Die vielleicht beste Kurzkupplung für H0 Modellbahnen. RTS.

So gleitet die RTS-Kupplung unter Rocos langen Waggons durch.

Sie existiert längst: Eine Kupplung, die mit einem weltweit riesigen Anteil an H0-Modelleisenbahnen ohne Einschränkungen funktioniert. Nur wird sie derzeit nicht produziert.

Wieder einmal war es der Zufall, der mir geholfen hat: In einem Kästchen lungerten diverse Austauschkupplungen herum. Mehr gelangweilt probierte ich einige davon aus, unter anderem irgendwas mir Unbekanntes mit der Prägung „RTS“. Ich lernte: Es gab Varianten mit und ohne Strom-Übertragung. Letztere steckte ich in so ziemlich Alles, was ich an H0 Fahrzeugen mit Normschacht besitze. Das Ergebnis war schnell klar: DAS ist DIE Kupplung. 🙂

Sanftes Einkuppeln, ohne Hakelei in Kurven, relativ unauffällig – wieso hatte ich das verschlafen! Die RTS-Kupplung ähnelt zwar den Kurzkupplungen von märklin und ihren Nachahmungen bei Roco und Esu. Aber vor allem der RTS-Metallbügel ist unglaublich intelligent konstruiert. Sämtliche Probleme der genannten Kupplungen sind eliminiert. Wieso haben das eigentlich auch Andere verschlafen?!

Inzwischen hat märklin die Formen gekauft, und anstelle diese modernisierte Version ihrer alten Kurzkupplung flächendeckend einzusetzen und damit sämtliche Nervereien mit Fahrzeugen anderer Hersteller abzustellen (und nebenher die Pufferhöher eigener Loks endlich zu berichtigen), setzte man den breiten märklin-Bügel auf den RTS-Kopf. Nicht. Zu. Fassen. Dennoch, die Formen und Stanzwerkzeuge sind ja vorhanden und könnten genutzt werden.

RTS mit Lima (70er Jahre). Passt. 🙂

Vorteile:

  • Die RTS-Kupplungen schwenken daher frei unter allen Puffern durch, auch bei den extra-langen 32cm Speisewagen. Weil: Der Bügel klappt nicht einfach rauf und runter, sondern er besitzt Langlöcher. Mit diesen kann er sich leicht bewegen und liegt immer gerade auf, sowohl auf dem eigenen Kupplungs-Körper als auch auf dem Bügel der Gegenüber-Kupplung.
  • Der RTS-Bügel kuppelt neben aktuellen Normkupplungen auch ältere Fahrzeuge sicher an, wie z.B. Spielzeug-Züge von Lima oder Jouef. Weil: Er besitzt eine herkömmliche Öse, kein einseitig offenes L-Bauteil. So macht das Hobby noch mehr Spaß, weil man alles querbeet mischen kann.
  • Die gesamte Kupplung wirkt filigran und weniger auffällig, als märklins Version mit dem breiten Bügel oder gar Rocos graue Universal-Kupplung mit dem breiten Gußteil. Weil: Die Öse selbst ist auffallend schmal gehalten.
  • Das Einkuppeln erfolgt supersanft. Weil: Vorn an der Öse befindet sich eine unauffällig angebrachte Verdickung, eine Art Nase. Diese erzeugt nur wenig Reibung.
  • Auf Vorentkupplung wurde verzichtet – gut so. Ich kenne niemanden, der diese Funktion wirklich nutzt: Entweder, die Waggons rollen in einer Senke plötzlich davon, oder aber die Lok ruckelt kurz (und vergrößert dabei den Abstand zu den Waggons, die Kupplungen legen sich wieder in Ausgangsstellung) und kuppelt dann ungewollt die Waggons wieder an.
  • Schwarz. Auch dadurch diskreter, als Rocos Uni-Kuppler.
RTS mit märklin-KK. Passt. 🙂
RTS mit Röwa (70er Jahre). Passt. 🙂

Nachteile:

  • Mit der bislang bekannten Digitalkupplung von Roco klemmt die RTS-Kupplung. Offenbar muss man die Digi-Kupplungen etwas angleichen.
  • Der dicke Kupplungshaken sorgt dafür, dass die Kupplungen recht fest zusammensitzen – ohne das lästige Längs-Spiel wie bei Rocos Unikupplung oder gar bei Esus Interpretation. So aber kann es im Zusammenspiel mit einigen anderen Fabrikaten zu eng sein. Möglichkeit: Den RTS-Bügel auf den märklin-Kopf setzen, ohne dessen Vorentkupplungs-Funktion.

Artverwandtes:

Die RTS-Kupplung ohne Strom-Kontakt, richtig prima zum Modellbahn-Spielen.
Die märklin-KK mit dem Bügel des Anstoße(n)s. Nervig seit 1987.
Rocos Universalkupplung; offensichtlich ein Nachbau der märklin-KK.
Die Kupplung von Esu. Ohne Vorentkupplungsbügel, der sanftes Ankuppeln verhindert.

Fazit:

Die isses. 🙂 Ich glaube fest, dass mit dieser Kupplung, oder wenigstens dem RTS-Bügel auf dem märklin-Kopf, die berühmten „85% der Kunden“ perfekt zufrieden wären. Jetzt muss man sie nur noch kaufen können.

Vor allem filigrane Fahrzeuge gewinnen durch die RTS Kupplung.

Pikos Diesel-IC 52001 & 52201 mit Licht-Spielereien

…gilt vor allem auch für Pikos Züge 59230 & 59430.

Piko hat seine Neuauflage des roten Diesel-Triebzuges der BR 612 technisch verbessert: Die Glühlampen wurden gegen warmweiße LED getauscht, und die Schnittstelle wurde sozusagen ergänzt durch Lötflächen und steckbare Kontakte.

So wird es im Digitalbetrieb möglich, die Innen- und ZugZiel-Beleuchtung jeweils separat zu schalten, zum Beispiel über die Decoder-Kabel F1 und F2. Die entsprechenden Platinen für den IC-Zug oder ältere, rote Varianten gibt es im Piko-Shop als Ersatzteile, nicht eben günstig, aber man wertet seinen vorhandenen Zug deutlich auf.

Rechts zeigen die Kreise, wo die Kabel grün und braun (violett) anzulöten sind. Die gelben Rechtecke zeigen die Positionen der Jumper.

Auf den Fotos kann man eindeutig erkennen, was dafür zu tun ist:

  1. Mit den Jumpern quer zur Fahrtrichtung die jeweils äußeren Kontakte verbinden.
  2. An die Lötfläche ‚Pad-A‘ das braune Decoder-Kabel für die ZugZiel-Anzeige anlöten. (meistens ist dieses Kabel violett)
  3. Das grüne Decoder-Kabel für die Innen-Beleuchtung ist meistens direkt am Decoderstecker angelötet. Dort sorgsam abtrennen und wie gezeigt an die Lötfläche ‚Pad-B‘ anlöten.
  4. Im Zugteil ohne Schnittstelle braucht man nichts zu erledigen: Dessen Beleuchtung wird vom motorisierten Teil geschaltet.

Mit ein paar einprogrammierten Effekten (je nach Decodertyp) wirkt der schöne Zug gleich nochmal netter. 🙂

Material:

1x Leiterplatte Wagen A: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=13479&vw_name=detail

1x Leiterplatte Wagen B: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=18861&vw_name=detail

2x LED-Platine mit warmweißen und roten LED: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=13506&vw_name=detail

S-Bahn Rhein-Ruhr von Piko

Orange, wohin man blickt. 🙂

Pikos neu ausgelieferte S-Bahn Wagen nach Vorbildern der Bundesbahn der 80er Jahre gefallen auf den ersten Blick. Dass sie etwas handfester konstruiert wirken, als Rocos ältere Pendants, entspricht der Qualität, die man von Piko erwartet. Man findet viel Schönes aber auch ein paar Kritikpunkte. In Summe machen mir diese Fahrzeuge viel Spaß.

Derzeit sind folgende Fahrzeuge lieferbar:

2. Klasse 58500: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=27452&vw_name=detail

1./2. Klasse 58502: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=27458&vw_name=detail

Steuerwagen 58501: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=27453&vw_name=detail

Ausführung.

Eng, aber ohne Zwang – gut so. 🙂

Die Waggons sind maßstäblich lang konstruiert und dank ihrer kürzeren Vorbilder auch für märklin- und Fleischmann-Fahrer geeignet. Die Kulissen für Kurzkupplungen halten die Waggons wirklich nah beieinander, anders, als noch bei Pikos Schnellzugwagen, die zueinander etwas ängstlich auf Abstand bleiben.

