Roco V200 43522 mit Sound & Licht

Seit 1985 gehören Rocos schöne Modelle der V200 zu den Klassikern auf H0 Gleisen. Mit ein bisschen Geschick bekommt man auch in älteste Versionen sichtbares Licht und sogar Sound hinein. Dieser Artikel wird später ergänzt, dann werden auch andere technische Versionen gezeigt.

Dieses Modell ist es wirklich wert, ‚gepimpt‘ zu werden, da hat Roco schon Mitte der 80er Jahre gezeigt, wie wirklich feine Modelle aussehen sollten.

…vielleicht mit Ausnahme der Glas-Einsätze für die Lampen, die könnten wirklich mal formneu und schöner gemacht werden. Das wäre dann ein Ersatzteil, dass sich für Loks aus 35 Jahren verkaufen ließe. 🙂

Diese V200 sollte Sound und ein sichtbares Schlusslicht bekommen. Beides lässt sich leicht realisieren, denn diese Lok wurde Ende der 90er Jahre produziert. Also schon mit Schnittstelle aber noch mit nur zwei Glühlampen und kurz/langen Lichtleitern ab Werk. Eigentlich sollte die Beleuchtung mit einer vorhandenen Austausch-Platine von Roco gelöst werden, aber auch damit war das Schlusslicht noch immer zu funzelig. Also mussten helle LED her.

Man nehme:

So klebt man die LED gegen die Lichtleiter. Eigentlich könnte man das auch mit warmweißen LED machen… Links versteckt sich bereits der Lautsprecher. Hinter der weißen Glühlampe ist ein Streifen Moosgummi zu erkennen.

Zuerst nimmt man die Führerstände heraus und kürzt die langen Lichtleiter. Die Trennstellen feilt man dann glatt (also anders, als auf den Fotos zu sehen), denn nur dann ist der Licht-Austritt optimal. Hier klebt man direkt die roten 19V LED gegen. Gut festwerden lassen.

Im Rahmen befindet sich eine Aussparung, in die eigentlich der Lokdecoder sollte. Ich nutze diese Vertiefung für den Lautsprecher, das passt zufällig ganz gut. Den Boden mit Isolierfolie auskleiden; die Kontakte des Lautsprechers kommen nach rechts.

So isoliert man den Boden der ex-Decoderkammer.

Nun den Sounddecoder mit harmlosem Kleber so auf der Platine befestigen, dass sein Ende mit nur zwei Kabeln so gerade unter dem Ausschnitt des oberen Metall-Bügels endet.

Wer hier noch ein durchgehendes massives Guß-Teil vorfindet, sollte dieses einfach zweimal durchsägen, sodass die Gehäuseschrauben nach wie vor greifen, die Mitte aber freiliegt; die Lok bleibt schwer genug.

Dann habe ich die Kabel am Schnittstellenstecker gekürzt neu angelötet, damit keine Kabel-Schlaufen herumliegen.

Anders, als auf dem Foto ist auch der Motor über die Schnittstelle angeschlossen, die grünen Drosseln wurden durch starre Drähte ersetzt, und der kleine Kondensator, der die Motorkontakte überbrückt wird ausgelötet: Nur nach diesem Eingriffen kann die Motorregelung sinnvoll arbeiten.

Diese Bereiche mit Folie aus Zellkautschuk abdecken, damit keine Kurzschlüsse entstehen können. WICHTIG: Auch auf den Stecker in der Schnittstelle einen Streifen Isolierfolie kleben. Denn das Gewicht darüber ist aus Metall… Und je lauter das *Bzzz* desto teuerer die Decoder-Reparatur. 😏

Prinzip-Anordnung. Der Kondensator darf nicht wie gezeigt auf der Platine liegen. Er gehört darunter, wie später gezeigt wird. Der Tesastreifen fixiert den Decoder nur vorübergehend.

Der Lautsprecher kommt kopfüber in die isolierte Kammer, also mit der silbernen Fläche nach unten, damit der Sound möglichst klar erklingen kann. Die beiden violetten Kabel sinnvoll ablängen, mit den Kontakten am Lautsprecher verlöten, und diesen in die Kammer geben. Ein Streifen guter Kleber befestigt ihn wirksam an der Platine. Nun die Führerstände wieder einsetzen.

So wird der Lautsprecher eingesetzt. Ein Streifen Kleber befestigt ihn an der Platine.

Für die Schlussleuchten LED an die die Kabel grün (Führerstand 2!) braun (Führerstand 1!) und natürlich blau anschließen; für Letztere können auch Platinenflächen verwendet werden.

Um kleine Aussetzer zu überbrücken, legt Zimo seinem Sounddecoder einen kleinen Elko bei, diesen schließt man an die beiden Kabel grau und blau an, die am Sounddecoder einzeln abgehen. Man verstaut ihn man am Besten im Hohlraum unter der Platine vor dem Motor. Das war es.

Genau hier gehört der Elko hin. Zum Kardan lässt er genug Platz. Dann geht auch das Gehäuse stressfrei zu. Die Lötstelle des Todes bitte ignorieren…

Bei mir hat der Testbetrieb auf Anhieb prima funktioniert. Die üblichen CVs mussten noch programmiert werden, aber das war es dann auch schon. Mir macht es ja riesig Spaß, so eine ältere Lokomotive in die Jetztzeit zu bugsieren. 🙂

CV Werte

Motor-Anpassung

  • CV 09 auf 65
  • CV 56 auf 33

Licht simultan

  • CV 33 auf 05
  • CV 34 auf 10

sanfter Lichtwechsel

  • CV 125, 126, 128, 128 jeweils auf 88

Lautstärke auf 35

ein Jahr „Mobaz“ – Vorschau 2020.

Vielen Dank für die netten Zuschriften – und überhaupt für‘s Lesen meines Blogs. 🙂

Werbefrei soll dieses Portal auch zukünftig bleiben, denn ich möchte gern frei über Modelleisenbahnen schreiben und urteilen können.

In naher Zukunft kommen zum Beispiel Artikel zu den im Bild avisierten Themen. 🙂

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Jahreswechsel und uns allen ein friedlicheres 2020. 🙂🚂

Das Piko A Gleis mit Bettung. Von Merkur.
Farben für Pikos D-Zug Wagen.
Die Z21 von Roco. Das dolle Ding. 🙂👍🏻

Piko Pimping BR 150 51640 Bundesbahn

Das ‚Dickschiff‘ der Bundesbahn, die BR150, ist Piko wirklich gut gelungen. Dieses Modell zählt längst zu meinen Lieblings-Loks. Aber wie so oft bei Piko haben sich ein paar Fehler eingeschlichen; zum Glück kann man die allesamt beheben.

1. Lüftergitter

Die Lüftergitter sahen bei der Bundesbahn immer silbern aus, oder grau, nach vielen Jahren. Vermutlich wegen eines unglücklich ausgewählten Vorbildfotos hat sich Piko für beige entschieden, was den Eindruck der Lok schon verändert. Die Lösung ist einfach, denn die Lüfter lassen sich von innen nach außen herausdrücken. Entweder mit Airbrush nachlackieren, etwa in RAL 9006 ‚Weißaluminium‘ oder aber ab Werk sauber lackierte silberne Lüftergitter einstecken. Zwölf Stück braucht man, dazu bestellt man sich zweimal den Beutel ET51748-24, und nach wenigen Minuten sieht die 150 so aus, wie es sich gehört.

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=26559&vw_name=detail

Mitte rechts ein letztes fehlfarbenes Lüftergitter. Eigenartiges Versehen.

2. LED

Glühlampen leuchteten zu Bundesbahn-Zeiten keineswegs mit einem rosa Stich. Bei dem, was Piko sich da einbauen lässt, kann man entweder nur resignieren, oder besser kurzen Prozess machen und die Dinger rigoros austauschen. Vorbildtreue betrifft schließlich auch das Licht. Sechs der hier üblicherweise genannten SMD LED finden in der 150 ihren Platz, und schon wirkt ihr Licht so, wie man sich das für eine Bundesbahn-Maschine vorstellt.

https://www.railroad24.com/de/10x-smd-led-0603-goldweiss.html

Die im Bild obere LED ist neu. Bei ruhigen Händen kann man diese Winzlinge zügig austauschen.

3. Stromabnahme

Pikos 150 nimmt den Strom anstelle von allen zwölf Rädern nur von acht auf. Es ist nicht zu fassen, als hätte es den früheren Frust der „Gleichstrom-Bahner“ nie gegeben. Ich habe also einfach von einem Achskontakt die einzelnen Schleifer abgetrennt und pro Seite einen auf das vorhandene Metallstück draufgelötet. Die 103 von Piko brauchte auch noch welche… Mit der Pinzette etwas zurechtbiegen, funktioniert. Nun muss ich noch einen geschmeidigen Federtyp finden, der die Mittel-Achse sanft und beharrlich auf die Schienen drückt.

Mittig erkennt man den kleinen Zusatz-Kontakt. Der hilft und funktioniert wirklich.

https://www.ebay.de/itm/10x-Radschleifer-Achsschleifer-Waggonbeleucht-Stromabnehmer-Schleifer-H0-und-TT/113648938002?hash=item1a76012c12:g:uLcAAOSwXaRZ8ymi

4. Motor

Motor? Ja, Motor. Ganz sicher bin ich wieder mal „der Einzige“, dem reihenweise aktuelle Piko-Motore kaputtgehen. Bis jetzt sind es zwölf, in manchen Loks sogar mehrfach vorgekommen, und still counting. Fast ausschließlich betrifft es die neueren Motore mit dunkel gefärbtem Gehäuse. Piko ist zwar so nett und tauscht diese Dinger ohne zu Zögern aus, aber sie gehen – meiner Erfahrung nach – schnell wieder kaputt. Zudem haben zwei dieser Motore ihre jeweiligen Decoder gleich mit ins Nirvana genommen. Wer ersetzt mir die? Inzwischen sehe ich das so: Für jede neue Piko-Lok brauche ich nicht nur einen Decoder sondern auch einen soliden Motor, um unschöne Überraschungen auszuschließen. Und so einen Motor gibt es schon für zehn Euro, den Motraxx FFK-265. Wie bitte?

https://www.conrad.de/de/p/mini-brushed-elektromotor-motraxx-ffk-265-10000-u-min-235306.html

Tja, Piko hätte vielleicht bei Bewährtem bleiben sollen: In Pikos Gleisplan-Buch warb eine Firma namens ‚Motraxx‘ für ihre Modellbahn-Motore. Diese Motore gibt es auch immer noch zu kaufen, allerdings nicht in Piko-Loks. Dafür bei Conrad, und auch nur dort.

