Kraftvolle Motore für TT-Lokomotiven von Kühn-Modell. Endlich.

Die lausige Motor-Qualität von Kühn-Modell ist geradezu legendär. Kühn-Loks sind zwar schön gemacht, aber mir fahren sie zu langsam und ziehen zuwenig.

So sieht der neue Antrieb eingebaut aus.

Rund sechs Jahre lang bin ich für die Firma Kühn Modell tätig gewesen. Anzeigen-Gestaltung und -Texte fielen damals zu 100% in meine Zuständigkeit. Auch viele Interview-Anfragen wurden aus dem Hintergrund von mir beantwortet.

(Besonders amüsant war, wie das Boulevard-Blatt „TT-Total“ einmal die eigenen Fragen vor Drucklegung nachträglich in Bezug auf meine offenbar unerwarteten Antworten abänderte, um besonders ‚originell‘ zu erscheinen…)

Außerdem beriet sich Kühn-Modell mit mir regelmäßig über mögliche neue Produkte sowie Varianten vorhandener Fahrzeuge.

Oft wurden meine konkreten Ideen genau so umgesetzt: Silberlinge, BR 103, BR 111, BR 260 und sogar das komplett neue Gleissystem habe ich vorgeschlagen und manchmal in zum Teil prägenden Details mitgestaltet. Falls jetzt jemand staunt: Die schriftliche Bestätigung dessen liegt mir vor.

Dabei war Manches gar nicht so einfach in den sturen, wenngleich damals wohlwollenden Gegenüber hineinzukriegen. Aber es war eine spannende Zeit, und es hat Spaß gemacht, so ein neues Sortiment ‚from scratch‘ mitzugestalten.

Zumal in einer Nenngröße, zu der ich vorher überhaupt keinen Bezug gehabt hatte.

Endlich können TT-Loks von Kühn-Modell so fahren, wie man das ab Werk erwartet…

Nur die Fahreigenschaften der Kühn-Loks störten mich ab dem ersten Modell, das ich ausprobierte. Also begann ich frühzeitig, nach Alternativ-Antrieben zu suchen.

Nun zählt eine gewisse Sturheit zu meinen prägenden Charakterzügen, was sich fast immer auszahlt. Über zehn Jahre hat es in diesem Fall bis zum Erfolg gedauert. Und das, obwohl ich selber schon ewig nicht mehr TT fahre: Lahmende Kühn-Loks, das durfte so nicht bleiben.

Der erste Versuch galt einem Mashina-Motor. Der war zwar zugkräftig, aber er bewegte Kühns TT-Loks allerhöchstens in flotterem Rangiergang.

Eine Anfrage bei einem bekannten Austauschmotor-Anbieter stieß zunächst auf eindeutige Ablehnung, aber später tauchte in deren Sortiment dann doch ein Umrüstsatzauf. Natürlich zum von dort gewohnten Preisniveau von knapp einhundert Euro. Typische TT-Bahner reagierten höflich distanziert.

TKU001″ heißt der Motorsatz, erst demnächst (!) erhältlich über ebay oder Modellbahn-Union.

Als man vor Kurzem begann, für die Spur-N günstige Sets mit Glockenanker-Motoren anzubieten, da galt einer meiner ersten Gedanken den Kühn-Loks: Da musste doch was gehen…

Meine ersten Anfragen bei zwei Anbietern wurden sehr freundlich aber eben abschlägig beschieden. Dennoch, die Idee stand weiterhin im Raum.

Also fragte ich bei dem sehr rührigen niederländischen Anbieter www.micromotor.eu an. Man zeigte sich sehr aufgeschlossen und forderte direkt eine Kühn-Lok als Versuchsobjekt an.

Schnell erreichte mich das erste Versuchs-Foto, und nach wenigen Wochen war das Produkt namens ‚TKU001‘ fertig. Und die rote BR140 kehrte auf meinem Schreibtisch zurück.

Abstand der Schwungmasse zum Adapter-Ende.

Zugegeben, ich war etwas nervös beim Auspacken. Aber beim ersten Hochdrehen der Fahrstufen war ich sofort begeistert:

Noch immer leise aber diesmal kraftvoll und vor allem zügig beschleunigte die Kühn-Lok auf eine ernstzunehmende Höchstgeschwindigkeit, wie man sie von diesem Fabrikat eher nicht gewohnt war.

Gesamtlänge.

Zum Preis von maximal 33 Euro erhält man alles, was man braucht, um Kühn-Loks Leben einzuhauchen: Einen kräftigen, hochdrehenden (18.000 U/Min) fünf(!)poligen Glockenanker-Motor, zwei Schwungmassen, zwei Adapter-Röhrchen, zwei Litzen in ausreichender Länge und natürlich den neuen Motorhalter, der im 3D Druck entsteht.

Dazu braucht man nur eine Tube Metallkleber; ich verwende Pattex Sekundenkleber Gel (!), das gibt es auch in ‚ultra‘, wer es besonders fest haben möchte.

Alle Einzelteile. Schön übersichtlich.

Der Einbau ist einfach, man orientiert sich am Original. Zuerst die Teile gemäß Ihrer Verwendung zurechtlegen.

  1. Kühn-Lok demontieren und den Motor herausnehmen, seine Litzen an der Lok-Platine ablöten und die beiden Plastik-Einsätze für die Kardane sowie die Kunststoff-Halterung herausnehmen, diese drei Teile werden wiederverwendet.
  2. Die Schwungmassen so auf die Röhrchen kleben, dass diese auf der Seite mit den Vertiefungen etwa 2,71mm herausschauen.
  3. Die schwarzen Kardan-Aufnahmen in die Vertiefungen der Schwungmassen einkleben, dabei nur jeweils ein winziges Tröpfchen Sekundenkleber-Gel verwenden.
  4. Die Litzen sorgsam am Motor anlöten.
  5. Den Motor mittig in den grauen 3D-Druckkörper einkleben.
  6. Nun den Sitz der Schwungmassen mit dem Originalmotor abgleichen und die Röhrchen mit den Schwungmassen exakt übereinstimmend auf die Motorwelle kleben. Dazu in das Röhrchen ein Tröpfchen Kleber geben, nicht auf die Welle.
  7. Den kompletten Motor in die Halterung stecken und in die Lokomotive einsetzen.
  8. Litzen wie gehabt unten an die Platine einlöten, über Kreuz sorgt dafür, dass Fahrtrichtung und Beleuchtung weiß/rot übereinstimmen.
  9. Das Einsetzen der Kardane ist einfacher, wenn man zuvor die Getriebedeckel der Lok abnimmt, die Kardane dann erst in die Schnecke und dann in die Schwungmasse einsetzt. Schnecken sanft auf die Getriebe legen und die Deckel wieder aufklicken.
  10. Platine festschrauben (Decoder einsetzen?) und das Gehäuse aufsetzen.
  11. Bei vielen Decodern müssen die CV Werte für die Ansteuerung des Motors auf ‚Glockenanker‘ umgestellt werden. Dazu bitte die jeweiligen Anleitungen lesen.

Praktisch ist, dass Kühn-Modell oft Baukasten-Systeme anwendet und man in sämtlichen Kühn-TT-Lokomotiven den gleichen Motor-Block vorfindet. So kann der TT-Bahner seine gesamte Sammlung von Kühn-Lokomotiven mit diesem einen neuen Motor-Set aufwerten und endlich Freude an den Loks haben.

Auf Vorrat gekauft erspart einem dieser neue Antrieb sogar möglichen Frust zukünftig gekaufter Kühn-Loks, denn das Set passt ja immer.

So sieht das aus. 🙂

Fazit: 15 Jahre nach den ersten ausgelieferten Kühn-Loks gibt es heute endlich einen seriösen und zugleich soliden Antrieb für diese schönen Modelle. Günstiger Preis und einfacher Einbau erleichtern die Entscheidung.

Ob es ähnliche Motor-Sets auch für Modelle anderer TT-Hersteller geben kann, das haben die TT-Bahner selbst in der Hand.

Alle Fotos mit weißem Hintergrund wurden mir freundlicherweise von micromotor.eu zur Verfügung gestellt.

Sound für märklins Schienenbus 3016.

Neu in alt macht Spaß.

…ein kleiner Basteltipp: Wer einen leise fahrenden Schienenbus von märklin besitzt, der kann diesen sehr wohl auch mit aktuellem Sound ausrüsten. Ich habe einen Zimo Sound verwendet, den gibt es jetzt auch mit mfx, und mit einem Kondensator gepuffert.

Im Gegensatz zum Foto sollte man den alten Motor gegen einen neuen Fünfpoler austauschen. (…die Trix Gleise sind hier nur Dekoration)

Die Glühlampen habe ich gegen LED Plättchen ersetzt. Die strahlen dann flächig nur nach vorn.

Der große Lautsprecher, mit einem Klecks Sekundenkleber-Gel fixiert, macht ordentlich Radau.

Fazit: Es ist wirklich nett, solche alten Klassiker technisch in die Jetztzeit zu holen.

Kurzkupplung für den märklin Vectron.

Märklins Start Up Loks besitzen unfassbar lange Kuppelabstände. Ein Produkt-Klassiker hilft dagegen.

Etwas Sicherheits-Abstand.

Seit Mitte der 80er Jahre gibt es unter dem Produktnamen ‚Symoba‘ kleine, kompakte Kulissen für Kurzkupplungen. Damit lassen sich sogar moderne Fahrzeuge modernisieren. Denn märklins Diesel-Vectron hält seine Waggons auf Angst-Abstand. Und das sieht schon albern aus:

Original-Kupplungsabstand.

Außerdem hängen diese Kupplungen meistens schräg herab, was automatisches Ankuppeln wirksam verhindert.

Mit echter KK auf beiden Seiten.

Um diese schöne Lok mit funktionierenden Kurzkupplungs-Kulissen auszustatten braucht man nur Mut, einen flachen Schraubendreher, Sekundenkleber-Gel, eine kleine Feile und eine kompakte Zange. Dazu natürlich ein Set 120 von Symoba: http://www.schnug-modellbahn.de/Verkauf%20Dateien/SYMOBA-Startset.html

Der modernisierte Bahnräumer-Kasten von innen.

Der Umbau ist relativ einfach:

  1. Das Gehäuse abnehmen, dazu müssen vier Schrauben aus dem Boden herausgedreht werden.
  2. Mit einem flachen Schraubendreher an beiden Enden die grauen Kunststoff-Bauteile vollständig vom Metallboden lösen.
  3. Wieder mit einem Schraubendreher die Bahnräumer vom Oberteil ablösen; sollte etwas abbrechen, kann man dies später unsichtbar verkleben.
  4. Kupplungsträger herausnehmen und weglegen; wer märklins Kupplung weiterverwenden will, kann das tun: Bei mir hat das testhalber funktioniert, diese Aussage erfolgt ohne Gewähr für die eigenen Umbauten der Leser!
  5. Den großen runden Sockel im Schienenräumer entfernt man einfach, indem er mehrfach mit einer Zange zusammenquetscht wird, immer um 90 Grad versetzt. Irgendwann kann man den Sockel herausdrehen.
  6. Eventuell überstehende Grate flachfeilen.
  7. Die Kulisse im üblichen Verfahren in den Einsatz mit Treppen hineinkleben, Symoba bietet dazu eine umfassende Anleitung. Zum Fixieren verwende ich das Sekundenkleber-Gel von Pattex – andere Kleber sind sicher ebenfalls geeignet.
  8. Den Kupplungsträger aufschieben, soweit es geht, sodass er noch frei ausschwenken kann, und den Dorn sinnvoll möglichst weit kürzen.
  9. Um den Kupplungsträger wirklich horizontal zu halten: Zwei kleine Plastikplättchen erst übereinander und dann unter den Kupplungsträger kleben.
  10. Den Bahnräumer wieder mit Klebepunkten an der Oberseite befestigen und trocknen lassen.
  11. An den drei Stöpseln auf der Oberseite die kleinen Kragen wegschneiden, dann das komplette Bauteil mit Sekundenkleber-Gel im Lok-Rahmen befestigen. Kupplung einstecken – fertig.
Die beiden flachen Plastik-Plättchen unter dem Normschacht halten die Kupplung waagerecht.
Original-Zustand. Ästhetisch ist anders.
Kompakt, praktisch, passt.

Fazit: So macht die Lok mehr Freude. Andere Hobby- und StartUp Loks werde ich später mal überprüfen, ob dieser Umbau auch dort möglich ist.

Sicheres Kuppeln für die BR74 von märklin & Trix.

So funktioniert das. Leider nicht ab Werk.

Labberig herunterhängende Kupplungen taugen nichts. Das weiß man über märklins Traxx Loks seit ihrem Erscheinen 2006. Leider betrifft das Problem auch die hübsche Dampflok der BR74.

Natürlich kann man da was machen, und zwar sehr einfach. Denn betroffen ist vor allem die vordere Kupplung. Man klebt einfach eine kleine, schwarze Plastik-Platte unter die Kupplungskammer. So wird der Kupplungsträger leicht angehoben, und das Ankuppeln funktioniert.

Ein bisschen Plastik hilft. 🙂
Der Spalt hat seinen Sinn…

Wenngleich… Überpuffern war mir bei märklin jetzt neu. Egal ob mit Original-oder anderer Kupplung.

Überpuffern gehört abgeschafft.

Kurzerhand habe ich die Kupplung ihrer rückseitigen Klippse beraubt und mit dem wirksamen aber alles andere als bombenfesten Sekundenklebergel von Pattex im Schacht fixiert, dabei etwa einen Millimeter weit herausgezogen.

Mit diesem ‚Sicherheits-Abstand‘ der Kupplung zum Schacht schiebt und zieht die Kleine ihre Waggons ohne Nervereien.

So macht die kleine Lok Freude, es gibt keine Entgleisungen, und man kann sogar erfolgreich rangieren. …vielleicht überarbeitet märklin diesen Kupplungsträger mal. 🙂

Hobbytrain SVT 137 in Spur N.

Schigges Ding, made in Düx. (Das Vorbild wurde in Köln-Deutz gebaut.)

Spielen oder Anschauen – der Zweck mancher Modellbahn-Fahrzeuge erschließt sich nicht immer sofort. Viele Fahrzeuge, die von Lemke geliefert werden, sehen zwar nett aus. Aber die Konstruktions-Qualität lässt (zu) oft zu wünschen übrig.

Der Triebzug SVT137 ist so ein Beispiel. Aus der Packung heraus sehr schick, fein detailliert und sauber bedruckt. Es gibt ihn sogar mit Sound. Wenn man aber mehr will, als nur draufschauen, nämlich spielen, dann geht es los.

  1. Die Beleuchtung rot/gelb müsste natürlich rot/gold-weiß sein, und die LED nebeneinander (!) anzuordnen führt zu ungleichmäßiger Verteilung. Wirklich dämlich.
  2. Stromabnahme über labberig aufgelegte Bleche, typisch z.B. für Kato, aber auf Dauer ein Stör-Faktor. Hier müssen Lötverbindungen her.
  3. Die Fahrzeuge sind allesamt viel zu leicht. Gerade in engeren Radien (R2, R3) hebeln sich die mittleren Drehgestelle heraus.
  4. Keine Innenbeleuchtung eingebaut oder gar vorgesehen.
  5. Der Lautsprecher besetzt gleich diverse Sitzreihen, deren Lehnen sogar gekürzt wurden.
  6. Die Befestigung der Gehäuse ist sehr schlampig ausgeführt. Sogar an den Spitzen bewegen sich Ober- und Unterteil auseinander.
Schni, Schna, Schnappi…

Angesichts des hohen Preises eine lumpige Konstruktion – schick, aber praxisfern. Also, was tun?

zu 1. Die blöden LED habe ich gegen goldweiße ausgetauscht: https://www.modelsector.com/leuchtdioden-und-zubehoer/led-2mm-tower/kurzkopf–led-2mm-warmwei-klar.php

Safety first – derart angeschlossen ist die Stromaufnahme ungleich sicherer. Man sollte den Litzen allerdings deutlich mehr Spiel gönnen, sie also länger halten, als ich das hier zuerst tat…

zu 2. Alle aufgelegten Bleche wurden entfernt und durch gelötete Kabelverbindungen ausgetauscht. Ja, das ist eine aufwändige, fummelige Arbeit, weil der ganze Zug neu verkabelt werden muss. Aber so minimiert man Probleme mit der Stromabnahme und bringt das Fahrzeug auf ein technisches Niveau, das bei anderen Herstellern ab Werk der Fall ist.

Gewicht im Steuerwagen, und dann klappt auch ‚rückwärts fahren‘ ohne Entgleisungen.

zu 3. Gewichte aus dem Autoreifenbedarf (!) helfen, pro fahrzeug jeweils zwei. Der Mittelwaggon bekommt zwei in seine Bodenwanne, nahe den Drehgestellen. Im Endwagen ohne Motor platziert man ein Gewicht in die Bodenwanne nahe dem inneren Drehgestell, das andere klebt man über das vordere Drehgestell, der Fahrsicherheit wegen. Der Motorwagen erhält seine zwei Gewichte auf den blauen Kunststoff.

Damit das Gehäuse wieder draufpasst, muss hier der Schaumstoff von den Gewichten weggeschnitten werden. Sekundenkleber-Gel hält die Dinger fest, lässt sich aber im Zweifel wieder entfernen.

Elektrisches Licht für alle, vom Decoder aus schaltbar.
Hier erkennt man die beiden Gewichte, dazu die kleine LED-Platine und die Kabel, die zum Decoder führen.

zu 4. Mit den üblichen, stabilen Lichtleisten von Eickmann oder Hufing lässt sich eine nette Beleuchtung einbauen. Die Verkabelung gestaltet sich zwar mühselig, weil man hier in Schlangenlinien vorgeht, aber das Ergebnis ist schon schick. …ob andere Produkte besser sind, werde ich eines schönen (Sonnen-)Tages mal ausprobieren. Der Anschluss erfolgt wegen der altmodischen Schnittstelle direkt an den Lokdecoder, der die Funktion F1 separat schalten können sollte.

zu 5. Die Einrichtung habe ich grau grundiert und die Sitze in einem netten Grün gestrichen, einfach, weil’s mir so gefällt. Die Spezial-Abteile im Steuerwagen erhielten braune Wände.

zu 6. Um die Gehäuse sinnvoll zu befestigen kann man sich erstmal mit dünnem Doppelklebeband behelfen. Aber die ‚Nasen‘ gehen dann trotzdem auseinander. Das ist echt gedankenlos konstruiert. Allerdings könnte man sich mit einer Schraub-Verbindung behelfen. Dazu reiche ich demnächst was nach. Der Schni-Schna-Schnappi-Look kann ja so nicht bleiben.

Außerdem: …ein Glockenanker-Motor wird folgen, das ist mal klar. 🙂

Fazit: Eine schöne Hülle macht noch kein gutes Modell. Die billige Stromabnahme über Bleche ist bei Lemke Usus. Aber nur, weil die das schon immer so machen ist es noch lange nicht gut. Den Ärger haben die Kunden, denn irgendwann läuft Federbronze an, und das war es mit dem Kontakt. Mir war es den Aufwand wert.

Märklins angeknackster Zauberstab

märklin-Digital ist eine große Nummer. Seit 1984. Zwischenzeitlich von Esu versorgt, führt märklin längst alles wieder in einer Regie. Man möchte meinen: Leider.

So sieht das aus, mit verkehrt aufgedrucktem Logo und aufgestecktem Decoder, der sich nicht programmieren lässt.

Auch bei märklin-Digital, ob nun mit oder ohne Mittelleiter verwendet, kommt schnell der Wunsch auf, die Decoder nach eigenem Gusto einzustellen und ein paar Gimmicks einzustellen.

Märklin offeriert dafür einen relativ günstigen Programmer in Form eines zweiteiligen USB-Sticks. Die Software bietet märklin gratis zum Download an; das wirkt erstmal alles sehr professionell. Bis man mit märklins Denke zusammenprallt.

Das ist nämlich das eigentliche Problem von Software: Sie offenbart ungeschönt das Denken und die Mentalität ihrer Entscheider und Entwickler.

In märklins Fall hat man es hier mit vielen Verboten, Grenzen und Kompliziertheiten zu tun.

Lieferumfang. Plus marginal-Anleitung.

Software – neue Software.

Also, ich installiere die Software und erfahre danach via PopUp, dass es eine neue Version gibt. Okay, die lade ich ebenfalls runter und warte. Nichts passiert.

Denn nein, die installiert sich nicht eigenständig, das soll ich selber anschubsen. Aber wie, denn wo ist sie hin?

Schließlich finde ich die Datei, irgendwo auf dem PC, in irgendeinem Ordner, von dessen Existenz ich bis dahin nichts wusste. Leicht grummelig deswegen installiere ich das Zeug. So jetzt aber. Schaut nett aus, kein weiteres PopUp. …bisschen viel Aufwand, um einen sanften Lichtwechsel einzustellen.

Hier genau hinschauen.

USB-Stick und Schnittstellen-Aufnahme sitzen sehr locker aneinander, denkt man so. Irgendwann entdecke ich eine winzige Abstufung. Mit sanfter Gewalt eingepresst klickt es leise, und die Teile sind fest verbunden. Alles sehr … subtil.

Programmieren mit dem Programmer verboten.

Decoder aus der MHI-247 in den Schnittstellen-Abschnitt eingesetzt, den in den USB-Stick, und auslesen… Ah, wie schön, ein neues PopUp:

kein Nachrüstdecoder“. Ja, ich WEISS, Schätzchen!

Ja, stimmt. Ist ja aus der gekauften Lok, ne? Dasselbe verzählt mir das Programm beim Decoder der recht aktuellen BR 120. „kein Nachrüstdecoder“. Keine weitere Erklärung. Ich schaue auf Amazon nach einem Box-Sack.

Erst via Google erfahre ich, dass Decoder aus märklin-Loks, die ab Werk mit Decoder kommen (ähm, also inzwischen alle) nicht mit diesem Programmer programmiert werden können. An sich schon mal wenig Kunden-nah. Aber:

Anstelle genau! diese! Info! in das verflixte PopUp reinzuschreiben, steht da… Sie wissen schon.

Märklin nannte mir am Telefon „rechtliche Gründe“ als Ursache für diese Sperre, damit Kunden ihre Loks nicht (ausdrücklich kein O-Ton aber sinngemäß) ‚kapputtprogrammieren‘.

Allerdings kann man die genannten Decoder laut Service sehr wohl per CS3 individuell programmieren oder alternativ per CV Programmierung zum Beispiel mit meinem ProfiBoss von Fleischmann (!) wie gewünscht verändern. Mit Letzterem aber nicht fest einschreiben, wie mit dem märklin-Programmer theoretisch möglich.

Also, Märklin macht es mal wieder unnötig kompliziert. Es wird aber noch besser.

CV-Empfehlungen bleiben märklins Geheimnis.

