Piko Pimping: Vectron 59970 Railpool mit Zugziel-Anzeige & Fernlicht.

Pikos H0-Vectron bringt alle Voraussetzungen für interessante Licht-Spielereien mit. Aber wie so oft hat sich Piko auch beim Vectron das Bestücken mit den zusätzlichen LED gespart. Schon 1995 besaß märklins ’12x‘ schaltbare Fernscheinwerfer, das nur mal als Vergleich.

Es ist schon eigenartig, dass Piko zwar Lokomotiven der Epochen 3 & 4 mit LED für Maschinenraum-Beleuchtungen ausstattet, gerade aber moderne Fahrzeuge, die besonders viele Licht-Funktionen besitzen, spartanisch bestückt ausliefert. Bis heute. Obwohl gerade deren Zielgruppe, zumeist eher jüngere Modellbahner, dank ihrer Prägung auf Digitaltechnik für deren Möglichkeiten offener sind.

In den Loks ist zudem (fast) alles Erforderliche vorhanden: Lötpads für die LED & Widerstände und die jeweiligen Lichtleiter. Es sind wirklich nur Cent-Artikel, die Piko einspart. Logik? Da bin ich gespannt.

Was geht bei Pikos Vectron:

Im Fall aller mir bekannten Vectron-E-Loks von Piko in H0 sind Fernscheinwerfer realisierbar. Speziell die Railpool-Variante erhält außerdem funktionsfähige ZugzielAnzeigen.

Demontage

Um das Gehäuse abzunehmen, dreht man die vier kleinen Schrauben heraus, die im Rahmen neben den Drehgestellen sitzen.

Zugziel-Anzeige (Schrift)

Vorsichtig entfernt man nun die dicken, dunkelgrauen Lichtleiter-Gehäuse aus dem Lok-Inneren. Auf deren Lichtleiter klebt man die von Andreas Nothaft extra angefertigten Schiebebilder; eine ausführliche Anleitung liegt denen bei. https://www.modellbahndecals.de/ Nach dem Trocknen steckt man die Lichtleiter wieder ins Gehäuse.

Heeerlich, hömma! 🙂

Aus Spaß und etwas Lokal-Patriotismus habe ich diesen Vectron als Ersatz-Lokomotive einer typischen Regionalbahn-Route des Ruhrgebiets vorgesehen ‚S6 Essen‘. Ob das beim Vorbild überhaupt technisch möglich war, ist mir schnuppe: Bei meiner Bahn ist das möglich. 🙂

In den Fronten Pikos Railpool Vectrons befinden sich klarsichtige Kunststoff-Körper, die die von außen sichtbaren Display-Körper nachbilden. Sie klemmen zwischen Gehäuse und äußeren Verkleidungen. Und leider sind sie ab Werk rückseitig grau lackiert: Als ob mich ein Farb-Auftrag vom ‚Pimpen‘ abhalten würde. 😉

Um diese lästige Farbschicht zu entfernen, sollte man die Glaskörper jeweils einzeln in Händen halten können. Dazu hebelt man mit allergrößter Vorsicht aus den Lok-Fronten die separaten, silbernen Gehäuse-Einsätze heraus. Dabei sehr behutsam vorgehen.

Mit Wattestäbchen und reinem (!) Alkohol habe ich das auflackierte Grau entfernt. Von anderen Chemikalien rate ich ab, weil diese das klarsichtige Plastik angreifen und stumpf werden lassen können. Die nun glasklaren Einsätze legt man zurück in die Fronten und klemmt sie sie mit den Kunststoffplatten fest.

Zugziel-Anzeige & Fernlicht (LED)

Man braucht insgesamt nur vier zusätzliche LED: Pro Führerstandsseite jeweils eine in warmweiß und eine in orange. Typ 0603, dazu jeweils einen Widerstand mit 10 kOhm in der Bauform 1206. Wo das alles angebracht wird erkennt man auf den Fotos, oben rot, mittig weiß für das Fernlicht.

…und es ward Licht.
Die orangefarbenen Kabel versorgen Fernlicht & ZZA. Links auf der Platine schief aufgelötete, neue Widerstände.