Oben der Motraxx-Motor wie aus der Box, unten Pikos „Original“-Motor.

Für gerade mal zehn Euro erhält man einen kräftigen Motor, der in Pikos Loks hineinpasst und dessen Einbau viel einfacher geht, als ich zu hoffen wagte. Inzwischen habe ich acht Piko-Loks mit diesem Motor umgebaut, und ich bin zufrieden.

  • Motraxx Motor vorbereiten: Wellen vergleichbar kürzen. Litzen, jeweils 3cm lang, mit sehr flachen (!) Lötstellen an die Kontakte anlöten und diese dann in ihre Vertiefungen drücken.
Gekürzte Motorwelle links, dazu angelötete Litzen. Rechts der Piko Motor.
  • Lok demontieren und Kabel zum Piko Motor ablöten.
So sieht Pikos 150 von innen aus, die Litzen orange und grau sind bereits frei.
  • Piko Motor ausbauen und mit einem Schraubendreher die Schwungmassen losdrücken.
Das geht wirklich so einfach – in Pikos Fall.
  • Schwungmassen auf die Welle des Motraxx Motors drücken, Sitz dabei mit Lokrahmen abgleichen.
  • Aufnahmen für Kardanwellen mit gutem (!) Sekundenkleber in die Schwungmassen einkleben.
  • Zwei dünne Streifen Zellkautschuk unten um den Motor kleben (dämpft die Vibrationen und fixiert den Motor) und die beiden Kontakte ebenfalls mit solchen Streifen elektrisch iolieren.
Dünne Streifen Zell-Kautschuk dämpfen Vibrationen und fixieren den Motor.
  • Motraxx-Motor in beide Kardanwellen einhängen. Das ist etwas fummelig. Den Motor mit dem Daumen sanft bis auf den Boden in den Rahmen pressen, dabei leicht an den Schwungmassen drehen, damit alles frei beweglich bleibt. Wenn dennoch etwas schleift, mit dem Schraubendreher die Schwungmassen nachjustieren; das mag archaisch klingen, funktioniert aber.
  • Kabel nach oben führen, testhalber anlöten und wenn Licht und Fahrtrichtung übereinstimmen, Kabel sauber verstauen (nichts darf an der Schwungmasse schleifen!), Plastik-Rahmen aufsetzen, festschrauben und das Lokgehäuse wieder aufsetzen.

Fertig. Fazit:

Das klingt alles nach viel Aufwand. Andererseits ist es genau diese Lok-Variante, die ich mir über Jahrzehnte vergeblich von Roco erhofft hatte. Da kann man schon mal etwas Mühe investieren, und jetzt bin ich rundum happy.

Was Epoche-4-Bundesbahner wirklich haben wollen, dafür hat man bei Roco nur selten ein Gespür. …und meine 150 von Piko besitzt im Gegensatz zur ursprünglich georderten Roco-150 keinen überdeutlichen Fingerabdruck im Lack…

Minitrix auf Ikea Vol.3 ☺️

Nur 200x60cm und doch viel Betrieb in Spur N, hier auf Minitrix Gleisen.

Eine kompakte Anlage im N-Maßstab mit vielen Fahrmöglichkeiten für lange Züge (ICE…)

Als Tipp kurz vor Weihnachten: Ikea offeriert in der Serie Linnmon eine Tischplatte mit den Abmessungen 200x60cm. Darauf lässt sich im N-Maßstab eine recht imposante Modelleisenbahn aufbauen. So ein ‚Brett‘ lässt sich auch dauerhaft zwischen Sofa und Wand aufstellen – zum Spielen kniet man einfach auf dem Sofa. Das hält beweglich. 😀 So findet das Hobby wirklich mitten im Leben statt, nicht irgendwo versteckt auf dem Dachboden oder im Keller.

Nur aus Gewohnheit habe ich die Gleise von Minitrix verwendet. Mit denen komme ich zurecht. Unter dem Logo Fleischmann bietet auch Roco zwei N-Gleissysteme an.

https://www.ikea.com/de/de/p/linnmon-adils-tisch-schwarzbraun-schwarz-s49001965/

Mit diesem Konzept kommen viele Vorteile der Jetztzeit zusammen: -> Ikea gibt es fast überall, man kann sich also ‚mal eben schnell‘ eine solide Grundplatte besorgen. Auf der stabilen Platte rollt auch langfristig eine moderne Spur-N Modellbahn. -> Dank der allgegenwärtigen Digitaltechnik ganz wunderbare Fahreigenschaften zeigt. -> Wer beschenkt wird oder sich auf dem Gebrauchtmarkt eine schöne Garnitur findet, kann alles das auf den klassischen Minitrix Gleisen fahren lassen, und zwar richtig großzügig. -> Und wenn man umziehen muss, ist die Anlage kompakt genug, um unfallfrei in die neue Behausung transportiert zu werden. Und setzt dort sein schönes Hobby unverändert fort.

Passende Gebäude-Bausätze von Faller, Kibri oder Vollmer kann man sich nach und nach zusammenkaufen, Landschaftsteile und Grasmatten zum Beispiel von Busch oder Noch lockern die Gestaltung auf. Feine Figuren gibt’s bei Preiser, weniger feine, dafür originelle Figuren bei Noch.

So kompakt ist die Spur N gehalten, sie hat sich auch qualitativ längst bewährt. Hier ein Fleischmann-ICE1 Triebkopf auf einer Compact Disc.

Oben in der ‚Delle‘ könnte eine Burg-Ruine angedeutet werden, links die drei Abstellgleise sind für einen Lokschuppen vorgesehen, und an den Bahnsteigen können überzeugend lange Garnituren halten. Die beiden Eingleiser oben rechts können optisch als normale BAhnübergänge Die genauen Artikelnummern finden sich im PDF, die Stückliste darunter.

Viel Spaß beim Modellbahn-Spielen, zum Beispiel in Spur N. 🙂

Märklin 3048 BR01 mit Zimo mfx Sounddecoder MS450

Nicht Retro, sondern Vintage: Eine wirklich alte 01 von märklin auf (relativ) aktuellem Gleis.

Wenn man eine so betagte Lokomotive umbauen soll, kann man schon etwas ehrfürchtig werden: Diese märklin-01 ist viel älter, als ich selbst. Da kommt man ins Grübeln: Wieviele Modellbahner haben sich wohl schon an ihr erfreut und Kraft raubende Tage mit ein paar Runden klassischer Modellbahnerei ausgeglichen…?

Es ist schon bemerkenswert, dass es überhaupt möglich ist, eine so alte „Spielzeuglok“ technisch in die Jetztzeit zu holen. In diesem Fall sogar mit einem ganz aktuellen Zimo Sound-Decoder mit mfx.

Beleuchtung und Rauchsatz sind separat schaltbar.

Den Lautsprecher habe ich vorn hinter der Glühlampe platziert, auf Höhe der Zylinder, wo der spezifische Klang beim Vorbild entsteht. Also nicht im Tender, was andernorts absurderweise oft so entschieden wird.

Außerdem wurde der Decoder mit dem beiliegenden Elko gepuffert. So werden eventuelle Aussetzer, die natürlich auch trotz des Skischleifers passieren können, überbrückt. Der Rauchentwickler wurde direkt an das grüne Kabel angeschlossen. Die Glühlampe wurde in diesem Fall original belassen, um den vertrauten Eindruck zu behalten.

In der Bild-Mitte ist der Elko zu sehen, quer eingebaut, mit einem Plastikstreifen etwas angehoben und schließlich beidseitig geschwärzt, dann fällt er weniger auf. Farbe vollständig (!) durchtrocknen lassen.

Da diese märklin-Lok fast vollständig aus Metall besteht, ist es sinnvoll, bestimmte Lötstellen zu isolieren. Sonst kann der Decoder durchknallen, sicher ist sicher. Ich verwende dafür schmale Klebestreifen aus Zellkautschuk. Die gibt es günstig auf ebay zu kaufen. Damit sollte man auch den Lautsprecher absichern. Keine Sorge wegen dessen Lautstärke: Das kleine Ding erzeugt genug Druck, der durch den Hohlraum in märklins Metall-Gehäuse zusätzlich an Volumen gewinnt.

Außerdem wurde der Motor ausgetauscht gegen einen aktuellen sogenannten „Fünf Sterne Motor“, denn damit bewegt sich die Lok geschmeidiger, als mit dem Vorgänger. Der erforderliche Teilesatz von märklin besitzt die Nummer 188838.

Wie immer ist es sinnvoll, den groben märklin-Anker mit Polierleinen zu glätten. Das erspart späteres, lästiges Reinigen. Man kann den Anker auf der Zahnrad-Seite vorsichtig in eine Bohrmaschine einspannen und dann sanft mit Polierleinen glätten, erst zum Beispiel kurz mit dem Wert 8000 und dann 12000. Danach ist der Anker spiegelglatt, und eventuelle Kanten sind eliminiert.

So sieht ein sachgemäß glattpolierter märklin-Kollektor aus. Kohle-Abrieb war einmal. Warum märklin das nicht ab Werk macht? „Ha, was des koschded!“ 🙂

Die CV Werte 09 und 56 für die Motorsteuerung habe ich bei dieser Lok unverändert belassen. Nur einen sanften Lichtwechsel habe ich programmiert (CV 125 und 126 jeweils auf 88) und die Stirnlampe auch bei Rückwärtsfahrt aktiv geschaltet (CV 34 auf 3). Die schaltbare Führerstands-Beleuchtung mit einem LED-PLättchen ist nur eine zusätzliche Spielerei. Anfahr- und Bremsverzögerung werden auf Werte um 20 gestellt und die beeindruckende Höchstgeschwindigkeit auf 135 reduziert.

Was für eine charmante Erscheinung, neuerdings sogar mit guten Manieren. 🙂

Die erste Probefahrt mit dieser alten Lokomotive begeistert rundherum. Überraschend leise treibt der Motor die Maschine an, und geschmeidig fährt sie über ihre Strecke.

Zimos Motorregelung arbeitet exzellent, auch das Anhalten überzeugt bis zum letzten Millimeter. Und Zimos neuer (echter!) 16bit Sound setzt dem Ganzen die Krone auf: Satt, kraftvoll und mit starken Impulsen macht diese 01 nun wirklich ‚Alarm‘ und stellt alle originalen märklin-Loks akustisch in den Schatten.