Fragt man beim märklin Service nach, welcher CV Einstellungen ein märklin-Decoder aktueller oder vorheriger Bauart bedarf, um einem (seltsam hüpfenden) märklin-StartUp ICE2 zu optimalen Fahreigenschaften zu verhelfen, heißt es wörtlich „…gibt es keine Tabellen für die Einstellungen der verschiedensten Modelle. Dies muss ein Umrüster sich selbst erarbeiten.“ Wie bitte?

Der Zug ist tausendfach verkauft worden, aber märklin gibt die optimalen CV Werte nicht preis? Und sorry, „erarbeiten“ werde ich mir gar nichts.

Andere Decoder-Hersteller geben klare Empfehlungen, was wie zu programmieren ist, damit die Lokomotiven optimal fahren. Und märklin orientiert sich an Helmut Kohl „i sag’s net!'“? Das ist ablehnend bis autoritär. Es geht aber noch weiter.

DOS-Niveau mit Windows-Optik.

Für eine decoderfreie Lok kaufte ich einen märklin-mld3 Decoder; wenigstens der sollte sich ja einfach programmieren lassen, ne? Ziel:

F0: Licht an, weiß / rot, mit der Fartrichtung wechselnd, sanfter Lichtwechsel.

F1: Alle Lichter auf Lokseite 1 aus.

F2: Alle Lichter auf Lokseite 2 aus.

F3: Digital schaltbare Kupplungen

F4: Verzögerungen aus, rote lichter aus, weiße Lichter beidseitig an.

Klingt praxisnah, oder? Ließe sich als Projekt abspeichern und in so ziemlich sämtliche soundfreien Bundesbahn-Loks einprogrammieren, sozusagen hineinstempeln. Soweit die Theorie.

Denn diese Software ist so kryptisch konzeptioniert, dass man keine Chance hat, zu verstehen, wie sich das konkrete und keinesfalls sonderlich ambitionierte Ziel erreichen lässt. Anstelle klarer Ansagen findet man eine Fach-Terminologie vor. Für ein solches Produkt einer derart bekannten und beliebten Firma ist das inakzeptabel.

Den sanften Lichtwechsel und die Motor-Einstellungen habe ich hingekriegt. Aber dann… 🤬 …ich überlege, ob anstelle des Box-Sackes ein Trampolin mehr Effekt hätte?

Natürlich beschied mich der märklin-Service auf eine Anfrage abschlägig, „keinesfalls“ erstelle man individuelle Decoderprojekte.

Eine Anfrage in einem märklin Fan-Forum brachte keinerlei Erkenntnissse – außer, dass bereits eine Vielzahl an Modellbahnern an dieser Software gescheitert ist. Das ist also ein sehr, sehr schlechtes Produkt!

Was mich daran so aufregt, das ist die Attitude, mit der sowas auf die Kunden losgelassen wird: märklin erwartet in 2021, dass der Kunde sich in die Materie „einarbeitet“. Dabei besitzen die Menschen, die so etwas entscheiden, allesamt sicher Smartphones und wissen sehr genau, was intuitive Bedienen bedeutet: Das Gegenteil von märklins Decoder Tool.

Nach vielen, vielen frustrierenden Versuchen habe ich das Projekt erstmal abgebrochen.

Der letzte Versuch. 🙂

Ich sollte eine Lok mit einem märklin mld3 Decoder umbauen. Großspurig gab ich an, das Ding „narrensicher“ mit den neuen Werten ’stempeln‘ zu können – ich habe ja den Programmer. Und beäuge online eine Schachtel Valium, ist weniger Aufwand.

Mir war bekannt, dass man in die seitliche Schraubenleiste der Schnittstellenplatine viele viele Kabel einbringen muss, um den Decoder zu programmieren. Aber irgendwozu muss ja diese achtpolige Steckdose ja gut sein. Also, Kabel sinnig gekürzt, die nicht gebrauchten zusammen in einem Schrumpfschlauch gebändigt, und ab mit dem Decoderstecker in die Platine. …Sie können es sich denken, oder? Genau. Nüscht.

Decoder antwortet nicht“.

Also denke ich mir, ‚gut, der Decoder hat ja seine Buchsenleiste drauf, also einfach das Schutzgummi wegschneiden und den Decoder mit seiner 21poligen Schnittstelle in die Platine stecken. Was man eben so denkt. Was ich aber dann sah, fand ich optisch schon etwas eklig:

Von oben so…
…von unten so: Die Litzen wurden in den Buchsen der 21poligen Schnittstelle hineingelötet.

märklin hat die Kabel IN die Buchsen hineingelötet, Bah. Unelegant und irgendwie 50er Jahre Niveau.

Zum Programmieren muss man die Litzen VOR dem Einbau hier einschrauben. Ergebnisse mal eben in der Lok ausprobieren iss nich.

Fazit: Der Programmer von märklin ist nett günstig, aber er darf zuwenig, und er bringt eine kryptische, geheimnisvolle Software mit. Liebhaber von Textaufgaben dürften ihre Freude daran haben.

Man hält den Kunden womöglich absichtlich unfrei, um entweder mehr Geld zu verdienen (Kauf der CS3) oder um sich vor angeblichen Service-Fällen zu schützen. Man hat viel Angst bei märklin.

Den Kunden doof zu halten, das war sogar Apple langfristig zu doof, und mit der MP3-Fähigkeit wurde der IPod erfolgreich. Man kann daraus lernen. Ob märklins Denke jemals wirklich in 2021 ankommt?

Lautlose N-Loks (02)

Für Fleischmanns ICE Triebköpfe 7440 / 7450 / 7452 bietet micromotors.eu einen Umbausatz an, inklusive Porto bezahlt man dafür rund 35 Euro. Mit neuen Schnecken und einer Schwungmasse ist alles dabei.

Man braucht eigentlich keine Anleitung. Ich habe alles nach Gefühl und mit Ausprobieren zusammengesteckt und zusammengeklebt. Der gesamte Umbau hat inklusive Löten nur etwa eine halbe Stunde gedauert.

Auseinander:

  1. Triebkopf demontieren.
  2. Herumdrehen und die Drehgestelle herausnehmen, dazu die seitlich eingesteckten Stangen entfernen.
  3. Die Platine herausnehmen, dazu die Klippse von oben vorsichtig zur Seite schieben.
  4. Den Fleischmann-Motor herausnehmen, dabei die zwei großen Zahnräder beiseite legen und nach Wahl die schwarzen Kunststoff-Schnecken von der Welle abziehen.
Original-Antrieb by Fleischmann. Decoder ist bereits eingebaut.
Auch hier sieht man den Kohle-Abrieb des Fleischmann-Motors. Den dadurch entstehenden Problemen entgeht man durch den Einbau des Glockenanker-Motors.

Neu zusammen:

  1. Den neuen Motor mit einem winzigen Klecks Sekundenkleber in seinem gedruckten Gehäuse fixieren, und zwar so, dass die Kabelanschlüsse waagerecht angeordnet sind.
  2. Das beiliegende schwarze Kabel mittig durchschneiden, beide Enden kurz ablängen, die Litzen verzinnen und jeweils ein Ende an den Motor löten.
  3. Auf die neuen Adapter-Röhrchen entweder Fleischmanns schwarze Schnecken komplett aufdrücken oder die neuen Messingschnecken komplett aufschieben und dabei festkleben.
  4. Auf ein Röhrchen die Schwungmasse aufschieben aber noch NICHT verkleben.
  5. Den Motorblock locker in seinen Platz im Metall-Rahmen legen und das Röhrchen ohne Schwungmasse einkleben, sodass die Schnecke mittig über dem Drehgestell-Halter liegt. Immer wieder in der Länge abgleichen hilft.
  6. Nun dasselbe mit dem zweiten Röhrchen.
  7. Erst wenn der Kleber das Röhrchen wirklich fixiert den Ort für die Schwungmasse mit der Aussparung im Rahmen abgleichen, einen kleinen Klecks Kleber auf das Röhrchen geben, die Schwungmasse draufschieben und – warten, bis alles wirklich fest ist.
  8. Nun Fleischmanns Motorkontakte von der Platine abbrechen und die kurzen Kabel vom Motor dranlöten.
  9. Platine sorgfältig wieder aufsetzen und mit allen Metall-Klippsen fixieren.
  10. Drehgestelle wieder einbauen; ein paar kleine Tröpfchen Öl auf die bewegten Teile schaden nicht.
  11. Sollte das Fahrzeug sich in Bezug auf die Beleuchtung falsch herum bewegen einfach die Motor-Kabel auf der Platine vertauschen, nicht unnötig direkt am Motor herumbraten. Das war es schon.
So sieht der neue Antrieb von micromotor.eu aus. Passt.
So werden die neuen Anschlusskabel für den Motor verstaut.
Decoder-Anschlüsse für Motor und Stromversorgung; auf der Platine müssen zwei Schnitte gesetzt werden, pink gekennzeichnet.
So habe ich die neuen LED angeschlossen. Etwas wüst, funktioniert aber prima. 🙂

Ich habe noch einen D&H Decoder eingebaut und die beiden Glühlampen gegen 19V LED ausgetauscht. Diese sind mir persönlich für diesen Zug aber zu funzelig, da kommt also noch Besseres.

Nun bewegt sich der ICE leise über die Gleise; nur das typische das Getriebegeräusch bleibt. Mir gefällt der Zug jetzt noch besser.

Lautlose N-Loks (01).

Robust aber laut, so kennt man die klassischen Antriebe von Arnold oder Minitrix. Neue, günstige Motor-Sets lassen die sägenden Geräusche schnell vergessen.

Diese unscheinbare Anordnung bewirkt exzellente Fahreigenschaften auch ältester N-Loks.

Drei neue Anbieter, tramfabriek, 1001-digital und micromotor, liefern für 25 bis 30 Euro alle Teile, um die originalen Krach-Motore zu ersetzen. Dabei sind ein (tatsächlich) fünfpoliger Glockenanker-Motor, ein Adapter für den Einbau aus dem 3D Drucker, eine oder zwei Röhrchen als Adapter sowie fallweise neue Schnecken oder sogar Schwungmassen.

Der Umbau geht meistens leicht von der Hand. Schnell sind die Einzelteile zusammengesetzt, dabei ist nur ein gewisses Augenmaß gefragt.

Eine Fachwerkstatt sollte diese Schnecken entfernen (für den Schnappschuss nur locker aufgesteckt). Diese vielen Beschädigungen sind das Resultat. Tja, wo ‚Engel‘ draufsteht kann eben auch ‚Bengel‘ drinsein.

Einziger Nerv-Faktor der Minitrix Motore sind ihre Schnecken. Sie werden oft wiederverwendet, sitzen aber extremst fest auf den Wellen. Diverse konsultierte Optiker, Schlüsseldienste und Feinmechaniker sind beim Versuch, die Wellen abzuziehen, an dieser Technik ‚Made in Germany‘ gescheitert, zumeist recht amüsiert („wieso muss das SO fest sein, wie lang sind die die Züge, meine Güte?!“) . Also vertraut man die Motore einer Modellbahn-Fachwerkstatt an, über Google und Ähnliche findet man welche.

Ich werde nun nach und nach verschiedene Umbau-Vorschläge zeigen, dabei beginne ich mit der einfachsten Möglichkeit, dem reinen Motortausch. Das Objekt ist eine blaue Kasten- 110 von Minitrix, produziert in Nürnberg 2002.

Obwohl die Form der Minitrix 110 seit Jahrzehnten existiert, gefällt mir die Lok ganz prima.

Anleitung:

  1. zwei lange, freie Litzen an den Motor löten
  2. den Motor vorsichtig in das 3D-Druck Gehäuse drücken, dabei die Litzen herausfädeln
  3. die Minitrix-Schnecken sauber auf die Enden der Röhrchen (‚Adapter‘ genannt) kleben
  4. die Adapter mit sehr (!) wenig Kleber auf den Motorwellen befestigen, zuvor immer wieder an der Lok die exakte Position prüfen
  5. Motorsatz vorsichtig seitlich in die Lok einschieben, dabei auf die Litzen durchfädeln
  6. Litzen sinnvoll kürzen und auf die Platine löten. Fertig.

Nun also zur Probefahrt. Der Effekt ist verblüffend: Eine zuvor nervig knurrende 110 von Minitrix bewegt sich nun angenehm geschmeidig und ohne jedes Geräusch über die Strecke. Das Fehlen der Schwungmasse macht sich nicht negativ bemerkbar, denn das war vorher nicht anders. Dynamisch und gleichmäßig fährt die Lok über die Anlage.

Und man lernt, dass der Mensch tatsächlich eine Art Gewohnheits-Tier ist: Nach Jahren mit lauten N-Loks meint man beim ersten Losfahren mit dem neuen Motor doch wieder etwas zu hören. Natürlich blanker Unsinn, denn Einbildung ist eben keine Bildung.

Also, die Lok ist leise. Man hört wirklich gar nichts, nur bei sehr hoher Geschwindigkeit bemerkt man dezent die Messing-Zahnräder arbeiten. Aber das klingt sogar ganz nett.

Ich bin rundum zufrieden. Die N-Bahn hätte ein viel besseres Image, wenn die Hersteller nicht über Jahrzehnte so schnarrende Antriebe eingebaut hätten.

Nach wenigen Tagen Fahrbetrieb bereits zeigte sich in der damals neuen Minitrix 110 Kohle-Abrieb. Die neuen Motore ersparen einem solche Erfahrungen.

Minitrix hat dieses Fahrwerk über Jahrzehnte baugleich verwendet für Lokomotiven der Baureihen 110, 111, 112, 114, 139 und 140. So ist es also möglich, einen großen Teil älterer und auch stein-alter Lokomotiven mit aktueller Antriebstechnik aufzuwerten und die alten Schätzchen neu zu entdecken. Antriebs-Sets für weitere Lokomotiven findet man auf den Websites, und es kommen fortlaufend neue Varianten dazu.

Hinweis: Meine blaue 110 war ein eigensinniger Fall, muss am Besitzer liegen. Denn nach dem Umbau saß der Motor noch minimal zu hoch, sodass die Schnecken lediglich die Zahnrad-Spitzen berührten. Diversen 3D-Gehäuse-Varianten später (danke nochmal an Sven!) griff ich zum Cutter und nahm mir autoritär das 3D Gehäuse vor:

So habe ich den Boden ausgeschnitten. Auch die Stirnseiten wurden leicht angepasst.

Boden sowie die stirnseitigen Aufnahmen des 3D-Gehäuses schnitt ich so weit aus, dass der Motor tief genug einsinken konnte. Eine gewisse Menge Sekundenkleber fixiert den Motor dann endgültig in seinem schwarzen Gehäuse, und alles passt.

Ob man bei Trix damals den Rahmen geändert hat, keine Ahnung. Wie gesagt: Ältere Auflagen der 110 / 111 / 112 / 140 lassen sich ganz einfach durch Umstecken umrüsten.

Ein Lob für den Service von Lenz Elektronik.

Wer (Modellbahnen-)baut, baut auch mal Mist. Vor zuviel Frust bewahrt einen der der Austausch-Service von Lenz Elektronik.

Loks mit Decodern auszurüsten macht Spaß, und gerade bei Fahrzeugen ohne Schnittstelle ist das Erfolgserlebnis besonders intensiv.

Wenn aber aus eigener Dusseligkeit ein Decoder zerstört wird, dann ergeben sich zugleich verschiedene negative Szenarien:

Frust entsteht, weil einem die eigene Unachtsamkeit vorgeführt wird. Außerdem nervt der finanzielle Schaden, weil gerade 30 bis 100 Euro ins Nirvana entschwunden sind. Man kann sich also mehrfach ‚bestraft‘ fühlen. Was in der Folge bei sensiblen Gemütern Ängste verursachen kann, mit der primitivsten Lösung: Man verteufelt die ganze Digitaltechnik.

Abgesehen davon bauen manche Hersteller minderwertige Motore ein, weil man sich nicht vorstellen kann oder möchte, dass mit ihren Zügen wirklich gespielt wird – und derartige Motore nehmen beim Kaputtgehen den Decoder direkt mit.

Nun gibt es verschiedene Methoden der Hersteller, mit solchen (Aus-)Fällen umzugehen. Die von Lenz Elektronik ist zweifellos die Angenehmste.

Von einer ‚Service-Pauschale‘ bis zur Reparatur in der eigenen Firma reicht die Palette.

Dabei kann so ein Decoder-Defekt sehr wohl auch durch einen Herstellungsfehler verursacht worden sein. Dazu erreichten mich verschiedene, gleichlautende Meinungen. So oder so, es wird teuer.

Ganz anders bei Lenz Elektronik: Dort tauscht man meiner Erfahrung nach z.B. defekte Lok-Decoder oft ohne viel Federlesen aus, gegen nagelneue Bausteine. Einfach so.

Das ist eine großartige Sache, denn so bleibt es für den Modellbahner bei der einmaligen Investition – und man fühlt sich gut aufgehoben. Abgesehen davon harmoniert die heutige Lastregelung der Lenz-Decoder aus der Schachtel heraus mit den meisten Motoren ganz prima. Plug & Play funktioniert hier.

Ganz offiziell gibt man bei Lenz sogar sechs (!) Jahre Garantie auf seine Produkte, natürlich unter klaren Regeln, die auf der Website genannt werden: https://www.lenz-elektronik.de/digital-plus/garantie.php

Lenz Elektronik beweist seinen Kunden gegenüber ein Wohlwollen, das im angenehmsten Sinne ‚altmodisch‘ zu nennen ist. Und um viel älter zu klingen, als ich bin: Schön, dass es das noch gibt. 🙂

Klassisches Märklin – Spielen und Sammeln mit Charme.

Ein Wettrüsten hat eingesetzt: Einige Hersteller überbieten sich gegenseitig mit technischen Features. Während sich der normale Modellbahner freut, alte Schätzchen auf neuen Gleisen fahren zu lassen. Am Besten digital, und das geht auch günstig.

*RRRRRR* 🙂 Technik, die man versteht, und die man (gerne) hört. Ohne Sounddecoder.

Für einen Bekannten sollte ich eine alte E-Lok von märklin auf digital umbauen, mit im Paket lag der günstige Umrüstsatz 60760. Ich ahnte Schreckliches, aber ich wurde belehrt. Denn nur wenig Mehr-Arbeit und diese €30.- Zutaten entlocken so einer alten Maschine einen Charme, den man als ach-so-abgeklärter DC-Bahner nicht erwartet. Zu der dem Decoder beiliegenden Anleitung hier ein paar ergänzende Hinweise.

Motor (Die Umsetzung dieses Tipps ausdrücklich auf eigene Gefahr!)

So glatt sollte der Kollektor aussehen.

Wie immer bei märklins klassischem Motor sollte man den kupfernen Kollektor sorgsam glätten. Denn ab Werk besitzt dieser sehr scharfe Kanten, die die Schleifkohlen abfräsen. Der Staub setzt sich in die Spalten und sorgt irgendwann für Verdruss. Also: Polierleinen besorgen, zum Beispiel 6000 und 14000, den Anker vorsichtig (!!) mit dem Zahnrad in eine kleine Bohrmaschine spannen, dabei das Zahnrad optimalerweise heile lassen, und auf den sich drehenden Kollektor mit Polierleinen einwirken.

Zum Beispiel, indem man schmale Streifen abschneidet und um ein Hölzchen spannt. Erst mit grobem Leinen die Kanten brechen, und dann mit dem feinen Stoff den Anker spiegelglatt polieren. Diese Sache dauert insgesamt nur so etwa eine Minute. Nochmal: märklin spart sich das Glätten seit Jahrzehnten und brockt den Modellbahnern wissentlich Frust ein; nett ist das nicht.

Meine Polierleinen habe ich dort gekauft: http://www.meshy.de/

Getriebe

Alte Lokomotiv-Modelle haben oft bereits viele Stunden Freude bereitet. Entsprechender Schmutz hat sich im Getriebe angesammelt. Mit dem bekannten Dampf- und Reinigungsöl SR24 und Wattestäbchen lässt sich diese Schmiere wirksam entfernen. Auch märklin-Loks, die sich keinen Millimeter bewegen, weil sie im märklin-Werk mit dem berüchtigten „Getriebe-Kleber“ versehen wurden (‚Öl‘ genannt), lassen sich mit SR24 und vor allem Geduld wieder ins Leben zurückholen. Vor dem richtigen Ölen sollte man alle Spuren des SR24 von bewegten Metallteilen mit reinem Alkohol und weiteren Wattestäbchen entfernen.

Beleuchtung

Aktuelle LED in einer alten märklin-Lok. Harmoniert wunderbar.

Klassischerweise sind diese Lokomotiven mit Glühlampen beleuchtet. Ich habe statt derer kleine LED-Plättchen aus einer längeren Lichtleiste verwendet. Diese kann man dank ihres Widerstandes direkt an die Kabel des märklin-Digitaldecoders anschließen. Mit Sekundenkleber von Pattex habe ich die Plättchen direkt auf den Metallboden geklebt. Auf die Polung muss man natürlich achten, die Kabel grau und gelb jeweils an die Kontakte der LED, orange als Masse (im Foto schwarz) an die Kontakte der Widerstände.

Karton gegenüber der LED verteilt das Licht gleichmäßig; die Karton-Farbe beeinflusst dabei die Farb-Temperatur.

Damit das Licht gleichmäßiger auf die Lichtleiter reflektiert wird, habe ich in die Fronten der Lok gegenüber der LED cremefarbenen Karton geklebt.

Anfahr- und Bremsverzögerung

Es ist sinnvoll, diese Werte etwas heraufzusetzen. Die Maschine benimmt sich dann wesentlich eleganter.

Die passende Ergänzung: Alte Waggons in blau/elfenbein.

Fürnehme Distanz: So sah das eben Anfang/Mitte der 80er Jahre aus. Und es funktioniert.

So eine alte Maschine sieht vor nagelneu gekauften Waggons natürlich ein bisschen seltsam aus. Aber via Ebay, Hood oder auf Modellbahn-Börsen kann man sich gebrauchte, zeitgenössische Waggons besorgen. Oft zu fairen Preisen.

Die im Bild gezeigten Fahrzeuge besitzen nicht einmal die Mechaniken für Kurzkupplungen, sie sind also wirklich angejahrt und damit perfekt geeignet als Ergänzung der gezeigten Lokomotive. Jeder Waggon besitzt seinen eigenen Schleifer, aber die Zugkraft der schweren 140 steckt das locker weg. (meine Ohren dafür umso weniger…)

Leicht abgerockt aber mit großem Spaßfaktor! Gleichstrom-Fahrer bekommen DC Achsen unter der märklin-Nummer E700580. Damit rollen diese Waggons auch auf Trix C Gleisen, Fleischmann Profi, Roco geoLine und Line und natürlich dem Piko A Gleis.
Waggons mit Innenbeleuchtung machen mehr Spaß, gerade im Dunklen quer durch die Wohnung.

