwenden.

Mit der einen Hand hält man ein Drehgestell gerade und drückt mit der anderen Hand das Stäbchen mit 6000er Polierleinen sanft (!) gegen die Bremsscheibe, bis sie gleichmäßig blank poliert ist.

Nicht zu sehr aufdrücken, einfach mit Muße die Brünierung entfernen. Die Vertiefungen bleiben dabei netterweise dunkel, sodass endlich die schöne Struktur der Radscheiben überhaupt zu sehen ist. Und beim Diesel-Vectron hat märklin die Bremsscheiben tatsächlich anders dargestellt, als bei den Traxx E-Loks.

märklins ICE2 sieht mit polierten Bremsscheiben wirklich schick aus.

Für einen ICE2 aus einem Startset gab es neue DC-Räder, die zwar eigentlich falsch sind aber sehr genau in die ebenfalls falschen Drehgestell-Blenden passen. Blenden, die von der BR185 stammen – märklin zeigt da schon eine gewisse krimin… kreative Energie. Also, dessen Bremsscheiben habe ich ebenfalls poliert. Und auch, wenn es nicht so wirklich vorbildgerecht ist: Es sieht wirklich cool aus. 🙂👍🏻

Abschließend mit 12000er Polierleinen die Oberfläche glätten und glätten, bis sie blitzt und glänzt, wie bei den Vorbildern. Die Wirkung ist verblüffend, und man bekommt ein ganz neues Gefühl zu den schönen Modell-Lokomotiven.

…märklin könnte diese Loks natürlich auch so ab Werk ausliefern – wozu sonst sind märklins Räder komplett aus Metall, nicht wahr?

So bereitet mir märklin H0 Freude – auf „internationalem“ Gleis (nicht zwangsläufig genau diesem), in solider Qualität.

Plastik-Pest bei Roco (4) BR042

Eine meiner Dampfloks blieb letztens schlagartig stehen. Bei der Ursachen-Forschung fand ich im Tender-Getriebe ein Stück Kunststoff. Herkunft ungewiss.

Zwischen den Zahnrädern fand sich der kleine schwarze Klipps.

Interessant ist, dass sowas nur bei relativ neuen Roco-Modellen vorkommt. Ich habe Fahrzeuge von Roco, die in den 70er, 80er und 90er Jahren produziert worden sind. Deren Kunststoffe sind einwandfrei.

Vielleicht sollte man also lieber ältere Roco Modelle kaufen…. Oder Alternativen von Piko.

Pikos neue H0 Kurz-Kupplung 56046.

Diese Woche hat Piko eine eigene, neu entwickelte Kurzkupplung ausgeliefert. Hier eine kurze Besprechung.

Vor Längerem sandte ich der Firma Piko ein Pärchen älterer Kurzkupplungen als Produkt-Vorschlag. Hergestellt von Fleischmann in den 70er Jahren, die sogenannten ‚Fox-Kupplungen‘. Dessen Patente dürften längst abgelaufen sein.

Meine Idee war, dass Piko, bis dato ohne eigene Kupplung, diese Fox-Kupplung neu nachbauen könnte, aber dann eben 100% kompatibel zu Fleischmanns Kurz-Kupplung, deren Ankuppel-Verhalten bis heute eher reproduzierten Auffahrunfällen gleicht… So hätte der Markt endlich eine tolle, kompatible Kupplung, und Piko hätte sich als gewitzter Verbesserer inszenieren können (das liegt denen ja eigentlich).

Kurz, ich bekam meine Muster zurück mit der Anmerkung, man habe kein Interesse an einer Kupplung. Na gut, in Ordnung.

Dann folgten die nächsten Neuheiten, und darin fand sich eine V60 mit spezieller digital lösbarer Kupllung – die passte zwar zu kaum einer der bekannten Kurzkupplungen, war aber immerhin eine gute Idee.

Und im Jahr 2020 stellte Piko nun eine völlig neukonstruierte KK vor. Übrigens ohne dabei an ein Entkupplungsgleis für das hauseigene A-Gleis zu denken. Was finden wir also vor?

Die neue Kupplung

Man fühlt sich an eine ganze Reihe bereits vorhandener Kupplungen erinnert. Die klare Vorlage ist Fleischmanns bekannte Kurzkupplung, aber man findet auch Elemente der Roco-KK wieder. Dazu die zerklüftete Optik der aktuellen TT-Kupplung.

Diskret ist anders.

Aussehen

Mich erinnert Pikos neue KK an einen Hirschhornkäfer. Und ist in etwa auch genau so attraktiv. Mir gefallen diese ausladenden ‚Greif-Arme‘ nicht, aber Geschmäcker sind eben verschieden.

Der Kupplungskopf wurde weit unten angeordnet, damit die Puffer keinesfalls berührt werden. Ob auf Mittelleiter-Weichen die Pukos berührt werden können, das ist noch zu verifizieren.

Auf Puko-Weichen könnte das knapp werden…

Auswahl

Es gibt nur Steckkupplungen, nach Wahl mit oder ohne Strom-Übertragung. Höhenverstellbare Kupplungen wie für viele Roco-Fahrzeuge notwendig, sind noch nicht angekündigt. Ebenso gibt es noch keine Digitalkupplung.

Funktion

Das Ankuppeln erfolgt ähnlich Fleischmann nur mit Schwung. Sanft Gegenrollen und Ankuppeln funktioniert nicht. Die Konstruktion mit zwei kleinen Kunststoffteilen, die sich im Kopf gegenseitig verschieben bewirkt keine Verbesserung gegenüber Vorhandenem. Dabei wäre es so einfach gewesen, aber ich will hier niemandem die Arbeit abnehmen.

Oben der Entkupplungs-Stift, unten der kleine Kupplungs-Haken.

Da in einem YouTube-Video das Einkuppeln als „gerade im Vergleich zur Fleischmann Profi-Kupplung angenehm leicht“ beschrieben wird, bitte ich die Leser darum, die betreffende Szene genau zu betrachten: Zum Ankuppeln wird ein Waggon händisch gegen eine stehende Lok geschoben. Ein ziemlich billiger Trick, sowas nennt man: Schummeln. Zumal im Fazit dann doch Kritik geäußert wird.

Die Kupplungs-Verbindung bleibt meiner Erfahrung nach sicher zusammen, man kann die Fahrzeuge sogar nach oben herausnehmen. In den Entkupplungsstegen zeigen sich kleine Ösen. Der Verdacht liegt nahe, dass Digital-Kupplungen folgen werden. Aber die normalen Kupplungen hätte man ohne diese Ösen ausliefern sollen. Das sieht wie ein Bastel-Rest aus.