So viel Spaß kann einem eine gepflegte, jahrzehnte alte Lokomotive machen. Nicht alles muss nagelneu sein.

ET403, “der weiße Hai”; der Super-Schnellzug der Bundesbahn.

Fünf Jahre jung war ich, als mir mein Großvater 1977 eine damals gerade nagelneue Schallplatte schenkte, mit dem spektakulären Titel “ET 403 – Wie ein Blitz durch Deutschland”.

Eine Schallplatte als Ursache für eine lebenslange Leidenschaft. 🙂

Auf dem zeitgenössisch gstalteten Cover warf sich stolz der ET403 in Pose. Klar wurde die LP direkt aufgelegt, und ich erfuhr viel über diesen supermodernen Schnelltriebzug, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Die Aufnahme vermittelt durch viele Interviews mit Bundesbahn-Leuten eine fast greifbare Nähe zum Fahrzeug, der Auflockerung halber eingebettet in eine nette, harmlose Rahmenhandlung. Sogar Modellbahnen werden erwähnt. Übrigens, wer zeitgenössische Hörspiele von Europa mag, wird viele der Sprecher wiedererkennen.

Nach den vielen Jahren etwas abgenudelt, aber spielt nach wie vor. 🎶 Hat jemand zufällig die Cassette übrig? 🙂
„Printed by Gerhard Kaiser GmbH, Essen“.

Nur wenige Tage später präsentierte sich der neue Starzug der Bundesbahn höchstpersönlich in Essen HBF, da mussten wir natürlich hin. Vor allem beeindruckten mich die dramatisch geneigten Frontscheiben. Um die LP zu zitieren: So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen.

Auf Youtube gibt es ein Privat-Video zu dieser Veranstaltung, so etwas ist natürlich als Erinnerung besonders schön: https://www.youtube.com/watch?v=OzURTN81P2Y

Und es sollte 15 Jahre dauern, bis ich wieder einen echten ET 403 in 1:1 berühren konnte. Bis dahin musste 1:87 reichen, und um diese Modelle soll es hier gehen.

ET403 von Lima ‚Golden Series‘.

So sahen Lima-Startsets in den 80er Jahren aus. Braucht man zum Einstieg eigentlich mehr? Okay, mehr Gleise, das ist klar.

Als ich Mitte der 80er Jahre beschlossen hatte, meine LGB mit einer H0 Modellbahn zu ergänzen, war klar, dass ich mit dem Lima-Modell des ET403 als InterCity beginnen wollte. Geschenkt bekam ich dann aber nicht den Zug aus dem Sortiment “Golden Series”, sondern eine Startpackung von Lima mit einem abgespeckten ET403 darin. Und dieser war weder beleuchtet, noch schön lackiert: Es war ein viel zu dunkelgrauer Zug mit zuwenig Gleisen. Das war schon doof.

Plastik-Achsen im Startset. Sammeln Schmutz von den Gleisen und verteilen ihn gleichmäßig.

Viele Jahre später habe ich dann gehört, Lima habe diesen Zug Ende der 70er Jahre nur als ‚Spielzeug‘ konzipiert, daher die in diesem Fall angegossenen Dachlüfter, sei dann aber auf eine ‚Modell‘-Ausführung mit mehr Details umgeschwenkt. Ob das so stimmen kann, angesichts der maßstäblichen Länge? Ein klarer Nachteil waren die nur hinterlegten Seitenfenster, so sahen die Modelle weniger schnittig aus, als sie hätten sein können.

Dächer im Vergleich: Lima Nova (mit Sommerfeldt-Panto), Hornby-Rivarossi, Lima-Start.

Das Modell ‚Golden Series‘ hat unter beiden Führerständen eine Glühlampe, die man beim Umbau auf Digital unbedingt gegen eine 24V Birne oder LED austauschen sollte, die Gehäuse sind meistens nett weiß lackiert, und die Achsen sämtlich aus Metall (in der Startpackung aus Plastik), wobei eventuelles Eiern eliminiert werden kann durch den Austausch gegen neue Achsen von Roco (Räder 10mm Durchmesser!) oder www.Modellbahn-Radsatz.de .

Limas Haken-Ösen-Kupplungen sehen archaisch aus, funktionieren aber ganz gut, sogar beim Schieben.

Wer seine ‚Golden Series‘ 403er enger kuppeln möchte, findet perfekt geeignete Kurzkupplungskulissen (was für ein Wort) bei Symoba, die diese bewährten Produkte bereits seit Mitte der 80er Jahre anbieten. Man beachte das Firmen-Logo: http://www.symoba-schniering.de/

Ebenso ist der sogenannte „Pfannkuchen-Motor“ zwar offiziell ungeliebt – aber er funktioniert klaglos. Im Drehgestell dieses langen Fahrzeugs schrappen die Zahnräder in engen Kurven allerdings gegen die Fenster. Na sowas.

Schlicht, aber eigentlich unverwüstlich.
Limas Italo-Motor fällt weniger auf, als sein China-Nachfolger.

In Summe war das hier nicht gezeigte ‚Golden Series‘ Modell ganz gut gelungen, gerade im Vergleich zu dem, was Lima zuvor so gefertigt hatte. Auf ebay bekommt man diese Versionen oft für €90 (bespielt) bis €110. Und für Bastler ideal, um Innenbeleuchtungen, LED-Lichtwechsel etc. nachzurüsten.

ET403 von Lima ‚Nova‘.

Die zweite Generation der ‚Lima-Nova‘ Sets in dunkelblauem Karton, nun als ‚Collection‘ bezeichnet. Latein hielt man offenbar für zu kompliziert…

1991 Jahre brachte Lima in Zusammenarbeit mit Lemke eine überarbeitete Version heraus. Dazu bediente man sich einer ungewöhnlichen Konstruktion: Die Fenster waren nicht mehr eingesetzt. Sondern das gesamte Gehäuse bestand aus einem Stück leicht getönten Kunststoffs, dass dann unter Aussparung der Fenster lackiert wurde. Diese Lackierung war nun etwas näher an den Vorbildern (aber noch immer nicht kieselgrau), und es gab ab Werk eine funktionierende Kurzkupplung. Auch wichtig: Die Drehgestelle besaßen nun endlich den richtigen, weiteren Achsstand.

Man sieht das, was unsichtbar sein soll: Gestatten, der Motor.

Aber im Endwagen mit Antrieb hatte man die Einrichtung weggelassen. Denn trotz der Vorhänge aus Plastik klar zu erkennen thronte der Motor auf einem massiven Metallblock. Außerdem lag der Motorwagen etwas tiefer, als die anderen drei Fahrzeuge. Insgesamt wenig sinnvoll konstruiert (und später von Roco für den ICE-TD ähnlich wiederholt – denken darf man).

Fliegend verkabelt, das wird bald ersetzt. Schlimmer ist, dass keinerlei Einrichtung übrig blieb.
Die kleinen weißen Plastik-Plättchen bringen den ‚Nova‘-Triebkopf auf passende Höhe.

Es gab zwar einen Lichtwechsel, aber die Glühlampen lagen nebeneinander. Wie das ausgesehen hat, kann sich jeder vorstellen, am Schluss einseitig rot, an der Front halb weiß, halb rosa.

Wiederum wurde auch die Variante in Lufthansa-Farbe produziert, und zwar in zwei Auflagen: Die zweite Auflage im blauen Karton war schöner lackiert, als die erste im silbernen. Die Panthos aller ‚Nova‘-Versionen zerbrechen gern, Neuteile von Sommerfeldt, Roco oder Piko helfen.

Links die bewegliche Kupplung, die in den starren Kupplungsträger des Motorwagen greifen soll.

Einer der Kupplungsträger der Mittelwaggons besitzt eine leicht seitenbewegliche Kupplung. Diese gehört an das Ende des Mittelwaggons, der direkt an den Motorwagen angekuppelt wird. Das kann man selber leicht austauschen. Der Fertigungung war der Sinn dieses Elements wohl nicht ganz klar…

In Summe ist diese zweite Modell-Generation ’schöner‘, als die erste. Aber sie birgt eben neue Nachteile.

ET403 von “Rivarossi” (Hornby).

Hornbys Version in knallrotem Karton mit Klappdeckel.

2010 oder so lieferte Hornby unter deutscher Federführung eine aufgemotzte Neuauflage der Lima-Nova-Version als InterCity. Und endlich stimmten die Farben, kieselgrau, braun mit orange-Anteil, orangefarbene Streifen im passenden Ton! Der Antrieb war in den Speisewagen verlegt worden – erstmal eine gute Idee. Aber der Motor ragte unübersehbar weit in den Speiseraum hinein, total bekloppt. Dass die Pantographen noch immer nicht an der richtigen Stelle sitzen nervt zwar, lässt sich aber mit etwas Aufwand korrigieren.

Was für eine gleichgültige Konstruktion. Ich habe die Fenster meines Zuges mit schwarzem Karton abgeklebt, damit der Motor im Speisewagen nicht wirkt, wie ein toter Walfisch…

Technisch auf der Höhe der Zeit gab es gleich zwei verschiedene Schnittstellen und rot/weißen Lichtwechsel sowie Innenbeleuchtung in allen Fahrzeugen, zu 100% mit LED. Zudem eine Stromaufnahme, die je nach Fahrtrichtung wechselt – allerdings nur im Analogbetrieb. Im Digitalbetrieb schaltete das Relais munter alle paar Sekunden hin und her. Klick … klack … klick … Warum zum Henker baut man so einen Mist in eine Neu-Konstruktion, probiert eigentlich irgendjemand sowas aus vor der Auslieferung? Am Besten, der Modellbahner legt den Unsinn still und überbrückt diese Schaltung.

…nett gemeint, fummelig gemacht.

Warnung: Bei der Demontage der Endwagen VORSICHTIG vorgehen. Denn man reißt sich sonst die Lichtleiter ab. Diese befinden sich fest in einem Kästchen am Wagenboden und ragen vorn tief ins Gehäuse. Dieses muss man also seeehr bedächtig handhaben und dabei immer nur sanft Richtung Führerstand arbeiten. Ersatzteile? Kicher, nee nee…

Zu niedrige Spurkränze machen keinen Spaß, wenn man mit seinen Zügen auf normalen Gleisen fahren möchte…

Die Räder trugen nun silberne Nachbildungen der Bremsscheiben (gut), aber ihre Spurkränze waren extrem niedrig, ähnlich RP25 (schlecht), sodass diese Züge z.B. auf Fleischmanns Bogen-Weichen aus dem ‚Profi‘-Sortiment entgleisen können. Es gibt technische Normen. Diese sollte man einhalten. Die Strom führenden Kupplung reichten bis knapp über die Schienen-Oberkante – ebenfalls nicht gerade eine brilliante Idee.

