„Hören Sie auf, unsere Produkte zu kaufen“.

Jeder hat mal einen schlechten Tag, das kommt vor. Andere Menschen sind launisch, aus ihrer Natur heraus, das akzeptiert man. Und dann existieren Firmen, die den Eindruck erwecken, raue Umgangsformen gehörten zu ihren Einstellungs-Kriterien.

Bei eher im Spaß betriebener Ahnenforschung stellte sich heraus, dass ein Teil meiner Vorfahren aus Salzburg stammte. Diese wanderten dann aber freiwillig nach Ostpreußen aus, weil sie keine Lust hatten, gegen ihren Willen dem katholischen Glauben beizutreten. Renitenz ist also tief in meinen Genen verankert. 🙂

An diesen edlen Geistern hätte ich mich mal besser orientieren sollen, als man mir Mitte der 80er Jahre vielerorts von märklin abriet und statt dessen ein österreichisches Produkt ans Herz legte. Die „Rache der Gene“ ließ nicht lange auf sich warten…

So fing es an: Eine schöne, schwere V200 und ein umfassender Gesamt-Katalog.

Richtig happy war ich mit dieser Bahn nie, obwohl ich das Zeug viele Jahre gekauft habe. Denn deren propagierte Perfektion fand sich in der Realität eher selten wider, zudem: Ich ’spiele‘ gern mit meiner Modellbahn. „Betrieb machen“, das ist mir zu doof. Und wenn mich laaange Waggons davon abhalten, eine richtige Anlage aufzubauen, dann ist das echt ätzend.

Katalog 1985: Da war die Welt noch in Ordnung. Jodel-Diplome bis zum Horizont.

Absolut nichts mit Perfektion zu tun haben brüchige, rostende Gleise, abblätternde Farben an Loks und Waggons und eine sich fortsetzende Plastik-Pest. Dazu, ‚on top‘ sozusagen, gesellen sich die angesprochenen, fragwürdigen Manieren: Immer wieder kam es zu persönlichen Anfeindungen durch Marken-Mitarbeiter, einmal sogar explizit homophob; dies im Rahmen einer kurzen Zusammenarbeit. Kann man sich nicht ausdenken.

Das Zitat aus der Titelzeile fiel mir gegenüber im Frühjahr 2020 während eines Telefonates, weil ich mich trotz meiner diversen Reklamationen weigerte, die Namen von sich danebenbenehmenden Mitarbeitern auszuplaudern. Da war’s dann einer mehr. 🙂 Irgendwann tut man sich das nicht mehr an.

märklin achtet auf abwärts-Kompatibilität. Hoffentlich bleibt das so.

Denn schon seit den 90er Jahren beäuge ich die Produkt-Entwicklungen bei märklin, und das meiste davon macht mir Spaß: C-Gleis: Cool. Mfx: Genau so muss das sein. Neue Wagenlänge: Akzeptabel, mir gefällt’s und es ist mit Fleischmann in Grenzen kombinierbar.

Mittelleiter: Traditionell und eben ein Markenzeichen. (Plattenspieler sind auch wieder schick.) Kupplungen: nervig, es gibt aber Alternativen. Sondermodelle: Das Salz in der Suppe. (Ich will einen Quelle-Silberling! 🙂 ) Funktions-Wagen (Disco): Sensationell. Preise: Bemerkenswert, aber Liste bezahlt ja niemand. Das Sound-Thema kriegt man sicher noch geregelt.

„Wenn Sie mal eine super Idee haben für eine Kinder-kompatible Eisenbahn, dann sagen Sie uns das bitte.“ O-Ton aus Thüringen. Yo, Schwester. 🙂 Das hier! :-))

Alpha-Bahn, Start Up, (unseliger Mondolino) – märklin bemüht sich sichtbar und kreativ um Einsteiger-Modellbahner.

1987 bewarb märklin seine S-Bahnen mit einem Modell des Bahnhofs ‚Berlin Zoologischer Garten‘. Damals sogar verrucht, heute Dank einer Amazon-Serie wieder in den Schlagzeilen. Man beachte die angedeuteten Säulen im Untergeschoß!

Und während Andere mit einem verkopften Kernschrott namens „Next Generation“ ein veritables Voll-Fiasko erlebten, entwickelt märklin sein Kiddie-Programm namens ‚My World‘ fröhlich und erfolgreich weiter. Die märklin, ob professionell oder für die Kleinen, ist zum Spielen gemacht (und zum Sammeln), das beherzigt man in Göppingen, und Beides gefällt mir.