Schön ist anders.

Die oft genannte Funktion der Strom-Übertragung ist wohl nur für märklin-Fahrer interessant, die nicht unter jedem Wagen mit Licht einen Schleifer haben wollen. Aber märklin hat bereits eine eigene einpolige Kupplung – und dazu diverse zwei- und vierpolige Kupplungen. Also, dort herrscht eigentlich kein Bedarf.

Zusammengekuppelt von oben. Nett gemeint.

2L Fahrer brauchen keine Mittelschleifer, das funktioniert bekanntlich alles über die Räder. Jeden Wagen mit eigener Versorgung auszustatten ist auf jeden Fall eleganter, als um die Kulissen mit Kabeln herumzuheddern, die irgendwann durch die fortwährende links-rechts-Bewegung abreißen können. Dann lieber die Kabel im Drehgestell jeweils nach oben führen, und die Sache hält (fast) ewig. Und ja, ich habe eigene Erfahrungen mit solchen Kupplungen.

Kompatibilität:

Nix da. Pikos Kupplung ist zu keiner anderen Kupplung kompatibel. Piko reißt eine völlig eigene Baustelle auf, wie auch schon mit der fragwürdigen Spezial-Schnittstelle im ICE4. Piko möchte die eigenen Kunden in Abhängigkeiten bringen. Aber: Was bei märklin (noch) funktioniert, das empfinden 2L-Fahrer oft schnell als Bevormundung.

Anstelle sich an den Gegebenheiten des Marktes zu orientieren und sich dort einzugliedern, um gemeinsam erfolgreich zu werden, hält man bei Piko eigensinnige Wege für den Schlüssel zum Erfolg.

Man kann das mutig finden. Oder auch anmaßend.

In jedem Fall bringt es Unruhe, und genau die brauchen die Menschen in diesen Zeiten schon mal gar nicht.

Fazit:

Um Herrn Grönemeyer zu zitieren: „Was soll das?“ Pikos neue Kurzkupplung sieht weder besonders fein aus, noch kuppelt sie sanft ein. Andere, zum Teil Jahrzehnte ältere Lösungen sind praxisnäher konstruiert. Dazu kommen recht hohe Preise, während gerade Roco seine Kupplungen in Großpackungen besonders günstig anbietet. Ich habe den Eindruck: Das war nichts, leider.

Bundesbahn Startset in TT von Tillig 01443.

Die Baugröße TT 1:120 ist genau richtig für diejenigen, denen N zu klein und H0 zu groß ist. In den USA erfunden etablierte sich die Bezeichnung „Table Top“ . Derzeit ist die Firma Tillig der einzige Anbieter von Startsets in TT, obwohl auch Andere das ‚Zeug‘ dazu hätten.

Die wunderbare 212 von Tillig. Nicht zu verwechseln mit dem H0-Modell von Roco…

In den letzten zwanzig Jahren wurde eine beachtliche Auswahl an Bundesbahn-Modellen für TT entwickelt, die qualitativ gut mit bekannten H0- und vor allem N-Fahrzeugen mithalten können.

Als bestimmende Anbieter für Bundesbahn-Fahrzeuge sind derzeit die vier Marken unterwegs: Kres, Kühn, Piko und Tillig. Dazu kommt der Anbieter PSK für interessante Güterwaggons. Derzeit mal wieder aus TT verabschiedet hat sich Roco, aber bei denen sind ‚Entscheidungen‘ oft eher von kurzer Dauer. Hornby entwickelt unter dem Label Arnold hin und wieder TT-Fahrzeuge, darunter eher zufällig mal Bundesbahn-Varianten.

Häuser-Bausätze gibt es in extrem exakter Qualität von Auhagen (sofern man die Bausätze im Misch-Maßstab H0/TT außer acht lässt), und wer alte Faller AMS Häuser mag, kann diese ebenfalls prima für die TT Bahn einsetzen. People gibt’s bei Preiser und Noch. Nur Auto-Modelle nach westeuropäischen Vorbildern sind wirklich selten.

Zuwenig Bundesbahn? Von wegen.

Man findet auf jeden Fall genug Material, um eine Anlage mit typischen Bundesbahn-Attributen aufzubauen. Wer sich über angeblich mangelnde Auswahl beschwert, der sollte erstmal checken, was es seit dem Jahr 2000 tatsächlich alles zu kaufen gibt und gab – und nicht, was es alles nicht gibt. Mit dem Verfügbaren ist man erstmal gut ausgelastet.

Eine ganze Reihe von Modelle sind wirklich gut gelungen; Kühns Kasten-Loks der BR 110, 110.3 und 140 sind prima, die 103 sowieso, und auch die V60 ist ein Schmuckstück (für das wie auch in N üblich platzende Zahnrad gibt es Ersatz).

Das umfangreichste Portfolio an Lokomotiven und Waggons bietet die Firma Tillig, von der V200 über die Dampfloks der 001 und 050 bis hin zum 1962er Rheingold und seit diesem Jahr dreiachsigen Umbauwagen ist wirklich Viel dabei. Eilzugwagen, D-Zug Wagen, Silberlinge, Schürzenwagen, und die Güterwaggons lassen sich hier nicht sinnvoll aufzählen.

Piko steuert den Diesel-Rangierer 290 bei, und derzeit wird ein Bundesbahn-Kraftprotz ausgeliefert, die BR150. Wie man Piko kennt, wird diese sicher bald auch in grün und blau/elfenbein erhältlich sein.

Bei Kres gibt’s den Schienenbus 798 und den gläsernen Zug 491.

Gleise gibt es in robuster Qualität und beachtlicher Auswahl von Tillig, optisch feiner aber in kleinerer Auswahl gibt es ein Sortiment bei Kühn.

Was kann nerven?

Doppelentwicklungen gibt es auch in TT, die BR 38 von Roco und Tillig, die Bügelfalte 110.3 von Kühn und Tillig, die Silberlinge von Kühn und Tillig (wem fällt was auf?), und den modernen Eurorunner von Kühn und Piko. So findet aber jeder etwas, das ihm eben beonders gut gefällt.

Denn manchmal entsprechen die Modelle in TT nicht der Konzeption, die man aus anderen Baugrößen gewohnt ist. In der Denke, aber auch in der Umsetzung. Aber man findet ohnehin in jeder Baugröße und bei jedem Hersteller schrullige Aspekte, auch beim Platzhirsch märklin – dort allerdings meist schwerer und / oder teurer. Insofern: Irgendwas ist immer.