Bremsscheiben: gut. Kabelführung: Sechs, setzen.

Eine avisierte märklin-kompatible Version ersparte man sich (und dem Markt), in Lufthansa-Farben erschien der Hornby-Zug gleich gar nicht.

Zu dieseR Modell-Generation hat jemand ein nettes Fahr-Video auf YouTube gepostet: https://www.youtube.com/watch?v=IAlZtgqYlAY

Fazit: Dreieinhalb Modell-Generationen. Und noch immer gibt es kein Modell des ET403, das wirklich rundum überzeugt. Gerade im Fall von Hornby hatte ich anhand der maßstäblichen Basis ein cooles Modell erwartet.

ET403 von märklin / Trix.

https://www.maerklin.de/de/produkte/details/article/37778/136/

https://www.trix.de/produkte/details/article/22778

Auch märklin hatte sich zwischenzeitlich des ET 403 angenommen. Es wurden erst die Variante IC, dann die Lufthansa angeboten, als als Insider-Modelle, in zwei direkt aufeinander folgenden Jahren. Auch angesichts der hohen Verkaufspreise nicht unbedingt eine verkaufsfördernde Entscheidung. Die Züge besaßen, typisch märklin, Gehäuse aus Metall und viele technischen Features wie Lichtwechsel über LED, Innenbeleuchtung und Sound. Wobei im Stummiforum viele Monate lang die optimalen Decodereinstellungen diskutiert wurden… Die aufwändig und zufällig beschalteten Tisch-Lampen im Speisewgen hätte sich märklin übrigens sparen können: Diese waren von außen gar nicht zu erkennen.

Die Produkt-Qualität des Zuges war im Prinzip okay – ausgerechnet das typische Gesicht des Zuges aber war gründlich vergeigt worden. Märklins Scheinwerfer wirken zu groß und eigenartig angeordnet, die Rahmen der Frontfenster zu eckig, die Seitenfenster und Zwischenstege folgen nicht den Proportionen des Vorbildes. Das Ganze sieht dem ET403 allemal ähnlich, aber das 30 Jahre ältere Modell von Lima trifft das Vorbild um Welten besser. Und sowas konstruiert märklin in Deutschland. Ziemlich fragwürdig. Damit ist dieses Modell raus aus meinem Beute-Raster.

ET403 von El-Mo.

In H0 gab es Anfang der 80er Jahre noch ein weiteres, eher unbekanntes Modell einer Marke, die sich “El-Mo” nannte. Diese Abkürzung hat natürlich nichts mit dem roten Knuddeldingens aus der Sesamstraße zu tun, sondern ‚elektrische Modellbahn‘ ist die sinnfällige Erklärung. Ich habe so einen Zug mal besessen. Kurz. Die passend ausgesuchte Farben sind Pluspunkte, und man hat ein paar nette Ideen umgesetzt, wie zum Beispiel von außen eingesetzte Seitenfenster. Aber mein Modell konnte sich vierteilig nicht sorgenfrei fortbewegen. Eigentlich schade, richtig doof war das Modell nämlich nicht.

ET403 von LSmodels.

Da war doch was? Seit rund zehn Jahren lässt Lsmodels nun seine Kunden auf ein vorgeblich rundum perfektes Modell des ET403 warten. Und man hört jährlich immer neue Gruselgeschichten, warum es auch diesmal wieder nicht klappen könne… Kurz, das bekannte Muster verspricht tatsächlich eine Sensation, und immerhin die Wartezeit erfüllt diesen Anspruch bereits. Ich habe mir unterdessen einen zweiten Hornby-Zug gekauft, und dazu einen Lufthansa-Zug von Lima-Nova. Entsprechend tiefenentspannt sehe ich einer möglicherweise doch noch erfolgenden Produktion meines Lieblingszuges von LSm entgegen.

ET403 1:1 der Lufthansa.

Meine zweite und bislang letzte Begegnung mit einem ET403 war 1991 in Düsseldorf. Ich war auf dem Weg zu einer Flugreise, und ziemlich aufgeregt quatschte ich auf meine bedauernswerte Großmutter ein. Diese deutete plötzlich nach vorn und sagte im Wissen um die besagte Schallplatte “schau mal, was da steht”. Ui. Ich blickte auf eine Doppel-Traktion des ET403, in Lufthansa-Farben und rundherum prima gepflegt.

Meine Reise war für die nächsten Minuten vergessen, und meine Großmutter grinste sich eins über ihren 403er-begeisterten Enkel, der jeden Winkel der schneidigen Front ausloten musste: Was für eine Eleganz! Was für eine Arroganz! Wie kühn und vor allem hartnäckig müssen die damaligen Designer gewesen sein, so ein irres Ding innerhalb der Bundesbahn durchzukriegen! Und beim Wegfahren des Zuges gab es für mich eine Überraschung: Ich sah den Schnellzug weggleiten, aber ich meinte, eine S-Bahn zu hören. Denn der ET403 ist technisch sehr eng verwandt mit den “Olympia”-S-Bahn-Zügen ET420.

Eins, Zwei oder drei – zum Glück braucht man sich nicht zu entscheiden. 🙂

So sind denn die drei Züge der Reihe ET403 für mich mehr, als sogenannte ‚Lieblings-Züge‘, sie sind vor allem eine besondere Erinnerung an meine Großeltern und an eine insgesamt angenehmere Zeit. Vielleicht kommen wir ja doch noch in den Genuss eines möglicherweise fantastischen Modells von LSm.

Eine ganz wunderbare Website über den ET403 gibt es natürlich längst, das dort gezeigte Buch ist für Freunde dieser Triebzüge unbedingt empfehlenswert. http://et403.de/

Weiteres zu den Vorbildern und ihrem angedachten Neu-Aufbau gibt es hier: http://et403.com/home.html

Piko „Expert“-Qualität: Rocos Ablösung?

(…Hinweis: noch nicht. 🙂 )

Pikos Modellbahnen aus der „Expert“ Reihe werden seit ein paar Jahren mit Lob gerade zu überschüttet und manchmal schon als Ablösung des Roco-Programms gefeiert. Und natürlich sind viele, wirklich schöne Modelle dabei. Vor allem bietet Piko Varianten an, auf die man bei Roco zum Teil seit Jahrzehnten wartet.

Aber im Vergleich zu Roco oder märklin gibt es bei Piko noch immer Abstriche zu bemerken in Bezug auf Material oder Haltbarkeit. Und damit sich niemand mehr anhören muss „Sie sind der Erste, der sich beschwert!“, habe ich eine Art lästige Liste erstellt, die ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen widerspiegelt. Diese Liste kommt zunächst ohne Bilder aus, was für einen Online-Artikel vielleicht ungewöhnlich ist. Aber über die Jahre stellt man auch mal Ärgerliches einfach ab, ohne alles zu dokumentieren.

Zwar setzt Piko auf aktuelle Modellbahn-Technik mit Plux22 Steckdose und vielen LED-Spielereien. Aber die Qualität eines Modellbahn-Fahrzeuges definiert sich auch durch andere Aspekte. Und da bin ich inzwischen etwas ernüchtert, was Piko „Expert“ betrifft. Denn obwohl diese Modellbahn-Produkte Freude bereiten, ist auch klar, dass es oftmals mit nur wenig Aufwand besser gegangen wäre. Und das ist es, was einen irritiert zurücklassen kann.

Klar gibt es Fahrzeuge von Piko, die wirklich klasse sind, die 220 zählt natürlich dazu, auch Loks wie die 141 oder die 140. Auch der 612 und die ganzen modernen Triebzüge sind schön gemacht. Aber schon die 103 gefällt mir wegen ihrer eigenartigen Beulen über den Führerständen weniger gut, als Rocos 103 oder gar die relativ neue Insider-103 von märklin/Trix, die wirklich klasse gelungen ist. Dagegen bieten Pikos hyperdetaillierte Drehgestellblenden der 103 keinen Vorteil: Irgendwo muss man die Lok ja anfassen können.

Diese Kosten hätte Piko besser für filigrane Scheibenwischer aufwenden sollen: Direkt und unübersehbar sieht man bei Pikos 103, dass deren eine Hälfte am Fenster und die andere am Gehäuse angeformt sind. Och nö! Dabei sind die Loks sonst wirklich schön.

Dass Pikos Getriebe-Gehäuse noch immer aus Kunststoff bestehen, obwohl zum Beispiel Roco hier seit Anfang der 80er Jahre Metall verwendet und so den Schwerpunkt weit nach unten verlagert, ist nur ein weiterer subtiler Unterschied. Und die aktuelle Qualität der Motore ist eine (lästige) Sache für sich.

Ich schreibe hier über eigene Erfahrungen, denn es ist ja nichts Nettes, fortwährend mit Mängeln konfrontiert zu werden, schließlich produziert Piko im Grunde richtig schöne Modellbahnen. Das sind Produkte, vor denen andere große Hersteller schon solchen Respekt haben, dass sie ihre zum Teil angejahrten Modelle unvermittelt Verjüngungskuren unterziehen. Nur Roco ist offenbar zu doof, die 111 auf das neuere Fahrgestell der 110 mit LED zu setzen…

Und natürlich habe ich Piko ein paar Mal nett zu den jeweiligen Themen angeschrieben. Aber wenn als Antworten unter Anderem der Original-Wortlaut erfolgt „…richten Sie Herrn Kath aus, dass wir seine Fragen nicht beantworten.“ (liegt mir tatsächlich schriftlich vor), dann ist das schon eine bemerkenswert unfröhliche Reaktion auf sachlich begründete Kritik.

Expert-Lokomotiven

Motore: Meine zuerst gekauften Expert-Loks (BR220, BR141) fahren außerordentlich geschmeidig. Trotz dreipoliger Motore. Neue Piko-Loks mit fünfpoligem Motor fahren lauter, und die Motore gehen oft schnell kaputt, ohne besondere Belastung. Einfach so, beim Herumfahren mit wenigen Waggons als Last. Inzwischen sind mir rund zwölf Piko-Motore kaputtgegangen. Inzwischen verzichte ich in diesen Fällen auf Reklamationen bei Piko und kaufe statt dessen im Bedarfsfall direkt bei Conrad Austauschmotore von Motraxx für zehn Euro. Die sind qualitativ völlig in Ordnung, und der Austausch ist schnell erledigt. Piko-Schwungmassen umstecken, Kabel anlöten, Motor eindrücken fertig. Dazu kommt demnächst ein kurzer Artikel.

Steckteile: Piko verwendet hier sehr bruchgefährdeten Kunststoff; bei anderen Herstellern kommt für solche Teile klugerweise elastisches Material zum Einsatz. Bei Piko reicht eine Berührung, und es knackt. Egal, ob Antennen oder Pfeifen. Bei meinen vier 220ern brachen bei normalen Entgleisungen gleich die Schienenräumer ab. Außerdem befestigt Piko Steckteile oft durch winzige Steckerchen, das ist völlig praxisfern. Im Bruch-Fall ist es eine grausame Fummelei, mit einer Nadel die Reste herauszupulen.

Lampen-Einsätze: Bei Lokomotiven wie BR 103 / 140 / 141 und 150 färbt Piko die Lampenringe nur vorne silbern, seitlich bleiben sie klar. Dadurch strahlen sie rundherum Licht ab, und das sieht nun wirklich vorbildwidrig aus.

LED-Farbtemperatur: Pikos erste Loks der E41 / BR141 besitzen schöne LED, die wie richtige Glühlampen leuchten. Aber Pikos 103er und 150er leuchten ab Werk fast rosa, das gilt auch für andere neue Piko-Modelle. Meine Lokomotiven habe ich deswegen mit tauglichen LED bestückt, eine recht lästige und eigentlich unnötige Arbeit: Das sollte ab Werk so sein. Es ist eben nicht egal, ‚Hauptsache, es leuchtet irgendwie‘. Meine Empfehlung für Glühlampen-ähnliche LED: https://www.railroad24.com/de/10x-smd-led-0603-goldweiss.html

Gewicht: Rocos V200 ist seit 1984 bis unters Dach mit Gewicht vollgepackt, Rocos BR 110 erging es bis Ende der 90er Jahre ebenfalls so. Auch das macht diese Modelle haptisch so hochwertig. Piko dagegen setzt auf seine Lokrahmen aus Zinkdruckguß einen weiteren Rahmen, in den Platine und Lautsprecher integriert werden. Dieser wird aus Kunststoff gefertigt, und Piko verschenkt hier mögliches Mehr-Gewicht.

Schlepp-Achsen: Piko belässt bei dreiachsigen Drehgestellen die mittlere Achse ohne Antrieb. Bei den Loks BR 103 und BR 150 sind nicht einmal Radkontakte vorhanden, was bei der BR 232 noch der Fall ist. Gerade im DC-Betrieb sollte jedes Rad der Stromabnahme dienen, das ist eine Binsen-Weisheit. Außerdem sitzen diese Achsen locker im Rahmen, sie werden nicht einmal sanft auf die Gleise gedrückt. So drehen sie sich nicht zuverlässig mit, und ganz prima sammeln sie durch den ‚Schleifbetrieb‘ Schmutz von den Gleisen: Die Räder dieser Achsen erfordern besonders oft Reinigung.

Radlaufflächen: Nahezu sämtliche Räder meiner Piko-Modelle besitzen ab Werk so raue Räder, dass Staub und Schmutz sich unverzüglich darauf ablagern. Fortwährend müssen diese Räder gereinigt werden. Die Räder der Rheingold-112 sind die endlich glatt, aber Käufer älterer Loks können meiner Erfahrung nicht auf Kulanz seitens Piko hoffen: Neue Achsen mit glatten Rädern soll man aus eigener Tasche bezahlen – und man muss sie ja auf die anderen Achsen setzen (lassen). Danke nein.

Schlusslichter: Pikos Kasten-E10 bekam endlich die winzigen Schlusslichter in den großen Lampen, das sieht toll aus. Aber: Das hätte Piko von Anfang an so machen sollen. Schon 2008 hat Roco gezeigt, wie schön solche Lampen wirken. Aber Piko bessert wieder einmal erst später nach, ältere Modelle ähnlicher Bauart haben nichts davon.

Schürzen: Die Idee der auslenkbaren Schürze von DB-V200 / BR220 ist wirklich gut umgesetzt, allerdings war an der Front oftmals ein Spalt zu erkennen. Also habe ich mit einer Pinzette die Feder des Kupplungsträgers, an dem die Schürzen befestigt sind, mit Maß einfach etwas straffer neu eingehängt. Immerhin soll sich das Teil noch frei bewegen können. Danach sehen die Loks von vorn wirklich besser aus. Auch einer beschürzten BR 103 verschönert diese Straffung das Antlitz.

Lack: Licht und Schatten. Viele Fahrzeuge hat Piko wirklich exzellent lackiert. Negativ-Beispiele aber gibt es sehr wohl:

  • Die BR220 von Piko in blau/elfenbein zeigt an ihren Fronten deutliche Spuren einer nachträglichen Lackierung in elfenbein. Als trüge die Maschine Kappen auf den Nasen.
  • Blau/Elfenbein ist offenbar ein Problem für Piko. Gleich zwei Loks habe ich nicht gekauft, die BR 141 mit blauem Dach und auch die BR 150, weil deren Elfenbein viel zu weiß aussah. Vom breiten, schwarzen Trauerflor um die Lüfter der 150, der sich dann auch noch durch Anfassen verreibt, ganz zu schweigen. Offenbar existieren aber auch Fertigungs-Lose in exakten Farbtönen.
  • Ich hatte zwei Loks von Piko der BR103, beide nicht „beige“, obwohl das so richtig gewesen wäre, sondern irgendwie elfenbein, und dies auch noch voneinander abweichend.
  • Pikos drei zuerst ausgelieferte Varianten der Familie V200 / BR 220 tragen jeweils unterschiedliche Rot-Töne. Wozu gibt es eigentlich genormte RAL Farben?
  • Einige der ersten verkehrsroten Triebzüge von Piko sollte man besser nicht innen-beleuchten, denn ihr Kunststoff lässt das Licht durchleuchten. Dies gilt auch für frühe Auflagen des ICE3.
  • Die Lampenkästen von Pikos Hobby-101, der E-Lok, sind innen grau eingefärbt. Richtig wäre die Gehäuse-Farbe, also zumeist verkehrsrot. Eigenartig, dass dies über zehn Jahre niemanden stört.

Fall des Falles: Drehgestell-Blenden Pikos erster BR 103 und der ersten E41 / 141 sitzen so locker, dass sie unabsichtlich abfallen können. Neuere Piko-Auslieferungen haben diesen Mangel nicht. Sind Erst-Auflagen etwa Montags-Modelle…?

LED-Geiz ist ungeil: Viele Piko-Loks und Triebzüge nach modernen Vorbildern besitzen freie LED-Pads, die es ermöglichen, Fernlicht etc. einzubauen. Dazu gehören zum Beispiel der Vectron, BR245, BR440 und BR442. Bestückt sind diese Pads aber nicht, und natürlich sind sie auch nicht an die (zudem nur achtpoligen) Schnittstellen angeschlossen. Solche Sparmaßnahmen erschließen sich einem nicht wirklich, und sie kollidieren mit der Außen-Darstellung der Marke ‚Piko‘: Im Jahr 2019 darf man erwarten, dass moderne Modelle komplett bestückt ausgeliefert werden. Dank der Plux22 Schnittstelle ist eine vorbildgerechte Ansteuerung ein Leichtes.

Expert-Personenwagen

Pikos D-Zugwagen nach Bundesbahn-Vorbild sind recht spielstabil und wurden ursprünglich sehr günstig angeboten. Diese Preise passten zum optischen Niveau der Waggons, ich fand das sehr sympathisch. Inzwischen hat Piko das Preis-Niveau in die Nähe der wesentlich aufwändigeren Roco-Waggons gehoben, obwohl man bei diesen Piko-Waggons optisch und technisch eher Hobby-Niveau vorfindet. Was ja okay ist. Aber das Preis-Leistungsverhältnis geriet so in Schieflage. Außerdem…

  • Es gibt Serien der DB-Waggons, deren Farbe der Fensterrahmen sich beim Anfassen abreibt. Bislang hatte ich mehrheitlich Glück, einige Waggons mussten aber zum Umtausch eingesanft werden. Immerhin hat Piko diese Fahrzeuge umgehend und ohne Umstände ausgetauscht, das war mehr als erfreulich. Toller Service! Betroffen waren Waggons aus den Serien in grün und blau sowie blau/elfenbein.
  • Die 1. Klasse-Waggons in kobaltblau, blau/elfenbein und Pop-orange liegen minimal tiefer, als die anderen Fahrzeuge dieser Serien.
  • Auch Pikos Silberlinge lagen ursprünglich viel zu tief, und ihre Gehäuse saßen eher unpräzise auf dem Wagenboden. Zwischenzeitlich wurde hier nachgebessert, die Waggons aus dem Set mit der grünen 141 und aktuelle Einzelwagen sind prima.
  • Thema ozeanblau/elfenbein: Im direkten Vergleich zu Waggons von Roco / märklin / Fleischmann (letzte Serie aus Nürnberg) wirkt Pikos Farbe oft etwas grünlicher. Die anderen Genannten passen farblich prima zusammen.
  • Sehr gut passen Pikos Waggons in ozeanblau/elfenbein zu den zuletzt produzierten DB-Waggons von Rivarossi, diese zeigen exakt denselben minimal zu grünlichen Farbton. Ein bemerkenswerter Zufall.
  • Außerdem ist der Halbspeisewagen oben eher hell-elfenbein lackiert, und seine Fensterrahmen sind nicht messingfarben, sondern silbern gefärbt. Ein 1. Klasse Wagen desselben Farbschemas war fast beige lackiert. Also, das ist auf Dauer schon lästig.
  • Den Popwagen fehlen die grauen Zierstreifen über den Fenstern. Damit ist die ganze Serie verpfuscht (natürlich mit Ausnahme der 1. Klasse, deren gelbe Streifen sind vorhanden). Es ist wirklich ärgerlich, dass so etwas Signifikantes falschläuft. Und auch Pikos Verhalten zu diesem Thema irritiert: Man hätte ja eine konzertierte Aktion zur Nachbesserung veranstalten und den ollen Streifen aufdrucken können. Auf zwei Emails kam, genau, keine Antwort.
  • Die Innen-Einrichtungen sind zwar nur einteilig, dabei aber mit sehr vielen, schön dargestellten Details gestaltet. Torpediert wird der hochwertige Eindruck durch die Verwendung greller Farben wie Kaugummi-Rosa und Gift-Grün. Eine Zumutung. Die Abteilwände hatte man als separates Steckteil konzipieren können (ähnlich Tillig-TT), dann ließen sich die Abteile sauberer den Vorbildern angleichen.