Bei meinen x-Waggons hakelten die Kupplungsträger ein bisschen; ein paar Tropfen von Fallers Teflon-Schmierzeug, und seitdem laufen die Bewegungen geschmeidig.

Mit einem Lackmaler imitiert man die Griffstangen.

So aufwändig Pikos bei den x-Wagen viele Details auch darstellt, ausgerechnet die auffälligen Griffstangen an den seitlichen Wagen-Enden sind als ‚Balken‘ im Gehäuse angeformt. Dies konnte Roco besser, und das vor bereits 32 Jahren: Kleine Metallstifte im Gehäuse stellen diese Griffstangen sauber, wenngleich wenig vorbildgerecht dar. Bei Piko muss man sich mit einem kieselgrauen Lack-Strich behelfen (gut trocknen lassen!).

Separate Scheibenwischer und seitliche Griffstangen. Und Staub. 😉

Immerhin, der Steuerwagen besitzt neben den Führerstandstüren separat eingesteckte Griffstangen, vorbildentsprechend gekröpft. Dazu passen die separat eingesetzten Scheibenwischer und kleine extra-Griffe. Die Wirkung dieser Teile ist großartig.

Sogar im Bereich der Fahrgestelle findet man filigrane, extra angesetzte Details, die man allerdings nur sieht, wenn man nach ihnen sucht. Diese eigenartige Inkonsequenz, dass Piko die Detaillierung im Fahrgestell quasi übertreibt, sich zugleich aber am Gehäuse Details spart, kennt man schon von der 103:

Ihre Drehgestelle besitzen unfassbar viele separat eingesteckte Teile, aber ausgerechnet die auffälligen Scheibenwischer sind nicht nur Teil des Gehäuses, sondern auch noch geteilt; da jeweils zur Hälfte an Gehäuse und Fenster angeformt. Wenig nachvollziehbar.

Ich vermisse hier eine sachkundige Führung der Konstruktions-Prinzipien.

Piko hat tatsächlich das Abteil der 1. Klasse in der Form nachgebildet. Vorn sieht man die Bodenschwelle und die Abteil-Wände.

Die seitlichen Fensterbänder liegen etwas zu weit im Gehäuse, das erinnert leider an Rocos Modelle. Gerade die Fenster hätte man bei einer Neukonstruktionen von 2018 wirklich eleganter gestalten sollen.

Tatsächlich stimmt Pikos Werbe-Versprechen, diese Waggons seien „wackelfrei“. Dass dies für einige andere Waggons von Piko nicht gilt, sei hier nur der Vollständigkeit halber angemerkt. Fairplay.

Piko hat wie üblich ein Produkt-Video veröffentlicht:

Farb-Differenzen.

Der Führerstand des Steuerwagens zeigt ein äußerst passgenau eingesetztes Front-Fenster, dessen Rahmen aber statt silbern leider schwarz bedruckt wurde und so völlig anders wirkt, als das Vorbild.

Trauerflor…?

Leider kommen unnötige Farb-Fehler in Pikos Expert-Reihe immer wieder vor. So wurde auch der Wagenboden des Steuerwagens in leicht von den anderen Waggons abweichendem Braun-Ton eingefärbt, auch seine seitlichen Rahmenwangen lackierte Piko in genau demselben abweichenen Farbton.

Unten der Steuerwagen – braun ist nicht braun.

Und auch das Orange meiner Lokomotive BR 111 weicht in der Farbtemperatur leicht von den drei Waggons ab.

Zwar kann man alles weg-erklären mit „Abweichungen gab es beim Vorbild auch“, aber hier geht es nicht um rhetorische Klimmzüge, sondern um schwankende Produkt-Qualität. Dabei wäre es ganz wunderbar, könnte man sich bei Piko auf einheitliche und richtige Farben verlassen.

Decoder für Lichtwechsel. Und so.

LED Technik hat ihre Vorteile.

Besonders viel Mühe gab sich Piko mit den umfangreichen Möglichkeiten der Beleuchtung: Stirn- und Schlussbeleuchtung, Zugzielschild, Führerstand und beide Aborte sind mit LED bestückt und separat einschaltbar, sofern man einen Funktions-Decoder einsetzt.