Startset für Bundesbahner.

So beginnt man gerne: Die schöne Diesellok zieht zwei Silberlinge; die Epoche 4 ist derzeit sehr beliebt. Der Waggon ist mit einem Handgriff wieder zusammengeklippst. 🙂

Fans der Bundesbahn finden derzeit einen soliden Einstieg in die Baugöße TT mit Tilligs Startset 01443. Eine Diesellok der BR 212 zieht zwei Silberlinge mit passendem blauen Rahmen. Als Steuerwagen gab es bis vor Kurzem den Silberling mit Karlsruher Kopf und Führerstand in blau/elfenbein (13844). Recht komfortabel: Sowohl Lok als auch Steuerwagen besitzen jeweils sechspolige Schnittstellen für Digital-Decoder. (Wobei man sich in 2020 eine Plux-Dose wünscht, gerade bei Wendezug-Loks.)

Tilligs bewährte TT-Gleise. Die Weiche besitzt nun ein Herzstück aus Metall.

Gefahren wird auf einem etwas zu kompaktes Gleis-Oval mit einem originell gestalteten, analogen Fahrgerät. Eine gute Idee ist, dass die Weiche im Set bereits einen elektrischen Antrieb besitzt. Denn zusätzliche gerade Gleise kauft man gerne und ohne gedanklichen Aufwand, aber mit Weichenantrieben stellen sich Viele anfangs schon irgendwie an.

So aber ist direkt einer dabei, und man kann bei einer Ergänzung mit dem Digitalsystem eigener Wahl einen günstigen „WeichEi“ Decoder anschließen: Augenblicklich lässt sich die Weiche über ein modernes, Digital-Steuergerät schalten. https://modellbahnshop.moba-digital.de/Weichei

Außerdem liegt ein etwas plünniger Eingleiser dabei und ein kleiner Kastenwagen nach Vorbild ‚Matador‘. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurden dessen Vorbilder in Hamburg-Harburg gebaut, und Tillig hat schon viele bunte Varianten produziert. Mehr dazu hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vidal_%26_Sohn_Tempo-Werk

http://www.hanomag-kurier.de/tempo91.html

Produkt- Qualität

Auf den ersten Blick wird klar, dass sich Tillig an H0 Modellen von Roco orientiert hat. Die konstruktiven Ähnlichkeiten sind unübersehbar. Aber, wie ein deutscher Komponist & Produzent sagte: „Lieber gut abgeschrieben als sch…lecht selber komponiert!“ Nunja.

Lok und Waggons sind fein gestaltet und sauber lackiert. Beheimatet sind alle drei Fahrzeuge in Köln, Nippes und Deutzerfeld; das freut mich natürlich. Aus dem Karton heraus sind sie voll einsatzfähig und bereiten viel Spaß. Die Lok könnte etwas schwerer sein. Ihr Lichtwechsel ist gut zu sehen, die vier LED leuchten schön hell. Leider lassen sie sich später digital nicht separat ansteuern, und so strahlt die Lok ihre Waggons an.

Es versteht derjenige etwas von Farbe, der…

beige von elfenbein unterscheiden kann. Tilligs 212 wurde offenbar wortwörtlich ‚ozeanblau‘ und ‚beige‘ lackiert. Dabei müsste sie ‚elfenbein‘ sein. 1974 kam ‚beige‘ nur ein paar Monate lang zum Einsatz, danach wurde ‚elfenbein‘ verwendet. Der Name war aber in der Welt, und seitdem nennen Generationen von Modellbahnern dieses Farbschema fälschlicherweise „blau-beige“. Nochmal: Das ist (fast immer) FALSCH.

Dass heute sogar Museums-Bahnen gern falsche Farben auflackieren ist die eine Sache. Aber ein Modellbahn-Hersteller sollte um die stimmigen Farbtöne wissen.

Gemerkt habe ich das nur, weil ich die zu weißlichen Griffstangen mit RAL ‚elfenbein‘ nachzog und sie danach noch immer zu hell aussahen. Ein weiterer Hauch von ‚beige‘ darüber, und die Farben stimmten überein.

Recht eng und sicher, mit Kühn-Kupplungen (erkennbar an den kleinen Häkchen drunter).

Die Silberlinge treffen ihre Vorbilder recht gut. Das Muster der Pfauenaugen ist ungewöhnlich in einem creme-Ton aufgedruckt, die Wirkung ist in Ordnung. Fein gestaltet sind die Inneneinrichtungen, leider einheitlich in hell-elfenbein durchgefärbt. Das sollte so natürlich nicht bleiben, dazu folgt ein Artikel.

Die Fenster erinnern mich irgendwie an die verkürzten Silberlinge von Roco aus dem Ade-Fundus in 1:100; als hätte man sie auf maßstäbliche Länge gezogen. Das kann aber täuschen; man müsste das mal nachprüfen. Beim Steuerwagen wirkt das orange etwas zu gelblich; dabei war das Orange damals eine Warn-Farbe.

Kupplungen – Kühn sticht Tillig. Noch immer.

In Kurven kann es passieren, dass sich die Kupplungen aneinander hocharbeiten und lösen oder verkanten. Tillig hat die Höhenverriegelung vergessen. Um diese für sicheren Betrieb nachzurüsten, gibt es zwei Möglichkeiten: Man bestellt sich bei der Digitalzentrale einen Ätzbogen und klebt die kleinen Teile an (dafür hat Tillig den kleinen Stift angeformt).

https://www.digitalzentrale.de/detail.php?sess=iarjkoi7rdubrah211k3gpriu7&art_id=313&abt=&itemgr=42

Oder man verwendet die artverwandten aber intelligenter gestalteten Kupplungen von Kühn-Modell. Diese haben kleine Häkchen drunter, die das Hochschaukeln verhindern. Damit fahren die TT-Bahnen sicher.

http://www.kuehn-digital.de/files/74900.jpg

Gleise, solide aber zuwenig.

Die Gleise sehen gut aus, und die Weiche hat zwischenzeitlich ein Herzstück aus Metall bekommen. Dieser Bereich lässt sich also auf Wunsch nachträglich mit Strom versorgen. Für Liebhaber kurzer Loks besonders hilfreich. Das bedeutet auch: Tillig überarbeitet sein Sortiment.

Insgesamt fährt die Garnitur (mit den Kühn-Kupplungen) sicher und störungsfrei über das kleine Oval, egal wie schnell, oder ob geschoben oder gezogen. Aber ein paar weitere gerade Gleise dürften es schon sein.