Die Kupplungs-Halterungen von Pikos Schnellzugwagen sind sehr ungenau geführt:

  • Zuviel Spiel innerhalb der Halterung sorgt dafür, dass Bewegungen in alle Richtungen möglich sind, auch nach oben und unten.
  • Die Kupplungs-Schächte sind etwas zu großzügig bemessen: Rocos Uni-Kuppler sitzt zu locker in den Schächten. Bei Schiebebetrieb können sich im Wagenboden die Kupplungs-Halter verkeilen. Außerdem sitzen die Norm-Schächte zu weit nach außen an den Trägern: Sogar mit Fleischmanns Kurzkupplungen bleiben die Waggons zu weit voneinander entfernt. Man müsste also die Schächte mechanisch kürzen, für die Unikupplungen Einlagen erstellen und für sicheren Schiebebetrieb innen die Führung stabilisieren. Oder kurz: Leider wurde hier schlampig konstruiert.
  • Die Achsspitzen meiner Schnellzugwagen hatten sich bereits nach zweistündiger Fahrzeit bei diversen Waggons in das Plastik der Drehgestelle hineingefressen. Meine Lösung besteht aus Messinglagern und neuen Achsen von Thomschke.
  • Die Rad-Laufflächen meiner Piko-Waggons waren ebenfalls so rau, dass sie nicht nur unnötig laut rollen, sondern quasi begierig jede Form von Schmutz aufsammelten. Wo Roco- oder Fleischmann-Waggons nach längerer Fahrzeit höchstens kleine dunkle Fleckchen auf den Rädern bekommen, sind Pikos Räder recht schnell mit dunklem Schmutz beschmiert. Erst die neuen Waggons zum IC’79 haben neue, glatte Räder bekommen. Das hätte man gleich besser machen können. (…ich wiederhole mich.)
  • Pikos originale Achsschleifer raspeln nach wenigen Stunden Fahrzeit die silberne Schicht der Achsen weg. Der kupferfarbene Kern kommt dann zum Vorschein. Eine gute Alternative sind Esu-Radschleifer auch für eine Stromaufnahme über alle Räder. Pikos neue Radschleifer für Achtpunkt-Aufnahme wie bei den S-Bahn Steuerwagen verursachen bei meinem Fahrzeug seltsam fiepende Geräusche.
  • Zwar bietet Piko viele sinnvoll abgestimmte LED-Lichtleisten für die eigenen Personenwagen an, aber es fehlen Platinen mit roten Schlusslichtern für D-Zug-Wagen und Silberlinge.

Silberlinge:

  • Alle mir bekannten Silberlinge von Piko sind Bananen-ähnlich verbogen. Sie biegen sich mittig nach oben.
  • Die Stirnlampen der Steuerwagen des Karlsruher Kopfes sind entgegen der Vorbilder nicht rechteckig leuchtend, sondern punktförmig. Das sieht völlig anders aus, als beim Vorbild. Nachbesserung ist nur höchst aufwändig mit Fräsen und 3D-Druck möglich. Auf der Platine ist keine Schnittstelle für einen Funktionsdecoder, diese muss man selber nachrüsten.

Die InterCity-Waggons nach Vorbild des IC’79 zeigen ein paar subtile Fehler:

  • Der Speisewagen ist anstelle von elfenbein leider in beige lackiert. Das erste Pressemuster lag keineswegs ruhig auf den Drehgestellen, sondern wackelte entlang der Fahrzeug-Achse. Ein wohlwollender Hinweis diesbezüglich an Piko noch vor Auslieferung brachte diverse Mitarbeiter gegen mich auf – verstehen muss man das nicht. Und es wird auch nicht wieder vorkommen :-)) Die Serienwaggons sind übrigens in Ordnung.
  • Der Großraumwagen 1. Klasse zeigt auch auf der Gangseite weiß lackierte Fenster – so ein Unsinn.
  • Der Abteilwagen 1. Klasse muss vorsichtig angefasst werden, der schmale Steg unten am Gehäuse bricht schnell ab.
  • Die Inneneinrichtungen sämtlicher IC-Waggons sind in eigenartigem Curry-gelb durchgefärbt. Für einen vorbildgerechten Eindruck muss man auch hier aufwändig mit Pinsel und Farbe nacharbeiten.
  • Das Ozeanblau des ersten ausgelieferten Großraumnwagens Bpmz wirkte zu leuchtend.

Zu den neuen S-Bahn-Wagen Rhein-Ruhr habe ich bereits einen eigenen Artikel verfasst, der sich auch mit der unsinnigen neuen Spezial-Schnittstelle befasst. Eine Plux22 hätte vollkommen gereicht. https://blog.mobaz.de/2019/05/14/piko-s-bahn-rhein-ruhr/

Uhlenbrocks aktuelle Lok- und Wagen-Decoder

Uhlenbrocks bietet seit 2017 eine moderne Decoder-Generation an. Hier stelle ich den Plux22 (74560) sowie den Funktions-Decoder (76900) vor.

Lokdecoder Plux22

Uhlenbrock 74560.

Bisherige Lokdecoder von Uhlenbrock waren eher robuste Gesellen, nicht eben fein auf die Motore abstimmbar. Das hat sich gründlich geändert. Die Fahreigenschaften des aktuellen Plux22 sind wirklich exzellent. Man merkt das schon bei den ersten Fahrproben, ohne irgendetwas verstellt zu haben: Derart sanftes Losrollen ist für Uhlenbrock-Nutzer eine neue Erfahrung. Möglich ist auch endlich sanftes Auf- und Abblenden der Funktions-Ausgänge. Der Effekt ist toll gelungen, und auch viele weitere Licht-Effekte sind programmierbar.

Damit erfüllen Uhlenbrocks neue Decoder die wichtigsten Anforderungen der meisten Digital-Fahrer: Vorzügliche Lastregelung und intelligente Beleuchtungs-Steuerung. Dass der im Piko-Katalog gezeigte Plux22 Lok-Decoder dem von Uhlenbrock frappierend ähnlich sieht, lässt sich möglicherweise interpretieren als höchst fruchtbare Zusammenarbeit.

Der Plux22 versteht DCC, Motorola und Selectrix, und eine Version für märklin-Fahrer mit mfx-Fähigkeit ist ebenfalls lieferbar. Bis zu sieben Zusatzfunktionen sind schaltbar, die auch von Besitzern märklins kultverdächtiger Zentrale 6021 nutzbar sind: Der Decoder behält bis zu drei Adressen.

Der Motor wird mit bis zu 1,2A versorgt; kurzzeitig sollen bis zu 2A möglich sein. Damit verkraftet dieser Decoder auch die Strom fressenden Spur Null Motore von Roco, die früher oft in Loks wie V200, TEE oder BR103 eingebaut worden waren. Es sollte ihn in einer Kabel-Version geben.

Weiterhin beachtet der Decoder RailCom und RailComPlus sowie die beliebten Bremsstrecken Lenz BM2. Die als „Kupplungs-Walzer“ bekannte Funktion bezeichnet Uhlenbrock (und so auch Piko) als „Rangier-Tango“, was ein bisschen nervt: Wozu einen etablierten Begriff mutwillig torpedieren…?

Wer Uhlenbrock-Technik einsetzt, kann zwei Lissy-Minisender anschließen. Außerdem integriert ist eine Susi-Schnittstelle. Praktisch ist die Möglichkeit von zwei verschiedenen Bremswegen, auslösbar entweder über die Bremsmodule in Zentimetern einstellbar oder über die Fahrstufe Null.

Ebenfalls durchdacht und bereits von Zimo bekannt ist die spezielle Ansteuerung der Rauch-Generatoren: Beim Anfahren wird die volle Leistung ausgegeben und dann zurückgenommen, im Stand wird der Dampf-Generator automatisch abgeschaltet. Das ist vorbildgerecht, und man braucht nicht so oft Öl nachzufüllen. Sogar ein Anfahr-Trick ist programmierbar, sodass die Lok beim Anfahren zunächst noch stehenbleibt, der Rauch beginnt sich, zu entwickeln, und erst dann fährt die Lokomotive unter kräftigen Rauchwolken los. Nett!

Bei allen Neuigkeiten ist etwas Vertrautes geblieben: Der für Uhlenbrock so typische Brummton, den die Lücke der Lastregelung im Lok-Motor verursacht. Während Decoder von Lenz oder Zimo ausgesprochen leise arbeiten, erkennt man das Uhlenbrock-Produkt ab der ersten Fahrstufe am Brummen. Man vermisst allerdings ein automatisches Einmess-Verfahren für die Motor-Einstellungen, so bleibt die ungeliebte Tüftelei.

Ebenfalls geblieben ist die in Teilen kryptische Anleitung. Im Jahr 2019 ist es schon extrem dreist (oder ignorant), den Modellbahnern, die inzwischen komfortable Smartphones nutzen, solch ein unverständliches Papier zuzumuten. Das dürfte ein Kauf-Hemmnis sein. Zwar avisiert Uhlenbrock dazu eine Software namens „Lok-Tool“, aber dazu braucht man ein zusätzliches Gerät. Das passt alles nicht in unsere Zeit. Der Weg von Esu und märklin, dass sich die Decoder von allein auf die jeweilige Lok einmessen, ist heute der einzig Gangbare.

Die hier ursprünglich genannten Vorschlagswerte zur Lichtsteuerung waren falsch. Ich habe ein bisschen herumprobiert – aber es gibt Wichtigeres, als Uhlenbrocks komplizierte Denke zu entschlüsseln. Ich konnte schon Textaufgaben nicht leiden…

Viel einfacher und vor allem eindeutiger geht es bei Zimo, mehr dazu gibt es hier: https://blog.mobaz.de/2018/12/30/zimo-dcc-decoder-mx600-der-preiswerte-fast-alleskoenner/

Wer die Schlusslichter älterer E-Loks von Roco separat schalten möchte, muss deren Kabel direkt an die entsprechenden Kontakte anlöten.

Der Funktionsdecoder:

Uhlenbrock 76900

Auch Uhlenbrocks neue Funktionsdecoder bieten endlich dem Wettbewerb Paroli. Die Schaltfunktionen lassen sich auf eine Unzahl möglicher Effekte programmieren, sanftes Auf- und Abblenden ist natürlich dabei.