Oft besitzen diese Waggons bereits eine Innenbeleuchtung von märklin mit Glühlampen. Das Alles kann man im Prinzip so belassen und nutzen, aber für den Digitalbetrieb bietet es sich an, diese Glüh(!)Lampen gegen baugleiche moderne LED-Alternativen auszutauschen. Auf Ebay einfach mal die Suchbegriffe „märklin LED Glühlampe“ eingeben, dann findet man zum Beispiel das:

https://www.ebay.de/itm/4-Stuck-MS4-LED-Gluhlampen-Birnen-wie-60000-600000-Warm-weis-kurz-NEU-E600000/313324137068?epid=4011374540&hash=item48f392ea6c:g:jeYAAOSwjkdZ8FYs

Mit diesen Schrauben ist das Gehäuse befestigt. Es wäre möglich, Kurzkupplungen aus 7205 einzusetzen.
Hier verstecken sich die Glühlampen, die man gegen warmweiße LED austauschen kann. …und ein bisschen sollte. 🙂
So werden die Laufflächen wieder sauber – ähnlich, wie früher die Tonköpfe vom Cassettendeck.

Die Räder haben oft über die Jahre eine dicke schwarze Schmutzschicht aufgebaut. Mit dem SR24 und einer beachtlichen Anzahl von Wattestäbchen kriegt man die alten Räder prima sauber.

Sanft hilft der Roco Rubber dem Schleifer zu gutem Kontakt.

Den Schleifer kann man auch damit reinigen; in hartnäckigen Fällen einfach einen Roco-Rubber verwenden zum Sauberpolieren.

Fazit: Die klassische märklin-Modellbahn mit Drehgestell-Antrieb und vernehmbar arbeitendem Getriebe mag aus einer anderen Zeit stammen, aber sie macht noch immer viel Spaß.

Freidenker bekommen eine Auswahl dieser alten Fahrzeuge für DC Gleise (Fleischmann, Piko, Roco, Trix) oft gebraucht unter der Bezeichnung märklin Hamo. Spaß mit märklin kann man haben mit und ohne Mittelleiter. 🙂

Maßstäblichkeit – Pflicht oder Kür? Fleischmann 4169.

Vor Kurzem besuchte mich ein Dampflok-Modell von Fleischmann, sozusagen. Diese schicke Lok ist bekanntlich noch in 1:85 konstruiert, also dezent zu groß. Na und?

Links Fleischmann, rechts Roco. Rechts maßstäblich, links gerade Griffstangen: Who’s Bad?

Im direkten Vergleich mit einem passenden Modell von Roco fällt vor allem auf, dass die Fleischmann-Maschine noch immer gut mithalten kann – angesichts ihrer Konstruktion von …? 1970?

Fleischmanns leicht zu große Loks erklären sich übrigens aus einem Zeitgeist der 60er, als die Schienenprofile noch extrem dick waren, und man davon ausging, dass sich das nie ändern würde. Man wollte den Eindruck der Loks auch auf diesen Gleisen erhalten.

Heute kommt einem das eigenartig vor, aber das Denken der Menschen ändert sich eben: Auch Smartphones werden uns nicht ewig begleiten; die Klötze werden irgendwann durch Eleganteres abgelöst.

Links Fleischmann, rechts Roco. Fleischmanns Pufferhöhe ist schon amüsant, fällt aber im normalen Betrieb nicht auf.

Ende der 80er Jahre bekamen viele Fleischmann-Dampfloks diese feineren Räder, mir gefällt dieses Modell wirklich gut. Sogar der angeblich ungeliebte Rund-Motor arbeitet schön leise, geschmeidig und lässt die Lok ordentlich ziehen. Keine Ahnung, was die Leute habem, außer…

…moralinsauer auf Perfektion-ab-Werk zu bestehen. Tut das Not? Gäb‘ es diese Lok zu einem fairen, ihrem Alter angemessenen Kurs zu kaufen, sie würde ihre Käufer finden. Das Totschlag-Argument ‚unmaßstäblich‘ verwenden ohnehin nur Modellbahner, die aus Arroganz und geistiger Bequemlichkeit ihre Ansprüche Andersdenkenden überdäuen wollen – ohne drüber nachzudenken, welche praktischen Gründe es gibt, Personenwagen zum Beispiel zu verkürzen.

Man kann Dinge auch trotz oder wegen ihrer unperfekten Mach-Art wertschätzen; so besitzen auch Blechwagen von märklin ‚Charme‘. 🙂

Oben Fleischmann, unten Roco. Die Kürze ist wirklich da, trotz der Kamera-Perspektive – na und?

Längst nicht alles, was früher mal beliebt war, wird auf Dauer ausrangiert: Schallplatten sind auch wieder da. Marke und Produkte von Fleischmann H0 hätten zeitnah ein Comeback verdient, unter kundigem Management versteht sich.

Kurz: Wer so ein Modell angeboten bekommt, kann beruhigt zugreifen. Die Lok mag etwas bullig aussehen (sozusagen vorbildgemäß), aber ihre Qualität, hergestellt in Nürnberg zu Zeiten ohne österreichischen Einfluss, kann auch heute noch überzeugen.

Märklin H0 Vectron 36292 für „internationale“ Gleise.

märklin bringt ja öfter schöne Fantasie-Modelle heraus. Mit ist es schnuppe, ob Andere Derartiges ablehnen, weil es „das beim Vorbild nicht gegeben“ habe – mir gefällt’s. Und es ist ja MEINE Modellbahn, ne? Also.

Eine Fantasie-Lackierung auf echtem Karo-Block. 🙂

Für 2020 bietet märklin eine Diesellok aus der Vectron-Familie an, die in Bundesbahn-Farben lackiert worden ist. Sie entspricht in etwa den Farben des Triebzuges ET11, leider ohne dessen hellgraues Dach. Mir gefiel diese Lok auf Anhieb, und es sind lediglich kleinere Löt-Arbeiten notwendig, um sie auf Fleischmann-, Roco- oder gar hauseigenen Trix-Gleisen einzusetzen.

Märklin-Qualität ist nämlich tatsächlich ganz cool. Allein: Mit dem ollen Schlitter-Schleifer fange ich nichts an, wozu auch. Im traditionellen Sinne hat das Prinzip seine Berechtigung. Aber im Sinne der Evolution von Modellbahnen ist der Mittelschleifer ein lästiger Anachronismus der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, dem märklin selbst in sämtlichen Baugrößen bereits abgeschworen hat bzw. Alternativen zeigt.

Dieses Vectron-Modell ähnelt technisch den ‚Hobby‘ Traxx-Loks, die märklin erstmalig Mitte der Nullerjahre präsentierte. Sie waren eine Antwort auf Pikos Billig-Aktionen; das krasseste Beispiel waren Piko-Loks für das märklin-System mit Decoder für €25 (!). Sorry, alles hat seine Grenzen. Märklin reagierte auf eigene Art mit einer modernen BR 185 mit solidem Metallgehäuse, Antrieb durch Mittelmotor auf beide Drehgestelle (für manche ‚Märklinisten‘ vermutlich ein Kultur-Schock) und lastgeregeltem Decoder – für 99 Euro. Definitiv das seriösere Angebot.

Antrieb auf alle Achsen, Stromaufnahme über alle Räder – internationaler Standard ist auch bei märklin längst Usus. Man beachte die Bremsscheiben…

Diese Loks besitzen Achsen aus Kunststoff, darauf aufgepresst sitzen die Räder aus Metall. Außerdem besitzen Viele (aber nicht alle) dieser Räder recht niedrige Spurkränze, sodass sie selbst auf RocoLine Gleisen nicht über die Klein-Eisen hoppeln; Ausprobieren hilft. Wer also Metall-Modelle mag, findet hier ein inzwischen umfangreiches Sortiment.

Aktuelle märklin-Decoder verstehen fast immer auch DCC, und viele ältere ‚Hobby‘-Loks kann man mit einfachen (und original-Märklin-) Mitteln mit Schnittstelle und DCC-Decoder umbauen. Das macht dann sogar Spaß.

märklin ohne Mittelleiter, eine prima Sache, die Spaß macht und nicht rasselt.

Umbau auf oM – ohne Mittelleiter.

Das geht ganz fix: Entfernen des Schleifers & Ordnen der Kabel-Verbindungen zur Platine. Das isses. Die einzelnen Schritte:

  • Gehäuse abschrauben (vier Schrauben)
  • Schleifer abklipsen
  • Kontaktplättchen herausnehmen und Kabel abtrennen
  • Das Kabel des Mittelschleifers nach oben herausziehen und von der Platine ablöten
  • Blenden der Drehgestelle sicherheitshalber abhebeln, Achsen zur Seite legen
  • Kabel-Brücken der Rad-Kontakte ablöten oder aufzwicken (diese schwarzen Kabelverbindungen verstecken sich quasi unsichtbar eng anliegend auf den Getriebe-Gehäusen!)
  • Kabelverbindungen herstellen zwischen den zwei freien Radkontakte und Platinenkontakten
  • Achsen wieder einsetzen, jeweils etwas Schmiermittel dazu
  • Drehgestellblenden einklipsen
  • Gehäuse aufsetzen, festschrauben
  • Adresse 03 anwählen und losfahren.

So fährt die schöne Lokomotive über meine Gleise nach internationalem Standard, angesteuert mit DCC durch einen Fleischmann-ProfiBoss. Die Kupplung von märklin sitzt in einem Normschacht und lässt sich so einfach gegen Andere austauschen. Der quakige Original-Lautsprecher könnte später durch eine Bassreflexbox ersetzt werden.

Die rosa Kreise zeigen, wo die Kabel von den Radkontakten angelötet werden müssen.

Glänzende Bremsscheiben für Hobby Traxx Lok von märklin / Trix.

Die brünierten Bremsscheiben dieser Modelle sollten natürlich silbern aussehen; hier spart märklin seit 15 Jahren an der falschen Stelle. Bei diesen aktuellen Lokomotiven sind es ja gerade die Räder, die den ‚Hingucker‘ darstellen; diese dunkel zu belassen, das ist schon feist.

So glänzend sollten Bremsscheiben aussehen. Nicht grau, nicht brüniert (!).

Abraten möchte ich von Pinseleien; das Anmalen der Bremsscheiben kann eine Sauerei werden.

Ich habe mich an 1:1 orientiert und die Bremsscheiben blank poliert, vorsichtig und mit Augenmaß. Vorbildgetreuer geht es nicht.

Das geht sehr einfach; am Besten mit einem zweiten Modellbahner als Hilfe: Man besorgt sich Polierleinen (6000 & 12000) zum Beispiel bei http://www.meshy.de/ und schneidet sich davon Streifen ab, die in etwa der Breite der Bremsscheiben entsprechen. Außerdem braucht man ein Holzstäbchen in gleicher Breite.

Nun legt man die Lok mit den Rädern nach oben in eine Lokliege und gibt Strom auf die Räder bzw. Räder und Schleifer, dazu kann man ein normales Anschlussgleis verwenden.

Mit der einen Hand hält man ein Drehgestell gerade und drückt mit der anderen Hand das Stäbchen mit 6000er Polierleinen sanft (!) gegen die Bremsscheibe, bis sie gleichmäßig blank poliert ist.

Nicht zu sehr aufdrücken, einfach mit Muße die Brünierung entfernen. Die Vertiefungen bleiben dabei netterweise dunkel, sodass endlich die schöne Struktur der Radscheiben überhaupt zu sehen ist. Und beim Diesel-Vectron hat märklin die Bremsscheiben tatsächlich anders dargestellt, als bei den Traxx E-Loks.

märklins ICE2 sieht mit polierten Bremsscheiben wirklich schick aus.

Für einen ICE2 aus einem Startset gab es neue DC-Räder, die zwar eigentlich falsch sind aber sehr genau in die ebenfalls falschen Drehgestell-Blenden passen. Blenden, die von der BR185 stammen – märklin zeigt da schon eine gewisse krimin… kreative Energie. Also, dessen Bremsscheiben habe ich ebenfalls poliert. Und auch, wenn es nicht so wirklich vorbildgerecht ist: Es sieht wirklich cool aus. 🙂👍🏻

Abschließend mit 12000er Polierleinen die Oberfläche glätten und glätten, bis sie blitzt und glänzt, wie bei den Vorbildern. Die Wirkung ist verblüffend, und man bekommt ein ganz neues Gefühl zu den schönen Modell-Lokomotiven.

…märklin könnte diese Loks natürlich auch so ab Werk ausliefern – wozu sonst sind märklins Räder komplett aus Metall, nicht wahr?

So bereitet mir märklin H0 Freude – auf „internationalem“ Gleis (nicht zwangsläufig genau diesem), in solider Qualität.

Plastik-Pest bei Roco (4) BR042

Eine meiner Dampfloks blieb letztens schlagartig stehen. Bei der Ursachen-Forschung fand ich im Tender-Getriebe ein Stück Kunststoff. Herkunft ungewiss.

Zwischen den Zahnrädern fand sich der kleine schwarze Klipps.

Interessant ist, dass sowas nur bei relativ neuen Roco-Modellen vorkommt. Ich habe Fahrzeuge von Roco, die in den 70er, 80er und 90er Jahren produziert worden sind. Deren Kunststoffe sind einwandfrei.

Vielleicht sollte man also lieber ältere Roco Modelle kaufen…. Oder Alternativen von Piko.

Pikos neue H0 Kurz-Kupplung 56046.

Diese Woche hat Piko eine eigene, neu entwickelte Kurzkupplung ausgeliefert. Hier eine kurze Besprechung.

Vor Längerem sandte ich der Firma Piko ein Pärchen älterer Kurzkupplungen als Produkt-Vorschlag. Hergestellt von Fleischmann in den 70er Jahren, die sogenannten ‚Fox-Kupplungen‘. Dessen Patente dürften längst abgelaufen sein.

Meine Idee war, dass Piko, bis dato ohne eigene Kupplung, diese Fox-Kupplung neu nachbauen könnte, aber dann eben 100% kompatibel zu Fleischmanns Kurz-Kupplung, deren Ankuppel-Verhalten bis heute eher reproduzierten Auffahrunfällen gleicht… So hätte der Markt endlich eine tolle, kompatible Kupplung, und Piko hätte sich als gewitzter Verbesserer inszenieren können (das liegt denen ja eigentlich).

Kurz, ich bekam meine Muster zurück mit der Anmerkung, man habe kein Interesse an einer Kupplung. Na gut, in Ordnung.

Dann folgten die nächsten Neuheiten, und darin fand sich eine V60 mit spezieller digital lösbarer Kupllung – die passte zwar zu kaum einer der bekannten Kurzkupplungen, war aber immerhin eine gute Idee.

Und im Jahr 2020 stellte Piko nun eine völlig neukonstruierte KK vor. Übrigens ohne dabei an ein Entkupplungsgleis für das hauseigene A-Gleis zu denken. Was finden wir also vor?

Die neue Kupplung

Man fühlt sich an eine ganze Reihe bereits vorhandener Kupplungen erinnert. Die klare Vorlage ist Fleischmanns bekannte Kurzkupplung, aber man findet auch Elemente der Roco-KK wieder. Dazu die zerklüftete Optik der aktuellen TT-Kupplung.

Diskret ist anders.

Aussehen

Mich erinnert Pikos neue KK an einen Hirschhornkäfer. Und ist in etwa auch genau so attraktiv. Mir gefallen diese ausladenden ‚Greif-Arme‘ nicht, aber Geschmäcker sind eben verschieden.

Der Kupplungskopf wurde weit unten angeordnet, damit die Puffer keinesfalls berührt werden. Ob auf Mittelleiter-Weichen die Pukos berührt werden können, das ist noch zu verifizieren.

Auf Puko-Weichen könnte das knapp werden…

Auswahl

Es gibt nur Steckkupplungen, nach Wahl mit oder ohne Strom-Übertragung. Höhenverstellbare Kupplungen wie für viele Roco-Fahrzeuge notwendig, sind noch nicht angekündigt. Ebenso gibt es noch keine Digitalkupplung.

Funktion

Das Ankuppeln erfolgt ähnlich Fleischmann nur mit Schwung. Sanft Gegenrollen und Ankuppeln funktioniert nicht. Die Konstruktion mit zwei kleinen Kunststoffteilen, die sich im Kopf gegenseitig verschieben bewirkt keine Verbesserung gegenüber Vorhandenem. Dabei wäre es so einfach gewesen, aber ich will hier niemandem die Arbeit abnehmen.

Oben der Entkupplungs-Stift, unten der kleine Kupplungs-Haken.

Da in einem YouTube-Video das Einkuppeln als „gerade im Vergleich zur Fleischmann Profi-Kupplung angenehm leicht“ beschrieben wird, bitte ich die Leser darum, die betreffende Szene genau zu betrachten: Zum Ankuppeln wird ein Waggon händisch gegen eine stehende Lok geschoben. Ein ziemlich billiger Trick, sowas nennt man: Schummeln. Zumal im Fazit dann doch Kritik geäußert wird.

Die Kupplungs-Verbindung bleibt meiner Erfahrung nach sicher zusammen, man kann die Fahrzeuge sogar nach oben herausnehmen. In den Entkupplungsstegen zeigen sich kleine Ösen. Der Verdacht liegt nahe, dass Digital-Kupplungen folgen werden. Aber die normalen Kupplungen hätte man ohne diese Ösen ausliefern sollen. Das sieht wie ein Bastel-Rest aus.

Schön ist anders.

Die oft genannte Funktion der Strom-Übertragung ist wohl nur für märklin-Fahrer interessant, die nicht unter jedem Wagen mit Licht einen Schleifer haben wollen. Aber märklin hat bereits eine eigene einpolige Kupplung – und dazu diverse zwei- und vierpolige Kupplungen. Also, dort herrscht eigentlich kein Bedarf.

Zusammengekuppelt von oben. Nett gemeint.

2L Fahrer brauchen keine Mittelschleifer, das funktioniert bekanntlich alles über die Räder. Jeden Wagen mit eigener Versorgung auszustatten ist auf jeden Fall eleganter, als um die Kulissen mit Kabeln herumzuheddern, die irgendwann durch die fortwährende links-rechts-Bewegung abreißen können. Dann lieber die Kabel im Drehgestell jeweils nach oben führen, und die Sache hält (fast) ewig. Und ja, ich habe eigene Erfahrungen mit solchen Kupplungen.

Kompatibilität:

Nix da. Pikos Kupplung ist zu keiner anderen Kupplung kompatibel. Piko reißt eine völlig eigene Baustelle auf, wie auch schon mit der fragwürdigen Spezial-Schnittstelle im ICE4. Piko möchte die eigenen Kunden in Abhängigkeiten bringen. Aber: Was bei märklin (noch) funktioniert, das empfinden 2L-Fahrer oft schnell als Bevormundung.

Anstelle sich an den Gegebenheiten des Marktes zu orientieren und sich dort einzugliedern, um gemeinsam erfolgreich zu werden, hält man bei Piko eigensinnige Wege für den Schlüssel zum Erfolg.

Man kann das mutig finden. Oder auch anmaßend.

In jedem Fall bringt es Unruhe, und genau die brauchen die Menschen in diesen Zeiten schon mal gar nicht.

Fazit:

Um Herrn Grönemeyer zu zitieren: „Was soll das?“ Pikos neue Kurzkupplung sieht weder besonders fein aus, noch kuppelt sie sanft ein. Andere, zum Teil Jahrzehnte ältere Lösungen sind praxisnäher konstruiert. Dazu kommen recht hohe Preise, während gerade Roco seine Kupplungen in Großpackungen besonders günstig anbietet. Ich habe den Eindruck: Das war nichts, leider.

Bundesbahn Startset in TT von Tillig 01443.

Die Baugröße TT 1:120 ist genau richtig für diejenigen, denen N zu klein und H0 zu groß ist. In den USA erfunden etablierte sich die Bezeichnung „Table Top“ . Derzeit ist die Firma Tillig der einzige Anbieter von Startsets in TT, obwohl auch Andere das ‚Zeug‘ dazu hätten.

Die wunderbare 212 von Tillig. Nicht zu verwechseln mit dem H0-Modell von Roco…

In den letzten zwanzig Jahren wurde eine beachtliche Auswahl an Bundesbahn-Modellen für TT entwickelt, die qualitativ gut mit bekannten H0- und vor allem N-Fahrzeugen mithalten können.

Als bestimmende Anbieter für Bundesbahn-Fahrzeuge sind derzeit die vier Marken unterwegs: Kres, Kühn, Piko und Tillig. Dazu kommt der Anbieter PSK für interessante Güterwaggons. Derzeit mal wieder aus TT verabschiedet hat sich Roco, aber bei denen sind ‚Entscheidungen‘ oft eher von kurzer Dauer. Hornby entwickelt unter dem Label Arnold hin und wieder TT-Fahrzeuge, darunter eher zufällig mal Bundesbahn-Varianten.

Häuser-Bausätze gibt es in extrem exakter Qualität von Auhagen (sofern man die Bausätze im Misch-Maßstab H0/TT außer acht lässt), und wer alte Faller AMS Häuser mag, kann diese ebenfalls prima für die TT Bahn einsetzen. People gibt’s bei Preiser und Noch. Nur Auto-Modelle nach westeuropäischen Vorbildern sind wirklich selten.

Zuwenig Bundesbahn? Von wegen.

Man findet auf jeden Fall genug Material, um eine Anlage mit typischen Bundesbahn-Attributen aufzubauen. Wer sich über angeblich mangelnde Auswahl beschwert, der sollte erstmal checken, was es seit dem Jahr 2000 tatsächlich alles zu kaufen gibt und gab – und nicht, was es alles nicht gibt. Mit dem Verfügbaren ist man erstmal gut ausgelastet.

Eine ganze Reihe von Modelle sind wirklich gut gelungen; Kühns Kasten-Loks der BR 110, 110.3 und 140 sind prima, die 103 sowieso, und auch die V60 ist ein Schmuckstück (für das wie auch in N üblich platzende Zahnrad gibt es Ersatz).

Das umfangreichste Portfolio an Lokomotiven und Waggons bietet die Firma Tillig, von der V200 über die Dampfloks der 001 und 050 bis hin zum 1962er Rheingold und seit diesem Jahr dreiachsigen Umbauwagen ist wirklich Viel dabei. Eilzugwagen, D-Zug Wagen, Silberlinge, Schürzenwagen, und die Güterwaggons lassen sich hier nicht sinnvoll aufzählen.

Piko steuert den Diesel-Rangierer 290 bei, und derzeit wird ein Bundesbahn-Kraftprotz ausgeliefert, die BR150. Wie man Piko kennt, wird diese sicher bald auch in grün und blau/elfenbein erhältlich sein.

Bei Kres gibt’s den Schienenbus 798 und den gläsernen Zug 491.

Gleise gibt es in robuster Qualität und beachtlicher Auswahl von Tillig, optisch feiner aber in kleinerer Auswahl gibt es ein Sortiment bei Kühn.

Was kann nerven?

Doppelentwicklungen gibt es auch in TT, die BR 38 von Roco und Tillig, die Bügelfalte 110.3 von Kühn und Tillig, die Silberlinge von Kühn und Tillig (wem fällt was auf?), und den modernen Eurorunner von Kühn und Piko. So findet aber jeder etwas, das ihm eben beonders gut gefällt.

