Pikos neues H0-Bettungsgleis (A-Gleis). (…wird fortwährend ergänzt)

Hinweis an die Kollegen der Print-Medien: Abschreiben ist unfair. Bei Interesse einfach nett anfragen. Fairplay nennt man sowas, auch in 2019.

Für mich war es DIE Messe-Überraschung 2019: Piko spendiert seinem etablierten A-Gleis ein Schotterbett. Seit Ende März befinden sich die ersten Bettungsgleise in Auslieferung.

Alle großen Hersteller haben Modellbahn-Gleise mit Schotterbett im Sortiment. Nun hat Piko nachgezogen, und dieser Text wird sich ausführlich mit diesem System beschäftigen, auch, was zukünftige Neuheiten betrifft. Das ist ja das Praktische an der Online-Schreiberei. 🙂

Derzeit lieferbar sind notwendige Standard-Gleise, Gerade, Gebogene und normale Weichen sowie Bogenweichen. Pikos Website wird dem Programm folgend aktuell gehalten:

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=301&vw_id=348&vw_name=detail

Startsets von Piko mit dem Bettungsgleis findet man hier:

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=301&vw_id=358&vw_name=detail

Ein erstes Video zum Bettungsgleis kann man hier anschauen:

Als eine preiswerte und dennoch attraktive Alternative zu teuren Gleissystemen startete Piko sein Schwellenband-‚A-Gleis’ in den Nullerjahren. Weichen für zehn Euro und gerade Gleise für rund €1,10 waren eine klare (Kampf-) Ansage. Längst hat sich das A-Gleis eine stabile Fan-Basis erarbeitet.

Offensichtlich hatte man bei Piko die vorhandenen Gleissysteme analysiert und die jeweils überzeugenden Merkmale übernommen. So macht man das. Von märklin kennt man die praktische lang-kurz-Geometrie, von Roco die Weichen-Charakteristika und von Peco (leider) die Blechzungen der Weichen (die zum Glück derzeit gegen stabile Teile aus Profilen ersetzt werden). Die besonders schmalen Schienenprofile sind zwar 2,5mm hoch, damit auch uralte Modelle hubbelfrei darauf rollen können, sie wirken dennoch recht filigran, zumal wenn seitlich rostbraun eingefärbt.

Vor allem die Geometrie macht Spaß, sie ist so nett übersichtlich. Bei RocoLine gehen einem die vielen, vielen Ausgleisgleisen auf den Keks. Allein, es fehlt bei Piko das eine (!) wichtige Mini-Gleis, das die beiden Standard-Geraden ausgleicht. Auch für kompakte Weichenstraßen ist dieses 8mm Gleis wichtig.

Was dem A-Sortiment außerdem fehlt(e), ist noch immer ein Entkupplungsgleis – und eben bislang eine Bettung. Die Firma Merkur bietet zwar für das A-Gleis verschiedene Bettungs-Teile mit dem typischem braunen Korkschotter an, man kennt diese Produkte unter dem bekannten Namen ‚Styroplast‘. Leider aber ist das Sortiment nicht komplett. Und für‘s Teppichbahning ist Styroplast nicht geeignet, sondern für distinguierte Anlagenprojekte.

https://www.merkur-styroplast.de/Gleisbett-Zubehoer/PIKO-A:::46_88.html?MODsid=ddb99248789199dff522b2ef88a76f8c

Nun hat Piko eine eigene Bettung entwickelt, ein bisschen fühlt man sich an Kato-Gleise erinnert. Sie ist wieder einmal grau gefärbt und zum Glück nicht zu fein strukturiert, so wirkt sie auf den ersten Blick vertraut und sympathisch. Die Bettungsteile bestehen aus unerwartet stabilem, leicht flexiblem Kunststoff. Piko war so klug, im Böschungskörper durchgehende Streben anzuformen, die dem Schienenverlauf folgen. (Man fragt sich, warum Roco in der speziellen Situation 2005 das nicht schon so umgesetzt hat…) Und klar ist natürlich, dass man es hier mit einem direkten Konkurrenz-Produkt zu RocoLine mit Bettung zu tun hat.

Das Zusammenstecken ist ein bisschen fummelig, weil Piko darauf verzichtet, die Schienenfüße unten anzuschrägen. Durch die weit herausragenden Laschen der Schienenverbinder kann man sich schnell mal unfein pieksen, diese Dinger gehören umgebogen. (Wenn man schon abguckt, dann bitte richtig.) Die Böschungs-Enden haben zueinander keine nennenswerten Abstände, es entsteht ein homogenes Bild.

Ich stelle fest, dass auf der „Platte“ nicht alle Gleise wirklich eben aufliegen. Man kann sie aber leicht aufdrücken, da ist kein Widerstand. Woraus das resultiert, das ist mir noch nicht klar. Beim Ankleben während des Anlagenbaus ist das ohnehin kein Thema mehr. Für den hauseigenen Prellbock hat man eigens ein Viertelgleis mit spezieller Bettung konstruiert; ein schönerer, komplett neuer Prellbock wäre vielleicht willkommener gewesen.

Das Schwellenband ist mit zwei bis vier Schrauben auf der Bettung befestigt und ragt ein bisschen über den Schotter hinaus. Das gefällt mir recht gut: So lassen sich die neuen A-Gleise bei Bedarf auch nachträglich noch einschottern. Investitionen und bei klugem Aufbau auch die Lärmdämmung bleiben erhalten.

Denn einer der wichtigsten Vorteile der Bettungen aus flexiblem Material ist das Dämpfen der Fahrgeräusche. Wer das für unwichtig hält, sollte es selbst ausprobieren und vergleichen. Sinnig auf Matten aus Zellkautschuk verlegt, bleibt vom Rollgeräusch kaum etwas übrig, wobei man fairerweise sagen muss, dass das RocoLine-Gleis bis heute unübertroffen ist. Dessen weiche Böschung erstickt fast sämtliche Eigenschwingung. Auf dem A-Bettungsgleis entsteht eine Art Rauschen im mittleren Frequenzbereich, das zwar vernehmlich ist, mich zumindest aber nicht stört. Die Gleise von Fleischmann und Märklin-C und Trix-C vibrieren wegen ihres harten Materials recht vernehmlich, und sie reflektieren den Schall. Sensible Gemüter aber sind für weniger Krach beim Fahren dankbar.

Die Schrauben in den Schwellen mögen bei Vorbild-Fanatikern Stirnrunzeln verursachen, aber für diese Zielgruppe ist Pikos Gleis ohnehin nicht gemacht. Dabei bietet das A-Bettungsgleis so einen unerwarteten Vorteil gegenüber den Mitbewerbern: Die Böschung lässt sich unabhängig vom Schwellenband einfärben, sogar noch nachträglich. Denn man kann ja einfach die verlegten Gleise abschrauben, die Bettungen lackieren und dann die Gleise wieder anschrauben. Für kreative Modellbahner ist das ideal. Beim direkten Konkurrenten RocoLine ist das Nacharbeiten im Fall vieler Weichen nur sehr umständlich möglich, weil diese fest mit Platinen im Sockel verlötet sind. Und wen die Schrauben beim festen Aufbau einer Anlage stören, kann die Gleise mit dauerlastischem Kleber verkleben und die Löcher mit Mini-Portionen Revell-Kitt füllen und braun betupfen – fertig.

Bei Geraden, die an die Weichen angesteckt werden, müssen die Bettungen schräg abgeschnitten werden, das kennt man von RocoLine mit Bettung. Im Fall des A-Gleises ist der abzutrennende Bereich aber übersichtlicher, weil die Bettung kompakter gehalten ist. Mit einem Lineal aus Stahl und einem scharfen Cuttermesser ist das schnell und sauber erledigt. Diffizil wird diese Sache bei den Bogenweichen. Unter allen Gleisen finden sich Hilfslinien zum Schneiden, auch das kennt man von einigen RocoLine Gleisen.

Rocos gefühlt überbreite Bettung war meiner Erfahrung nach einer der Gründe, warum viele Einsteiger lieber zu Fleischmann-Profi gegriffen haben: Das Gefühl, etwas „kaputtmachen“ zu müssen, nur, um die Bahn aufzubauen, ist gerade Einsteigern eher unangenehm. Pikos schmalere Bettung ist auf den ersten Blick sympathischer. Wenn Piko klug ist und einen weiteren Kauf-Vorteil gegenüber Roco darstellen möchte, wird man die Bettungen auch separat anbieten. Eventuell als Ersatzteile, wie man von Piko auch jetzt schon die hauseigenen Pantographen oder feinere Radsätze beziehen kann.

Interessant ist das Bettungs-Zubehör. Wo andere Hersteller die Strom-Anschlüsse oder Weichen-Antriebe unter der Böschung verbergen, setzt Piko diese Dinge sogar ausdrücklich in Szene: Kleine Sockel mit Mauerstruktur stützen die bekannten, seitlichen Antriebe und die Anschlusskästen. Das wird diejenigen freuen, die auch nach dem Anlagenbau noch von oben an diese Dinge herankommen möchten. So bezieht man die Modellbahn-Technik eben in die Gestaltung mit ein; Andere tun das, indem sie unübersehbare Mittelpunkt-Kontakte abfeiern. Jedem das Seine. Und längst nicht jeder krabbelt gern unter dem Holz herum…

Zubehör anderer Hersteller lässt sich mit dem neuen Bettungsgleis kombinieren: Viessmanns Oberleitungsmasten lassen sich ganz einfach unter der Böschung platzieren, dazu muss man nur mit einer Zange die Lasche vor dem Mast plattbiegen. Ebenso sind märklins Hobby-Signale einsetzbar, den passenden Signal-Decoder gibt es für elf Euro bei diesem Anbieter. Wer preiswerte Fahrleitungsmasten bevorzugt, kann die bekannten Hobbex-Masten einfach auf zurechtgeschnittene Plastikplättchen kleben und diese unter der Böschung einklemmen. Passt.

Gibt es Kritik? Ein bisschen. Das A-Gleis hat sich vor allem durch seinen attraktiven Preis verbreitet. Für die neuen Bettungsgleise verlangt Piko deutlich mehr, obwohl die Bettungen nur einteilig ausgeführt sind. Allein bei den Weichen geht man behutsamer vor. Möglicherweise hat man sich an marktüblichen Preisen orientiert, die eigenen Fans aber sind eine mildere Denke gewohnt.

Offenbar nicht eingeplant hat Piko einen Weichen-Antrieb, der sich ‚unsichtbar’ in der Bettung verstecken lässt, wie das bei Roco und Märklin/Trix möglich ist. Dieser müsste sehr flach sein, vielleicht eine prima Baustelle für Viessmann-Modell. Und für die Seite der Weiche wäre es schön, die glatte Kante mit einem schmalen Streifen Bettungs-Plastik angleichen zu können.

Die Sockel für Weichenantriebe bietet Piko im unpraktischen Sechserpack an, dessen Listenpreis beträgt rund €14. Nicht gerade einladend für – technisch gesehen – überflüssige Dekorationsartikel, zumal, wenn man den Modellbahn-Nachwuchs mit (immer zuwenig) Taschengeld im Blick hat, der sich kaum fünf überschüssige Teile hinlegen möchte. Und Rocos digitaler Bettungs-Weichenantrieb kostet nur rund 20 Euro – ohne Sockel oder Ähnliches zu benötigen. Und das bei einem allgemein anerkannten Gleis-System.

Die Farbgebung ist typisch für die Branche: Früher wählte man Wohlfühl-Farben, heute etwas Neutrales. 🤷🏻‍♂️ Zum Glück kann man sich Pikos Bettung besonders einfach umlackieren.

…und dann ist da noch diese Sache mit dem Schienenprofil, aber das ist eine andere Geschichte, und die soll ein anderes Mal erzählt werden. (…frei nach Michael Ende.)

Fazit: Mir gefällt Pikos A-Gleis mit Bettung (B-Gleis?) recht gut. Endlich gibt es eine Alternative für diejenigen, die mit RocoLine nichts anfangen wollen, und denen Fleischmanns ProfiGleis etwas zu pausbackig ist. Weder folgt Piko Rocos und märklins Bestreben, technisch das Aufwändigste umzusetzen, noch verbleibt man beim ehemaligen „Hobby“-Niveau. Man beschreitet einen Mittelweg, den man eigentlich schon verloren glaubte. Piko gibt sich alle Mühe, das eigene Sortiment auf immer solidere Säulen zu stellen, das ist sehr erfreulich. Auch, wenn einige Dateils noch verbessert werden dürfen. Folgen sollten zeitnah das angesprochene 8mm-MiniGleis und ein Entkupplungsgleis. (wird fortgesetzt)

Autor: info@mobaz.de

...jetzt bloggt er auch noch! 😁 Die kleinen Züge sind für mich das Größte überhaupt, und ich spiele mit der Modelleisenbahn, soweit ich mich zurückerinnern kann. Von Spielzeug-Zügen bis zu filigranen Großserien-Modellen war und ist alles dabei. Ich nehme mir also eine Menge Zeit für Modell(eisen)bahnen. Die Erfahrungen daraus gebe ich nun an dieser Stelle gerne weiter. 🙂 Ich möchte meine Leser dazu inspirieren, ihr Modelleisenbahn-Hobby mit mehr Freude und mehr Gelassenheit zu erleben und dabei eigene Ideen und eine eigene Sichtweise zu entwickeln. Auf den Austausch mit freundlichen Artgenossen, gleich welchen Alters, freue ich mich sehr. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann das gerne per Email tun. Sprachnachrichten auf Cassette oder MiniDisc akzeptiere ich ebenfalls. ;-) Übrigens, Cookies interessieren mich nur, wenn man sie essen kann. 🙂