Besonders beeindruckend ist der Neonröhren-Effekt, wenn Innenbeleuchtungen in vier Bereiche teilbar sind, wie zum beispiel bei Pikos neuen IC-Waggons. Beim Einschalten der Beleuchtung ereignet sich ein chaotisches Blink-Gewitter, das schnell abklingt, bis alles gleichmäßig leuchtet. Man muss sich selbst ermahnen, die Effekte nicht allzu dramatisch einzustellen, weil’s so drollig blinkt.

Die Ausgänge sollten allerdings ab Werk nicht nur als Lötpads, sondern mit ausreichend langen Kabeln ausgestattet sein. Nicht jeder Hobbybahner mag direkt auf dem Decoder herumbraten.

Uhlenbrocks 76900 in einem Großraumwagen von Piko.

Als Besonderheit bietet dieser Decoder vier zusätzliche Funktionsausgänge als Logikpegel-Kontakte. Und, man höre und staune, er reagiert sogar auf den Umschalt-Impuls der analogen Märklin-Trafos.

Fazit: So geht das! 🙂 So machen jetzt auch Uhlenbrock Decoder wirklich Spaß.

LaisDCC Decoder, die Billigen aus China.

Klein sind sie, die Decoder von LaisDCC.

Funktional eingeschränkt und moralisch fragwürdig, so lässt sich wohl am Besten beschreiben, was hier aus China angeboten wird.

Man könnte annehmen, dass nicht jede Lokomotive den besten Decoder braucht. Zehn Euro für einen DCC-Lokdecoder, das klingt nach einem Preis, zu dem man auch Spielzeug-Loks umbauen würde. Die LaisDCC-Decoder werden für viele international bekannten Schnittstellen angeboten. Es gibt sie in klein für N und etwas stärker für H0 Lokomotiven. Auch ein Lichtwechseld-Decoder ist dabei. Übrigens, die hier besprochenen Decoder wurden mir auf meine Anfrage hin vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Was können LaisDCC-Decoder?

Hauptsächlich die Basics. Man kann damit im DCC-Betrieb Loks fahren und ihre Funktionen schalten oder eben Steuerwagen digital einbinden. Eine Beschleunigungskurve lässt sich einschreiben, und um Schmutzstellen zu überbrücken, kann man günstige Elko-Pakete anschließen.

Was können LaisDCC-Decoder nicht?

Die vielen unterschiedlichen Modell-Lokomotiven erfordern es, die Lastregelung der Decoder an die jeweiligen Getriebe anzupassen. Die Lastregelung der LaisDCC Decoder ist fix auf irgendwelche Werte eingestellt. Im Ergebnis fahren einige Loks recht gut, andere aber rollen mit flotter Geschwindigkeit los (trotz CV02 = 01), ruckeln und zittern und bleiben beim Abbremsen schlagartig stehen. Das macht alles keinen Spaß. Auch weitere charmante Funktionen wie sanftes Ein- und Ausschalten des Lichtes oder dessen seitenweises aktives Ausschalten für Wendezug-Betrieb sind nicht an Bord. Susi-Buchsen sucht man vergebens.

Was nervt an LaisDCC-Decodern?

Es gibt Verschiedenes an den Fahreigenschaften zu kritisieren: Abruptes Losrasen nach einer kurzen Strom-Unterbrechung wie Schmutz oder Ähnlichem nervt nicht nur, es kann auch zu Entgleisungen führen. Vor allem bei langen Zügen. Auch kann es beim Programmieren passieren, dass die Lokomotive unvermittelt zu einer Seite wegfährt, als würde sie sich erschrecken. Meiner Erfahrung nach bis zu 50cm Strecke.

LaisDCC bietet auch Plux22 Decoder an – hier mit einem ’stay alive‘ Rucksack, bereit zum Anschluss.

Auf meine Email von vor zwei Wochen mit Detail-Fragen zu den Decodern erhielt ich leider keine Antwort.

Ich bin mir auch nicht sicher, inwiefern der Erwerb oder die Einfuhr dieser Decoder in der EU überhaupt legal ist.

Aber auch die moralische Komponente ist nicht zu unterschätzen: LaisDCC hat anfangs die Decoder des US-Herstellers ‚TCS‘ kopiert, inklusive der Software. Darauf verweisen Internet-Quellen und eine persönliche Aussage des TCS-Chefs via Email an mich. Man war ursprünglich sogar so dreist, die Hersteller-Kennung von TCS zu übernehmen. Falls das alles so stimmt, dann stellen diese Decoder in Summe einen klaren Fall von Produkt-Piraterie dar. Nachfolgend findet man eine Äußerung des TCS-Boss zur Angelegenheit: http://yourmodelrailway.net/view_topic.php?id=13788&forum_id=10&jump_to=248529#p248603

Inzwischen erscheint beim Auslesen der CV 08 eines aktuellen Decoders die Angabe ‚134‘, was immerhin auf den tatsächlichen Produzenten hinweist.

an die Kabel schwarz & blau kann man den ’stay alive‘ Baustein anschließen.

Fazit: Auch der günstigste Decoder ergibt keinen Sinn für mich, wenn die Fahreigenschaften nicht überzeugen und einem das Fahren mit der Modellbahn keine Freude bereitet. Dazu gesellt sich der Aspekt der Piraterie, deren persönliche Bewertung natürlich jedem freigestellt ist. Ich persönlich bevorzuge Original-Produkte.

Wer günstige DCC-Decoder sucht, erhält für rund 20 Euro Bausteine, die wirklich fantastische Fahreigenschaften und diverse Schaltfunktionen ermöglichen. Meine persönlichen Empfehlungen sind der Zimo MX600 (Kabel, 8poliger Stecker, Plux12) und der Lenz Standard+ V2 (8polig). Auch Esu und Tams halten gute Angebote in dieser Preisgruppe.

Kurz: Die LaisDCC Decoder erfüllen leider nicht die Erwartungen.

Das Trix C Gleis, eins für (fast) Alle.

Das C-Gleis von Trix macht viel Spaß. 🙂

märklins C-Gleis als ‚Trix‘-Variante verdient mehr Erfolg, als man ihm gönnt.

Seit seinem Erscheinen 1996 faszinierte mich märklins C-Gleis. Vor allem die Klick-Verbindung, die man einfach so auseinanderknicken konnte, gefiel mir von Anfang an.

Trix-C-Gleis ab 2005.

Im Frühjahr 2005 stand ich mit einem Freund auf der Dortmunder Messe und beäugte das damals nagelneue Trix-C-Gleis, dessen Böschung zur Unterscheidung eine schöne Farbe bekommen hatte. Dieser Farbton entspricht übrigens RAL 1019 Graubeige, die Schwellen sind (inzwischen) RAL 8017 Schokoladenbraun. Wie ein Befreiungsschlag kam es mir vor, dass märklin sein C-Gleis endlich in der Variante ohne Punkt-Kontakte präsentierte.

Unten die ursprüngliche Schwellenfarbe, oben aktuell, in kräftigem Dunkelbraun.

Vorteile Trix C-Gleis.

Die Geometrie ist sehr leicht zu überblicken, und sie kommt ohne Ausgleichsgleise aus. Genau betrachtet findet man zwei Konzepte vor, die zu einem System zusammengefasst wurden. Technisch und großteils geometrisch ist alles miteinander kombinierbar. Am Text-Ende gibt es einen Link zur offiziellen Website des Trix-C-Gleises.

  • Konzept 1: Radien 1, 2 und 3 (Parallel-Abstand jeweils rund 77mm), Standard-Gleise mit kompakten Bogenweichen sowie die dazu passenden kurzen Weichen.
  • Konzept 2: Radien 3, 4 und 5 (Abstand jeweils mit rund 64mm), längeren Standard-Geraden, großen Bogenweichen und schlanke Weichen.
Mit Mittelleiter und ohne. Ich finde das Trix Gleis schöner.

Die Qualität der Trix-C-Gleise ist meiner Erfahrung nach höher, als die der märklin-C-Gleise. Zum einen besteht das Schienenprofil nicht bloß aus Stahl, sondern aus hochwertigem Neusilber. Zum anderen gibt es seit Erstauslieferung keinerlei Berichte über etwaige bröckelnde Böschungen, was beim märklin-C-Gleis laut Foren-Berichten immer noch vorkommen kann. Übrigens sind die märklin- und Trix-Schienen im Querschnitt auf der Oberseite leicht gewölbt, was die Stromaufnahme verbessert: Im Dauerbetrieb wird Schmutz regelrecht zur Seite weggefahren.

märklins Reinigungswagen; Sonderserie für Conrad-Electronic. DC-Achsen von Thomschke.
Und auch Jörger-Filze machen gut sauber. 🙂

Wer dennoch reinigen möchte oder muss, greift am Besten zu den bekannten Filzplatten von ‚Jörger‘, die märklin seit einiger Zeit auch unter die eigenen Reinigungswagen packt. Diese polieren die Oberfläche äußerst schonend. Putzklötze wie der bekannte Roco-Rubber funktionieren etwas rabiat und ziehen die Missgunst esoterisch eingestellter Modellbahner auf sich, die behaupten, diese Dinger beschädigten die Gleise. Hm-hm, klar. Und es gab ja auch keine Mondlandung…

So einfach erfolgt der Anschluss an die C-Gleise.

Das Sortiment ist recht umfassend, fünf Radien, kurze und lange Weichen, jeweils kurze und lange Standard-Geraden, eine kurze DKW (eine lange ist bereits lange in Arbeit), ein Entkupplungsgleis und viel Zubehör wie Weichen-Antriebe, Weichen-Decoder, Weichenlaternen und digital steuerbare Signale. Die noch ausstehenden Gleise wie Kreuzungen und DWW werden sicher folgen.

Zwar entsteht beim Befahren des C-Gleises ein gewisses Rausch-Geräusch, weil die Züge die harte Böschung in Schwingungen versetzen; anders, als das bei RocoLine oder Piko-A mit weichen Bettungen der Fall ist. Man kann dem begegnen, indem die Gleise auf Filz oder festem Zellkautschuk verlegt werden; beide Materialien wirken lärmdämmend.

Fahrzeuge von ‚märklin my world‘ rollen einwandfrei auf den Trix Gleisen, auch die Loks.

Dafür rollen auf dem Trix-C-Gleis nicht nur aktuelle Modelle mit feinen Spurkränzen, sondern auch Spielzeug-Züge, deren Räder irgendwie zu H0 passen. Sogar von AC auf DC umgebaute Roco-Lokomotiven fahren einwandfrei auf dem Trix Gleis; vorausgesetzt, sie besitzen isolierte Radscheiben. Auf dem Trix-C-Gleis kann man also höchst entspannt so ziemlich alles fahren lassen.