Die Schwaben sind mir als ‚Bergvolk‘ sowieso lieber, und ja, ich kenne die schwäbische Alp. 🙂 So bleibt mein Geld also zukünftig im eigenen Land, auch gut. So bin ich zufrieden.

märklin H0: Tradition und Moderne, Sammelleidenschaft und Spielspaß.

Kibri-Bahnsteige mit RocoLine und Piko A-Gleis.

Trotz der Vielzahl an Bahnsteig-Bausätzen für die Modellbahn gefallen mir die Kibri-Produkte noch immer am Besten. Beispielhaft beschreibe ich, wie sich diese Bahnsteige zwischen Piko- und RocoLine-Gleisen unterbringen lassen.

Kibris Bahnsteige sind meistens 5,5cm breit, das wirkt um Einiges vorbildnäher, als die üblichen 38mm Plattformen, zum Beispiel für die C-Gleise. Den erforderlichen Gleis-Abstand erzielt man bei den Gleis-Systemen Roco-Line und Piko-A durch Einsetzen der 119mm langen ‚Diagonalgerade‘ zwischen Weiche und Gegenbogen.

Oder durch eine Kombination von vier Weichen und der hübschen Kreuzung mit 30°. Diese eindrucksvolle Kombination bleibt Dank Pikos relativ niedrigen Preisen für Gleise ohne Schotterbett sogar günstig. Zwar vergrößert sich der Gleis-Abstand, dennoch lassen sich solche Kombinationen auch in Parallel-Strecken unterbringen, wie die folgenden bunten Entwürfe zeigen. Pikos Geometrie ist schon recht ausgefuchst.

Bei RocoLine ist es ähnlich, wenngleich vom Material her teurer, dafür qualitativ hochertiger. Auch hier ein Geometrie-Beispiel.

Piko selbst bietet zwar ebenfalls einen Bahnsteig an, aber in Überbreite. Um den zwischen die Parallelgleise zu setzen, benötigt man sogar zwei Diagonal-Geraden und verschenkt so viel Platz.

Viessmann-Modell legt die Kibri-Bausätze immer mal wieder in Varianten auf, dabei gibt es zwei Grund-Versionen: Eine altmodische Variante mit vielen (meistens grünen) Metallsäulen unter dem Spitzdach und die „moderne“ Form (der 60er / 70er Jahre) mit jeweils zwei mittigen Betonstützen. Dazu kommen noch Plattformen ohne Dach aber mit Öffnung für eine Bahnsteigleuchte, gerade und gebogene Endstücke und ein kurzes, mittig abgesenktes Plattform-Teil, das ein besonderes Element ermöglicht:

Auch C-Gleise von märklin und Trix können sich mit Kibris Bahnsteigen schmücken.

Der sehr klug erdachte Übergang von Bahnsteig zu Bahnsteig aus Nachbildungen von Holzbohlen. Beim Vorbild konnte hier das Bahn-Personal, und natürlich nur dieses, mal eben den Bahnsteig wechseln. Kibri hat diese Übergänge in der Ausdehnung modular aufgebaut. Spezielle Einsätze ermöglichen die Verwendung alternativ sowohl für internationale Gleise als auch für märklin Gleise. Die Nachbildungen der runden Warnschilder bringen echte Bundesbahn-Atmosphäre auf die Bahn.

Hinweis für märklins C-Gleise: Hier sind die Punktkontakte niedriger, als bei M- und K-Gleisen. Es kann also vorkommen, dass die schmalen Kunststoff-Einsätze zu hoch sind und so einen sicheren Kontakt verhindern. Viessmann sollte diese Teile dezent flacher fertigen. Modellbahner behelfen sich mit Flachfeilen oder, tja, weglassen bzw. Ersetzen.

Aktuell erhältlich ist hier die Jubiläums-Variante (unbedingt zu empfehlen für Modellbahnen der Epoche 3 bis 5):

https://viessmann-modell.com/font-color-ffdd00-b-125-jahre-kibri-b-font/sondermodelle/2708/h0-bahnsteig-altbach?c=0

Und ohne den Bohlen-Übergang aber mit grünen Stützen:

https://viessmann-modell.com/sortiment/spur-h0/gebaeude/bahn/448/h0-bahnsteig-hofheim?c=0

oder hier:

https://viessmann-modell.com/sortiment/spur-h0/gebaeude/bahn/450/h0-bahnsteig-kienbach?c=0

Aber auch andere Details sind hübsch, wie die zeitgenössisch typischen achteckigen Blumenkästen, Namensschilder der Station, runde Abfalleimer und die recht feinen Schutzgitter rund um die Treppen-Abgänge. Blumen auf dem Bahnsteig, eigentlich eine nette Sache. Die Schaumstoff-Flocken, die Blumen darstellen sollen, kann man vielleicht später für Anderes verwenden – richtig tolle Blumen-Nachbildungen gibt es im Sortiment der Firma Busch.