Analoge Avantgarde.

Eigensinnig und interessant in Aussehen und Funktion.

Das Steuergerät erzeugt in der Lok einen Summton, weil es nicht einfach Gleichspannung auf die Gleise schickt, sondern eine pulsierende rechteck-Spannung. Damit haben die Loks mehr Power, und die LED sind bereits beim Anfahren hell erkennbar. Die optischen Gestaltung des Gerätes auf jeden Fall sehr ungewöhnlich.

Natürlich empfiehlt sich die frühzeitige Erweiterung mit einem DCC-Digitalsystem. Den klaren Warn-Hinweisen in Tilligs Anleitungen folgend („maximal 14 Volt“) fiel mir die Warnung eines ehemaligen Roco-Mitarbeiters ein: Manche Roco-Digital-Zentralen geben bis zu 20 Volt auf die Gleise, so sagte man mir. Das ist dann eigentlich nichts für N oder TT-Motore. Also bei der Auswahl der Zentrale für diese Startpackung darauf achten, dass die Gleis-Spannung unter 14 V bleibt, bzw. so einstellbar ist.

Zurüstteile sind ätzend.

Pro Fahrzeug liegt eine (Un-)Zahl an Zurüstteilen bei. Auch das erinnert an Roco – und nervt genau so. Denn auch Tilligs Einsteck-Öffnungen sind eigentlich alle zu eng und müssen äußerst vorsichtig (!!) mit einem spitzen Pin sanft geweitet werden. Nach 35 Jahren Roco H0 habe ich keine Lust mehr auf solch‘ lästigen Arbeiten. Modellbahn-Fahrzeuge dürfen ready-to-run aus der Packung kommen.

Wer hat Angst vor Zurüstteilen? Wohlgemerkt, dies ist, was übrigbleibt!

Damit die Teile langfristig dort bleiben, wo sie hingehören, habe ich einen alten Trick angewendet: Auf einen Plastik-Rest gibt man einen Klecks Sekundenkleber und tupft dann die Spitze des Kleinteils nur leicht auf die Oberfläche, sodass ein Hauch von Kleber haften bleibt. Dann direkt einsetzen.

Die vielen Zurüstteile haben ihre Wirkung. Ab Werk drangespritzt wäre es sympathischer.

Tatsächlich sind es wirklich zuviele Kleinteile. Unterhalb von H0 kann man Vieles durchaus in die Form integrieren, dennoch bleibt der Eindruck erhalten. Mir persönlich liegt nichts mehr an diesem Hersteller-Wettrüsten. Aus dem Alter bin ich raus, für mich zählt der Eindruck. Überdies: Superfeine HD-Modelle sind nicht für Jedermann handhabbar.

Und weiter?

Erstmal sollte man weitere gerade Gleise besorgen, damit das Fahren mehr Spaß macht. Aber wie das so ist mit Hinweisen: Man ignoriert sie sowieso. 🙂 Also habe ich erstmal einen passenden Steuerwagen besorgt, und zwar einen mit orangefarbener Nase. Den gibt es schon lange nicht mehr, aber ich hatte eben Glück. Und er ist ebenfalls in Köln beheimatet. Passt also.

Tilligs Steuerwagen mit Lichtwechsel weiß /…
...rot. Dank sechspoliger Schnittstelle findet ein Decoder schnell seinen Platz.

Speziell für Bundesbahner hat Tillig vor Kurzem ein Set mit zwei Bauzug-Wagen ausgeliefert, beide in ozeanblau und in vielerlei Hinsicht klug konstruiert. Nur die Achs-Aufhängung trifft die Vorbild-Situation nicht wirklich exakt. Vielleicht gibt’s hier mal ein vorbildnäher gestaltetes Bauteil.

Ergänzend könnte es zukünftig Niederbordwagen oder Hilgsgerätewagen in braun oder gelb (!) geben, und der Bauzug sieht schon mal nach mehr aus. Diese Waggons waren ja auch beim Vorbild nicht alle blau. Als Zuglok bietet sich vielleicht die kräftige 290 von Piko an, in klassischem purpurrot oder ebenfalls ozeanblau, und spätestens dann werden schon weitere Weichen fällig.

Als Gleise bevorzuge ich persönlich die von Kühn, trotz der kleineren Auswahl. Sie sind filigraner gestaltet, und mir gefällt sowas. Außerdem ist Ihre Geometrie klarer. Die hier vorliegenden Gleise von Tillig mit Schwellenbandgleis sind natürlich sehr ordentlich gemacht, aber ihre Geometrie entbehrt jeglichen Komforts.

Um von Anfang an digital zu fahren gibt es inzwischen unzäglige Möglichkeiten. Preislich von bis. Nun ist dies ein privater Blog und keine objektive, wissenschaftliche Abhandlung (nur zur Erinnerung, ne?). Daher empfehle ich an dieser Stelle zwei Systeme, die mir persönlich Spaß machen:

Häuser & Zubehör

Dazu gibt es eine Menge Hilfreiches zu sagen – was demnächst in einem eigenen Artikel stattfinden wird.

Fazit

So geht das. Tillig stellt eine schöne Basis für Bundesbahn-Fans her. Fahrzeuge und Gleise überzeugen optisch und qualitativ. Für ‚mehr‘ muss man online schauen: Zwischen Flenburg und Freilassing ist man als TT-Bahner mit wenigen Ausnahmen auf den Online-Handel angewiesen.

Es gibt und gab eine große Zahl an schönen Fahrzeugen nach Vorbild der Bundesbahn. Da diese zumeist erst in den letzten 20 Jahre auf den Markt gekommen sind, garantiert das moderne Konstruktionen.

Mehr zum Thema TT wird in einer renovierten Version eines älteren Artikels folgen.

Informationen zu TT: Sämtliche jemals erschienene Kataloge zum Thema TT findet man auf dieser Website, geordnet nach Jahren oder Hersteller. https://as.rumia.edu.pl/tt/kat/katalogi.asp?firm=*

…und, ach ja, das ‚tt-board‘ sollte jeder einigermaßen gut erzogene West-Europäer meiden. Mehr dazu zum Beispiel hier 🙂:

https://www.1zu160.net/scripte/forum/forum_show.php?id=977481

BASS, BASS, wir brauchen BASS! (im TEE und Lyntog von Roco)

…rappt ‚Das Bo‘, und recht hat er: Auch Modellbahn-Loks klingen besser mit Bassreflex-Boxen.