Vorteile Trix-C-Gleis:

  • Das Aussehen. Der angenehme hellbraune Farbton erinnert an ein sauberes, befahrenes Vorbildgleis. Am Markt die vielleicht angenehmste Farbe einer Großserien-Böschung. Man fühlt sich ein bisschen an das beliebte M-Gleis von märklin erinnert.
  • Die Click-Verbinder sind der Knüller. Damit kommen Kinder und Erwachsene zurecht. Es kann nichts kaputtgehen, es hält ewig, und man braucht nichts zusammenzufummeln. Zum Isolieren von Strecken vor Signalen oder Ähnlichem steckt man einfach rote Verhüterlis über die Kontakte – prima.
  • Die Kontaktlaschen zum Strom-Anschlusse sind in der Böschung versteckt und solide mit den Schienenprofilen verschweißt. Hier kann man alles Mögliche anschließen, zum Beispiel Häuser-Beleuchtungen oder Decoder für Signale, Weichen und Entkuppler, und natürlich die normale Strom-Einspeisung. Passende Flachstecker gibt es direkt bei märklin; über Ebay findet man baugleiche Großpackungen.
  • Die Schienen aus Neusilber sind extrem hochwertig, mit glatter Oberfläche und überall abgerundet. Solchen Schienen vertraut man seine Züge gerne an. 🙂 Laut Aussage eines ranghohen Mitarbeiters eines anderen Herstellers verwendet märklin für das Trix-C-Gleis die „branchenweit höchste Materialqualität“. Das ist doch was.
  • Die Schienen sind nur 2,1mm hoch, und zwischen Schienen und Schotter hat märklin vorbildgerecht Luft gelassen. Dadurch wirken die C-Gleise äußerst zierlich.
  • Die kurzen Weichen mit steilem Abzweigswinkel brauchen nur wenig Platz, das finden alle Altersklassen praktisch.
  • Die längeren Weichen empfehlen sich für elegante Strecken. Besitzer von Personenwagen in maßstäblicher Länge um 30cm finden mit diesen „Konzept 2“ Weichen genau das Passende. Derzeit erhältlich sind normale- und große Bogenweichen.
  • Zwar ist die märklin/Trix-Bettung etwas steil geformt, wirkt aber dennoch überzeugend und vor allem weniger aufdringlich, als zum Beispiel die Bettung von RocoLine. Vor allem braucht man bei Trix nichts abzuschneiden, um zum Beispiel Weichen direkt zusammenzuklicken.
  • Die Schotternachbildung selbst ist recht fein ausgeführt. Bei einigen anderen Fabrikaten blickt man auf grobe Strukturen oder irgendwas wie Orangenhaut. 🤷🏻‍♂️ Puristen können seitlich nachschottern, dazu empfiehlt sich feiner Schotter, wie er für die Baugröße N angeboten wird. H0-Schotter sind oft zu grob.
  • Wer die C-Gleis Schwellen genauer betrachtet, findet an einigen ihrer Außenseiten kleine Querstriche. Diese ahmen die Metallbänder nach, mit denen beim Vorbild zur Sicherheit die Holz-Enden zusammengehalten werden.
  • Beleuchtete Weichenlaternen, die sich beim Stellen der Weichen mitdrehen, gibt es von märklin und Viessmann.
Viessmanns Weichenlaterne mit nachträglich eingesetzter LED in warmweiß.
Viessmanns Weichenlaterne mit originaler LED in kaltweiß. Man sieht: Inzwischen gibt es einen richtigen Pfeil in der Form. Schön!
https://shop.elita.de/epages/ElitaModelleShop.mobile/de_DE/?ObjectPath=/Shops/ElitaModelleShop
Links der Sockel für Hobby-Signale, rechts der Mastfuß von Viessmann für Fahrleitungs-Masten.

Kritik am C-Gleis:

  • märklin hat nur für die Weichen-Oberseiten neue Formen erstellt. Für die normalen Gleise wendet man bei der Fertigung einen Trick an, der die Öffnungen für den Mittelleiter verschließt. Und das erkennt man leider. Hier war märklin einfach zu geizig. Gerade märklin-Skeptiker wird man so kaum versöhnen. Kurz: Für ein seriöses Sortiment sollten neue Oberflächen-Formen gemacht werden.
  • Es ist wohl schon vorgekommen, dass beim ersten Aufbau der Trix-C-Gleise ein Kurzschluss den Betrieb lahmgelegt hat. Der Grund ist meistens ein während der Fertigung unvollkommen aufgetrennter Verbindungs-Steg der Stromkontakte. Hier kann man sich behelfen, in dem Gleis für Gleis prüfend der Übeltäter herausgefunden und der entsprechende Steg wirksam durchtrennt wird. Eine eigene Stanzform für ‚Trix-Stege‘ wäre die bessere Wahl gewesen.
  • Das Ausbleiben von Dreiwegweiche und allen drei Kreuzungen lässt auf eine beeindruckende Portion Ignoranz im Hause märklin schließen, was H0-Modellbahnen ohne Mittelleiter betrifft. Dabei machen Puko-freie Bahnen längst den Großteil des märklin-Sortiments aus: märklin 1, märklin Z, Minitrix, LGB, Trix H0: Alles ohne Mittelleiter. Anstelle nun das Trix-C-Sortiment zu komplettieren, beschwert man sich über die mangelnde Akzeptanz des Produktes. Andererseits: Wenn Roco es geschafft hat, das furchtbare geoLine Gleis in die Haushalte zu bringen, dann sollte es märklin mit dem schönen Trix C-Gleis eigentlich leichter haben. Man muss nur wollen und das eigene Produkt ernstnehmen. Hinsichtlich der Zielgruppe des Trix-C-Gleises mag eine schlanke DWW angeraten sein.
  • märklins typischer Bahnübergang fehlt bislang, dabei ist gerade der ein schönes Spiel-Element.
  • Sehr selten findet man Schienenprofile vor, die an ihren Enden etwas scharfkantig abgetrennt worden sind. Hier behilft man sich mit ein, zwei sehr sanften Strichen mit einer Nagelfeile, schräg von außen nach innen. Danach ist alles in Ordnung.
  • Die Qualität der C-Weichenantriebe (märklin 74491) ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Aber SOWAS von. 😁 Die gute Nachricht: Alle ab Frühjahr 2019 gefertigten Antriebe sind – recht wahrscheinlich – von guter Qualität.
  • Stellschienen und Herzstücke der Weichen können eine grobe Struktur besitzen. Darauf setzt sich besonders gut Schmutz ab. Märklin sollte hier ein anderes Verfahren zur Herstellung einsetzen, damit diese Bereiche den edlen Schienen entsprechen. Wen das stört: Märklins Service reagiert hier sehr entgegenkommend.
Herzstück mit rauer Oberfläche. Hier wird es schnell schmutzig.
Ebenso auf den rauen Stellschienen; man sieht die Ablagerung. Einen Haftreifen von Roco hat es hier zerrieben – aber die taugen eh‘ nichts.

Märklin und die DC-Welt.

Manche hegen Vorbehalte gegenüber dem Trix-C-Gleis aus harmloser Unwissenheit: Diese hätten doch sicher Schwierigkeiten mit Fahrzeugen anderen Herstellern, weil, das ist doch von märklin, und man hört so dies und das… Kurz: Nee, das funktioniert, meiner Erfahrung nach.

Manchmal kommt noch Antipathie hinzu, die an religiösen Fanatismus erinnert: Man WILL dieses Gleis nicht, weil’s von märklin stammt. Angesichts der hervorragenden Qualität ist das wirklich Quatsch. Ausgrenzung findet aber auch auf der anderen Seite statt:

Es spricht keineswegs für märklins Marketing, nach dem ersten Impuls 2006 kaum Werbe-Maßnahmen für das Trix-C-Gleis unternommen zu haben. Als sei Modellbahnerei ohne Mittelleiter noch immer etwas für ‚Ungläubige‘.

Mich persönlich nervt diese ideologisch geprägte Haltung, hüben wie drüben. Klare Sache: Auch Fleischmann-Roco-Piko-Lima-Kato-Rivarossi-Athearn-Bachmann-Rapido-Fahrer dürfen märklin-Produkte gutfinden. Diese Ansicht ist übrigens kein Frevel. 😏

Es ist doch eine tolle Sache, frei und quer durch alle Marken für das eigene Hobby auswählen zu können, was einem am Besten in den Kram passt. Und wenn das eben zufällig vom größten Hersteller stammt, na und? Man muss auch mal gönnen können. 😉

Wir mögen das Trix C Gleis. 🙂

Allein in meinem Freundeskreis fahren sieben völlig unterschiedliche Modellbahner auf dem Trix C-Gleis, im Alter zwischen 24 und 51. Alle sind happy mit dem Produkt. Gemecker gab es bislang keines (ja, ich habe nachgefragt).

Weiterführende Informationen rund um das Trix-C-Gleis: https://www.trix.de/de/produkte/trix-c-gleis/

Eine englisch-sprachige Seite aus Dänemark über das C-Gleis: https://railway.zone/?tag=C+Track

Viel Laminat-Bahning mit dem C-Gleis: https://www.modellbahntutzing.de/?s=c+gleis

Ein Beispiel für Teppichbahning mit dem Trix-C-Gleis: https://www.stummiforum.de/viewtopic.php?t=147191

Jemand konzipiert sich eigene Bahnsteige für die C-Gleise: https://www.stummiforum.de/viewtopic.php?t=105485

Bastel-Tipp: Prellbock

Fleischmanns Prellbock auf dem Trix-C-Gleis.

Fleischmanns Prellbock 6117 passt farblich ganz wunderbar zu den bräunlichen Trix-C-Gleisen. Um einen solchen zu beleuchten, habe ich einen märklin-Prellbock seiner Leiterplatte beraubt und diese am Fleischmann-Produkt festgeklebt. Dazu muss man nur löten können, und in die Bohle kommen rückseitig ein paar Feilstriche für die Lötstellen.

Die Kabel werden durch die Böschung nach unten geführt. Dort lötet man sie an Widerstände, die ebenfalls aus dem märklin-Prellbock stammen. Zur Stromversorgung (märklin hat keine Kontakte in der Prellbock-Böschung vorgesehen) reichen schmale Metall-Plättchen, die beim Zusammenklicken unter die jeweiligen Schienen geschoben werden.

Die weiße Fläche später einfach dunkelbraun überlackieren.