Nun lassen sich diese Bahnsteige ewig lang aneinanderrreihen. Ich empfehle, dazu die grauen rechten Winkel unter den Plattformen vorsichtig und sauber abzutrennen. Denn oft verhindern sie exaktes Ausrichten der Plattformen.

Die Farbgebung der Einzelteile war weder zu Kibris Zeiten, noch jetzt bei Viesmann wirklich überzeugend. Während Viessmann zu knallige Farbtöne verwendet, wählte man bei Kibri eher langweilige und manchmal absurde Farben: Stationsschilder waren beim Vorbild aus grau gestrichenem Metall und nicht braun, Telefonzellen gelb und nicht grün, und warum die Plattformen zu jeder Zeit aus bläulichgrauem Kunststoff gefertigt wurden erschließt sich nicht wirklich. Wohl dem, der Airbrushen kann. Oder einen Freund hat, der das kann. Oder der einfach gut pinseln kann.

Ein echter Klassiker von Kibri / Viessmann. Kann man nie genug von haben…

Beim Aufbauen sollte man sehr sorgfältig sein: Natürlich müssen die Gleise überall exakt parallel zueinander verlegt sein. Die Plattformen sind fortlaufend in exakt identischem Abstand zu den Gleisen zu befestigen, denn sonst können Fahrzeuge mit ihren Trittstufen hängenbleiben. An den Enden kann man nach Wahl die kurzen geraden Stücke verwenden oder eben die längeren, Gebogenen.

Wichtiger Tipp: Unbedingt mit langen Waggons ausprobieren, ob diese an der Ausrundung vorbeikommen, sonst dieses Bauteil immer weiter nach innen versetzen, bis alles klappt. Pikos ICE4 Waggons (einer reicht!) oder Rocos ‚Kakadu‘ Speisewagen sind besonders lang und besitzen tiefgezogenen Schürzen. Auch einzelne, seitliche Gerätekästen unter dem Wagenboden können stören. Dampfloks mit (zu) breit angeordneten Zylindern sind ebenfalls geeignete Test-Objekte.

Die geraden Plattformen lassen sich einfach mit der Bastelsäge kürzen. Die Fugen kann man mit Revell-Spachtel verschwinden lassen. Danach lackiert man alles sauber in einem angenehmen Mittel-Grau, die Ränder setzt man hell ab, und als Belohnung erhält man einen wirklich schönen, echt wirkenden Bahnsteig.

Abschließend passt man den Bohlen-Weg ein; zeitgenössische Fotos zeigen, wie das früher ausgesehen hat. Farbliches Nach-Arbeiten schadet nicht, denn Holz sieht nach ein paar Jahren eben nicht mehr glänzend-schokoladig aus. Für die Warnschilder gibt es passende Schiebebilder bei Nothaft:

https://www.modellbahndecals.de/alles-sonstige/Rund-um-Bahnhof-und-Bw/Nass-Schiebebilder–10-Warnschilder-rund–Ueberschreiten-der-Gleise-fuer-Unbefugte-verboten—Artikel-Nummer–0177.html

Die Imitationen der Bahnsteigleuchten sollte man natürlich gegen funktionsfähige Dinger austauschen, dazu ein Tipp: Manche Leuchten aus dem H0 Sortiment können etwas zu hoch wirken. Das ist natürlich eine Geschmacksfrage. Artverwandtes aus dem TT Sortiment kann stimmiger aussehen.

Für die Beleuchtung der bedachten Plattformen kann man sich der bekannten Lichtleisten bedienen, die eigentlich für Waggons gedacht sind. Sauber separiert man die Bereiche mit LED und Lötpunkten, klebt diese von unten jeweils beidseitig innen in die Dachschräge und verbindet sie wieder mit dünner grauer Litze. Für die Kabelführung sind bereits diskrete Löcher im Längsbalken vorhanden, und in den beiden Säulen führt man lange Litzen von Dach nach unten, wo die Hauptplatine sitzt. Unter der Plattform lassen sich günstige Schaltdecoder unterbringen, wie zum Beispiel dieser:

https://modellbahnshop.moba-digital.de/epages/12489450.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/12489450/Products/Schaltdecoder

Und unten im angedeuteten Quergang kann eine kaltweiße LED Beleuchtung das typische Flair der Neonröhren aus den 70er und 80er Jahren andeuten.

Fazit: So kann man einen Bahnsteig, der vor Jahrzehnten konstruiert wurde, auch auf aktuellen Modellbahnen einsetzen. Viel Spaß! 🙂