Denn manchmal entsprechen die Modelle in TT nicht der Konzeption, die man aus anderen Baugrößen gewohnt ist. In der Denke, aber auch in der Umsetzung. Aber man findet ohnehin in jeder Baugröße und bei jedem Hersteller schrullige Aspekte, auch beim Platzhirsch märklin – dort allerdings meist schwerer und / oder teurer. Insofern: Irgendwas ist immer.

Startset für Bundesbahner.

So beginnt man gerne: Die schöne Diesellok zieht zwei Silberlinge; die Epoche 4 ist derzeit sehr beliebt. Der Waggon ist mit einem Handgriff wieder zusammengeklippst. 🙂

Fans der Bundesbahn finden derzeit einen soliden Einstieg in die Baugöße TT mit Tilligs Startset 01443. Eine Diesellok der BR 212 zieht zwei Silberlinge mit passendem blauen Rahmen. Als Steuerwagen gab es bis vor Kurzem den Silberling mit Karlsruher Kopf und Führerstand in blau/elfenbein (13844). Recht komfortabel: Sowohl Lok als auch Steuerwagen besitzen jeweils sechspolige Schnittstellen für Digital-Decoder. (Wobei man sich in 2020 eine Plux-Dose wünscht, gerade bei Wendezug-Loks.)

Tilligs bewährte TT-Gleise. Die Weiche besitzt nun ein Herzstück aus Metall.

Gefahren wird auf einem etwas zu kompaktes Gleis-Oval mit einem originell gestalteten, analogen Fahrgerät. Eine gute Idee ist, dass die Weiche im Set bereits einen elektrischen Antrieb besitzt. Denn zusätzliche gerade Gleise kauft man gerne und ohne gedanklichen Aufwand, aber mit Weichenantrieben stellen sich Viele anfangs schon irgendwie an.

So aber ist direkt einer dabei, und man kann bei einer Ergänzung mit dem Digitalsystem eigener Wahl einen günstigen „WeichEi“ Decoder anschließen: Augenblicklich lässt sich die Weiche über ein modernes, Digital-Steuergerät schalten. https://modellbahnshop.moba-digital.de/Weichei

Außerdem liegt ein etwas plünniger Eingleiser dabei und ein kleiner Kastenwagen nach Vorbild ‚Matador‘. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurden dessen Vorbilder in Hamburg-Harburg gebaut, und Tillig hat schon viele bunte Varianten produziert. Mehr dazu hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vidal_%26_Sohn_Tempo-Werk

http://www.hanomag-kurier.de/tempo91.html

Produkt- Qualität

Auf den ersten Blick wird klar, dass sich Tillig an H0 Modellen von Roco orientiert hat. Die konstruktiven Ähnlichkeiten sind unübersehbar. Aber, wie ein deutscher Komponist & Produzent sagte: „Lieber gut abgeschrieben als sch…lecht selber komponiert!“ Nunja.

Lok und Waggons sind fein gestaltet und sauber lackiert. Beheimatet sind alle drei Fahrzeuge in Köln, Nippes und Deutzerfeld; das freut mich natürlich. Aus dem Karton heraus sind sie voll einsatzfähig und bereiten viel Spaß. Die Lok könnte etwas schwerer sein. Ihr Lichtwechsel ist gut zu sehen, die vier LED leuchten schön hell. Leider lassen sie sich später digital nicht separat ansteuern, und so strahlt die Lok ihre Waggons an.

Es versteht derjenige etwas von Farbe, der…

beige von elfenbein unterscheiden kann. Tilligs 212 wurde offenbar wortwörtlich ‚ozeanblau‘ und ‚beige‘ lackiert. Dabei müsste sie ‚elfenbein‘ sein. 1974 kam ‚beige‘ nur ein paar Monate lang zum Einsatz, danach wurde ‚elfenbein‘ verwendet. Der Name war aber in der Welt, und seitdem nennen Generationen von Modellbahnern dieses Farbschema fälschlicherweise „blau-beige“. Nochmal: Das ist (fast immer) FALSCH.

Dass heute sogar Museums-Bahnen gern falsche Farben auflackieren ist die eine Sache. Aber ein Modellbahn-Hersteller sollte um die stimmigen Farbtöne wissen.

Gemerkt habe ich das nur, weil ich die zu weißlichen Griffstangen mit RAL ‚elfenbein‘ nachzog und sie danach noch immer zu hell aussahen. Ein weiterer Hauch von ‚beige‘ darüber, und die Farben stimmten überein.

Recht eng und sicher, mit Kühn-Kupplungen (erkennbar an den kleinen Häkchen drunter).

Die Silberlinge treffen ihre Vorbilder recht gut. Das Muster der Pfauenaugen ist ungewöhnlich in einem creme-Ton aufgedruckt, die Wirkung ist in Ordnung. Fein gestaltet sind die Inneneinrichtungen, leider einheitlich in hell-elfenbein durchgefärbt. Das sollte so natürlich nicht bleiben, dazu folgt ein Artikel.

Die Fenster erinnern mich irgendwie an die verkürzten Silberlinge von Roco aus dem Ade-Fundus in 1:100; als hätte man sie auf maßstäbliche Länge gezogen. Das kann aber täuschen; man müsste das mal nachprüfen. Beim Steuerwagen wirkt das orange etwas zu gelblich; dabei war das Orange damals eine Warn-Farbe.

Kupplungen – Kühn sticht Tillig. Noch immer.

In Kurven kann es passieren, dass sich die Kupplungen aneinander hocharbeiten und lösen oder verkanten. Tillig hat die Höhenverriegelung vergessen. Um diese für sicheren Betrieb nachzurüsten, gibt es zwei Möglichkeiten: Man bestellt sich bei der Digitalzentrale einen Ätzbogen und klebt die kleinen Teile an (dafür hat Tillig den kleinen Stift angeformt).

https://www.digitalzentrale.de/detail.php?sess=iarjkoi7rdubrah211k3gpriu7&art_id=313&abt=&itemgr=42

Oder man verwendet die artverwandten aber intelligenter gestalteten Kupplungen von Kühn-Modell. Diese haben kleine Häkchen drunter, die das Hochschaukeln verhindern. Damit fahren die TT-Bahnen sicher.

http://www.kuehn-digital.de/files/74900.jpg

Gleise, solide aber zuwenig.

Die Gleise sehen gut aus, und die Weiche hat zwischenzeitlich ein Herzstück aus Metall bekommen. Dieser Bereich lässt sich also auf Wunsch nachträglich mit Strom versorgen. Für Liebhaber kurzer Loks besonders hilfreich. Das bedeutet auch: Tillig überarbeitet sein Sortiment.

Insgesamt fährt die Garnitur (mit den Kühn-Kupplungen) sicher und störungsfrei über das kleine Oval, egal wie schnell, oder ob geschoben oder gezogen. Aber ein paar weitere gerade Gleise dürften es schon sein.

Analoge Avantgarde.

Eigensinnig und interessant in Aussehen und Funktion.

Das Steuergerät erzeugt in der Lok einen Summton, weil es nicht einfach Gleichspannung auf die Gleise schickt, sondern eine pulsierende rechteck-Spannung. Damit haben die Loks mehr Power, und die LED sind bereits beim Anfahren hell erkennbar. Die optischen Gestaltung des Gerätes auf jeden Fall sehr ungewöhnlich.

Natürlich empfiehlt sich die frühzeitige Erweiterung mit einem DCC-Digitalsystem. Den klaren Warn-Hinweisen in Tilligs Anleitungen folgend („maximal 14 Volt“) fiel mir die Warnung eines ehemaligen Roco-Mitarbeiters ein: Manche Roco-Digital-Zentralen geben bis zu 20 Volt auf die Gleise, so sagte man mir. Das ist dann eigentlich nichts für N oder TT-Motore. Also bei der Auswahl der Zentrale für diese Startpackung darauf achten, dass die Gleis-Spannung unter 14 V bleibt, bzw. so einstellbar ist.

Zurüstteile sind ätzend.

Pro Fahrzeug liegt eine (Un-)Zahl an Zurüstteilen bei. Auch das erinnert an Roco – und nervt genau so. Denn auch Tilligs Einsteck-Öffnungen sind eigentlich alle zu eng und müssen äußerst vorsichtig (!!) mit einem spitzen Pin sanft geweitet werden. Nach 35 Jahren Roco H0 habe ich keine Lust mehr auf solch‘ lästigen Arbeiten. Modellbahn-Fahrzeuge dürfen ready-to-run aus der Packung kommen.

Wer hat Angst vor Zurüstteilen? Wohlgemerkt, dies ist, was übrigbleibt!

Damit die Teile langfristig dort bleiben, wo sie hingehören, habe ich einen alten Trick angewendet: Auf einen Plastik-Rest gibt man einen Klecks Sekundenkleber und tupft dann die Spitze des Kleinteils nur leicht auf die Oberfläche, sodass ein Hauch von Kleber haften bleibt. Dann direkt einsetzen.

Die vielen Zurüstteile haben ihre Wirkung. Ab Werk drangespritzt wäre es sympathischer.

Tatsächlich sind es wirklich zuviele Kleinteile. Unterhalb von H0 kann man Vieles durchaus in die Form integrieren, dennoch bleibt der Eindruck erhalten. Mir persönlich liegt nichts mehr an diesem Hersteller-Wettrüsten. Aus dem Alter bin ich raus, für mich zählt der Eindruck. Überdies: Superfeine HD-Modelle sind nicht für Jedermann handhabbar.

Und weiter?

Erstmal sollte man weitere gerade Gleise besorgen, damit das Fahren mehr Spaß macht. Aber wie das so ist mit Hinweisen: Man ignoriert sie sowieso. 🙂 Also habe ich erstmal einen passenden Steuerwagen besorgt, und zwar einen mit orangefarbener Nase. Den gibt es schon lange nicht mehr, aber ich hatte eben Glück. Und er ist ebenfalls in Köln beheimatet. Passt also.

Tilligs Steuerwagen mit Lichtwechsel weiß /…
...rot. Dank sechspoliger Schnittstelle findet ein Decoder schnell seinen Platz.

Speziell für Bundesbahner hat Tillig vor Kurzem ein Set mit zwei Bauzug-Wagen ausgeliefert, beide in ozeanblau und in vielerlei Hinsicht klug konstruiert. Nur die Achs-Aufhängung trifft die Vorbild-Situation nicht wirklich exakt. Vielleicht gibt’s hier mal ein vorbildnäher gestaltetes Bauteil.

Ergänzend könnte es zukünftig Niederbordwagen oder Hilgsgerätewagen in braun oder gelb (!) geben, und der Bauzug sieht schon mal nach mehr aus. Diese Waggons waren ja auch beim Vorbild nicht alle blau. Als Zuglok bietet sich vielleicht die kräftige 290 von Piko an, in klassischem purpurrot oder ebenfalls ozeanblau, und spätestens dann werden schon weitere Weichen fällig.

Als Gleise bevorzuge ich persönlich die von Kühn, trotz der kleineren Auswahl. Sie sind filigraner gestaltet, und mir gefällt sowas. Außerdem ist Ihre Geometrie klarer. Die hier vorliegenden Gleise von Tillig mit Schwellenbandgleis sind natürlich sehr ordentlich gemacht, aber ihre Geometrie entbehrt jeglichen Komforts.

Um von Anfang an digital zu fahren gibt es inzwischen unzäglige Möglichkeiten. Preislich von bis. Nun ist dies ein privater Blog und keine objektive, wissenschaftliche Abhandlung (nur zur Erinnerung, ne?). Daher empfehle ich an dieser Stelle zwei Systeme, die mir persönlich Spaß machen:

Häuser & Zubehör

Dazu gibt es eine Menge Hilfreiches zu sagen – was demnächst in einem eigenen Artikel stattfinden wird.

Fazit

So geht das. Tillig stellt eine schöne Basis für Bundesbahn-Fans her. Fahrzeuge und Gleise überzeugen optisch und qualitativ. Für ‚mehr‘ muss man online schauen: Zwischen Flenburg und Freilassing ist man als TT-Bahner mit wenigen Ausnahmen auf den Online-Handel angewiesen.

Es gibt und gab eine große Zahl an schönen Fahrzeugen nach Vorbild der Bundesbahn. Da diese zumeist erst in den letzten 20 Jahre auf den Markt gekommen sind, garantiert das moderne Konstruktionen.

Mehr zum Thema TT wird in einer renovierten Version eines älteren Artikels folgen.

Informationen zu TT: Sämtliche jemals erschienene Kataloge zum Thema TT findet man auf dieser Website, geordnet nach Jahren oder Hersteller. https://as.rumia.edu.pl/tt/kat/katalogi.asp?firm=*

…und, ach ja, das ‚tt-board‘ sollte jeder einigermaßen gut erzogene West-Europäer meiden. Mehr dazu zum Beispiel hier 🙂:

https://www.1zu160.net/scripte/forum/forum_show.php?id=977481

BASS, BASS, wir brauchen BASS! (im TEE und Lyntog von Roco)

…rappt ‚Das Bo‘, und recht hat er: Auch Modellbahn-Loks klingen besser mit Bassreflex-Boxen.

Wer glaubt, dass die aktuell beliebten Lautsprecher im ‚Zuckerwürfel‘ Format guten Sound produzieren, hat noch nie die Bassreflex-Speaker von DCC Supplies gehört. Kurz gesagt: Die! Haben! Wumms!

…ein alter TEE von Roco mit LED-Innenbeleuchtung, Esu Sound und Bassreflex-Box.

Offensichtlich probehalber habe ich so ein Ding in einen TEE von Roco eingebaut und wohl ein bisschen naiv die Taste F1 gedrückt. …und eine Bestie erwachte zum Leben! 😀

Schnell das Dach aufgeklippst (die runden Gitter sitzen dann direkt über dem Lautsprecher), und es klingt direkt noch satter. Sowas in H0, das ist unglaublich und bedarf im Spielbetrieb dringend der Lautstärken-Regulierung.

Zwar passen diese Lautsprecher nicht überall hinein, aber in klassischen H0-Loks von Fleischmann und märklin kriegt man die schon unter.

Meiner Einschätzung nach sind das die derzeit besten Lautsprecher für Modellbahnen, die man kaufen kann. Apropos, Bezugsquellen sind entweder ebay oder natürlich die DCC Supplies Website:

https://www.dccsupplies.com/cl-108/miniature-speakers.htm

…könnte allerdings sein, dass man danach an normalen ‚Zuckerwürfeln‘ die Lust verliert.

Führerstände für Rocos TEE

Seit 1983 besitzt der ‚Trans Europ Express‚ von Roco den Makel, dass man durch die Fenster der Führerstände direkt auf die zumeist knallgrünen Platinen schauen kann – denn trotz der feinen Gehäuse-Detaillierung hat es nicht für die Nachbildung der Führerstände gereicht. Bis heute ist das so. ??‍♂️

Dabei gibt es inzwischen ein passendes Bauteil: Zum Erscheinen der dänischen Variante ‚Lyntog‘ (Blitzzug) konstruierte man bei Roco einen solchen Führerstand, der dann im speziellen Steuerwagen zum Einsatz kam. Dieser Führerstand passt aber auch in den Motorwagen und zwar so exakt, dass man Absicht vermuten darf. Leider ist man bei Roco zu doof, diesen Führerstand ab Werk in beide Fahrzeuge einzusetzen – der Jubi-TEE wird es zeigen, ob man in Österreich aufgewacht ist.

So sieht ein TEE bzw. ein Lyntog mit Führerstand aus.

Das Ersatzteil hat übrigens die Nummer 115347 und ist zur Onlinestellung dieses Artikels nicht lieferbar. Man sollte also immer mal wieder Rocos Ersatzteil-Website checken, ob sich daran etwas geändert hat. Denn wie die Bilder zeigen, wertet so ein Führerstand das Fahrzeug wirklich extrem auf.

Fehlt nur noch der oder (die beiden) Lokführer.

Bremsscheiben

Beim Vorbild besitzen die acht (vier) angetriebenen Räder auffällige Bremsscheiben. Auch deren Nachbildung spart sich Roco seit 1983, immerhin ist die Form der Räder in deren Bereich erhaben ausgeführt. Das erleichtert die Nach-Arbeit.

Bremsscheiben, wie sie sein sollen.

Verwendet habe ich kein normales Silber (das kann ja jeder), sondern Humbrol Polished Steel 27003. Diese Farbe pinselt man sorgfältig auf, lässt sie gut trocknen, und erst am nächsten Tag poliert man sie mit einem weichen Tuch glänzend, bis es ‚echt‘ aussieht. Der Effekt ist fantastisch.

Wer dabei eine gewisse Ungereimtheit feststellt, was Rad-Zentrum und in der Blende dargestellte Radlager betrifft, der hat recht: Diese sollten eigentlich übereinstimmen. Tun sie aber nicht. Und seltsamerweise findet sich ganz genau dieser Fehler auch beim märklin-Modell aus 2002. Welches überdies ebenfalls keine Führerstände besitzt. ?Also wirklich. ZUFÄLLE gibt es…

Piko Pimping: Vectron 59970 Railpool mit Zugziel-Anzeige & Fernlicht.

Pikos H0-Vectron bringt alle Voraussetzungen für interessante Licht-Spielereien mit. Aber wie so oft hat sich Piko auch beim Vectron das Bestücken mit den zusätzlichen LED gespart. Schon 1995 besaß märklins ’12x‘ schaltbare Fernscheinwerfer, das nur mal als Vergleich.

Es ist schon eigenartig, dass Piko zwar Lokomotiven der Epochen 3 & 4 mit LED für Maschinenraum-Beleuchtungen ausstattet, gerade aber moderne Fahrzeuge, die besonders viele Licht-Funktionen besitzen, spartanisch bestückt ausliefert. Bis heute. Obwohl gerade deren Zielgruppe, zumeist eher jüngere Modellbahner, dank ihrer Prägung auf Digitaltechnik für deren Möglichkeiten offener sind.

In den Loks ist zudem (fast) alles Erforderliche vorhanden: Lötpads für die LED & Widerstände und die jeweiligen Lichtleiter. Es sind wirklich nur Cent-Artikel, die Piko einspart. Logik? Da bin ich gespannt.

Was geht bei Pikos Vectron:

Im Fall aller mir bekannten Vectron-E-Loks von Piko in H0 sind Fernscheinwerfer realisierbar. Speziell die Railpool-Variante erhält außerdem funktionsfähige ZugzielAnzeigen.

Demontage

Um das Gehäuse abzunehmen, dreht man die vier kleinen Schrauben heraus, die im Rahmen neben den Drehgestellen sitzen.

Zugziel-Anzeige (Schrift)

Vorsichtig entfernt man nun die dicken, dunkelgrauen Lichtleiter-Gehäuse aus dem Lok-Inneren. Auf deren Lichtleiter klebt man die von Andreas Nothaft extra angefertigten Schiebebilder; eine ausführliche Anleitung liegt denen bei. https://www.modellbahndecals.de/ Nach dem Trocknen steckt man die Lichtleiter wieder ins Gehäuse.

Heeerlich, hömma! 🙂

Aus Spaß und etwas Lokal-Patriotismus habe ich diesen Vectron als Ersatz-Lokomotive einer typischen Regionalbahn-Route des Ruhrgebiets vorgesehen ‚S6 Essen‘. Ob das beim Vorbild überhaupt technisch möglich war, ist mir schnuppe: Bei meiner Bahn ist das möglich. 🙂

In den Fronten Pikos Railpool Vectrons befinden sich klarsichtige Kunststoff-Körper, die die von außen sichtbaren Display-Körper nachbilden. Sie klemmen zwischen Gehäuse und äußeren Verkleidungen. Und leider sind sie ab Werk rückseitig grau lackiert: Als ob mich ein Farb-Auftrag vom ‚Pimpen‘ abhalten würde. 😉

Um diese lästige Farbschicht zu entfernen, sollte man die Glaskörper jeweils einzeln in Händen halten können. Dazu hebelt man mit allergrößter Vorsicht aus den Lok-Fronten die separaten, silbernen Gehäuse-Einsätze heraus. Dabei sehr behutsam vorgehen.

Mit Wattestäbchen und reinem (!) Alkohol habe ich das auflackierte Grau entfernt. Von anderen Chemikalien rate ich ab, weil diese das klarsichtige Plastik angreifen und stumpf werden lassen können. Die nun glasklaren Einsätze legt man zurück in die Fronten und klemmt sie sie mit den Kunststoffplatten fest.

Zugziel-Anzeige & Fernlicht (LED)

Man braucht insgesamt nur vier zusätzliche LED: Pro Führerstandsseite jeweils eine in warmweiß und eine in orange. Typ 0603, dazu jeweils einen Widerstand mit 10 kOhm in der Bauform 1206. Wo das alles angebracht wird erkennt man auf den Fotos, oben rot, mittig weiß für das Fernlicht.

…und es ward Licht.
Die orangefarbenen Kabel versorgen Fernlicht & ZZA. Links auf der Platine schief aufgelötete, neue Widerstände.

Zunächst lötet man die Widerstände auf die Rückseite der Lichtplatinen, kurze Litzen verbinden sie mit den Kontakten der Hauptplatine. Hier kann man nach eigener Auffassung frei wählen, Pikos Platinen sind ja netterweise klar beschriftet.

Anschluss unter Führerstand 2.
Anschluss unter Führerstand 1.

Auf den Fotos sieht man einen ersten Versuch: Die Tasten F1 und F2 schalten die Beleuchtung führerstandsseitig komplett aus (im Decoder von mir so programmiert), die Taste F4 schaltet die Zugziel-Anzeige simultan beidseitig, und die Tasten F6 und F7 jeweils die Fernlichter. Ich finde, das muss irgendwie noch eleganter gehen, dazu später mal mehr.

Bitte recht freundlich. 🙂 In echt ist das natürlich nicht so über-hell.
Apropos hell. 😀

Räder

Schicke Schlappen für Pikos Vectron. 🙂

Die urspünglichen Scheibenräder sehen natürlich furchtbar aus, deswegen wurden sie direkt gegen die recht günstigen neuen Räder mit Bremsscheiben ausgetauscht. Die Mitten der Radscheiben habe ich beim ‚Wiener‘ Vectron farblich passend zu den Drehgestellblenden quarzgrau lackiert, beim Railpool wird das noch folgen.

Innen sind die Radflächen farblich angepasst: Quarzgrau.

Radsätze: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=24409&vw_name=detail

Farbe: https://shop.elita.de/epages/ElitaModelleShop.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/ElitaModelleShop/Products/57039

Die Pantos werden in naher Zukunft ebenfalls den feineren Varianten weichen.

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=24406&vw_name=detail

Fazit:

Diese Arbeiten sind recht schnell erledigt, und die Lok ist einem danach persönlich umso wertvoller. Aber natürlich hätte das Piko auch ab Werk so liefern können.

…und wer etwas lernen möchte: www.ruhrgebietssprache.de 🙂

Piko Pimping: Schnellzug-Wagen der Bundesbahn

Pikos D-Zug Wagen können mit etwas Nach-Arbeit sehr wohl gefallen.

Als ich vor einigen Jahren einen D-Zug der 70er Jahre haben wollte, kam das einzige komplette Angebot in maßstäblicher H0-Länge von Piko. Denn Roco fand mal wieder Ost-Europa wichtiger, und LSmodels war allerorten ausverkauft.