Wer glaubt, dass die aktuell beliebten Lautsprecher im ‚Zuckerwürfel‘ Format guten Sound produzieren, hat noch nie die Bassreflex-Speaker von DCC Supplies gehört. Kurz gesagt: Die! Haben! Wumms!

…ein alter TEE von Roco mit LED-Innenbeleuchtung, Esu Sound und Bassreflex-Box.

Offensichtlich probehalber habe ich so ein Ding in einen TEE von Roco eingebaut und wohl ein bisschen naiv die Taste F1 gedrückt. …und eine Bestie erwachte zum Leben! 😀

Schnell das Dach aufgeklippst (die runden Gitter sitzen dann direkt über dem Lautsprecher), und es klingt direkt noch satter. Sowas in H0, das ist unglaublich und bedarf im Spielbetrieb dringend der Lautstärken-Regulierung.

Zwar passen diese Lautsprecher nicht überall hinein, aber in klassischen H0-Loks von Fleischmann und märklin kriegt man die schon unter.

Meiner Einschätzung nach sind das die derzeit besten Lautsprecher für Modellbahnen, die man kaufen kann. Apropos, Bezugsquellen sind entweder ebay oder natürlich die DCC Supplies Website:

https://www.dccsupplies.com/cl-108/miniature-speakers.htm

…könnte allerdings sein, dass man danach an normalen ‚Zuckerwürfeln‘ die Lust verliert.

Führerstände für Rocos TEE

Seit 1983 besitzt der ‚Trans Europ Express‚ von Roco den Makel, dass man durch die Fenster der Führerstände direkt auf die zumeist knallgrünen Platinen schauen kann – denn trotz der feinen Gehäuse-Detaillierung hat es nicht für die Nachbildung der Führerstände gereicht. Bis heute ist das so. ??‍♂️

Dabei gibt es inzwischen ein passendes Bauteil: Zum Erscheinen der dänischen Variante ‚Lyntog‘ (Blitzzug) konstruierte man bei Roco einen solchen Führerstand, der dann im speziellen Steuerwagen zum Einsatz kam. Dieser Führerstand passt aber auch in den Motorwagen und zwar so exakt, dass man Absicht vermuten darf. Leider ist man bei Roco zu doof, diesen Führerstand ab Werk in beide Fahrzeuge einzusetzen – der Jubi-TEE wird es zeigen, ob man in Österreich aufgewacht ist.

So sieht ein TEE bzw. ein Lyntog mit Führerstand aus.

Das Ersatzteil hat übrigens die Nummer 115347 und ist zur Onlinestellung dieses Artikels nicht lieferbar. Man sollte also immer mal wieder Rocos Ersatzteil-Website checken, ob sich daran etwas geändert hat. Denn wie die Bilder zeigen, wertet so ein Führerstand das Fahrzeug wirklich extrem auf.

Fehlt nur noch der oder (die beiden) Lokführer.

Bremsscheiben

Beim Vorbild besitzen die acht (vier) angetriebenen Räder auffällige Bremsscheiben. Auch deren Nachbildung spart sich Roco seit 1983, immerhin ist die Form der Räder in deren Bereich erhaben ausgeführt. Das erleichtert die Nach-Arbeit.

Bremsscheiben, wie sie sein sollen.

Verwendet habe ich kein normales Silber (das kann ja jeder), sondern Humbrol Polished Steel 27003. Diese Farbe pinselt man sorgfältig auf, lässt sie gut trocknen, und erst am nächsten Tag poliert man sie mit einem weichen Tuch glänzend, bis es ‚echt‘ aussieht. Der Effekt ist fantastisch.

Wer dabei eine gewisse Ungereimtheit feststellt, was Rad-Zentrum und in der Blende dargestellte Radlager betrifft, der hat recht: Diese sollten eigentlich übereinstimmen. Tun sie aber nicht. Und seltsamerweise findet sich ganz genau dieser Fehler auch beim märklin-Modell aus 2002. Welches überdies ebenfalls keine Führerstände besitzt. ?Also wirklich. ZUFÄLLE gibt es…

Piko Pimping: Vectron 59970 Railpool mit Zugziel-Anzeige & Fernlicht.

Pikos H0-Vectron bringt alle Voraussetzungen für interessante Licht-Spielereien mit. Aber wie so oft hat sich Piko auch beim Vectron das Bestücken mit den zusätzlichen LED gespart. Schon 1995 besaß märklins ’12x‘ schaltbare Fernscheinwerfer, das nur mal als Vergleich.

Es ist schon eigenartig, dass Piko zwar Lokomotiven der Epochen 3 & 4 mit LED für Maschinenraum-Beleuchtungen ausstattet, gerade aber moderne Fahrzeuge, die besonders viele Licht-Funktionen besitzen, spartanisch bestückt ausliefert. Bis heute. Obwohl gerade deren Zielgruppe, zumeist eher jüngere Modellbahner, dank ihrer Prägung auf Digitaltechnik für deren Möglichkeiten offener sind.

In den Loks ist zudem (fast) alles Erforderliche vorhanden: Lötpads für die LED & Widerstände und die jeweiligen Lichtleiter. Es sind wirklich nur Cent-Artikel, die Piko einspart. Logik? Da bin ich gespannt.

Was geht bei Pikos Vectron:

Im Fall aller mir bekannten Vectron-E-Loks von Piko in H0 sind Fernscheinwerfer realisierbar. Speziell die Railpool-Variante erhält außerdem funktionsfähige ZugzielAnzeigen.

Demontage

Um das Gehäuse abzunehmen, dreht man die vier kleinen Schrauben heraus, die im Rahmen neben den Drehgestellen sitzen.

Zugziel-Anzeige (Schrift)

Vorsichtig entfernt man nun die dicken, dunkelgrauen Lichtleiter-Gehäuse aus dem Lok-Inneren. Auf deren Lichtleiter klebt man die von Andreas Nothaft extra angefertigten Schiebebilder; eine ausführliche Anleitung liegt denen bei. https://www.modellbahndecals.de/ Nach dem Trocknen steckt man die Lichtleiter wieder ins Gehäuse.