Auch eine nachträglich eingebaute Innenbeleuchtung kann über den Decoder geschaltet werden. Die Mittelwaggons benötigen hier einen kompletten Satz Innenbeleuchtungen inklusive Radschleifern – wohlgemerkt! Piko hat dazugelernt und die primitiven Achsschleifer endlich gegen sinnvolle Radkontakte ersetzt, die eine Achtpunkt-Stromaufnahme ermöglichen. So hätte es von Anfang an sein sollen, sogar bei Trix gibt es solche Dinge seit vielen Jahren.

Innenbeleuchtung Mittelwaggons Piko 56291:
https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=28051&vw_name=detail

Innenbeleuchtung Steuerwagen Piko 56292:
https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=28052&vw_name=detail

Zum Anschluss des Lichtwechsel-Decoders setzt Piko nicht auf bewährte Schnittstellen wie mtc21 oder Plux22, sondern auf eine eigen(sinnig)e Lösung: Unter der Platine finden sich zwei Buchsen aus dem Elektronik-Bereich, in denen eine Blind-Platine mit viel Kabelage den Analog-Betrieb ermöglicht. Der von Piko angebotene Funktionsdecoder trägt zwei passende Stecker mit sinnfällig angeschlossenem Kabel-Verhau. Er ist derzeit der Einzige seiner Art, der mit diesen Steckern angeboten wird.

Für Modellbahner und Händler ist dieser Schnittstellen-Egoismus äußerst lästig, denn Piko versucht, den freien Einsatz von Funktionsdecodern zu torpedieren. Das klingt nach 1965, nicht nach 2019. Piko sollte Bewährtes übernehmen und sich in das Vorhandene einreihen. Abgesehen davon sind die vielen einzelnen Kabel und die kleinen Steckerchen schon sehr fummelig.

Decoder nach freier Wahl – das geht auch hier. 🙂

Freidenker finden sogar zwei einfache Möglichkeiten, einen Funktions-Decoder nach Wahl in den Steuerwagen einzubauen. Ein Lötkolben, eine Pinzette und etwas Geduld sind dazu notwendig. Ich habe einen FX Decoder von Esu (ohne Kabel) verwendet.

Die nun folgenden Tipps erfolgen ausdrücklich ohne Gewähr!

Esu Funktions-Decoder:
pilot-fx-v40/ h

Möglichkeit 1, Decoder bleibt steckbar: Man zupft die beiden Stecker der Blind-Platine aus den Buchsen. Dann werden die Kabel nacheinander, Funktion für Funktion, von der Blind-Platine ab- und jeweils sofort an die passende Stelle des neuen Funktionsdecoders angelötet. Tipp: Sorgfältiges Vorgehen erhöht die Erfolgs-Chancen. 🙂 Diese Arbeit ist etwas fummelig, aber es bleibt der Vorteil, dass der Decoder nur gesteckt ist und sich so einfach austauschen lässt.

Auf diese Weise kann man auch sehr günstige Decoder wie den Tams FD-R verwenden: https://tams-online.de/Funktionsdecoder-FD-R-Basic-2

Belegung der beiden Buchsen im x-Steuerwagen. Von OBEN betrachtet!
Sauber löten können Andere ganz prima. 🙂 (funktioniert übrigens)
Der Decoder verschwindet…
…zwischen den beiden Wänden.

Möglichkeit 2, Decoder wird fest eingelötet: Auf der Platine finden sich kleine Löt-Pads mit eindeutigen klaren Angaben, welches Decoder-Kabel dort angeschlossen werden soll. Natürlich muss auch hier die Blind-Platine mit ihren Steckern aus den zwei Buchsen gezogen und aus dem Steuerwagen entfernt werden. Anstelle dort lötet man die Decoder-Kabel direkt an der Hauptplatine an. Gemäß den genormten Kabelfarben habe ich Zeiger angebracht. Für blau gibt es mehrere Anschlussmöglichkeiten.

Wer nun zum Beispiel einen Esu-FX Decoder fest installieren möchte, kauft einen solchen mit Kabelbaum, schneidet dessen Stecker ab (oder lötet die Kabel vom Stecker) und lötet die Kabel direkt auf die Platine. Hält man sich an die genormten Kabelfarben, gelingt die Installation sehr schnell und erfolgreich.

Ärgerliche Achsen.