Also griff ich zu Piko und war einigermaßen überrascht ob des Gebotenen. Anderen Modellbahnern ging es damals möglicherweise ähnlich, denn der niedrigste Online-Preis für diese Waggons lag zu der Zeit bei €18. Achtzehn.

Inzwischen ist natürlich bekannt, was einen erwartet: Schnörkellose, nett gemachte Nachbildungen der Vorbilder mit angegossenen Griffstangen und einteiligen Einrichtungen. Das Alles ist per se nichts Schlechtes, denn die Fahrzeuge machen ja einen guten ersten Eindruck. Wenn es doch nur so bliebe.

Nach kurzer Zeit des Fahres hatten sich viele Achsspitzen dieser Waggons in den Kunststoff der Drehgestelle hineingebohrt. Außerdem blieb die metallische Farbe der Fensterrahmen auf Dauer nicht grifffest. Piko tauschte mir die betroffenen Gehäuse netterweise aus; später wiederholte sich das Phänomen.

Drehgestelle & Radsätze

Das Wichtigste war und ist für mich sicherer Fahrbetrieb. Dazu setzte ich in sämtliche Drehgestelle dieser Waggons die Metall-Lager von Peter Horn ein. Diese und das passende Werkzeug gibt es hier: http://peho-kkk.de/mshop/index.php/spur-h0.html

An Pikos Popwagen deutlich zu sehen: Die Rad-Zentren sind nicht mehr auf Höhe der Achslager. Diagnose: Eingefressen. Nach drei Tagen.
An diesem Popwagen von Piko ist noch alles in Ordnung. Bis auf den fehlenden kieselgrauen Zierstreifen über den Fenstern…

Der Einbau erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl. Es gibt zwei Bohrer, mit dem Großen senkt man die vorhandenen Vertiefungen weiter ab, bis die Lagerschalen komplett hineinpassen. Sekundenkleber fixiert die Metall-Lager im Kunststoff. Gut anziehen lassen, erst dann die neuen Achsen einsetzen.

Man muss beim Bohren schon sehr vorsichtig und sanft vorgehen, denn denn der Kunststoff der Drehgestelle ist recht weich und kann bei grobem Bohren mitdrehen und brechen. Aber ich habe das ja auch hingekriegt. 🙂 Am Besten mit kaum merklichem Druck und sehr langsam drehend vorarbeiten. Bedacht ist angesagt.

So bohrt man vorsichtig die Vertiefungen für die Peho-Achsslager.

Mit dem dünneren Bohrer kann man die Lagerschalen innen nachträglich etwas vertiefen, wenn die Achsen etwas zu stramm sitzen. Bei meinen Waggons war das aber nur selten nötig; immerhin gut, dass man es kann. In jedes Lager gehört ein Tröpchen Öl, damit’s später nicht quietscht.

Und so sieht das Ergebnis aus.

Und weil Pikos Räder dank extrem rauer Laufflächen jede Form von Schmutz nicht nur aufnahmen sondern auch ungleichmäßig verteilten, orderte ich zusätzlich zu den Lagern von Peter Horn passende Achsen zum Beispiel von märklin: https://www.lokmuseum.de/shopartikel.php?SArt=10016150&SBez=E700580_Marklin_Scheiben_Radsatz_DC

Achsen von Thomschke, seitlich zum Drehgestellrahmen passend schwarz eingefärbt. Die Radreifen belasse ich metallisch, sieht schicker aus.

Im Ergebnis rollen die Waggons dank der Metall-Lager und neuen Achsen sogar merklich leiser.

Aber: 32 Achsen plus 64 Lager. Aufwand & Aufpreis sind wahrlich beträchtlich dafür, nur die eigentliche Funktion der Modelle auch langfristig zu sichern. Andere Hersteller bieten mehr Komfort: Sie verwenden hochwertigere Materialen, und man kann ihre Fahrzeuge aus dem Karton heraus jahrelang einsetzen. Auch preislich bietet Piko inzwischen keinen auffallenden Vorteil mehr.

Inneneinrichtung Abteilwagen

Die Kaugummi-Farben der Inneneinrichtungen in HubbaBubba-rosa und Gift-grün sind völlig inakzeptabel. Punkt. Welche Gründe auch immer bei Piko zu diesen Farben geführt haben, es waren die falschen. Wirklich jeder andere Hersteller hat in den vergangenen Jahrzehnten sympathischere Grundfarben ausgewählt. Bastler können hier natürlich nacharbeiten. Aber wieso sollten sie das überhaupt müssen.

Piko-Inneneinrichtung in grün.
Piko Inneneinrichtung in rot.

Wer diese Waggons also sein Eigen nennt, greift sich am Besten eine lange, lange Hörspiel-Reihe (um den Kopf frei zu halten), diverse Farben (zum Beispiel von elita) und gute Pinsel. Dazu Kilometer Tesa-Film zum Abkleben. Dann setzt sich an den Basteltisch, lässt sich akustisch unterhalten und fängt an, zu lackieren.

Die Schritte lauten: Alle Wände konsequent beidseitig beige lackieren. Nur nicht im Waggon 1. Klasse, da gehören sie braun.

…erstmal ‚Beige‘ RAL 1001 für die Wände der Abteile 2. Klasse.

Nach dem Trocknen klebt man in einer extrem nervigen Aktion die Wände über den Sitze ab und pinselt diese in rot (Raucher), grün (Nichtraucher) und blaugrau (1. Klasse). Wieder trocknen lassen.

Das Abkleben ist echt ätzend. Aber es hilft, wenigstens gerade Trennlinien zu erhalten…
…die dann nach dem Abziehen schräg aussehen können. Tesafilm ist nicht die beste Lösung. Die Ausreißer arbeitet man einfach Nochmal nach. Ist ja ein Hobby, und wir haben ja alle viel Zeit….

Erst am nächsten Tag den Tesafilm vorsichtig abziehen. Für den den Boden habe ich Flächen entworfen, die man sich auf grauen Karton ausdrucken kann. Sauber ausgeschnitten und in die Waggons geklebt ergeben sich von allein saubere Farbkanten, und wer später Innenbeleuchtungen einbaut, freut sich über die farblichen Abstufungen. (Download-Datei folgt.)

Wer wirklich sauber pinselt, kann einen mittelgrauen Boden aufmalen. Dabei das Atmen nicht vergessen. 🙂

Inneneinrichtung Halbspeisewagen

Halbspeisewagen: Abteile.
Halbspeisewagen: Speiseraum.

Hier gilt dasselbe Prinzip, nur, dass die Wände alle braun lackiert werden, im Speiseraum eher rötlichbraun, um die Abteil dunkelbraun. Die Sitze in den Abteilen pinselt man weinrot und die im Speiseraum blaugrau. Die Tischflächen gehören natürlich weiß und der Boden grau. Beschreibung der Innenbeleuchtung folgt. 🙂 Genauere Infos über das Vorbild bietet diese Website mit exzellenten Fotos: http://www.eisenbahn-harzvorland.de/htm/arm_216_1.htm

Abteiltüren sämtlicher Fahrzeuge:

Wennschon, dennschon: Die bei den Vorbildern messingfarbenen Abteiltüren habe ich mit einem Programm stilisiert nachgezeichnet, für beide Gangseiten: Damit man auch beim Blick von der Abteilseite Türrahmen sehen kann. Bitte darauf achten, dass die Türen für die erste Klasse etwas breiter sind, als die für die zweite Klasse. Und so kriegt man die Türen sauber in die Waggons:

In einigen Copy-Shops kann man sich Symbole als Metallfarbe in silbern (nett) oder gold (besser) auf klarsichtige, stabile Folie drucken lassen. Sauber ausgeschnitten und mit winzigen Punkten Sekundenkleber fixiert sieht das später wirklich gut aus. (Download-Datei folgt.)

Kupplungsträger

Lange Waggons anderer Hersteller rollen mit Rocos Kurzkupplung wirklich Gummi an Gummi, Pikos D-Zugwagen dagegen lassen einen überdeutlichen Abstand. Außerdem berühren die Haken der von mir verwendeten RTS Kupplungen manchmal die Pufferteller, weil die Kupplungsträger nicht weit genug ausschwenken – bei keinem anderen Fabrikat langer Waggons habe ich dieses Problem festgestellt. Also, hier wurde keineswegs optimal konstruiert.

Die Haken berühren beim Ausschwenken Pikos Puffer. Bei langen Roco-Waggons passiert das nicht.

Nun gibt es drei Möglichkeiten: 1. Resignieren, eine Kupplung nach Wahl einsetzen und den Abstand akzeptieren. 2. Mit Augenmaß die Kupplungsschächte an der Außenseite minimal kürzen und die Kupplungen einkleben. Manche Kleber lassen sich später auch wieder lösen. 3. Die Kupplungsträger wegen ihrer zu flachen ‚Möwen‘-Ausrundung herausnehmen und statt ihrer neue Kulissen von Symoba unter die Wagenböden kleben. In deren Normschächte passen dann alle Kurzkupplungen mit Normschächten, und je nach eigener Arbeit kommen sich die Waggons recht nahe. http://www.symoba-schniering.de/

Fazit:

Natürlich hatte ich überlegt, ob es nicht einfacher wäre, den kompletten Posten abzugeben. Produkte mit derartig viel ‚Nachbesserungs-Potenzial‘, um es nett zu sagen, sind schon wirklich selten. Diese Qualität entspricht keineswegs dem, was man erwartet oder von Anderen gewohnt ist. Dabei provoziert Piko den Vergleich gern ganz bewusst.

Eher aus Spaß an der Freud‘ habe ich mich dieses D-Zugs angenommen. Wer nicht basteln mag oder kann oder einfach keine Zeit dafür hat und Ready-to-run-Produkte bevorzugt, findet andernorts seine geeignete Alternative.

Den Umbau der passenden Diesellok der Baureihe 220 von Piko habe ich hier beschrieben:

Plastikpest bei Roco (2) 63377

Und wieder ist es so weit.

Ein paar Monate Ruhe haben meiner Roco V60 nicht gut getan: Nach wenigen Zentimetern Fahrt blieb die Lok mit klackernden Geräuschen stehen.

Der Grund: Die Zähne eines Zahnrades haben sich vollständig verabschiedet. Rundherum. Und das, obwohl die Lok bis vor wenigen Monaten einwandfrei fuhr. Ach ja, das heißt, bis der Motor kaputtging. (Sie haben richtig gelesen.)

Abgebrochene Zähne des linken Zahnrades.

Offensichtlich verwendet die Firma, die man unter ‚Roco‘ kennt, fortwährend Kunststoffe, die keineswegs langfristig haltbar sind. Wie man das von früher gewohnt war. Und das bei normalen Preisen der Fahrzeuge.

Die tun so, als wären sie noch die alte Firma ‚Roco‘. Sind sie aber nicht. Verlässliche Qualität: Offenbar war es einmal.

Da werde ich mal Pikos 260 checken, sobald sie im Sommer kommt…

Beim Auseinandernehmen zeigten sich weitere abgefallene Teile des oben gezeigten Zahnrades.

Roco V200 43522 mit Sound & Licht

Seit 1985 gehören Rocos schöne Modelle der V200 zu den Klassikern auf H0 Gleisen. Mit ein bisschen Geschick bekommt man auch in älteste Versionen sichtbares Licht und sogar Sound hinein. Dieser Artikel wird später ergänzt, dann werden auch andere technische Versionen gezeigt.

Dieses Modell ist es wirklich wert, ‚gepimpt‘ zu werden, da hat Roco schon Mitte der 80er Jahre gezeigt, wie wirklich feine Modelle aussehen sollten.

…vielleicht mit Ausnahme der Glas-Einsätze für die Lampen, die könnten wirklich mal formneu und schöner gemacht werden. Das wäre dann ein Ersatzteil, dass sich für Loks aus 35 Jahren verkaufen ließe. 🙂

Diese V200 sollte Sound und ein sichtbares Schlusslicht bekommen. Beides lässt sich leicht realisieren, denn diese Lok wurde Ende der 90er Jahre produziert. Also schon mit Schnittstelle aber noch mit nur zwei Glühlampen und kurz/langen Lichtleitern ab Werk. Eigentlich sollte die Beleuchtung mit einer vorhandenen Austausch-Platine von Roco gelöst werden, aber auch damit war das Schlusslicht noch immer zu funzelig. Also mussten helle LED her.

Man nehme:

So klebt man die LED gegen die Lichtleiter. Eigentlich könnte man das auch mit warmweißen LED machen… Links versteckt sich bereits der Lautsprecher. Hinter der weißen Glühlampe ist ein Streifen Moosgummi zu erkennen.

Zuerst nimmt man die Führerstände heraus und kürzt die langen Lichtleiter. Die Trennstellen feilt man dann glatt (also anders, als auf den Fotos zu sehen), denn nur dann ist der Licht-Austritt optimal. Hier klebt man direkt die roten 19V LED gegen. Gut festwerden lassen.

Im Rahmen befindet sich eine Aussparung, in die eigentlich der Lokdecoder sollte. Ich nutze diese Vertiefung für den Lautsprecher, das passt zufällig ganz gut. Den Boden mit Isolierfolie auskleiden; die Kontakte des Lautsprechers kommen nach rechts.

So isoliert man den Boden der ex-Decoderkammer.

Nun den Sounddecoder mit harmlosem Kleber so auf der Platine befestigen, dass sein Ende mit nur zwei Kabeln so gerade unter dem Ausschnitt des oberen Metall-Bügels endet.

Wer hier noch ein durchgehendes massives Guß-Teil vorfindet, sollte dieses einfach zweimal durchsägen, sodass die Gehäuseschrauben nach wie vor greifen, die Mitte aber freiliegt; die Lok bleibt schwer genug.

Dann habe ich die Kabel am Schnittstellenstecker gekürzt neu angelötet, damit keine Kabel-Schlaufen herumliegen.

Anders, als auf dem Foto ist auch der Motor über die Schnittstelle angeschlossen, die grünen Drosseln wurden durch starre Drähte ersetzt, und der kleine Kondensator, der die Motorkontakte überbrückt wird ausgelötet: Nur nach diesem Eingriffen kann die Motorregelung sinnvoll arbeiten.

Diese Bereiche mit Folie aus Zellkautschuk abdecken, damit keine Kurzschlüsse entstehen können. WICHTIG: Auch auf den Stecker in der Schnittstelle einen Streifen Isolierfolie kleben. Denn das Gewicht darüber ist aus Metall… Und je lauter das *Bzzz* desto teuerer die Decoder-Reparatur. ?

Prinzip-Anordnung. Der Kondensator darf nicht wie gezeigt auf der Platine liegen. Er gehört darunter, wie später gezeigt wird. Der Tesastreifen fixiert den Decoder nur vorübergehend.

Der Lautsprecher kommt kopfüber in die isolierte Kammer, also mit der silbernen Fläche nach unten, damit der Sound möglichst klar erklingen kann. Die beiden violetten Kabel sinnvoll ablängen, mit den Kontakten am Lautsprecher verlöten, und diesen in die Kammer geben. Ein Streifen guter Kleber befestigt ihn wirksam an der Platine. Nun die Führerstände wieder einsetzen.

So wird der Lautsprecher eingesetzt. Ein Streifen Kleber befestigt ihn an der Platine.

Für die Schlussleuchten LED an die die Kabel grün (Führerstand 2!) braun (Führerstand 1!) und natürlich blau anschließen; für Letztere können auch Platinenflächen verwendet werden.

Um kleine Aussetzer zu überbrücken, legt Zimo seinem Sounddecoder einen kleinen Elko bei, diesen schließt man an die beiden Kabel grau und blau an, die am Sounddecoder einzeln abgehen. Man verstaut ihn man am Besten im Hohlraum unter der Platine vor dem Motor. Das war es.

Genau hier gehört der Elko hin. Zum Kardan lässt er genug Platz. Dann geht auch das Gehäuse stressfrei zu. Die Lötstelle des Todes bitte ignorieren…

Bei mir hat der Testbetrieb auf Anhieb prima funktioniert. Die üblichen CVs mussten noch programmiert werden, aber das war es dann auch schon. Mir macht es ja riesig Spaß, so eine ältere Lokomotive in die Jetztzeit zu bugsieren. 🙂

CV Werte

Motor-Anpassung

  • CV 09 auf 65
  • CV 56 auf 33

Licht simultan

  • CV 33 auf 05
  • CV 34 auf 10

sanfter Lichtwechsel

  • CV 125, 126, 128, 128 jeweils auf 88

Lautstärke auf 35

Die Liliput Kurz-Kupplung L939105 für H0 Züge.

Die Liliput-KK, bereits mit testweise angebrachter Höhen-Verriegelung.

…und so taugt sie was.

Es ist ja schon ziemlich mutig, dem großen Sortiment von KurzKupplungen ein weiteres Produkt hinzuzufügen. Liliput, also Bachmann, hat diesen Schritt gewagt. Und dabei trotz guter Ideen unnötige Fehler gemacht. Da mir die Kupplung aber prinzipiell gut gefällt, habe ich sie mir so angepasst, dass ihr Einsatz endlich Spaß macht.

Die Liliput-KK lässt genug Platz zu den Puffer-Tellern, ein weiterer Vorteil. Der Waggon-Abstand ist für mich völlig akzeptabel, so kuppeln die Waggons wenigstens sicher an.

Klar bedeutet das ein bisschen Bastel-Arbeit. Ausgerechnet für „doofe Kupplungen“. Allerdings finde ich die anderen Kupplungen großteils wirklich grauslig, und die Liliput-KK sieht nett aus. Da bastele ich lieber, und das Ergebnis gefällt mir, als mich weiter mit ‚Markt-üblichem‘ Zeug herumzuärgern.

Meine persönliche Einschätzung anderer Kupplungen:

Fleischmann-KK: Unauffälliges Aussehen, ungewollte Zug-Trennungen, Ankuppeln nur mit Karacho – das war schon 1987 blöd. Man hätte bei der Fox Kupplung bleiben sollen.

Märklin-KK: Sorgt bei unzähligen Fabrikaten außer eben märklin für Entgleisungen. Die im Katalog 1985/1986 gezeigten KK-Prototypen (Seiten 108/109) wären vielleicht doch die bessere Lösung gewesen…

Roco-KK: Verbiegt sich allein vom skeptisch angeschaut werden. Zudem in grau = billiges Aussehen.

Roco-UK: Mit den breiten Greifarmen und dem halben Querbalken ästhetisch eine Katastrophe. Zudem grau = billig. Zuletzt stellte ich viele Fertigungs-Fehler fest – nicht meine Sache.

RiBu-KK: Eigentlich gar nicht schlecht. Allerdings ein bisschen breit, der Einbau erfordert höchste Konzentration. Meine drittliebste Kupplung.

RTS-KK: Ohne die Strom-Bleche eigentlich richtig perfekt, um mit der Modellbahn zu spielen, zu rangieren, lange Züge zu fahren. Wird aber so nicht mehr angeboten: märklin hat auf den RTS-Kopf den lästigen hauseigenen Kupplungsbügel draufgepackt, vermutlich der Vertrautheit für märklin-Kunden halber. Typisch kleingeistiges märklin-Gehabe, damit sind die DC-Bahner mal wieder raus. Eigentlich meine Lieblingskupplung. Mehr dazu hier.

US-Kupplungen: Nicht für die kontinental verwendeten KK-Mechaniken ausgelegt, zuviel Spiel, Kupplungskopf auf Höhe der europäischen Puffer – unpraktisch.

Die Liliput-KK ist eigentlich ziemlich klug erdacht. Man kann damit sanft einkuppeln, sie schaut relativ unauffällig aus, und ihr Sitz im Normschacht ist fest genug. In der Praxis fallen einem dann ein paar Macken auf, die sich zum Glück mit wenig Aufwand abstellen lassen. Und nicht jeder mag das, was alle Anderen haben.

Höhen-Verriegelung

Das größte Ärgernis der Liliput KK ist, dass eine Höhen-Verriegelung fehlt. Die Köpfe können sich aneinander nach oben verschieben, was zum Verkanten und anschließender Entgleisung führt.

So sieht das aus, wenn sich die Kupplungen aneinander hocharbeiten.

Dabei ist es doch so einfach, diesen Mangel abzustellen: Man befestigt einfach unter jeder Kupplung einen schmalen Streifen festes 0,5mm ‚dickes’ Plastik, der beim Einkuppeln unter die Kupplung gegenüber ragen wird. Zwei Tröpfchen Sekundenkleber reichen zum Fixieren aus.

Liliput-KK, links Original, rechts mit Höhen-Verriegelung.

Nach dem Durchtrocknen biegt man das herausragende Stück mit einer Pinzette etwa auf 45°, um beim Ankuppeln eventuelle Unebenheiten auszugleichen. Fertig.

Dank zweier kleiner Plastikplättchen bleibt die Verbindung stabil, trotz des Unterschieds.

Für die Fotos habe ich weißes Plastik verwendet, aber natürlich sollte man schwarzes nehmen, damit die Kupplung so nett diskret bleibt. Man erhält schwarze Kunststoff-Platten mit 0,5mm ‚Dicke‘ zum Beispiel über ebay für wirklich wenig Geld.

Liliput-KK: Die Arme ragen jeweils unter die andere Kupplung. So rollen auch geschobene Wendezüge unfallfrei durch S-Kurven…

Natürlich hätte Liliput / Bachmann dieses Element längst in den Formenbau übernehmen können, sodass dieser Minus-Punkt ab Werk abgestellt ist, aber längst nicht jeder respektiert Eingaben „von außen“.

Haken bleibt stecken.

Manchmal bleibt der Kupplungshaken nach dem Trennen der Fahrzeuge oben stehen. Das liegt daran, dass die Fertigung leider etwas schlampig arbeitet und manche ‚gebogenen Ecken‘ zu rund geraten. Der Bügel kann sich dann beim Hochklappen an den Kanten des Kupplungskopfes, die bis hinten zu den Klippsen reichen, verklemmen. Aber auch hier ist Abhilfe einfach: Man bricht diese Kanten einfach; mit einer feinen Feile streicht man pro Seite zwei-, drei Mal darüber, und der Bügel fällt sicher wieder herab. Das geht schneller, als ich es hier aufschreiben kann.

Schwimmhäute am Kupplungskopf.

Liliput / Bachmann hat die KK nach kurzer Zeit überarbeitet. Danach trägt der nach vorne zeigende Finger der Kupplung so kleine Schwimmhäute. Auch diese einfach mit der Feile nach unten streichend entfernen, dann bewegen sich die Köpfe ungehindert ineinander.

Nur für den Kontrast in weiß: Nochmal die Höhen-Verriegelung.

Fazit:

Ob sich die Mühe lohnt? Aber sicher. Die Liliput-KK ist eine nette Sache. Sie ist relativ unauffällig, und sie funktioniert ganz wunderbar, wenn man sich ihr widmet. Dass sich eine namhafte Marke wie Liliput / Bachmann in der Vergangenheit entsprechenden Tipps stur widersetzt hat, kann den Modellbahnern jetzt egal sein: Individualisten wissen nun, wie sie sich diese Kupplung erobern können. Viel Spaß! 🙂

Rocos lausige Lüfter der BR103.