Heeerlich, hömma! 🙂

Aus Spaß und etwas Lokal-Patriotismus habe ich diesen Vectron als Ersatz-Lokomotive einer typischen Regionalbahn-Route des Ruhrgebiets vorgesehen ‚S6 Essen‘. Ob das beim Vorbild überhaupt technisch möglich war, ist mir schnuppe: Bei meiner Bahn ist das möglich. 🙂

In den Fronten Pikos Railpool Vectrons befinden sich klarsichtige Kunststoff-Körper, die die von außen sichtbaren Display-Körper nachbilden. Sie klemmen zwischen Gehäuse und äußeren Verkleidungen. Und leider sind sie ab Werk rückseitig grau lackiert: Als ob mich ein Farb-Auftrag vom ‚Pimpen‘ abhalten würde. 😉

Um diese lästige Farbschicht zu entfernen, sollte man die Glaskörper jeweils einzeln in Händen halten können. Dazu hebelt man mit allergrößter Vorsicht aus den Lok-Fronten die separaten, silbernen Gehäuse-Einsätze heraus. Dabei sehr behutsam vorgehen.

Mit Wattestäbchen und reinem (!) Alkohol habe ich das auflackierte Grau entfernt. Von anderen Chemikalien rate ich ab, weil diese das klarsichtige Plastik angreifen und stumpf werden lassen können. Die nun glasklaren Einsätze legt man zurück in die Fronten und klemmt sie sie mit den Kunststoffplatten fest.

Zugziel-Anzeige & Fernlicht (LED)

Man braucht insgesamt nur vier zusätzliche LED: Pro Führerstandsseite jeweils eine in warmweiß und eine in orange. Typ 0603, dazu jeweils einen Widerstand mit 10 kOhm in der Bauform 1206. Wo das alles angebracht wird erkennt man auf den Fotos, oben rot, mittig weiß für das Fernlicht.

…und es ward Licht.
Die orangefarbenen Kabel versorgen Fernlicht & ZZA. Links auf der Platine schief aufgelötete, neue Widerstände.

Zunächst lötet man die Widerstände auf die Rückseite der Lichtplatinen, kurze Litzen verbinden sie mit den Kontakten der Hauptplatine. Hier kann man nach eigener Auffassung frei wählen, Pikos Platinen sind ja netterweise klar beschriftet.

Anschluss unter Führerstand 2.
Anschluss unter Führerstand 1.

Auf den Fotos sieht man einen ersten Versuch: Die Tasten F1 und F2 schalten die Beleuchtung führerstandsseitig komplett aus (im Decoder von mir so programmiert), die Taste F4 schaltet die Zugziel-Anzeige simultan beidseitig, und die Tasten F6 und F7 jeweils die Fernlichter. Ich finde, das muss irgendwie noch eleganter gehen, dazu später mal mehr.

Bitte recht freundlich. 🙂 In echt ist das natürlich nicht so über-hell.
Apropos hell. 😀

Räder

Schicke Schlappen für Pikos Vectron. 🙂

Die urspünglichen Scheibenräder sehen natürlich furchtbar aus, deswegen wurden sie direkt gegen die recht günstigen neuen Räder mit Bremsscheiben ausgetauscht. Die Mitten der Radscheiben habe ich beim ‚Wiener‘ Vectron farblich passend zu den Drehgestellblenden quarzgrau lackiert, beim Railpool wird das noch folgen.

Innen sind die Radflächen farblich angepasst: Quarzgrau.

Radsätze: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=24409&vw_name=detail

Farbe: https://shop.elita.de/epages/ElitaModelleShop.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/ElitaModelleShop/Products/57039

Die Pantos werden in naher Zukunft ebenfalls den feineren Varianten weichen.

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=24406&vw_name=detail

Fazit:

Diese Arbeiten sind recht schnell erledigt, und die Lok ist einem danach persönlich umso wertvoller. Aber natürlich hätte das Piko auch ab Werk so liefern können.

…und wer etwas lernen möchte: www.ruhrgebietssprache.de 🙂

Piko Pimping: Schnellzug-Wagen der Bundesbahn

Pikos D-Zug Wagen können mit etwas Nach-Arbeit sehr wohl gefallen.

Als ich vor einigen Jahren einen D-Zug der 70er Jahre haben wollte, kam das einzige komplette Angebot in maßstäblicher H0-Länge von Piko. Denn Roco fand mal wieder Ost-Europa wichtiger, und LSmodels war allerorten ausverkauft.

Also griff ich zu Piko und war einigermaßen überrascht ob des Gebotenen. Anderen Modellbahnern ging es damals möglicherweise ähnlich, denn der niedrigste Online-Preis für diese Waggons lag zu der Zeit bei €18. Achtzehn.

Inzwischen ist natürlich bekannt, was einen erwartet: Schnörkellose, nett gemachte Nachbildungen der Vorbilder mit angegossenen Griffstangen und einteiligen Einrichtungen. Das Alles ist per se nichts Schlechtes, denn die Fahrzeuge machen ja einen guten ersten Eindruck. Wenn es doch nur so bliebe.

Nach kurzer Zeit des Fahres hatten sich viele Achsspitzen dieser Waggons in den Kunststoff der Drehgestelle hineingebohrt. Außerdem blieb die metallische Farbe der Fensterrahmen auf Dauer nicht grifffest. Piko tauschte mir die betroffenen Gehäuse netterweise aus; später wiederholte sich das Phänomen.

Drehgestelle & Radsätze

Das Wichtigste war und ist für mich sicherer Fahrbetrieb. Dazu setzte ich in sämtliche Drehgestelle dieser Waggons die Metall-Lager von Peter Horn ein. Diese und das passende Werkzeug gibt es hier: http://peho-kkk.de/mshop/index.php/spur-h0.html

An Pikos Popwagen deutlich zu sehen: Die Rad-Zentren sind nicht mehr auf Höhe der Achslager. Diagnose: Eingefressen. Nach drei Tagen.
An diesem Popwagen von Piko ist noch alles in Ordnung. Bis auf den fehlenden kieselgrauen Zierstreifen über den Fenstern…

Der Einbau erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl. Es gibt zwei Bohrer, mit dem Großen senkt man die vorhandenen Vertiefungen weiter ab, bis die Lagerschalen komplett hineinpassen. Sekundenkleber fixiert die Metall-Lager im Kunststoff. Gut anziehen lassen, erst dann die neuen Achsen einsetzen.

Man muss beim Bohren schon sehr vorsichtig und sanft vorgehen, denn denn der Kunststoff der Drehgestelle ist recht weich und kann bei grobem Bohren mitdrehen und brechen. Aber ich habe das ja auch hingekriegt. 🙂 Am Besten mit kaum merklichem Druck und sehr langsam drehend vorarbeiten. Bedacht ist angesagt.

So bohrt man vorsichtig die Vertiefungen für die Peho-Achsslager.

Mit dem dünneren Bohrer kann man die Lagerschalen innen nachträglich etwas vertiefen, wenn die Achsen etwas zu stramm sitzen. Bei meinen Waggons war das aber nur selten nötig; immerhin gut, dass man es kann. In jedes Lager gehört ein Tröpchen Öl, damit’s später nicht quietscht.

Und so sieht das Ergebnis aus.

Und weil Pikos Räder dank extrem rauer Laufflächen jede Form von Schmutz nicht nur aufnahmen sondern auch ungleichmäßig verteilten, orderte ich zusätzlich zu den Lagern von Peter Horn passende Achsen zum Beispiel von märklin: https://www.lokmuseum.de/shopartikel.php?SArt=10016150&SBez=E700580_Marklin_Scheiben_Radsatz_DC

Achsen von Thomschke, seitlich zum Drehgestellrahmen passend schwarz eingefärbt. Die Radreifen belasse ich metallisch, sieht schicker aus.

Im Ergebnis rollen die Waggons dank der Metall-Lager und neuen Achsen sogar merklich leiser.

Aber: 32 Achsen plus 64 Lager. Aufwand & Aufpreis sind wahrlich beträchtlich dafür, nur die eigentliche Funktion der Modelle auch langfristig zu sichern. Andere Hersteller bieten mehr Komfort: Sie verwenden hochwertigere Materialen, und man kann ihre Fahrzeuge aus dem Karton heraus jahrelang einsetzen. Auch preislich bietet Piko inzwischen keinen auffallenden Vorteil mehr.

Inneneinrichtung Abteilwagen

Die Kaugummi-Farben der Inneneinrichtungen in HubbaBubba-rosa und Gift-grün sind völlig inakzeptabel. Punkt. Welche Gründe auch immer bei Piko zu diesen Farben geführt haben, es waren die falschen. Wirklich jeder andere Hersteller hat in den vergangenen Jahrzehnten sympathischere Grundfarben ausgewählt. Bastler können hier natürlich nacharbeiten. Aber wieso sollten sie das überhaupt müssen.

Piko-Inneneinrichtung in grün.
Piko Inneneinrichtung in rot.

Wer diese Waggons also sein Eigen nennt, greift sich am Besten eine lange, lange Hörspiel-Reihe (um den Kopf frei zu halten), diverse Farben (zum Beispiel von elita) und gute Pinsel. Dazu Kilometer Tesa-Film zum Abkleben. Dann setzt sich an den Basteltisch, lässt sich akustisch unterhalten und fängt an, zu lackieren.

Die Schritte lauten: Alle Wände konsequent beidseitig beige lackieren. Nur nicht im Waggon 1. Klasse, da gehören sie braun.

…erstmal ‚Beige‘ RAL 1001 für die Wände der Abteile 2. Klasse.

Nach dem Trocknen klebt man in einer extrem nervigen Aktion die Wände über den Sitze ab und pinselt diese in rot (Raucher), grün (Nichtraucher) und blaugrau (1. Klasse). Wieder trocknen lassen.

Das Abkleben ist echt ätzend. Aber es hilft, wenigstens gerade Trennlinien zu erhalten…
…die dann nach dem Abziehen schräg aussehen können. Tesafilm ist nicht die beste Lösung. Die Ausreißer arbeitet man einfach Nochmal nach. Ist ja ein Hobby, und wir haben ja alle viel Zeit….

Erst am nächsten Tag den Tesafilm vorsichtig abziehen. Für den den Boden habe ich Flächen entworfen, die man sich auf grauen Karton ausdrucken kann. Sauber ausgeschnitten und in die Waggons geklebt ergeben sich von allein saubere Farbkanten, und wer später Innenbeleuchtungen einbaut, freut sich über die farblichen Abstufungen. (Download-Datei folgt.)

Wer wirklich sauber pinselt, kann einen mittelgrauen Boden aufmalen. Dabei das Atmen nicht vergessen. 🙂

Inneneinrichtung Halbspeisewagen

Halbspeisewagen: Abteile.
Halbspeisewagen: Speiseraum.

Hier gilt dasselbe Prinzip, nur, dass die Wände alle braun lackiert werden, im Speiseraum eher rötlichbraun, um die Abteil dunkelbraun. Die Sitze in den Abteilen pinselt man weinrot und die im Speiseraum blaugrau. Die Tischflächen gehören natürlich weiß und der Boden grau. Beschreibung der Innenbeleuchtung folgt. 🙂 Genauere Infos über das Vorbild bietet diese Website mit exzellenten Fotos: http://www.eisenbahn-harzvorland.de/htm/arm_216_1.htm

Abteiltüren sämtlicher Fahrzeuge:

Wennschon, dennschon: Die bei den Vorbildern messingfarbenen Abteiltüren habe ich mit einem Programm stilisiert nachgezeichnet, für beide Gangseiten: Damit man auch beim Blick von der Abteilseite Türrahmen sehen kann. Bitte darauf achten, dass die Türen für die erste Klasse etwas breiter sind, als die für die zweite Klasse. Und so kriegt man die Türen sauber in die Waggons:

In einigen Copy-Shops kann man sich Symbole als Metallfarbe in silbern (nett) oder gold (besser) auf klarsichtige, stabile Folie drucken lassen. Sauber ausgeschnitten und mit winzigen Punkten Sekundenkleber fixiert sieht das später wirklich gut aus. (Download-Datei folgt.)

Kupplungsträger

Lange Waggons anderer Hersteller rollen mit Rocos Kurzkupplung wirklich Gummi an Gummi, Pikos D-Zugwagen dagegen lassen einen überdeutlichen Abstand. Außerdem berühren die Haken der von mir verwendeten RTS Kupplungen manchmal die Pufferteller, weil die Kupplungsträger nicht weit genug ausschwenken – bei keinem anderen Fabrikat langer Waggons habe ich dieses Problem festgestellt. Also, hier wurde keineswegs optimal konstruiert.

Die Haken berühren beim Ausschwenken Pikos Puffer. Bei langen Roco-Waggons passiert das nicht.

Nun gibt es drei Möglichkeiten: 1. Resignieren, eine Kupplung nach Wahl einsetzen und den Abstand akzeptieren. 2. Mit Augenmaß die Kupplungsschächte an der Außenseite minimal kürzen und die Kupplungen einkleben. Manche Kleber lassen sich später auch wieder lösen. 3. Die Kupplungsträger wegen ihrer zu flachen ‚Möwen‘-Ausrundung herausnehmen und statt ihrer neue Kulissen von Symoba unter die Wagenböden kleben. In deren Normschächte passen dann alle Kurzkupplungen mit Normschächten, und je nach eigener Arbeit kommen sich die Waggons recht nahe. http://www.symoba-schniering.de/

Fazit:

Natürlich hatte ich überlegt, ob es nicht einfacher wäre, den kompletten Posten abzugeben. Produkte mit derartig viel ‚Nachbesserungs-Potenzial‘, um es nett zu sagen, sind schon wirklich selten. Diese Qualität entspricht keineswegs dem, was man erwartet oder von Anderen gewohnt ist. Dabei provoziert Piko den Vergleich gern ganz bewusst.