Ein unschönes Kapitel sind bei einigen meiner Waggons von Piko die Achsspitzen, die sich in die Drehgestelle eingefräst haben. Alle meiner „Schnellzugwagen“ von Piko habe ich nachbessern müssen mit Messingbuchsen von Peho. Diese werden in die Drehgestelle eingebracht, sodass die Achsspitzen darin drehen und nicht mehr im Kunststoff. So entsteht langfristige Sicherheit.

Peho Lagerbuchsen aus Messing & Werkzeug: http://peho-kkk.de/mshop/index.php/spur-h0.html

Außerdem musste ich bei den Schnellzugwagen die Achsen ersetzen gegen solche von Thomschke, weil Pikos rauhe Radflächen sich überaus willig mit Schmutz zusetzten. Und das stört. https://www.modellbahn-radsatz.de/h0/radsaetze-h0-gleichstrom/piko/index.php

Auf der Achsspitze erkenbar Kunststoffreste aus dem Drehgestell-Rahmen.

Auch meine neuen x-Wagen zeigten leichte Fräs-Spuren in den Drehgestellen. Und das, obwohl Pikos Räder neuerdings endlich glatte Oberflächen besitzen. Ob hier tatsächlich ‚Gefahr‘ für die Waggons besteht oder dies für die ersten Stunden normal ist, werde ich noch herausfinden. Im Zweifel ordere ich einfach weitere Peho-Buchsen, schön genug sind die Waggons schließlich.

…wird fortgesetzt.

KKK für einen alten H0 Roco-Containerwagen

Zwei Produkte der 70er Jahre bereiten auch heute noch Freude.

Auf einem Flohmarkt kaufte ich einen alten aber ungebrauchten Containerwagen von Roco. Für zwölf Euro nimmt man den gerne mit, zumal man von diesem Waggon-Typ nie genug haben kann. 🙂

Und tatsächlich rollt er einwandfrei auf aktuellen RocoLine- und Trix-C-Gleisen, nur Kulissen für Kurzkupplung besitzt er nicht. Seine Kupplungen sind in Drehpunkten gelagert. Aber bereits in den 70er Jahren bot Roco Nachrüstsets mit Kulissen und eigenen Kurzkupplungen an. Für diesen Container-Waggon ist das Set 4591 das passende. Diese Teile findet man oft über Ebay.

Wer sich für ältere Roco-Modelle interessiert, sollte sich Kataloge aus den 70er oder frühen 80er Jahren besorgen. Diese listen alle Teilenummern auf.

Der Nachrüstbeutel.
Hier bitte versäubern.

Für ein paar Euro landete das Beutelchen in meinem Briefkasten, natürlich ohne Anleitung. Den Umbau beschreibe ich nachfolgend. Ein paar Unsauberkeiten entfernt man vorab mit einem schmalen Bastelmesser. Die Puffer braucht man eigentlich nur im Fall des Ab-Fallens.

So sieht der Waggon ab Werk von unten aus.

Man erkennt sofort die Kupplung mit Drehpunkt. Die rechteckige Abdeckung muss beidseitig vorsichtig herausgeklippst werden. Kupplungsträger und Deckel legt man zur Seite.

Die neue Feder.

Die speziell geformten Federn legt man so in den Wagenboden, dass ihre beiden Ösen die zwei Stäbchen umfassen.

Schmiermittel sorgt für langfristig sichere Funktion.
Der Kupplungsträger ist eingesetzt.

Nun wird der neue Kupplungsträger eingesetzt. Dazu schiebt man ihn aus Richtung Wagenmitte gegen die überkreuzten Federbeine. Nicht von außen, dann funktioniert die Federung nicht. Der vordere Pin gehört in die schwalbenförmige Aussparung, die beiden Pins der Enden in die rückwärtigen Mulden.

Deckel drauf, fertig. 🙂

Abschließend setzt man die Deckplatte wieder richtig herum ein. Mit einer Kurzkupplung nach eigener Wahl kann man diesen 40 Jahre alten Waggon nun in aktuelle Garnituren einreihen. Schön, dass Roco damals so weit voraus gedacht hat.

Zwei Generationen, 70er und Nuller-Jahre.
…davon braucht man Viele. (Viele!)


Roco Donnerbüchsen mit LED-Beleuchtung

Roco Donnerbüchse gleichmäßig mit LED beleuchtet.

Rocos „Donnerbüchsen“ gibt es zwar schon seit den 70er Jahren. Man gab sich damals aber so viel Mühe mit der optischen Gestaltung, dass diese Modelle auch heute noch neben aktuellen Konstruktionen bestehen können. Zudem gibt es vier verschiedene Fahrzeug-Typen, was die Züge schön abwechslungsreich aussehen lässt.

Um diese Fahrzeuge innen zu beleuchten, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man verwendet Rocos Set mit altmodischen Glühlampen, das außerdem zwei neue Achsen erfordert. Oder man sucht sich das passende Zubehör zusammen, was mir persönlich im Ergebnis besser gefällt: Eine günstige LED-Lichtleiste (pufferbar) und Radschleifer von Esu. Dazu ein Elko. Da Rocos Modellgenerationen dieser Waggons stark artverwandt sind, dürfte diese Anleitung für alle seit Erstauslieferung verfügbaren Waggons passen. Falls nicht, bitte ich um Hinweise. 🙂

Einbau

Zuerst wird das Waggon auseinandergenommen. Das Dach fasst man an den Enden an und zieht es sanft drehend nach oben. Dann nimmt man den Wagenkasten ab, die Klippse finden sich innen unten. Der Kunststoff älterer Waggons ist manchmal etwas spröde, hier sollte man die Klippse sanft mit einem Schraubendreher entriegeln.

Der Elko wird mit Doppelklebeband in das Abort-Abteil geklebt und seine Anschlüsse gekürzt. Für den elektrischen Anschluss braucht man insgesamt sechs Litzen. Um entspannt arbeiten zu können, sollte die Länge viermal 14cm (f+r die Radkontakte) und zweimal 7cm (für den Anschluss des Elkos) betragen.

Oben kommen die Litzen herein, unten der Flackerschutz.

Die langen Litzen lötet man bereits jetzt an die Radschleifer, noch bevor diese befestigt werden. Die kurzen Litzen lötet man an den Elko.

Während die Lötstellen abkühlen, entfernt man oben aus dem Gehäuse alle Querverbindungen, weil diese dem Licht im Weg sein können. Das Gehäuse bleibt auch ohne diese Streben stabil.

Nun fädelt man die Kabel der Radkontakte seitenweise von außen nach innen durch den Wagenboden und gibt Kleckse des Sekundenklebers auf die Querstreben der Bremsklötze. Die Radkontakte richtet man darauf so aus, dass sie mittig sitzen. Hier sollte man sich von einer Achse zur Anderen vorarbeiten. Nicht gleich beide mit Kleber versehen. Das mittige Ausrichten dauert schon ein paar Sekunden.

Die Radschleifer von Esu klebt man auf die Querstange.

Wenn alles festsitzt, zieht man die Litzen weiter durch den Wagenboden. Zwei Streifen Tesafilm halten sie geordnet. Die Litzen einer Waggonseite (zum Beispiel beide Kabel aus in Fahrtrichtung links) sollte man ganz am Ende der Litze mit einem kleinen Knoten markieren. Im Elko-freien Abort wird mit der heißen Lötspitze ein Loch in den Boden gestochen. Dort hindurch fädelt man die vier Litzen nach oben und setzt oder klebt die Einrichtung auf den Wagenboden. Nun das Gehäuse wieder aufklippsen.

Die Lichtleiste befestigt man mit dickem Doppel-Klebeband im Dach, schön mittig. Etwaige Anguss-Reste mit einer kräftigen Zange umfassen und drehend entfernen. Wer mag, kann den Poti zuvor gegen einen festen Widerstand austauschen, z.B. 2kOhm.

Alles gleichmäßig beleuchtet.

Die Litzen werden nun so weit gekürzt, dass das Dach später noch abgenommen werden kann, zusammengebaut die Kabel aber unsichtbar bleiben. Die langen Litzen gehören natürlich an das äußerste Ende der Lichtleiste, die kurzen Litzen vom Elko sollte man direkt an den hinteren Kontakten des Gleichrichters anlöten, dabei unbedingt die Polarität beachten. Die Kabel nun vorsichtig etwas zur Seite streichen und das Dach aufklippsen.

‚Goldweiße‘ LED passen gut zur älteren Waggon-Art.

Fertig ist der Umbau, und ein älterer Waggon ist modern illuminiert.

Material