Rocos Lok der BR103 haben oft ‚angeknabberte‘ Lüftergitter.

Von wegen „Einzelfälle“: Die Lüfter sind mehrheitlich ab Werk beschädigt.

Solange ich mich erinnern kann, sind die Lüftergitter von Rocos Modellen der BR103 an jeweils einem Ende zu grob vom Spritzling abgetrennt. Sobald einem das erst mal wirklich aufgefallen ist, nervt es umso mehr.

Es betrifft meiner Erfahrung nach alle Varianten der Serien-103, also auch auch als Lufthansa-Lok oder in verkehrsrot. Mehrfache Reklamation bei Roco über viele Jahre haben zu keiner Verbesserung in der Fertigung geführt. Dem Modellbahner bleibt da nur hartnäckiges Reklamieren und Aussortieren.

So sauber kann man bei Roco arbeiten. Zum Glück gibt’s die Silbernen einzeln.

Besonders originell-falsch ist Rocos Farbwahl im Fall des Modells 72394. Denn das Vorbild dieser 103 besaß beweisbar silberne Lüftergitter innerhalb einer graubraunen Fläche, wie das Vorbild-Foto beweist:

http://www.reisezugwagen.eu/wp-content/uploads/103-228-2-Mainz-20.6.951.jpg

Roco aber war so dusselig, nicht nur den Untergrund, sondern auch die Lüfter selbst RAL Graubraun einzufärben. Zum Glück lassen sich die Lüfter einfach von innen herausdrücken und neue Gitter in silbern als Ersatzteile besorgen (Roco 95125). Das Ergebnis sieht dann auf jeden Fall sauber aus. Und stimmig.

Roco 72394 vorher – nachher. Nachher gewinnt, weil echt.

N-Bahner haben da weniger Glück: Für das Label Fleischmann wurde eine 103 mit gleicher Farbe und Loknummer aufgelegt. Und mit demselben Fehler, wie auf der Website zu sehen ist:

https://www.fleischmann.de/de/product/224925-103-0-0-0-0-0-002002-1/products.html

Leider besteht das Gehäuse hier aus einem Teil; das möglicherweise erwünschte Umfärben der Lüftergitter sollte man nur exzellenten Airbrush-Spezialisten antragen.

Piko Pimping BR 150 51640 Bundesbahn

Das ‚Dickschiff‘ der Bundesbahn, die BR150, ist Piko wirklich gut gelungen. Dieses Modell zählt längst zu meinen Lieblings-Loks. Aber wie so oft bei Piko haben sich ein paar Fehler eingeschlichen; zum Glück kann man die allesamt beheben.

1. Lüftergitter

Die Lüftergitter sahen bei der Bundesbahn immer silbern aus, oder grau, nach vielen Jahren. Vermutlich wegen eines unglücklich ausgewählten Vorbildfotos hat sich Piko für beige entschieden, was den Eindruck der Lok schon verändert. Die Lösung ist einfach, denn die Lüfter lassen sich von innen nach außen herausdrücken. Entweder mit Airbrush nachlackieren, etwa in RAL 9006 ‚Weißaluminium‘ oder aber ab Werk sauber lackierte silberne Lüftergitter einstecken. Zwölf Stück braucht man, dazu bestellt man sich zweimal den Beutel ET51748-24, und nach wenigen Minuten sieht die 150 so aus, wie es sich gehört.

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=26559&vw_name=detail

Mitte rechts ein letztes fehlfarbenes Lüftergitter.

2. LED

Glühlampen leuchteten zu Bundesbahn-Zeiten keineswegs mit einem rosa Stich. Bei dem, was Piko sich da einbauen lässt, kann man entweder nur resignieren, oder besser kurzen Prozess machen und die Dinger rigoros austauschen. Vorbildtreue betrifft schließlich auch das Licht. Sechs der hier üblicherweise genannten SMD LED finden in der 150 ihren Platz, und schon wirkt ihr Licht so, wie man sich das für eine Bundesbahn-Maschine vorstellt.

https://www.railroad24.com/de/10x-smd-led-0603-goldweiss.html

Die im Bild obere LED ist neu. Bei ruhigen Händen kann man diese Winzlinge zügig austauschen.

3. Stromabnahme

Pikos 150 nimmt den Strom anstelle von allen zwölf Rädern nur von acht auf. Es ist nicht zu fassen, als hätte es den früheren Frust der „Gleichstrom-Bahner“ nie gegeben. Ich habe also einfach von einem Achskontakt die einzelnen Schleifer abgetrennt und pro Seite einen auf das vorhandene Metallstück draufgelötet. Die 103 von Piko brauchte auch noch welche… Mit der Pinzette etwas zurechtbiegen, funktioniert. Nun muss ich noch einen geschmeidigen Federtyp finden, der die Mittel-Achse sanft und beharrlich auf die Schienen drückt.

Mittig erkennt man den kleinen Zusatz-Kontakt. Der hilft und funktioniert wirklich.

https://www.ebay.de/itm/10x-Radschleifer-Achsschleifer-Waggonbeleucht-Stromabnehmer-Schleifer-H0-und-TT/113648938002?hash=item1a76012c12:g:uLcAAOSwXaRZ8ymi

4. Motor

Motor? Ja, Motor. Ganz sicher bin ich wieder mal „der Einzige“, dem reihenweise aktuelle Piko-Motore kaputtgehen. Bis jetzt sind es zwölf, in manchen Loks sogar mehrfach vorgekommen, und still counting. Fast ausschließlich betrifft es die neueren Motore mit dunkel gefärbtem Gehäuse. Piko ist zwar so nett und tauscht diese Dinger ohne zu Zögern aus, aber sie gehen – meiner Erfahrung nach – schnell wieder kaputt. Zudem haben zwei dieser Motore ihre jeweiligen Decoder gleich mit ins Nirvana genommen. Wer ersetzt mir die? Inzwischen sehe ich das so: Für jede neue Piko-Lok brauche ich nicht nur einen Decoder sondern auch einen soliden Motor, um unschöne Überraschungen auszuschließen. Und so einen Motor gibt es schon für zehn Euro, den Motraxx FFK-265. Wie bitte?

https://www.conrad.de/de/p/mini-brushed-elektromotor-motraxx-ffk-265-10000-u-min-235306.html

Tja, Piko hätte vielleicht bei Bewährtem bleiben sollen: In Pikos Gleisplan-Buch warb eine Firma namens ‚Motraxx‘ für ihre Modellbahn-Motore. Diese Motore gibt es auch immer noch zu kaufen, allerdings nicht in Piko-Loks. Dafür bei Conrad, und auch nur dort.

Oben der Motraxx-Motor wie aus der Box, unten Pikos „Original“-Motor.

Für gerade mal zehn Euro erhält man einen kräftigen Motor, der in Pikos Loks hineinpasst und dessen Einbau viel einfacher geht, als ich zu hoffen wagte. Inzwischen habe ich acht Piko-Loks mit diesem Motor umgebaut, und ich bin zufrieden.

  • Motraxx Motor vorbereiten: Wellen vergleichbar kürzen. Litzen, jeweils 3cm lang, mit sehr flachen (!) Lötstellen an die Kontakte anlöten und diese dann in ihre Vertiefungen drücken.
Gekürzte Motorwelle links, dazu angelötete Litzen. Rechts der Piko Motor.
  • Lok demontieren und Kabel zum Piko Motor ablöten.
So sieht Pikos 150 von innen aus, die Litzen orange und grau sind bereits frei.
  • Piko Motor ausbauen und mit einem Schraubendreher die Schwungmassen losdrücken.
Das geht wirklich so einfach – in Pikos Fall.
  • Schwungmassen auf die Welle des Motraxx Motors drücken, Sitz dabei mit Lokrahmen abgleichen.
  • Aufnahmen für Kardanwellen mit gutem (!) Sekundenkleber in die Schwungmassen einkleben.
  • Zwei dünne Streifen Zellkautschuk unten um den Motor kleben (dämpft die Vibrationen und fixiert den Motor) und die beiden Kontakte ebenfalls mit solchen Streifen elektrisch iolieren.
Dünne Streifen Zell-Kautschuk dämpfen Vibrationen und fixieren den Motor.
  • Motraxx-Motor in beide Kardanwellen einhängen. Das ist etwas fummelig. Den Motor mit dem Daumen sanft bis auf den Boden in den Rahmen pressen, dabei leicht an den Schwungmassen drehen, damit alles frei beweglich bleibt. Wenn dennoch etwas schleift, mit dem Schraubendreher die Schwungmassen nachjustieren; das mag archaisch klingen, funktioniert aber.
  • Kabel nach oben führen, testhalber anlöten und wenn Licht und Fahrtrichtung übereinstimmen, Kabel sauber verstauen (nichts darf an der Schwungmasse schleifen!), Plastik-Rahmen aufsetzen, festschrauben und das Lokgehäuse wieder aufsetzen.

Fertig. Fazit:

Das klingt alles nach viel Aufwand. Andererseits ist es genau diese Lok-Variante, die ich mir über Jahrzehnte vergeblich von Roco erhofft hatte. Da kann man schon mal etwas Mühe investieren, und jetzt bin ich rundum happy.

Was Epoche-4-Bundesbahner wirklich haben wollen, dafür hat man bei Roco nur selten ein Gespür. …und meine 150 von Piko besitzt im Gegensatz zur ursprünglich georderten Roco-150 keinen überdeutlichen Fingerabdruck im Lack…

Märklin 3048 BR01 mit Zimo mfx Sounddecoder MS450

Nicht Retro, sondern Vintage: Eine wirklich alte 01 von märklin auf (relativ) aktuellem Gleis.

Wenn man eine so betagte Lokomotive umbauen soll, kann man schon etwas ehrfürchtig werden: Diese märklin-01 ist viel älter, als ich selbst. Da kommt man ins Grübeln: Wieviele Modellbahner haben sich wohl schon an ihr erfreut und Kraft raubende Tage mit ein paar Runden klassischer Modellbahnerei ausgeglichen…?

Es ist schon bemerkenswert, dass es überhaupt möglich ist, eine so alte „Spielzeuglok“ technisch in die Jetztzeit zu holen. In diesem Fall sogar mit einem ganz aktuellen Zimo Sound-Decoder mit mfx.

Beleuchtung und Rauchsatz sind separat schaltbar.

Den Lautsprecher habe ich vorn hinter der Glühlampe platziert, auf Höhe der Zylinder, wo der spezifische Klang beim Vorbild entsteht. Also nicht im Tender, was andernorts absurderweise oft so entschieden wird.

Außerdem wurde der Decoder mit dem beiliegenden Elko gepuffert. So werden eventuelle Aussetzer, die natürlich auch trotz des Skischleifers passieren können, überbrückt. Der Rauchentwickler wurde direkt an das grüne Kabel angeschlossen. Die Glühlampe wurde in diesem Fall original belassen, um den vertrauten Eindruck zu behalten.

In der Bild-Mitte ist der Elko zu sehen, quer eingebaut, mit einem Plastikstreifen etwas angehoben und schließlich beidseitig geschwärzt, dann fällt er weniger auf. Farbe vollständig (!) durchtrocknen lassen.

Da diese märklin-Lok fast vollständig aus Metall besteht, ist es sinnvoll, bestimmte Lötstellen zu isolieren. Sonst kann der Decoder durchknallen, sicher ist sicher. Ich verwende dafür schmale Klebestreifen aus Zellkautschuk. Die gibt es günstig auf ebay zu kaufen. Damit sollte man auch den Lautsprecher absichern. Keine Sorge wegen dessen Lautstärke: Das kleine Ding erzeugt genug Druck, der durch den Hohlraum in märklins Metall-Gehäuse zusätzlich an Volumen gewinnt.

Außerdem wurde der Motor ausgetauscht gegen einen aktuellen sogenannten „Fünf Sterne Motor“, denn damit bewegt sich die Lok geschmeidiger, als mit dem Vorgänger. Der erforderliche Teilesatz von märklin besitzt die Nummer 188838.

Wie immer ist es sinnvoll, den groben märklin-Anker mit Polierleinen zu glätten. Das erspart späteres, lästiges Reinigen. Man kann den Anker auf der Zahnrad-Seite vorsichtig in eine Bohrmaschine einspannen und dann sanft mit Polierleinen glätten, erst zum Beispiel kurz mit dem Wert 8000 und dann 12000. Danach ist der Anker spiegelglatt, und eventuelle Kanten sind eliminiert.

So sieht ein sachgemäß glattpolierter märklin-Kollektor aus. Kohle-Abrieb war einmal. Warum märklin das nicht ab Werk macht? „Ha, was des koschded!“ ?

Die CV Werte 09 und 56 für die Motorsteuerung habe ich bei dieser Lok unverändert belassen. Nur einen sanften Lichtwechsel habe ich programmiert (CV 125 und 126 jeweils auf 88) und die Stirnlampe auch bei Rückwärtsfahrt aktiv geschaltet (CV 34 auf 3). Die schaltbare Führerstands-Beleuchtung mit einem LED-PLättchen ist nur eine zusätzliche Spielerei. Anfahr- und Bremsverzögerung werden auf Werte um 20 gestellt und die beeindruckende Höchstgeschwindigkeit auf 135 reduziert.

Was für eine charmante Erscheinung, neuerdings sogar mit guten Manieren. 🙂

Die erste Probefahrt mit dieser alten Lokomotive begeistert rundherum. Überraschend leise treibt der Motor die Maschine an, und geschmeidig fährt sie über ihre Strecke.

Zimos Motorregelung arbeitet exzellent, auch das Anhalten überzeugt bis zum letzten Millimeter. Und Zimos neuer (echter!) 16bit Sound setzt dem Ganzen die Krone auf: Satt, kraftvoll und mit starken Impulsen macht diese 01 nun wirklich ‚Alarm‘ und stellt alle originalen märklin-Loks akustisch in den Schatten.

So viel Spaß kann einem eine gepflegte, jahrzehnte alte Lokomotive machen. Nicht alles muss nagelneu sein.

ET403, “der weiße Hai”, der Super-Schnellzug der Bundesbahn.

Fünf Jahre jung war ich, als mir mein Großvater 1977 eine damals gerade nagelneue Schallplatte schenkte, mit dem spektakulären Titel “ET 403 – Wie ein Blitz durch Deutschland”.

Eine Schallplatte als Ursache für eine lebenslange Leidenschaft. 🙂

Auf dem zeitgenössisch gstalteten Cover warf sich stolz der ET403 in Pose. Klar wurde die LP direkt aufgelegt, und ich erfuhr viel über diesen supermodernen Schnelltriebzug, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Die Aufnahme vermittelt durch viele Interviews mit Bundesbahn-Leuten eine fast greifbare Nähe zum Fahrzeug, der Auflockerung halber eingebettet in eine nette, harmlose Rahmenhandlung. Sogar Modellbahnen werden erwähnt. Übrigens, wer zeitgenössische Hörspiele von Europa mag, wird viele der Sprecher wiedererkennen.

Nach den vielen Jahren etwas abgenudelt, aber spielt nach wie vor. Hat jemand zufällig die Cassette übrig?
„Printed by Gerhard Kaiser GmbH, Essen“.

Nur wenige Tage später präsentierte sich der neue Starzug der Bundesbahn höchstpersönlich in Essen HBF, da mussten wir natürlich hin. Vor allem beeindruckten mich die dramatisch geneigten Frontscheiben. Um die LP zu zitieren: So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen.

Auf Youtube gibt es ein Privat-Video zu dieser Veranstaltung, so etwas ist natürlich als Erinnerung besonders schön: https://www.youtube.com/watch?v=OzURTN81P2Y

Im Stummiforum wurden tolle Fotos von diesem ET403-Event veröffentlicht:

https://www.stummiforum.de/viewtopic.php?t=71633

Es sollte 15 Jahre dauern, bis ich wieder einen echten ET 403 in 1:1 berühren konnte. Bis dahin musste 1:87 reichen, und um diese Modelle soll es hier gehen.

ET403 von Lima ‚Golden Series‘.

So sahen Lima-Startsets in den 80er Jahren aus. Braucht man zum Einstieg eigentlich mehr? Okay, mehr Gleise, das ist klar.

Als ich Mitte der 80er Jahre beschlossen hatte, meine LGB mit einer H0 Modellbahn zu ergänzen, war klar, dass ich mit dem Lima-Modell des ET403 als InterCity beginnen wollte. Geschenkt bekam ich dann aber nicht den Zug aus dem Sortiment “Golden Series”, sondern eine Startpackung von Lima mit einem abgespeckten ET403 darin. Und dieser war weder beleuchtet, noch schön lackiert: Es war ein viel zu dunkelgrauer Zug mit zuwenig Gleisen. Das war schon doof.

Plastik-Achsen im Startset. Sammeln Schmutz von den Gleisen und verteilen ihn gleichmäßig.

Viele Jahre später habe ich dann gehört, Lima habe diesen Zug Ende der 70er Jahre nur als ‚Spielzeug‘ konzipiert, daher die in diesem Fall angegossenen Dachlüfter, sei dann aber auf eine ‚Modell‘-Ausführung mit mehr Details umgeschwenkt. Ob das so stimmen kann, angesichts der maßstäblichen Länge? Ein klarer Nachteil waren die nur hinterlegten Seitenfenster, so sahen die Modelle weniger schnittig aus, als sie hätten sein können.

Dächer im Vergleich: Lima Nova (mit Sommerfeldt-Panto), Hornby-Rivarossi, Lima-Start.

Das Modell ‚Golden Series‘ hat unter beiden Führerständen eine Glühlampe, die man beim Umbau auf Digital unbedingt gegen eine 24V Birne oder LED austauschen sollte, die Gehäuse sind meistens nett weiß lackiert, und die Achsen sämtlich aus Metall (in der Startpackung aus Plastik), wobei eventuelles Eiern eliminiert werden kann durch den Austausch gegen neue Achsen von Roco (Räder 10mm Durchmesser!) oder www.Modellbahn-Radsatz.de .

Limas Haken-Ösen-Kupplungen sehen archaisch aus, funktionieren aber ganz gut, sogar beim Schieben.

Wer seine ‚Golden Series‘ 403er enger kuppeln möchte, findet perfekt geeignete Kurzkupplungskulissen (was für ein Wort) bei Symoba, die diese bewährten Produkte bereits seit Mitte der 80er Jahre anbieten. Man beachte das Firmen-Logo: http://www.symoba-schniering.de/

Ebenso ist der sogenannte „Pfannkuchen-Motor“ zwar offiziell ungeliebt – aber er funktioniert klaglos. Im Drehgestell dieses langen Fahrzeugs schrappen die Zahnräder in engen Kurven allerdings gegen die Fenster. Na sowas.

Schlicht, aber eigentlich unverwüstlich.
Limas Italo-Motor fällt weniger auf, als sein China-Nachfolger.

In Summe war das hier nicht gezeigte ‚Golden Series‘ Modell ganz gut gelungen, gerade im Vergleich zu dem, was Lima zuvor so gefertigt hatte. Auf ebay bekommt man diese Versionen oft für €90 (bespielt) bis €110. Und für Bastler ideal, um Innenbeleuchtungen, LED-Lichtwechsel etc. nachzurüsten.

ET403 von Lima ‚Nova‘.

Die zweite Generation der ‚Lima-Nova‘ Sets in dunkelblauem Karton, nun als ‚Collection‘ bezeichnet. Latein hielt man offenbar für zu kompliziert…

1991 Jahre brachte Lima in Zusammenarbeit mit Lemke eine überarbeitete Version heraus. Dazu bediente man sich einer ungewöhnlichen Konstruktion: Die Fenster waren nicht mehr eingesetzt. Sondern das gesamte Gehäuse bestand aus einem Stück leicht getönten Kunststoffs, dass dann unter Aussparung der Fenster lackiert wurde. Diese Lackierung war nun etwas näher an den Vorbildern (aber noch immer nicht kieselgrau), und es gab ab Werk eine funktionierende Kurzkupplung. Auch wichtig: Die Drehgestelle besaßen nun endlich den richtigen, weiteren Achsstand.

Man sieht das, was unsichtbar sein soll: Gestatten, der Motor.

Aber im Endwagen mit Antrieb hatte man die Einrichtung weggelassen. Denn trotz der Vorhänge aus Plastik klar zu erkennen thronte der Motor auf einem massiven Metallblock. Außerdem lag der Motorwagen etwas tiefer, als die anderen drei Fahrzeuge. Insgesamt wenig sinnvoll konstruiert (und später von Roco für den ICE-TD ähnlich wiederholt – denken darf man).

Fliegend verkabelt, das wird bald ersetzt. Schlimmer ist, dass keinerlei Einrichtung übrig blieb.
Die kleinen weißen Plastik-Plättchen bringen den ‚Nova‘-Triebkopf auf passende Höhe.

Es gab zwar einen Lichtwechsel, aber die Glühlampen lagen nebeneinander. Wie das ausgesehen hat, kann sich jeder vorstellen, am Schluss einseitig rot, an der Front halb weiß, halb rosa.

Wiederum wurde auch die Variante in Lufthansa-Farbe produziert, und zwar in zwei Auflagen: Die zweite Auflage im blauen Karton war schöner lackiert, als die erste im silbernen. Die Panthos aller ‚Nova‘-Versionen zerbrechen gern, Neuteile von Sommerfeldt, Roco oder Piko helfen.

Links die bewegliche Kupplung, die in den starren Kupplungsträger des Motorwagen greifen soll.

Einer der Kupplungsträger der Mittelwaggons besitzt eine leicht seitenbewegliche Kupplung. Diese gehört an das Ende des Mittelwaggons, der direkt an den Motorwagen angekuppelt wird. Das kann man selber leicht austauschen. Der Fertigungung war der Sinn dieses Elements wohl nicht ganz klar…

In Summe ist diese zweite Modell-Generation ’schöner‘, als die erste. Aber sie birgt eben neue Nachteile.

ET403 von “Rivarossi” (Hornby).

Hornbys Version in knallrotem Karton mit Klappdeckel.

2010 oder so lieferte Hornby unter deutscher Federführung eine aufgemotzte Neuauflage der Lima-Nova-Version als InterCity. Und endlich stimmten die Farben, kieselgrau, braun mit orange-Anteil, orangefarbene Streifen im passenden Ton! Der Antrieb war in den Speisewagen verlegt worden – erstmal eine gute Idee. Aber der Motor ragte unübersehbar weit in den Speiseraum hinein, total bekloppt. Dass die Pantographen noch immer nicht an der richtigen Stelle sitzen nervt zwar, lässt sich aber mit etwas Aufwand korrigieren.