Eher aus Spaß an der Freud‘ habe ich mich dieses D-Zugs angenommen. Wer nicht basteln mag oder kann oder einfach keine Zeit dafür hat und Ready-to-run-Produkte bevorzugt, findet andernorts seine geeignete Alternative.

Den Umbau der passenden Diesellok der Baureihe 220 von Piko habe ich hier beschrieben:

Roco V200 43522 mit Sound & Licht

Seit 1985 gehören Rocos schöne Modelle der V200 zu den Klassikern auf H0 Gleisen. Mit ein bisschen Geschick bekommt man auch in älteste Versionen sichtbares Licht und sogar Sound hinein. Dieser Artikel wird später ergänzt, dann werden auch andere technische Versionen gezeigt.

Dieses Modell ist es wirklich wert, ‚gepimpt‘ zu werden, da hat Roco schon Mitte der 80er Jahre gezeigt, wie wirklich feine Modelle aussehen sollten.

…vielleicht mit Ausnahme der Glas-Einsätze für die Lampen, die könnten wirklich mal formneu und schöner gemacht werden. Das wäre dann ein Ersatzteil, dass sich für Loks aus 35 Jahren verkaufen ließe. 🙂

Diese V200 sollte Sound und ein sichtbares Schlusslicht bekommen. Beides lässt sich leicht realisieren, denn diese Lok wurde Ende der 90er Jahre produziert. Also schon mit Schnittstelle aber noch mit nur zwei Glühlampen und kurz/langen Lichtleitern ab Werk. Eigentlich sollte die Beleuchtung mit einer vorhandenen Austausch-Platine von Roco gelöst werden, aber auch damit war das Schlusslicht noch immer zu funzelig. Also mussten helle LED her.

Man nehme:

So klebt man die LED gegen die Lichtleiter. Eigentlich könnte man das auch mit warmweißen LED machen… Links versteckt sich bereits der Lautsprecher. Hinter der weißen Glühlampe ist ein Streifen Moosgummi zu erkennen.

Zuerst nimmt man die Führerstände heraus und kürzt die langen Lichtleiter. Die Trennstellen feilt man dann glatt (also anders, als auf den Fotos zu sehen), denn nur dann ist der Licht-Austritt optimal. Hier klebt man direkt die roten 19V LED gegen. Gut festwerden lassen.

Im Rahmen befindet sich eine Aussparung, in die eigentlich der Lokdecoder sollte. Ich nutze diese Vertiefung für den Lautsprecher, das passt zufällig ganz gut. Den Boden mit Isolierfolie auskleiden; die Kontakte des Lautsprechers kommen nach rechts.

So isoliert man den Boden der ex-Decoderkammer.

Nun den Sounddecoder mit harmlosem Kleber so auf der Platine befestigen, dass sein Ende mit nur zwei Kabeln so gerade unter dem Ausschnitt des oberen Metall-Bügels endet.

Wer hier noch ein durchgehendes massives Guß-Teil vorfindet, sollte dieses einfach zweimal durchsägen, sodass die Gehäuseschrauben nach wie vor greifen, die Mitte aber freiliegt; die Lok bleibt schwer genug.

Dann habe ich die Kabel am Schnittstellenstecker gekürzt neu angelötet, damit keine Kabel-Schlaufen herumliegen.

Anders, als auf dem Foto ist auch der Motor über die Schnittstelle angeschlossen, die grünen Drosseln wurden durch starre Drähte ersetzt, und der kleine Kondensator, der die Motorkontakte überbrückt wird ausgelötet: Nur nach diesem Eingriffen kann die Motorregelung sinnvoll arbeiten.

Diese Bereiche mit Folie aus Zellkautschuk abdecken, damit keine Kurzschlüsse entstehen können. WICHTIG: Auch auf den Stecker in der Schnittstelle einen Streifen Isolierfolie kleben. Denn das Gewicht darüber ist aus Metall… Und je lauter das *Bzzz* desto teuerer die Decoder-Reparatur. ?

Prinzip-Anordnung. Der Kondensator darf nicht wie gezeigt auf der Platine liegen. Er gehört darunter, wie später gezeigt wird. Der Tesastreifen fixiert den Decoder nur vorübergehend.

Der Lautsprecher kommt kopfüber in die isolierte Kammer, also mit der silbernen Fläche nach unten, damit der Sound möglichst klar erklingen kann. Die beiden violetten Kabel sinnvoll ablängen, mit den Kontakten am Lautsprecher verlöten, und diesen in die Kammer geben. Ein Streifen guter Kleber befestigt ihn wirksam an der Platine. Nun die Führerstände wieder einsetzen.

So wird der Lautsprecher eingesetzt. Ein Streifen Kleber befestigt ihn an der Platine.

Für die Schlussleuchten LED an die die Kabel grün (Führerstand 2!) braun (Führerstand 1!) und natürlich blau anschließen; für Letztere können auch Platinenflächen verwendet werden.

Um kleine Aussetzer zu überbrücken, legt Zimo seinem Sounddecoder einen kleinen Elko bei, diesen schließt man an die beiden Kabel grau und blau an, die am Sounddecoder einzeln abgehen. Man verstaut ihn man am Besten im Hohlraum unter der Platine vor dem Motor. Das war es.

Genau hier gehört der Elko hin. Zum Kardan lässt er genug Platz. Dann geht auch das Gehäuse stressfrei zu. Die Lötstelle des Todes bitte ignorieren…

Bei mir hat der Testbetrieb auf Anhieb prima funktioniert. Die üblichen CVs mussten noch programmiert werden, aber das war es dann auch schon. Mir macht es ja riesig Spaß, so eine ältere Lokomotive in die Jetztzeit zu bugsieren. 🙂

CV Werte

Motor-Anpassung

  • CV 09 auf 65
  • CV 56 auf 33

Licht simultan

  • CV 33 auf 05
  • CV 34 auf 10

sanfter Lichtwechsel

  • CV 125, 126, 128, 128 jeweils auf 88

Lautstärke auf 35