Zunächst lötet man die Widerstände auf die Rückseite der Lichtplatinen, kurze Litzen verbinden sie mit den Kontakten der Hauptplatine. Hier kann man nach eigener Auffassung frei wählen, Pikos Platinen sind ja netterweise klar beschriftet.

Anschluss unter Führerstand 2.
Anschluss unter Führerstand 1.

Auf den Fotos sieht man einen ersten Versuch: Die Tasten F1 und F2 schalten die Beleuchtung führerstandsseitig komplett aus (im Decoder von mir so programmiert), die Taste F4 schaltet die Zugziel-Anzeige simultan beidseitig, und die Tasten F6 und F7 jeweils die Fernlichter. Ich finde, das muss irgendwie noch eleganter gehen, dazu später mal mehr.

Bitte recht freundlich. 🙂 In echt ist das natürlich nicht so über-hell.
Apropos hell. 😀

Räder

Schicke Schlappen für Pikos Vectron. 🙂

Die urspünglichen Scheibenräder sehen natürlich furchtbar aus, deswegen wurden sie direkt gegen die recht günstigen neuen Räder mit Bremsscheiben ausgetauscht. Die Mitten der Radscheiben habe ich beim ‚Wiener‘ Vectron farblich passend zu den Drehgestellblenden quarzgrau lackiert, beim Railpool wird das noch folgen.

Innen sind die Radflächen farblich angepasst: Quarzgrau.

Radsätze: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=24409&vw_name=detail

Farbe: https://shop.elita.de/epages/ElitaModelleShop.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/ElitaModelleShop/Products/57039

Die Pantos werden in naher Zukunft ebenfalls den feineren Varianten weichen.

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=24406&vw_name=detail

Fazit:

Diese Arbeiten sind recht schnell erledigt, und die Lok ist einem danach persönlich umso wertvoller. Aber natürlich hätte das Piko auch ab Werk so liefern können.

…und wer etwas lernen möchte: www.ruhrgebietssprache.de 🙂

Piko Pimping: Schnellzug-Wagen der Bundesbahn

Pikos D-Zug Wagen können mit etwas Nach-Arbeit sehr wohl gefallen.

Als ich vor einigen Jahren einen D-Zug der 70er Jahre haben wollte, kam das einzige komplette Angebot in maßstäblicher H0-Länge von Piko. Denn Roco fand mal wieder Ost-Europa wichtiger, und LSmodels war allerorten ausverkauft.

Also griff ich zu Piko und war einigermaßen überrascht ob des Gebotenen. Anderen Modellbahnern ging es damals möglicherweise ähnlich, denn der niedrigste Online-Preis für diese Waggons lag zu der Zeit bei €18. Achtzehn.

Inzwischen ist natürlich bekannt, was einen erwartet: Schnörkellose, nett gemachte Nachbildungen der Vorbilder mit angegossenen Griffstangen und einteiligen Einrichtungen. Das Alles ist per se nichts Schlechtes, denn die Fahrzeuge machen ja einen guten ersten Eindruck. Wenn es doch nur so bliebe.

Nach kurzer Zeit des Fahres hatten sich viele Achsspitzen dieser Waggons in den Kunststoff der Drehgestelle hineingebohrt. Außerdem blieb die metallische Farbe der Fensterrahmen auf Dauer nicht grifffest. Piko tauschte mir die betroffenen Gehäuse netterweise aus; später wiederholte sich das Phänomen.

Drehgestelle & Radsätze

Das Wichtigste war und ist für mich sicherer Fahrbetrieb. Dazu setzte ich in sämtliche Drehgestelle dieser Waggons die Metall-Lager von Peter Horn ein. Diese und das passende Werkzeug gibt es hier: http://peho-kkk.de/mshop/index.php/spur-h0.html

An Pikos Popwagen deutlich zu sehen: Die Rad-Zentren sind nicht mehr auf Höhe der Achslager. Diagnose: Eingefressen. Nach drei Tagen.
An diesem Popwagen von Piko ist noch alles in Ordnung. Bis auf den fehlenden kieselgrauen Zierstreifen über den Fenstern…

Der Einbau erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl. Es gibt zwei Bohrer, mit dem Großen senkt man die vorhandenen Vertiefungen weiter ab, bis die Lagerschalen komplett hineinpassen. Sekundenkleber fixiert die Metall-Lager im Kunststoff. Gut anziehen lassen, erst dann die neuen Achsen einsetzen.