Was für eine gleichgültige Konstruktion. Ich habe die Fenster meines Zuges mit schwarzem Karton abgeklebt, damit der Motor im Speisewagen nicht wirkt, wie ein toter Walfisch…

Technisch auf der Höhe der Zeit gab es gleich zwei verschiedene Schnittstellen und rot/weißen Lichtwechsel sowie Innenbeleuchtung in allen Fahrzeugen, zu 100% mit LED. Zudem eine Stromaufnahme, die je nach Fahrtrichtung wechselt – allerdings nur im Analogbetrieb. Im Digitalbetrieb schaltete das Relais munter alle paar Sekunden hin und her. Klick … klack … klick … Warum zum Henker baut man so einen Mist in eine Neu-Konstruktion, probiert eigentlich irgendjemand sowas aus vor der Auslieferung? Am Besten, der Modellbahner legt den Unsinn still und überbrückt diese Schaltung.

…nett gemeint, fummelig gemacht.

Warnung: Bei der Demontage der Endwagen VORSICHTIG vorgehen. Denn man reißt sich sonst die Lichtleiter ab. Diese befinden sich fest in einem Kästchen am Wagenboden und ragen vorn tief ins Gehäuse. Dieses muss man also seeehr bedächtig handhaben und dabei immer nur sanft Richtung Führerstand arbeiten. Ersatzteile? *kicher*, nee nee…

Zu niedrige Spurkränze machen keinen Spaß, wenn man mit seinen Zügen auf normalen Gleisen fahren möchte…

Die Räder tragen nun silberne Nachbildungen der Bremsscheiben (gut), aber ihre Spurkränze sind extrem niedrig, ähnlich RP25 (schlecht), sodass diese Züge z.B. auf Fleischmanns Bogen-Weichen aus dem ‚Profi‘-Sortiment entgleisen können. Es gibt technische Normen. Diese sind zum Einhalten da. Die Strom führenden Kupplung reichen bis knapp über die Schienen-Oberkante – ebenfalls nicht gerade eine brilliante Idee.

Bremsscheiben: gut. Kabelführung: Sechs, setzen.

Eine avisierte märklin-kompatible Version ersparte man sich (und dem Markt), und in Lufthansa-Farben erschien der Hornby-Zug gleich gar nicht.

Zu dieser Modell-Generation gibt es auf YouTube ein nettes Fahr-Video: https://www.youtube.com/watch?v=IAlZtgqYlAY

Fazit: Dreieinhalb Modell-Generationen, und noch immer gibt es kein Modell des ET403, das wirklich überzeugt. Gerade im Fall von Hornby hatte ich anhand der maßstäblichen Basis ein cooles Modell erwartet.

ET403 von märklin / Trix.

https://www.maerklin.de/de/produkte/details/article/37778/136/

https://www.trix.de/produkte/details/article/22778

Auch märklin hatte sich zwischenzeitlich des ET 403 angenommen. Es wurden erst die Variante IC, dann die Lufthansa angeboten, als als Insider-Modelle. In zwei direkt aufeinander folgenden Jahren. Auch angesichts der hohen Verkaufspreise nicht unbedingt eine verkaufsfördernde Entscheidung. Die Züge besaßen, typisch märklin, Gehäuse aus Metall und viele technischen Features wie Lichtwechsel über LED, Innenbeleuchtung und Sound. Wobei im Stummiforum viele Monate lang die optimalen Decodereinstellungen diskutiert wurden… Die aufwändig und zufällig beschalteten Tisch-Lampen im Speisewgen hätte sich märklin übrigens sparen können: Diese waren von außen gar nicht zu erkennen.

Die Produkt-Qualität des Zuges war im Prinzip okay – ausgerechnet das typische Gesicht des Zuges aber war gründlich vergeigt worden. Märklins Scheinwerfer wirken zu groß und eigenartig angeordnet, die Rahmen der Frontfenster zu eckig, die Seitenfenster und Zwischenstege folgen nicht den Proportionen des Vorbildes. Das Ganze sieht dem ET403 allemal ähnlich, aber das 30 Jahre ältere Modell von Lima trifft das Vorbild um Welten besser. Und sowas konstruiert märklin in Deutschland. Ziemlich fragwürdig. Damit ist dieses Modell raus aus meinem Beute-Raster.

ET403 von El-Mo.

In H0 gab es Anfang der 80er Jahre noch ein weiteres, eher unbekanntes Modell einer Marke, die sich “El-Mo” nannte. Diese Abkürzung hat natürlich nichts mit dem roten Knuddeldingens aus der Sesamstraße zu tun, sondern ‚elektrische Modellbahn‘ ist die sinnfällige Erklärung. Ich habe so einen Zug mal besessen. Kurz. Die passend ausgesuchte Farben sind Pluspunkte, und man hat ein paar nette Ideen umgesetzt, wie zum Beispiel von außen eingesetzte Seitenfenster. Aber mein Modell konnte sich vierteilig nicht sorgenfrei fortbewegen. Eigentlich schade, richtig doof war das Modell nämlich nicht.

ET403 von LSmodels.

Da war doch was? Seit rund zehn Jahren lässt Lsmodels nun seine Kunden auf ein vorgeblich rundum perfektes Modell des ET403 warten. Und man hört jährlich immer neue Gruselgeschichten, warum es auch diesmal wieder nicht klappen könne… Kurz, das bekannte Muster verspricht tatsächlich eine Sensation, und immerhin die Wartezeit erfüllt diesen Anspruch bereits. Ich habe mir unterdessen einen zweiten Hornby-Zug gekauft, und dazu einen Lufthansa-Zug von Lima-Nova. Entsprechend tiefenentspannt sehe ich einer möglicherweise doch noch erfolgenden Produktion meines Lieblingszuges von LSm entgegen.

ET403 1:1 der Lufthansa.

Meine zweite und bislang letzte Begegnung mit einem ET403 war 1991 in Düsseldorf. Ich war auf dem Weg zu einer Flugreise, und ziemlich aufgeregt quatschte ich auf meine bedauernswerte Großmutter ein. Diese deutete plötzlich nach vorn und sagte im Wissen um die besagte Schallplatte “schau mal, was da steht”. Ui. Ich blickte auf eine Doppel-Traktion des ET403, in Lufthansa-Farben und rundherum prima gepflegt.

Meine Reise war für die nächsten Minuten vergessen, und meine Großmutter grinste sich eins über ihren 403er-begeisterten Enkel, der jeden Winkel der schneidigen Front ausloten musste: Was für eine Eleganz! Was für eine Arroganz! Wie kühn und vor allem hartnäckig müssen die damaligen Designer gewesen sein, so ein irres Ding innerhalb der Bundesbahn durchzukriegen! Und beim Wegfahren des Zuges gab es für mich eine Überraschung: Ich sah den Schnellzug weggleiten, aber ich meinte, eine S-Bahn zu hören. Denn der ET403 ist technisch sehr eng verwandt mit den “Olympia”-S-Bahn-Zügen ET420.

Eins, Zwei oder drei – zum Glück braucht man sich nicht zu entscheiden. 🙂

So sind denn die drei Züge der Reihe ET403 für mich mehr, als sogenannte ‚Lieblings-Züge‘, sie sind vor allem eine besondere Erinnerung an meine Großeltern und an eine insgesamt angenehmere Zeit. Vielleicht kommen wir ja doch noch in den Genuss eines möglicherweise fantastischen Modells von LSm.

Eine ganz wunderbare Website über den ET403 gibt es natürlich längst, das dort gezeigte Buch ist für Freunde dieser Triebzüge unbedingt empfehlenswert. http://et403.de/

Weiteres zu den Vorbildern und ihrem angedachten Neu-Aufbau gibt es hier: http://et403.com/home.html

Roco „Made in Vietnam“.

Skeptisch war ich, als publik wurde, dass Roco zukünftig in Vietnam produzieren werde. Vom charmanten Inhaber-Betrieb in Österreich hin zur Billig-Produktionsstätte in Asien. Das ist schon eine bemerkenswerte Entwicklung.

Der ehemalige Fertiger ‚Sandakan‘ hatte sich zwar in China befunden, aber deren Produkt-Qualität war meiner Erfahrung nach rundum exzellent.

Ein paar erste Güterwaggons von Fleischmann in N mit dem Aufkleber ‚Made in VN‘ sahen gut aus.

Nun wurde zwischenzeitlich Rocos neu aufgelegter 1962 Rheingold ausgeliefert, und man war nicht eben begeistert: https://www.stummiforum.de/viewtopic.php?t=171533

Dennoch erwarb ich die dazu passende 112, und schon beim Auspacken wurde ich unsicher: Der Lack sah so eigenartig aus.

Im Vergleich zu Pikos aktueller BR112 zeigte sich, dass Pikos TEE-Lok eindeutig besser lackiert ist, trotz des minimal zu dunklen rot-Tons. Pikos Farben sind sauber aufgetragen, und auch die Lack-Qualität selbst überzeugt mich.

Links Roco 2019, rechts Piko. Sogar das ‚Gesicht‘ der Piko-Lok ist besser gelungen.

Für mich als ehemaliger die-hard Fan der ‚Roco‘ Produkte ist so ein Ergebnis schon bitter. Aber dann ging es weiter: Innen sind angerostete Schrauben zu sehen.

Der Schraubenkopf unten zeigt orangefarbenen Flugrost. Die anderen Schrauben sahen ähnlich aus.

Und dann: Anstelle lichtdichten Kunststoff zu verwenden, wurden in dieser Roco-Lok die Fronten innen mit schwarzem Filzstift angemalt. Um höflich zu bleiben: Dies entspricht nicht dem, was ich von einem solchen Modell erwarte. So gar nicht.

Man hört den Edding quietschen, oder? ?

Schließlich knallten in dieser Lok direkt nacheinander zwei Decoder durch. Das reichte mir. Ich habe das Modell zurückgegeben. Verglichen mit dem Roco-Modell 43792 aus dem Jahr 1997 ist diese Lok eine Frechheit. Von diversen Händlern höre ich ähnliche Geschichten. Wie kann das angehen.

Wenn die Entscheider in Österreich wirklich glauben, mit solchen Produkten Geld verdienen zu können, liegen sie falsch.

Das Fazit lautet: Kein Wunder, dass Piko allerorten so erfolgreich ist. Hoffentlich bringen die 2020 einen 1962 Rheingold…

Piko „Expert“-Qualität: Rocos Ablösung?

(…Hinweis: noch nicht. 🙂 )

Pikos Modellbahnen aus der „Expert“ Reihe werden seit ein paar Jahren mit Lob gerade zu überschüttet und manchmal schon als Ablösung des Roco-Programms gefeiert. Und natürlich sind viele, wirklich schöne Modelle dabei. Vor allem bietet Piko Varianten an, auf die man bei Roco zum Teil seit Jahrzehnten wartet.

Aber im Vergleich zu Roco oder märklin gibt es bei Piko noch immer Abstriche zu bemerken in Bezug auf Material oder Haltbarkeit. Und damit sich niemand mehr anhören muss „Sie sind der Erste, der sich beschwert!“, habe ich eine Art lästige Liste erstellt, die ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen widerspiegelt. Diese Liste kommt zunächst ohne Bilder aus, was für einen Online-Artikel vielleicht ungewöhnlich ist. Aber über die Jahre stellt man auch mal Ärgerliches einfach ab, ohne alles zu dokumentieren.

Zwar setzt Piko auf aktuelle Modellbahn-Technik mit Plux22 Steckdose und vielen LED-Spielereien. Aber die Qualität eines Modellbahn-Fahrzeuges definiert sich auch durch andere Aspekte. Und da bin ich inzwischen etwas ernüchtert, was Piko „Expert“ betrifft. Denn obwohl diese Modellbahn-Produkte Freude bereiten, ist auch klar, dass es oftmals mit nur wenig Aufwand besser gegangen wäre. Und das ist es, was einen irritiert zurücklassen kann.

Klar gibt es Fahrzeuge von Piko, die wirklich klasse sind, die 220 zählt natürlich dazu, auch Loks wie die 141 oder die 140. Auch der 612 und die ganzen modernen Triebzüge sind schön gemacht. Aber schon die 103 gefällt mir wegen ihrer eigenartigen Beulen über den Führerständen weniger gut, als Rocos 103 oder gar die relativ neue Insider-103 von märklin/Trix, die wirklich klasse gelungen ist. Dagegen bieten Pikos hyperdetaillierte Drehgestellblenden der 103 keinen Vorteil: Irgendwo muss man die Lok ja anfassen können.

Diese Kosten hätte Piko besser für filigrane Scheibenwischer aufwenden sollen: Direkt und unübersehbar sieht man bei Pikos 103, dass deren eine Hälfte am Fenster und die andere am Gehäuse angeformt sind. Och nö! Dabei sind die Loks sonst wirklich schön.

Dass Pikos Getriebe-Gehäuse noch immer aus Kunststoff bestehen, obwohl zum Beispiel Roco hier seit Anfang der 80er Jahre Metall verwendet und so den Schwerpunkt weit nach unten verlagert, ist nur ein weiterer subtiler Unterschied. Und die aktuelle Qualität der Motore ist eine (lästige) Sache für sich.

Ich schreibe hier über eigene Erfahrungen, denn es ist ja nichts Nettes, fortwährend mit Mängeln konfrontiert zu werden, schließlich produziert Piko im Grunde richtig schöne Modellbahnen. Das sind Produkte, vor denen andere große Hersteller schon solchen Respekt haben, dass sie ihre zum Teil angejahrten Modelle unvermittelt Verjüngungskuren unterziehen. Nur Roco ist offenbar zu doof, die 111 auf das neuere Fahrgestell der 110 mit LED zu setzen…

Und natürlich habe ich Piko ein paar Mal nett zu den jeweiligen Themen angeschrieben. Aber wenn als Antworten unter Anderem der Original-Wortlaut erfolgt „…richten Sie Herrn Kath aus, dass wir seine Fragen nicht beantworten.“ (liegt mir tatsächlich schriftlich vor), dann ist das schon eine bemerkenswert unfröhliche Reaktion auf sachlich begründete Kritik.

Expert-Lokomotiven

Motore: Meine zuerst gekauften Expert-Loks (BR220, BR141) fahren außerordentlich geschmeidig. Trotz dreipoliger Motore. Neue Piko-Loks mit fünfpoligem Motor fahren lauter, und die Motore gehen oft schnell kaputt, ohne besondere Belastung. Einfach so, beim Herumfahren mit wenigen Waggons als Last. Inzwischen sind mir rund zwölf Piko-Motore kaputtgegangen. Inzwischen verzichte ich in diesen Fällen auf Reklamationen bei Piko und kaufe statt dessen im Bedarfsfall direkt bei Conrad Austauschmotore von Motraxx für zehn Euro. Die sind qualitativ völlig in Ordnung, und der Austausch ist schnell erledigt. Piko-Schwungmassen umstecken, Kabel anlöten, Motor eindrücken fertig. Dazu kommt demnächst ein kurzer Artikel.

Steckteile: Piko verwendet hier sehr bruchgefährdeten Kunststoff; bei anderen Herstellern kommt für solche Teile klugerweise elastisches Material zum Einsatz. Bei Piko reicht eine Berührung, und es knackt. Egal, ob Antennen oder Pfeifen. Bei meinen vier 220ern brachen bei normalen Entgleisungen gleich die Schienenräumer ab. Außerdem befestigt Piko Steckteile oft durch winzige Steckerchen, das ist völlig praxisfern. Im Bruch-Fall ist es eine grausame Fummelei, mit einer Nadel die Reste herauszupulen.

Lampen-Einsätze: Bei Lokomotiven wie BR 103 / 140 / 141 und 150 färbt Piko die Lampenringe nur vorne silbern, seitlich bleiben sie klar. Dadurch strahlen sie rundherum Licht ab, und das sieht nun wirklich vorbildwidrig aus.

LED-Farbtemperatur: Pikos erste Loks der E41 / BR141 besitzen schöne LED, die wie richtige Glühlampen leuchten. Aber Pikos 103er und 150er leuchten ab Werk fast rosa, das gilt auch für andere neue Piko-Modelle. Meine Lokomotiven habe ich deswegen mit tauglichen LED bestückt, eine recht lästige und eigentlich unnötige Arbeit: Das sollte ab Werk so sein. Es ist eben nicht egal, ‚Hauptsache, es leuchtet irgendwie‘. Meine Empfehlung für Glühlampen-ähnliche LED: https://www.railroad24.com/de/10x-smd-led-0603-goldweiss.html

Gewicht: Rocos V200 ist seit 1984 bis unters Dach mit Gewicht vollgepackt, Rocos BR 110 erging es bis Ende der 90er Jahre ebenfalls so. Auch das macht diese Modelle haptisch so hochwertig. Piko dagegen setzt auf seine Lokrahmen aus Zinkdruckguß einen weiteren Rahmen, in den Platine und Lautsprecher integriert werden. Dieser wird aus Kunststoff gefertigt, und Piko verschenkt hier mögliches Mehr-Gewicht.

Schlepp-Achsen: Piko belässt bei dreiachsigen Drehgestellen die mittlere Achse ohne Antrieb. Bei den Loks BR 103 und BR 150 sind nicht einmal Radkontakte vorhanden, was bei der BR 232 noch der Fall ist. Gerade im DC-Betrieb sollte jedes Rad der Stromabnahme dienen, das ist eine Binsen-Weisheit. Außerdem sitzen diese Achsen locker im Rahmen, sie werden nicht einmal sanft auf die Gleise gedrückt. So drehen sie sich nicht zuverlässig mit, und ganz prima sammeln sie durch den ‚Schleifbetrieb‘ Schmutz von den Gleisen: Die Räder dieser Achsen erfordern besonders oft Reinigung.

Radlaufflächen: Nahezu sämtliche Räder meiner Piko-Modelle besitzen ab Werk so raue Räder, dass Staub und Schmutz sich unverzüglich darauf ablagern. Fortwährend müssen diese Räder gereinigt werden. Die Räder der Rheingold-112 sind die endlich glatt, aber Käufer älterer Loks können meiner Erfahrung nicht auf Kulanz seitens Piko hoffen: Neue Achsen mit glatten Rädern soll man aus eigener Tasche bezahlen – und man muss sie ja auf die anderen Achsen setzen (lassen). Danke nein.

Schlusslichter: Pikos Kasten-E10 bekam endlich die winzigen Schlusslichter in den großen Lampen, das sieht toll aus. Aber: Das hätte Piko von Anfang an so machen sollen. Schon 2008 hat Roco gezeigt, wie schön solche Lampen wirken. Aber Piko bessert wieder einmal erst später nach, ältere Modelle ähnlicher Bauart haben nichts davon.

Schürzen: Die Idee der auslenkbaren Schürze von DB-V200 / BR220 ist wirklich gut umgesetzt, allerdings war an der Front oftmals ein Spalt zu erkennen. Also habe ich mit einer Pinzette die Feder des Kupplungsträgers, an dem die Schürzen befestigt sind, mit Maß einfach etwas straffer neu eingehängt. Immerhin soll sich das Teil noch frei bewegen können. Danach sehen die Loks von vorn wirklich besser aus. Auch einer beschürzten BR 103 verschönert diese Straffung das Antlitz.

Lack: Licht und Schatten. Viele Fahrzeuge hat Piko wirklich exzellent lackiert. Negativ-Beispiele aber gibt es sehr wohl:

  • Die BR220 von Piko in blau/elfenbein zeigt an ihren Fronten deutliche Spuren einer nachträglichen Lackierung in elfenbein. Als trüge die Maschine Kappen auf den Nasen.
  • Blau/Elfenbein ist offenbar ein Problem für Piko. Gleich zwei Loks habe ich nicht gekauft, die BR 141 mit blauem Dach und auch die BR 150, weil deren Elfenbein viel zu weiß aussah. Vom breiten, schwarzen Trauerflor um die Lüfter der 150, der sich dann auch noch durch Anfassen verreibt, ganz zu schweigen. Offenbar existieren aber auch Fertigungs-Lose in exakten Farbtönen.
  • Ich hatte zwei Loks von Piko der BR103, beide nicht „beige“, obwohl das so richtig gewesen wäre, sondern irgendwie elfenbein, und dies auch noch voneinander abweichend.
  • Pikos drei zuerst ausgelieferte Varianten der Familie V200 / BR 220 tragen jeweils unterschiedliche Rot-Töne. Wozu gibt es eigentlich genormte RAL Farben?
  • Einige der ersten verkehrsroten Triebzüge von Piko sollte man besser nicht innen-beleuchten, denn ihr Kunststoff lässt das Licht durchleuchten. Dies gilt auch für frühe Auflagen des ICE3.
  • Die Lampenkästen von Pikos Hobby-101, der E-Lok, sind innen grau eingefärbt. Richtig wäre die Gehäuse-Farbe, also zumeist verkehrsrot. Eigenartig, dass dies über zehn Jahre niemanden stört.

Fall des Falles: Drehgestell-Blenden Pikos erster BR 103 und der ersten E41 / 141 sitzen so locker, dass sie unabsichtlich abfallen können. Neuere Piko-Auslieferungen haben diesen Mangel nicht. Sind Erst-Auflagen etwa Montags-Modelle…?

LED-Geiz ist ungeil: Viele Piko-Loks und Triebzüge nach modernen Vorbildern besitzen freie LED-Pads, die es ermöglichen, Fernlicht etc. einzubauen. Dazu gehören zum Beispiel der Vectron, BR245, BR440 und BR442. Bestückt sind diese Pads aber nicht, und natürlich sind sie auch nicht an die (zudem nur achtpoligen) Schnittstellen angeschlossen. Solche Sparmaßnahmen erschließen sich einem nicht wirklich, und sie kollidieren mit der Außen-Darstellung der Marke ‚Piko‘: Im Jahr 2019 darf man erwarten, dass moderne Modelle komplett bestückt ausgeliefert werden. Dank der Plux22 Schnittstelle ist eine vorbildgerechte Ansteuerung ein Leichtes.

Expert-Personenwagen

Pikos D-Zugwagen nach Bundesbahn-Vorbild sind recht spielstabil und wurden ursprünglich sehr günstig angeboten. Diese Preise passten zum optischen Niveau der Waggons, ich fand das sehr sympathisch. Inzwischen hat Piko das Preis-Niveau in die Nähe der wesentlich aufwändigeren Roco-Waggons gehoben, obwohl man bei diesen Piko-Waggons optisch und technisch eher Hobby-Niveau vorfindet. Was ja okay ist. Aber das Preis-Leistungsverhältnis geriet so in Schieflage. Außerdem…

  • Es gibt Serien der DB-Waggons, deren Farbe der Fensterrahmen sich beim Anfassen abreibt. Bislang hatte ich mehrheitlich Glück, einige Waggons mussten aber zum Umtausch eingesanft werden. Immerhin hat Piko diese Fahrzeuge umgehend und ohne Umstände ausgetauscht, das war mehr als erfreulich. Toller Service! Betroffen waren Waggons aus den Serien in grün und blau sowie blau/elfenbein.
  • Die 1. Klasse-Waggons in kobaltblau, blau/elfenbein und Pop-orange liegen minimal tiefer, als die anderen Fahrzeuge dieser Serien.
  • Auch Pikos Silberlinge lagen ursprünglich viel zu tief, und ihre Gehäuse saßen eher unpräzise auf dem Wagenboden. Zwischenzeitlich wurde hier nachgebessert, die Waggons aus dem Set mit der grünen 141 und aktuelle Einzelwagen sind prima.
  • Thema ozeanblau/elfenbein: Im direkten Vergleich zu Waggons von Roco / märklin / Fleischmann (letzte Serie aus Nürnberg) wirkt Pikos Farbe oft etwas grünlicher. Die anderen Genannten passen farblich prima zusammen.
  • Sehr gut passen Pikos Waggons in ozeanblau/elfenbein zu den zuletzt produzierten DB-Waggons von Rivarossi, diese zeigen exakt denselben minimal zu grünlichen Farbton. Ein bemerkenswerter Zufall.
  • Außerdem ist der Halbspeisewagen oben eher hell-elfenbein lackiert, und seine Fensterrahmen sind nicht messingfarben, sondern silbern gefärbt. Ein 1. Klasse Wagen desselben Farbschemas war fast beige lackiert. Also, das ist auf Dauer schon lästig.
  • Den Popwagen fehlen die grauen Zierstreifen über den Fenstern. Damit ist die ganze Serie verpfuscht (natürlich mit Ausnahme der 1. Klasse, deren gelbe Streifen sind vorhanden). Es ist wirklich ärgerlich, dass so etwas Signifikantes falschläuft. Und auch Pikos Verhalten zu diesem Thema irritiert: Man hätte ja eine konzertierte Aktion zur Nachbesserung veranstalten und den ollen Streifen aufdrucken können. Auf zwei Emails kam, genau, keine Antwort.
  • Die Innen-Einrichtungen sind zwar nur einteilig, dabei aber mit sehr vielen, schön dargestellten Details gestaltet. Torpediert wird der hochwertige Eindruck durch die Verwendung greller Farben wie Kaugummi-Rosa und Gift-Grün. Eine Zumutung. Die Abteilwände hatte man als separates Steckteil konzipieren können (ähnlich Tillig-TT), dann ließen sich die Abteile sauberer den Vorbildern angleichen.

Die Kupplungs-Halterungen von Pikos Schnellzugwagen sind sehr ungenau geführt:

  • Zuviel Spiel innerhalb der Halterung sorgt dafür, dass Bewegungen in alle Richtungen möglich sind, auch nach oben und unten.
  • Die Kupplungs-Schächte sind etwas zu großzügig bemessen: Rocos Uni-Kuppler sitzt zu locker in den Schächten. Bei Schiebebetrieb können sich im Wagenboden die Kupplungs-Halter verkeilen. Außerdem sitzen die Norm-Schächte zu weit nach außen an den Trägern: Sogar mit Fleischmanns Kurzkupplungen bleiben die Waggons zu weit voneinander entfernt. Man müsste also die Schächte mechanisch kürzen, für die Unikupplungen Einlagen erstellen und für sicheren Schiebebetrieb innen die Führung stabilisieren. Oder kurz: Leider wurde hier schlampig konstruiert.
  • Die Achsspitzen meiner Schnellzugwagen hatten sich bereits nach zweistündiger Fahrzeit bei diversen Waggons in das Plastik der Drehgestelle hineingefressen. Meine Lösung besteht aus Messinglagern und neuen Achsen von Thomschke.
  • Die Rad-Laufflächen meiner Piko-Waggons waren ebenfalls so rau, dass sie nicht nur unnötig laut rollen, sondern quasi begierig jede Form von Schmutz aufsammelten. Wo Roco- oder Fleischmann-Waggons nach längerer Fahrzeit höchstens kleine dunkle Fleckchen auf den Rädern bekommen, sind Pikos Räder recht schnell mit dunklem Schmutz beschmiert. Erst die neuen Waggons zum IC’79 haben neue, glatte Räder bekommen. Das hätte man gleich besser machen können. (…ich wiederhole mich.)
  • Pikos originale Achsschleifer raspeln nach wenigen Stunden Fahrzeit die silberne Schicht der Achsen weg. Der kupferfarbene Kern kommt dann zum Vorschein. Eine gute Alternative sind Esu-Radschleifer auch für eine Stromaufnahme über alle Räder. Pikos neue Radschleifer für Achtpunkt-Aufnahme wie bei den S-Bahn Steuerwagen verursachen bei meinem Fahrzeug seltsam fiepende Geräusche.
  • Zwar bietet Piko viele sinnvoll abgestimmte LED-Lichtleisten für die eigenen Personenwagen an, aber es fehlen Platinen mit roten Schlusslichtern für D-Zug-Wagen und Silberlinge.

Silberlinge:

  • Alle mir bekannten Silberlinge von Piko sind Bananen-ähnlich verbogen. Sie biegen sich mittig nach oben.
  • Die Stirnlampen der Steuerwagen des Karlsruher Kopfes sind entgegen der Vorbilder nicht rechteckig leuchtend, sondern punktförmig. Das sieht völlig anders aus, als beim Vorbild. Nachbesserung ist nur höchst aufwändig mit Fräsen und 3D-Druck möglich. Auf der Platine ist keine Schnittstelle für einen Funktionsdecoder, diese muss man selber nachrüsten.

Die InterCity-Waggons nach Vorbild des IC’79 zeigen ein paar subtile Fehler:

  • Der Speisewagen ist anstelle von elfenbein leider in beige lackiert. Das erste Pressemuster lag keineswegs ruhig auf den Drehgestellen, sondern wackelte entlang der Fahrzeug-Achse. Ein wohlwollender Hinweis diesbezüglich an Piko noch vor Auslieferung brachte diverse Mitarbeiter gegen mich auf – verstehen muss man das nicht. Und es wird auch nicht wieder vorkommen :-)) Die Serienwaggons sind übrigens in Ordnung.
  • Der Großraumwagen 1. Klasse zeigt auch auf der Gangseite weiß lackierte Fenster – so ein Unsinn.
  • Der Abteilwagen 1. Klasse muss vorsichtig angefasst werden, der schmale Steg unten am Gehäuse bricht schnell ab.
  • Die Inneneinrichtungen sämtlicher IC-Waggons sind in eigenartigem Curry-gelb durchgefärbt. Für einen vorbildgerechten Eindruck muss man auch hier aufwändig mit Pinsel und Farbe nacharbeiten.
  • Das Ozeanblau des ersten ausgelieferten Großraumnwagens Bpmz wirkte zu leuchtend.

Zu den neuen S-Bahn-Wagen Rhein-Ruhr habe ich bereits einen eigenen Artikel verfasst, der sich auch mit der unsinnigen neuen Spezial-Schnittstelle befasst. Eine Plux22 hätte vollkommen gereicht. https://blog.mobaz.de/2019/05/14/piko-s-bahn-rhein-ruhr/

Uhlenbrocks aktuelle Lok- und Wagen-Decoder

Uhlenbrocks bietet seit 2017 eine moderne Decoder-Generation an. Hier stelle ich den Plux22 (74560) sowie den Funktions-Decoder (76900) vor.

Lokdecoder Plux22

Uhlenbrock 74560.

Bisherige Lokdecoder von Uhlenbrock waren eher robuste Gesellen, nicht eben fein auf die Motore abstimmbar. Das hat sich gründlich geändert. Die Fahreigenschaften des aktuellen Plux22 sind wirklich exzellent. Man merkt das schon bei den ersten Fahrproben, ohne irgendetwas verstellt zu haben: Derart sanftes Losrollen ist für Uhlenbrock-Nutzer eine neue Erfahrung. Möglich ist auch endlich sanftes Auf- und Abblenden der Funktions-Ausgänge. Der Effekt ist toll gelungen, und auch viele weitere Licht-Effekte sind programmierbar.

Damit erfüllen Uhlenbrocks neue Decoder die wichtigsten Anforderungen der meisten Digital-Fahrer: Vorzügliche Lastregelung und intelligente Beleuchtungs-Steuerung. Dass der im Piko-Katalog gezeigte Plux22 Lok-Decoder dem von Uhlenbrock frappierend ähnlich sieht, lässt sich möglicherweise interpretieren als höchst fruchtbare Zusammenarbeit.

Der Plux22 versteht DCC, Motorola und Selectrix, und eine Version für märklin-Fahrer mit mfx-Fähigkeit ist ebenfalls lieferbar. Bis zu sieben Zusatzfunktionen sind schaltbar, die auch von Besitzern märklins kultverdächtiger Zentrale 6021 nutzbar sind: Der Decoder behält bis zu drei Adressen.

Der Motor wird mit bis zu 1,2A versorgt; kurzzeitig sollen bis zu 2A möglich sein. Damit verkraftet dieser Decoder auch die Strom fressenden Spur Null Motore von Roco, die früher oft in Loks wie V200, TEE oder BR103 eingebaut worden waren. Es sollte ihn in einer Kabel-Version geben.

Weiterhin beachtet der Decoder RailCom und RailComPlus sowie die beliebten Bremsstrecken Lenz BM2. Die als „Kupplungs-Walzer“ bekannte Funktion bezeichnet Uhlenbrock (und so auch Piko) als „Rangier-Tango“, was ein bisschen nervt: Wozu einen etablierten Begriff mutwillig torpedieren…?

Wer Uhlenbrock-Technik einsetzt, kann zwei Lissy-Minisender anschließen. Außerdem integriert ist eine Susi-Schnittstelle. Praktisch ist die Möglichkeit von zwei verschiedenen Bremswegen, auslösbar entweder über die Bremsmodule in Zentimetern einstellbar oder über die Fahrstufe Null.

Ebenfalls durchdacht und bereits von Zimo bekannt ist die spezielle Ansteuerung der Rauch-Generatoren: Beim Anfahren wird die volle Leistung ausgegeben und dann zurückgenommen, im Stand wird der Dampf-Generator automatisch abgeschaltet. Das ist vorbildgerecht, und man braucht nicht so oft Öl nachzufüllen. Sogar ein Anfahr-Trick ist programmierbar, sodass die Lok beim Anfahren zunächst noch stehenbleibt, der Rauch beginnt sich, zu entwickeln, und erst dann fährt die Lokomotive unter kräftigen Rauchwolken los. Nett!

Bei allen Neuigkeiten ist etwas Vertrautes geblieben: Der für Uhlenbrock so typische Brummton, den die Lücke der Lastregelung im Lok-Motor verursacht. Während Decoder von Lenz oder Zimo ausgesprochen leise arbeiten, erkennt man das Uhlenbrock-Produkt ab der ersten Fahrstufe am Brummen. Man vermisst allerdings ein automatisches Einmess-Verfahren für die Motor-Einstellungen, so bleibt die ungeliebte Tüftelei.

Ebenfalls geblieben ist die in Teilen kryptische Anleitung. Im Jahr 2019 ist es schon extrem dreist (oder ignorant), den Modellbahnern, die inzwischen komfortable Smartphones nutzen, solch ein unverständliches Papier zuzumuten. Das dürfte ein Kauf-Hemmnis sein. Zwar avisiert Uhlenbrock dazu eine Software namens „Lok-Tool“, aber dazu braucht man ein zusätzliches Gerät. Das passt alles nicht in unsere Zeit. Der Weg von Esu und märklin, dass sich die Decoder von allein auf die jeweilige Lok einmessen, ist heute der einzig Gangbare.

Die hier ursprünglich genannten Vorschlagswerte zur Lichtsteuerung waren falsch. Ich habe ein bisschen herumprobiert – aber es gibt Wichtigeres, als Uhlenbrocks komplizierte Denke zu entschlüsseln. Ich konnte schon Textaufgaben nicht leiden…

Viel einfacher und vor allem eindeutiger geht es bei Zimo, mehr dazu gibt es hier: https://blog.mobaz.de/2018/12/30/zimo-dcc-decoder-mx600-der-preiswerte-fast-alleskoenner/

Wer die Schlusslichter älterer E-Loks von Roco separat schalten möchte, muss deren Kabel direkt an die entsprechenden Kontakte anlöten.

Der Funktionsdecoder:

Uhlenbrock 76900

Auch Uhlenbrocks neue Funktionsdecoder bieten endlich dem Wettbewerb Paroli. Die Schaltfunktionen lassen sich auf eine Unzahl möglicher Effekte programmieren, sanftes Auf- und Abblenden ist natürlich dabei.

Besonders beeindruckend ist der Neonröhren-Effekt, wenn Innenbeleuchtungen in vier Bereiche teilbar sind, wie zum beispiel bei Pikos neuen IC-Waggons. Beim Einschalten der Beleuchtung ereignet sich ein chaotisches Blink-Gewitter, das schnell abklingt, bis alles gleichmäßig leuchtet. Man muss sich selbst ermahnen, die Effekte nicht allzu dramatisch einzustellen, weil’s so drollig blinkt.

Die Ausgänge sollten allerdings ab Werk nicht nur als Lötpads, sondern mit ausreichend langen Kabeln ausgestattet sein. Nicht jeder Hobbybahner mag direkt auf dem Decoder herumbraten.

Uhlenbrocks 76900 in einem Großraumwagen von Piko.

Als Besonderheit bietet dieser Decoder vier zusätzliche Funktionsausgänge als Logikpegel-Kontakte. Und, man höre und staune, er reagiert sogar auf den Umschalt-Impuls der analogen Märklin-Trafos.

Fazit: So geht das! 🙂 So machen jetzt auch Uhlenbrock Decoder wirklich Spaß.

LaisDCC Decoder, die Billigen aus China.

Klein sind sie, die Decoder von LaisDCC.

Funktional eingeschränkt und moralisch fragwürdig, so lässt sich wohl am Besten beschreiben, was hier aus China angeboten wird.

Man könnte annehmen, dass nicht jede Lokomotive den besten Decoder braucht. Zehn Euro für einen DCC-Lokdecoder, das klingt nach einem Preis, zu dem man auch Spielzeug-Loks umbauen würde. Die LaisDCC-Decoder werden für viele international bekannten Schnittstellen angeboten. Es gibt sie in klein für N und etwas stärker für H0 Lokomotiven. Auch ein Lichtwechseld-Decoder ist dabei. Übrigens, die hier besprochenen Decoder wurden mir auf meine Anfrage hin vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Was können LaisDCC-Decoder?

Hauptsächlich die Basics. Man kann damit im DCC-Betrieb Loks fahren und ihre Funktionen schalten oder eben Steuerwagen digital einbinden. Eine Beschleunigungskurve lässt sich einschreiben, und um Schmutzstellen zu überbrücken, kann man günstige Elko-Pakete anschließen.

Was können LaisDCC-Decoder nicht?

Die vielen unterschiedlichen Modell-Lokomotiven erfordern es, die Lastregelung der Decoder an die jeweiligen Getriebe anzupassen. Die Lastregelung der LaisDCC Decoder ist fix auf irgendwelche Werte eingestellt. Im Ergebnis fahren einige Loks recht gut, andere aber rollen mit flotter Geschwindigkeit los (trotz CV02 = 01), ruckeln und zittern und bleiben beim Abbremsen schlagartig stehen. Das macht alles keinen Spaß. Auch weitere charmante Funktionen wie sanftes Ein- und Ausschalten des Lichtes oder dessen seitenweises aktives Ausschalten für Wendezug-Betrieb sind nicht an Bord. Susi-Buchsen sucht man vergebens.

Was nervt an LaisDCC-Decodern?

Es gibt Verschiedenes an den Fahreigenschaften zu kritisieren: Abruptes Losrasen nach einer kurzen Strom-Unterbrechung wie Schmutz oder Ähnlichem nervt nicht nur, es kann auch zu Entgleisungen führen. Vor allem bei langen Zügen. Auch kann es beim Programmieren passieren, dass die Lokomotive unvermittelt zu einer Seite wegfährt, als würde sie sich erschrecken. Meiner Erfahrung nach bis zu 50cm Strecke.

LaisDCC bietet auch Plux22 Decoder an – hier mit einem ’stay alive‘ Rucksack, bereit zum Anschluss.

Auf meine Email von vor zwei Wochen mit Detail-Fragen zu den Decodern erhielt ich leider keine Antwort.

Ich bin mir auch nicht sicher, inwiefern der Erwerb oder die Einfuhr dieser Decoder in der EU überhaupt legal ist.

Aber auch die moralische Komponente ist nicht zu unterschätzen: LaisDCC hat anfangs die Decoder des US-Herstellers ‚TCS‘ kopiert, inklusive der Software. Darauf verweisen Internet-Quellen und eine persönliche Aussage des TCS-Chefs via Email an mich. Man war ursprünglich sogar so dreist, die Hersteller-Kennung von TCS zu übernehmen. Falls das alles so stimmt, dann stellen diese Decoder in Summe einen klaren Fall von Produkt-Piraterie dar. Nachfolgend findet man eine Äußerung des TCS-Boss zur Angelegenheit: http://yourmodelrailway.net/view_topic.php?id=13788&forum_id=10&jump_to=248529#p248603

Inzwischen erscheint beim Auslesen der CV 08 eines aktuellen Decoders die Angabe ‚134‘, was immerhin auf den tatsächlichen Produzenten hinweist.

an die Kabel schwarz & blau kann man den ’stay alive‘ Baustein anschließen.

Fazit: Auch der günstigste Decoder ergibt keinen Sinn für mich, wenn die Fahreigenschaften nicht überzeugen und einem das Fahren mit der Modellbahn keine Freude bereitet. Dazu gesellt sich der Aspekt der Piraterie, deren persönliche Bewertung natürlich jedem freigestellt ist. Ich persönlich bevorzuge Original-Produkte.

Wer günstige DCC-Decoder sucht, erhält für rund 20 Euro Bausteine, die wirklich fantastische Fahreigenschaften und diverse Schaltfunktionen ermöglichen. Für H0 Lokomotiven gilt meine persönlichen Empfehlungen dem Zimo MX600 (Kabel, 8poliger Stecker, Plux12) und der Lenz Standard+ V2 (8polig). Auch Esu und Tams halten gute Angebote in dieser Preisgruppe.

Kurz: Die LaisDCC Decoder erfüllen leider nicht die Erwartungen.

Die vielleicht beste Kurzkupplung für H0 Modellbahnen. RTS.

So gleitet die RTS-Kupplung unter Rocos langen Waggons durch.

Sie existiert längst: Eine Kupplung, die mit einem weltweit riesigen Anteil an H0-Modelleisenbahnen ohne Einschränkungen funktioniert. Nur wird sie derzeit nicht produziert.

Wieder einmal war es der Zufall, der mir geholfen hat: In einem Kästchen lungerten diverse Austauschkupplungen herum. Mehr gelangweilt probierte ich einige davon aus, unter anderem irgendwas mir Unbekanntes mit der Prägung „RTS“. Ich lernte: Es gab Varianten mit und ohne Strom-Übertragung. Letztere steckte ich in so ziemlich Alles, was ich an H0 Fahrzeugen mit Normschacht besitze. Das Ergebnis war schnell klar: DAS ist DIE Kupplung. 🙂

Sanftes Einkuppeln, ohne Hakelei in Kurven, relativ unauffällig – wieso hatte ich das verschlafen! Die RTS-Kupplung ähnelt zwar den Kurzkupplungen von märklin und ihren Nachahmungen bei Roco und Esu. Aber der RTS-Metallbügel ist zur Abwechslung unglaublich intelligent konstruiert. Sämtliche Probleme der genannten Kupplungen sind eliminiert. Wieso haben das eigentlich auch Andere verschlafen?!

Inzwischen hat märklin die RTS-Formen übernommen, und anstelle diese modernisierte Version ihrer alten Kurzkupplung flächendeckend einzusetzen und damit sämtliche Nervereien mit Fahrzeugen anderer Hersteller abzustellen (und nebenher die Pufferhöher eigener Loks endlich zu berichtigen), setzte man den breiten märklin-Bügel auf den RTS-Kopf. Nicht. Zu. Fassen. Dennoch, die Formen und Stanzwerkzeuge sollten ja vorhanden sein, und sie könnten genutzt werden.

RTS mit Lima (70er Jahre). Passt. 🙂

Vorteile:

  • Die RTS-Kupplungen schwenken frei unter allen Puffern durch, auch bei den extra-langen 32cm Speisewagen. Der Bügel klappt nämlich nicht einfach rauf und runter, sondern er besitzt Langlöcher. Mit diesen kann er sich leicht bewegen und liegt immer gerade auf, sowohl auf dem eigenen Kupplungs-Körper als auch auf dem Bügel der Gegenüber-Kupplung.
  • Der RTS-Bügel kuppelt neben aktuellen Normkupplungen auch ältere Fahrzeuge sicher an, wie z.B. Spielzeug-Züge von Lima oder Jouef. Er besitzt zum Kuppeln eine herkömmliche Öse, kein einseitig offenes L-Bauteil. So macht das Hobby noch mehr Spaß, weil man alles querbeet mischen kann.
  • Die gesamte Kupplung wirkt filigran und weniger auffällig, als märklins Version mit dem breiten Bügel oder gar Rocos graue Universal-Kupplung mit dem breiten Gußteil. Denn die Öse selbst ist schön schmal gehalten.
  • Das Einkuppeln erfolgt supersanft: Vorn an der Öse befindet sich eine unauffällig angebrachte Verdickung, eine Art Nase. Diese erzeugt nur wenig Reibung.
  • Auf Vorentkupplung wurde verzichtet – gut so. Ich kenne niemanden, der diese Funktion wirklich nutzt: Entweder, die Waggons rollen in einer Senke plötzlich davon, oder aber die Lok ruckelt kurz und vergrößert dabei den Abstand zu den Waggons, die Kupplungen legen sich wieder in Ausgangsstellung. Ungewollt kuppelt die Lok die Waggons wieder an. Frust.
  • Schwarzer Kubststoff sieht edler aus, als Rocos Uni-Kuppler im Grauschleier.
RTS mit märklin-KK. Passt. 🙂
RTS mit Röwa (70er Jahre). Passt. 🙂

Nachteile:

  • Mit der bislang bekannten Digitalkupplung von Roco klemmt die RTS-Kupplung. Offenbar muss man die Digi-Kupplungen etwas angleichen.
  • Der dicke Kupplungshaken sorgt dafür, dass die Kupplungen recht fest zusammensitzen – ohne das lästige Längs-Spiel wie bei Rocos Unikupplung oder gar bei Esus Interpretation. Das wirkt schon mal seriöser als in sich schlackernde Erzzüge. Aber im Zusammenspiel mit anderen Fabrikaten kann es zu eng werden. Möglichkeit: Den RTS-Bügel auf den märklin-Kopf setzen, ohne dessen Vorentkupplungs-Funktion.

Artverwandtes:

Die RTS-Kupplung ohne Strom-Kontakt, richtig prima zum Modellbahn-Spielen.
Die märklin-KK mit dem Bügel des Anstoße(n)s. Nervig seit 1987.
Rocos Universalkupplung; offensichtlich ein Nachbau der märklin-KK.
Die Kupplung von Esu. Ohne Vorentkupplungsbügel, der sanftes Ankuppeln verhindert.

Fazit:

Die isses. 🙂 Ich glaube fest, dass mit dieser Kupplung, oder wenigstens dem RTS-Bügel auf dem märklin-Kopf, die berühmten „85% der Kunden“ perfekt zufrieden wären. Jetzt muss man sie nur noch kaufen können.

Vor allem filigrane Fahrzeuge gewinnen durch die RTS Kupplung.