Man muss beim Bohren schon sehr vorsichtig und sanft vorgehen, denn denn der Kunststoff der Drehgestelle ist recht weich und kann bei grobem Bohren mitdrehen und brechen. Aber ich habe das ja auch hingekriegt. 🙂 Am Besten mit kaum merklichem Druck und sehr langsam drehend vorarbeiten. Bedacht ist angesagt.

So bohrt man vorsichtig die Vertiefungen für die Peho-Achsslager.

Mit dem dünneren Bohrer kann man die Lagerschalen innen nachträglich etwas vertiefen, wenn die Achsen etwas zu stramm sitzen. Bei meinen Waggons war das aber nur selten nötig; immerhin gut, dass man es kann. In jedes Lager gehört ein Tröpchen Öl, damit’s später nicht quietscht.

Und so sieht das Ergebnis aus.

Und weil Pikos Räder dank extrem rauer Laufflächen jede Form von Schmutz nicht nur aufnahmen sondern auch ungleichmäßig verteilten, orderte ich zusätzlich zu den Lagern von Peter Horn passende Achsen von Thomschke: https://www.modellbahn-radsatz.de/h0/radsaetze-h0-gleichstrom/piko/piko-lkdm-114mm—achse-244mm.php

Achsen von Thomschke, seitlich zum Drehgestellrahmen passend schwarz eingefärbt. Die Radreifen belasse ich metallisch, sieht schicker aus.

Im Ergebnis rollen die Waggons dank der Metall-Lager und neuen Achsen sogar merklich leiser.

Aber: 32 Achsen plus 64 Lager. Aufwand & Aufpreis sind wahrlich beträchtlich dafür, nur die eigentliche Funktion der Modelle auch langfristig zu sichern. Andere Hersteller bieten mehr Komfort: Sie verwenden hochwertigere Materialen, und man kann ihre Fahrzeuge aus dem Karton heraus jahrelang einsetzen. Auch preislich bietet Piko inzwischen keinen auffallenden Vorteil mehr.

Inneneinrichtung Abteilwagen

Die Kaugummi-Farben der Inneneinrichtungen in HubbaBubba-rosa und Gift-grün sind völlig inakzeptabel. Punkt. Welche Gründe auch immer bei Piko zu diesen Farben geführt haben, es waren die falschen. Wirklich jeder andere Hersteller hat in den vergangenen Jahrzehnten sympathischere Grundfarben ausgewählt. Bastler können hier natürlich nacharbeiten. Aber wieso sollten sie das überhaupt müssen.

Piko-Inneneinrichtung in grün.
Piko Inneneinrichtung in rot.

Wer diese Waggons also sein Eigen nennt, greift sich am Besten eine lange, lange Hörspiel-Reihe (um den Kopf frei zu halten), diverse Farben (zum Beispiel von elita) und gute Pinsel. Dazu Kilometer Tesa-Film zum Abkleben. Dann setzt sich an den Basteltisch, lässt sich akustisch unterhalten und fängt an, zu lackieren.

Die Schritte lauten: Alle Wände konsequent beidseitig beige lackieren. Nur nicht im Waggon 1. Klasse, da gehören sie braun.

…erstmal ‚Beige‘ RAL 1001 für die Wände der Abteile 2. Klasse.

Nach dem Trocknen klebt man in einer extrem nervigen Aktion die Wände über den Sitze ab und pinselt diese in rot (Raucher), grün (Nichtraucher) und blaugrau (1. Klasse). Wieder trocknen lassen.

Das Abkleben ist echt ätzend. Aber es hilft, wenigstens gerade Trennlinien zu erhalten…
…die dann nach dem Abziehen schräg aussehen können. Tesafilm ist nicht die beste Lösung. Die Ausreißer arbeitet man einfach Nochmal nach. Ist ja ein Hobby, und wir haben ja alle viel Zeit….

Erst am nächsten Tag den Tesafilm vorsichtig abziehen. Für den den Boden habe ich Flächen entworfen, die man sich auf grauen Karton ausdrucken kann. Sauber ausgeschnitten und in die Waggons geklebt ergeben sich von allein saubere Farbkanten, und wer später Innenbeleuchtungen einbaut, freut sich über die farblichen Abstufungen. (Download-Datei folgt.)

Wer wirklich sauber pinselt, kann einen mittelgrauen Boden aufmalen. Dabei das Atmen nicht vergessen. 🙂

Inneneinrichtung Halbspeisewagen

Halbspeisewagen: Abteile.
Halbspeisewagen: Speiseraum.

Hier gilt dasselbe Prinzip, nur, dass die Wände alle braun lackiert werden, im Speiseraum eher rötlichbraun, um die Abteil dunkelbraun. Die Sitze in den Abteilen pinselt man weinrot und die im Speiseraum blaugrau. Die Tischflächen gehören natürlich weiß und der Boden grau. Beschreibung der Innenbeleuchtung folgt. 🙂 Genauere Infos über das Vorbild bietet diese Website mit exzellenten Fotos: http://www.eisenbahn-harzvorland.de/htm/arm_216_1.htm

Abteiltüren sämtlicher Fahrzeuge:

Wennschon, dennschon: Die bei den Vorbildern messingfarbenen Abteiltüren habe ich mit einem Programm stilisiert nachgezeichnet, für beide Gangseiten: Damit man auch beim Blick von der Abteilseite Türrahmen sehen kann. Bitte darauf achten, dass die Türen für die erste Klasse etwas breiter sind, als die für die zweite Klasse. Und so kriegt man die Türen sauber in die Waggons:

In einigen Copy-Shops kann man sich Symbole als Metallfarbe in silbern (nett) oder gold (besser) auf klarsichtige, stabile Folie drucken lassen. Sauber ausgeschnitten und mit winzigen Punkten Sekundenkleber fixiert sieht das später wirklich gut aus. (Download-Datei folgt.)

Kupplungsträger

Lange Waggons anderer Hersteller rollen mit Rocos Kurzkupplung wirklich Gummi an Gummi, Pikos D-Zugwagen dagegen lassen einen überdeutlichen Abstand. Außerdem berühren die Haken der von mir verwendeten RTS Kupplungen manchmal die Pufferteller, weil die Kupplungsträger nicht weit genug ausschwenken – bei keinem anderen Fabrikat langer Waggons habe ich dieses Problem festgestellt. Also, hier wurde keineswegs optimal konstruiert.

Die Haken berühren beim Ausschwenken Pikos Puffer. Bei langen Roco-Waggons passiert das nicht.

Nun gibt es drei Möglichkeiten: 1. Resignieren, eine Kupplung nach Wahl einsetzen und den Abstand akzeptieren. 2. Mit Augenmaß die Kupplungsschächte an der Außenseite minimal kürzen und die Kupplungen einkleben. Manche Kleber lassen sich später auch wieder lösen. 3. Die Kupplungsträger wegen ihrer zu flachen ‚Möwen‘-Ausrundung herausnehmen und statt ihrer neue Kulissen von Symoba unter die Wagenböden kleben. In deren Normschächte passen dann alle Kurzkupplungen mit Normschächten, und je nach eigener Arbeit kommen sich die Waggons recht nahe. http://www.symoba-schniering.de/

Fazit:

Natürlich hatte ich überlegt, ob es nicht einfacher wäre, den kompletten Posten abzugeben. Produkte mit derartig viel ‚Nachbesserungs-Potenzial‘, um es nett zu sagen, sind schon wirklich selten. Diese Qualität entspricht keineswegs dem, was man erwartet oder von Anderen gewohnt ist. Dabei provoziert Piko den Vergleich gern ganz bewusst.

Eher aus Spaß an der Freud‘ habe ich mich dieses D-Zugs angenommen. Wer nicht basteln mag oder kann oder einfach keine Zeit dafür hat und Ready-to-run-Produkte bevorzugt, findet andernorts seine geeignete Alternative.

Den Umbau der passenden Diesellok der Baureihe 220 von Piko habe ich hier beschrieben: