Warum sich die TT-Bahn für West-Europäer wenig eignet.

Es gab eine kurze Zeit, in der ich dem Irrglauben unterlag, der Maßstab 1:120 sei eine prima Sache. Kurz gesagt: Die Idee ja, das System nicht.

Fasziniert von den sympathischen Größenverhältnissen habe ich eine gewisse Zeit für einen kleinen TT-Anbieter gearbeitet und war damit nach kurzer Zeit tiefer in dieser speziellen Materie, als ich mir jemals hätte träumen lassen. Von der Anzeigengestaltung über Interview-Texte und der Mit-Konzeption des Sortiments hatte ich ein buntes Aufgaben-Spektrum. Auf meine Kappe gehen Idee und Konzept des neuen Gleis-Systems, die 103, die 260, die Silberlinge, die 111, einige Sonderauflagen sowie eine Kooperation. Das habe ich übrigens schriftlich, für etwaige Zweifler. 😉 Schnell wurde mir dabei klar, was in TT geht und was nicht.

Was geht: Alles nach „DDR“ Vorbild. Diverse Auto- und Häuser-Modelle machen dieses (in vielerlei Hinsicht) begrenzte Markt-Segment komplett.

Was nicht oder nur schwer geht: Der Rest der (westlichen) Welt, sobald es Investitionen verlangt.

Zwar sind inzwischen viele Loks und Waggons nach Bundesbahn-Vorbild erhältlich. Aber das sind nur Standard-Fahrzeuge. Ohne diese gäb es zwischen Flensburg und Freilassing noch immer keine Interessenten für diese Nenngröße. Und noch immer mangelt es an vielen signifikanten DB-Fahrzeugen. Sogar wichtige aktuelle Fahrzeuge werden manchmal als „Freelance“ umgesetzt, also als Mogelpackungen: Man lackiert Vorhandenes um, das irgendwie so ähnlich aussieht, muss reichen. Man muss sich also in TT fortwährend ‚zufriedengeben‘ mit dem Gebotenen. Kein anderes Modellbahn-System erwartet soviel Demut seiner Kunden.

Französische oder italienische Züge gibt es nur als Farb-Varianten vorhandener Fahrzeuge. Weder ein TGV, noch das schweizer Krokodil oder ein amerikanischer Big Boy sind in TT verfügbar, weil sich sowas angeblich zwischen Ostsee und Tschechien nicht verkaufen lasse.

Genau das ist nämlich das große Problem diese Nenngröße: Nirgendwo auf der Welt gibt es eine nennenswerte Zahl von TT Bahnern, außer eben in den ostdeutschen Bundesländern. In Summe hat dieser Bereich lediglich soviele Einwohner, wie allein Nordrhein-Westfalen. Da waren die Bundesdeutschen N-Hersteller in den 60er Jahren schon wesentlich cooler und direkt von anfang an international aufgestellt, um ihr neues kleines Modelleisenbahn-System interessant aussehen zu lassen. Wie man weiß, hat das weltweit Eindruck hinterlassen, der sich bis heute erfolgreich auswirkt.

Qualitativ sind leider sehr viele TT-Produkten weder mit märklin oder (original-)Fleischmann vergleichbar. Vieles muss man nacharbeiten, oder man lernt, mit Mängeln zu leben. Oft sind es Modelle nach Bundesbahn-Vorbild, die vermeidbare Fehler zeigen, aus „Kostengründen“, wie es dann gern heißt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Fast könnte man meinen, die TT-Bahner gehörten einer heimlichen Sekte an. Denn wenn man sich der Baugröße nicht mit Haut und Haar verschreibt, wird man von den ‚diehard‘-TT-Bahnern regelrecht ausgegrenzt, wie mir einige Bundesbahn-Freunde über das berüchtigte TT-forum privat mitteilten. Manche TT-Bahner sprechen sogar von „unserer Sache“. Eine irritierende Formulierung.

Die Modellbahn-Industrie insgesamt gibt sich an der TT-Bahn reichlich desinteressiert, H0, N, Z und G bringt einfacher und viel schneller Geld ein. Denn darum geht es selbstverständlich auch in dieser Branche. Aktuellste TT-Kapitulation: Roco hat 2018 sein TT-Sortiment gestrichen

Ich persönlich stellte für mich fest, dass eine Art ‚Modellbahn-Diät‘ so gar nichts für mich ist. 🙂 Von den Jahres-TT-Neuheiten hätte ich nur einen Bruchteil überhaupt kaufen wollen, der mangelhaften Produkt-Qualität wegen und auch mangels attraktiver Auswahl. Während märklin und Piko komplette, neue H0-Sortimente aus dem Boden stampfen, halten die TT-Hersteller am Althergebrachten fest. Klare Sache: TT und ich, das passt nicht zusammen.

Nach meiner Rückkehr zu den wunderschönen H0-DC-Modellen überkam mich ein angenehmes Gefühl, von einem beengten Intranet ins offene Internet gewechselt zu sein. In eine internationale Welt, die viel Freude und Inspiration bereithält und immer wieder mit schönen Überraschungen aufwartet.
(Hinweis, der Fairness halber: Mit der Spur-N geht das übrigens fast genau so gut.)

Für 1:120 lautet mein Fazit: Das ist höchstens etwas für Diejenigen, die damit aufgewachsen sind. Freidenker und potenzielle Sammler, womöglich mit einem gesunden Dünkel, sollten unbedingt in andere Baugrößen investieren. Selbst in der Nenngröße Z 1:220 hat man mehr Auswahl, gerade auch international

Roco Lokmaus 10792 mit orange-farbenen LED

Lokmaus-Customizing in orange.

Früher mal war die Hausfarbe der „Roco“-Produkte ein knalliges Orange. In diese Farbe war auf der kurzzeitig lieferbaren Lokmaus ‚R3‘ ein Kreis aufgedruckt. Diese neu designte Lokmaus2 besitzt beleuchtete Tasten, unter denen herkömmliche rote LED arbeiten. Mir kam der Gedanke, dass LED in der ehemaligen Hausfarbe netter aussehen könnten. Der Umbau ist schnell erledigt.

Man benötigt nur einen Beutel mit zehn ‚axial‘-LED in orange, dazu einen Lötkolben mit Lötzinn und einen Schraubendreher. Die LED habe ich über ebay bezogen; man sucht einfach nach LED orange axial, dann findet man schon die Richtigen.

Umbau

Das Kabel der Lokmaus2 abziehen. Dann die vier Gummifüße sanft abheben und zur Seite legen. Die vier recht langen Schrauben herausdrehen und die Lokmaus ‚R3‘ auseinandernehmen.

Eine (!) der LED herauslöten. Dazu vorsichtig mit der Lötspitze wechselseitig nur kurz die gelöteten Kontakte der LED berühren, bis sie sich mit einer Pinzette wegschieben lässt.

Von einer der neuen LED die Kontaktfahnen auf etwa drei oder vier Millimeter kürzen, wie im Foto zu sehen, und mit einer Pinzette schräg Richtung Kuppe abwinkeln. Nun probehalber in die Platine einsetzen und anlöten, dabei nur sehr wenig Lötzinn verwenden.

Testweise das Kabel zur Zentrale anschließen, wenn die LED orange aufleuchtet, stimmt die Ausrichtung. Wenn nicht, die LED einfach mit vertauschten Kontakten erneut anlöten. Die Markierung innerhalb der LED beachten: Gleichlautend müssen alle anderen orangefarbenen LED eingelötet werden. Immer wieder testhalber die Platine an das Kabel zur Zentrale anstecken, um die Funktionen zu überprüfen.

Abschließend die Lötstellen kontrollieren, und wenn alles sauber ist, die Lokmaus3 ‚R3‘ wieder zusammenschrauben und die Gummikappen festkleben. Das war es schon. Fertig ist die „Custom-Lokmaus2 R3“. 🙂

Märklins Diesellok BR212 für DC Gleise

Als ein junger Bekannter sein Modellbahnhobby reaktivieren wollte (mit 26!), fragte ich ihn angelegentlich, ob denn unbedingt der Mittelleiter bleiben müsse… Nein, musste er nicht. Zu märklins Glück bleibt man dem C Gleis treu, aber nun mit ‚Trix‘-Logo. Die Fahrzeuge werden Stück für Stück auf DC umgebaut, damit trotz des komfortableren Betriebs auf international kompatiblen Gleisen die Zügen ‚von früher‘ weiterhin unterwegs sein können. In etwa zwanzig Jahren wird er vermutlich verstehen, warum der Erhalt der geliebten alten Züge eine gute Idee war. 😉

Die erste Lok, die internationalisiert wurde, war sein Diesellok-Klassiker BR 212. In diesem Fall in orientrot, das ich noch als ’neurot‘ kenne; für ihn war es die „alte Farbe“. Also, das mit dem Älterwerden ist ja so eine Sache…

Im Grunde ist der ganze Umbau sehr einfach, wenn man bastlerisches Geschick mitbringt. Schrauben und Löten, mehr braucht man nicht zu können.

Decoder & Licht

Der vorhandene Delta-Decoder, ohnehin wenig brauchbar, wurde ausgetauscht gegen einen aktuellen Sounddecoder von märklin, der auch DCC versteht. Statt Glühlampen stecken nun warmweiße LED für 19V in den Buchsen. Das Aufbohren der roten Lampen habe ich unterlassen, weil märklins Gehäuse aus der betreffenden Fertigungs-Zeit spröde werden können, bis hin zum Zersplittern. Dann lassen wir die ‚historische Substanz‘ aus 2002 sicherheitshalber unangetastet.

Im Gegensatz zu früheren märklin-Verkabelungen dient der Rahmen elektrisch nur noch für den zweiten Gleis-Pol, das ’schwarze Kabel‘ des Decoders. Die Beleuchtung wird direkt vom Decoder aus versorgt.

Wer unbedingt Glühlampen verwenden möchte, sollten bei Conrad oder Ebay nach Lämpchen für 22V oder 24V schauen. Mit anderen Lampen setzt man seine Lok der Gefahr von Schmelzschäden aus.

Ich habe 19V-LED verwendet, deren Drähte gekürzt und vor dem Einsetzen leicht angespitzt. Dazu verwendet man einfach einen guten Seitenschneider, mit dem man das Draht-Ende schräg ablängt. Mit einer Pinzette drückt man die LED-Beinchen in die Buchsen, danach sitzen sie wirklich fest.

Die verwendeten LED gibt es hier zu kaufen: https://www.modelsector.com/leuchtdioden-und-zubehoer/led-spannungsfest-bis-19v/led-2x5mm-warmwei-5-19v.php

Bei der ersten Probefahrt stellte sich heraus, dass das helle Licht an vielen Stellen zwischen Gehäuse und Rahmen zu sehen ist. Um das wirksam zu unterbinden, klebt man kurze Streifen Moosgummi auf den Rahmen.

Lautsprecher

Zuerst steckt man den Stecker des Lautsprechers in die Buchse auf der Schnittstellen-Platine. Tatsächlich ist der einzige passende Befestigungs-Platz für den Lautsprecher ein Knubbel am Rahmen. Um den Lautsprecher dort langfristig zu fixieren benötigt man einen wirklich guten „Kraftkleber“, ich habe einen von UHU ausgewählt. Man gibt also jeweils einen Klecks Kontakt-Kleber auf den hochstehenden Knubbel und auf die später darauf liegende Ecke des Lautsprechers. Nach wenigen Minuten presst man die Teile exakt aufeinander. Der Lautsprecher sitzt damit wirklich fest und strahlt seinen Klang nach unten Richtung Gleis.

Antrieb

Märklins fünfpolige Anker mit neuem Magneten sind schon eine nette Sache: Klassische Technik in solider Qualität. Im Fall dieser Variante der 212 braucht man glücklicherweise am Rahmen nichts auszufräsen, weil sie bereits ab Werk für den besseren Antrieb vorbereitet wurde. Bei älteren märklin-Modellen muss man für den neuen Magneten eine Aussparung herausfräsen, das kann man auch in einer Werkstatt erledigen lassen. Alternativ verwendet man eben den vorhandenen dreipoligen Anker und kauft einen Magneten von Esu dazu.

Tipp: An dieser Stelle ein grundsätzlicher Tipp für alle drei- und fünfpoligen Anker der klassischen märklin-Motore. Ein typisches Merkmal für diese Anker sind die leider recht scharfkantigen Kollektor-Kanten. Im normalen Fahrbetrieb fräsen diese Kanten die Kohlen regelrecht ab. Der entstehende Staub setzt die Kollektor-Ritzen zu, bis die Lok schließlich ruckelig fährt. Selber Abhilfe schaffen kann man, indem man die Kollektor-Kanten glättet. Am Besten poliert man den Kollektor vorsichtig mit sogenanntem Polierleinen in extrem feiner (!) Körnung. Das geht ganz einfach, ist schnell erledigt, und beim Anfahren rollt die Lok noch etwas sanfter los.

Erst glättet man den Kollektor mit ‚groberem‘ Leinen, dann poliert man die geglättete Oberfläche mit feinem Material nach, bis sie im Wortsinn spiegelglatt ist. Im Fall von wenig gefahrenen Loks ist es oft ausreichend, den Anker mehrfach mit den Fingern in sanft um den Kollektor gewickelten Polierleinen zu drehen. Nur in stark gebrauchten Loks sollte man den Kollektor in eine Bohrmaschine einspannen und mit dem Polierleinen semi-professionell glätten. Stets äußerst umsichtig vorgehen!

Ich habe meine Streifen Polierleinen hier gekauft: http://www.meshy.de/ Brauchbar sind auch Polierfeilen aus dem Kosmetik-Bedarf.

Decoder

Anstelle des Delta-Moduls wird märklins neuer Sounddecoder eingesetzt, inklusive 21poliger Schnittstellen-Platine von märklin. Die Verkabelung erfolgt nach NEM-Farbschema, nicht nach märklins Hausnorm, denn immerhin wird die Lok zukünftig in reiner DCC Umgebung unterwegs sein. Da braucht ein DC-Newbie keine unterschiedlichen Farb-Schemata zu lernen.

Neue Drehgestelle

Bei märklins Service war man von meiner Anfrage nach passenden DC Rädern überfragt bis belustigt. Zufälligerweise hatte ein Bekannter zwei passende 212-Drehgestelle mit DC Rädern im Fundus, die er sich irgendwann hatte anfertigen lassen. Bis heute wissen wir nicht, von welchem Fahrzeug diese Räder eigentlich stammen. (Zielführende Hinweise nehme ich gerne entgegen!)

Im DC Betrieb sollten nur zwei Haftreifen eingesetzt werden, am besten über Kreuz angeordnet. Das verbessert die Stromaufnahme. Den separaten Radkontakt klebt man mit UHU-Kontaktkleber unter das Antriebs-Drehgestell. Das schwarze Kabel führt man im Rahmen nach oben.

Vor dem Einbau des Laufgestells sollte in dessen Rahmen das schwarze Massekabel am Metall angelötet werden, diesen Bereich dazu etwas blank reiben. Ein rotes Kabel kommt an den ehemaligen Schleifer-Anschluss. Beide Kabel führt man durch den Rahmen nach oben, dann baut man die Drehgestelle in den Rahmen. Erst abschließend wird der neue Rad-Schleifer angeschraubt.

Der metallische Glanz der seitlichen Radscheiben hat mich gestört, also wurden sie des netteren Aussehens wegen seitlich im zum Drehgestell-Rahmen passenden RAL-Farbton Graubraun 8019 eingefärbt. Die äußeren Radreifen bleiben metallisch. Ich finde, die Fahrzeuge gewinnen so an Attraktivität

Kupplungen

Märklins Kurzkupplung funktioniert prima im märkliniverse, aber wenn andere Fabrikate dazukommen, kann es hakelig werden. Also wurde die märklin Kupplung ausgetauscht werden gegen Rocos Universalkupplung. Da die betreffenden Halterungen nicht wirksam waagerecht zu befestigen waren, wurden später die höhenverstellbaren Universalkupplungen angebracht, die für sicheres Einkuppeln sorgen.

Der Widerspenstigen Zähmung. Das Foto sagt mehr, als tausend Flüche…

Tipps:

  • Auf der Motor-Rückseite fixiert man die Kabel dauerhaft mit einem Streifen Tesa-Film.
  • Das Gehäuse dieser Lok entwickelte über die Zeit seitlich einen kleinen Sprung. Es zeigte sich, dass märklins Kunststoff aus den 90er Jahren wirklich spröde wird. Beschädigungen bei diesen Lokmodellen lassen sich vermeiden, indem beim Zusammenbau die Gehäuseschraube nicht zu fest hineindreht: Sicher fest ja, zu stramm nein. Lieber etwas lockerer lassen.
  • Das Fahrwerk war recht schwergängig, Verursacher dürfte märklins berüchtigtes Werks-Schmieröl sein, auch als „Getriebekleber“ bekannt. Also wurde die Lok anfangs komplett zerlegt, selbst der Motor wurde auseinander genommen. Das ‚Modellbahn-Öl SR24‘ ist sehr geeignet, feste Getriebe wieder gangbar zu machen. Man pinselt das Zeug großzügig über die betroffenen Stellen und prüft alle paar Minuten vorsichtig, ob sich irgendetwas bewegen lässt und pinselt nach. Irgendwann bewegt sich alles wieder. Mit einem festen, sauberen Borstenpinsel entfernt man später alte Öl-Brocken, bis alles wieder sauber ist und sich frei dreht. Über Nacht trocknen lassen und mit einem guten Schmier-Öl vorsichtig nachölen.

NEM Räder für Roco BR 210 / Fleischmann BR 225 und Artverwandte…

Die Modellbahn ist voller Normen. Das ist auch richtig so, damit möglichst viele DC-Fabrikate harmonisch miteinander funktionieren. Im Allgemeinen klappt das ganz gut, auch international betrachtet. Blöd, wenn ein Hersteller wie Roco dann nicht-normgerechte Spurkränze verwendet, die dafür sorgen dass nicht einmal haus-eigene Weichen einwandfrei durchfahren werden.

Bei Roco ist man auf die Idee gekommen, einige Lokomotiven mit neuartigen Rädern auszuliefern. Deren Spurkränze sind so niedrig, dass sie nur holpernd über die Herzstücke der Roco Line Weichen fahren. Bei diesen Großserien-Modellen, die ja kein ‚High End‘ darstellen, sondern für normale Kunden gemacht sind, die einfach nur gern mit „feinen“ Modellbahn spielen möchten, eine ziemlich blöde Idee. Denn eigentlich funktioniert unsere Welt so, dass nur diejenigen extra bezahlen müssen, die es beonders haben möchten – und nicht so ‚Normalos‘, die den genormten Standard wiederherstellen wollen. In Österreich ist das wohl anders.

Betroffen sind meines Wissens nach die neuen Konstruktionen der V160 Familie von Roco & Fleischmann (BR 218, BR 225, BR 210…), sowie Rocos neukonstruierte BR 151 und einige Varianten der E94. Aber es gibt ja Abhilfe. Für die neuen Loks der E94 und Varianten kann man auf Achsen älterer Modell-Versionen zurückgreifen.

Für die neueren BR151 muss man sich Achsen der älteren Modell-Varianten besorgen und deren Räder mit NEM-Spurkränzen in einer Fachwerkstätte auf die Achsen der neuen Lok setzen lassen. Zwar verursacht das zusätzliche Kosten. Aber solange Roco sich so stur anstellt, die einzig annehmbare Lösung. Und das mit dem Verzicht klappt ohnehin eher selten. 🙂

Ähnlich bei der V160-Familie. Weil mir meine BR210 von Roco in blau/elfenbein wirklich gut gefällt, habe ich mir von Roco Achsen mit passenden Rädern und NEM Spurkränzen empfehlen lassen: 1 x 122484 (mit Haftreifen) und 3 x 122485 (ohne Haftreifen). Wer den Mehrpreis scheut, kann sich per Email bei Roco beschweren. roco@roco.cc lautet deren aktueller Addy.

Für rund €25 habe ich mir in der Werkstatt APC Adams die Räder dieser neuen Achsen auf die Achsen meiner BR210 setzen lassen. Ich habe einfach die acht Achsen dorthin eingesandt mit der eindeutigen Beschriftung ‚diese Räder auf die anderen Achsen‘, man hat mich dort verstanden. 🙂 Und sicher sind die Meisten von uns in der Lage, die vier Achsen aus der Lok zu nehmen und später wieder einzubauen, das hält die Kosten niedrig. Seither benimmt sich meine Lok manierlich. Gut, dass es solche Werkstätten gibt.

Tipps:

  • Zusätzlich wurden die Radscheiben seitlich im RAL Farbton graubraun (8019) lackiert. Die Radreifen habe ich ausgespart; die metallischen Reifen sehen irgendwie schick aus. 😀
  • Bei der Montage müssen die Plastik-Plättchen der Wippen von der Lok weg Richtung Bodenplatte zeigen.

Kommentar: Leider mangelt es seit einigen Jahren an der klaren Definition des Produktes „Roco H0“. Zwischen Spielzeug-Loks mit aufgedruckten Fenstern und echten HighEnd-Lokomotiven war inzwischen alles dabei. Drei verschiedene Wagen-Längenmaßstäbe, vier Kupplungssysteme und ehedem vier Gleissysteme machen das Sortiment reichlich unübersichtlich. Immerhin erwirbt man solche Produkte über viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, da möchte man nicht dauernd nachdenken, was jetzt wozu passt. Diese niedrigen Spurkränze sind wirklich dämlich, als würde man bei Roco seine Kunden zu ihrem Glück zwingen wollen – das klappt sowieso nicht. Aber sollte es eine nennenswerte Nachfrage nach den hier und in vielen Modellbahn-Foren kritisierten niedrigen Spurkränzen geben, könnte man diese als Tunig-Teile in Beuteln zu jeweils vier (bzw. sechs) Achsen anbieten. Ab Werk aber sollte alles den Normen entsprechen. Denn die Modelleisenbahn ist ein System-Spielzeug.

Roco Köf 43437 mit Nano-Decoder von Esu.

Die kleine Lok ist in Rocos Programm seit 1983, und dank ihres klug konstruierten Fahrgestells mit Dreipunkt-Lagerung erfreut sie ihre Besitzer mit ausgezeichneten Fahreigenschaften. Viele Digital-Fahrer packen den Decoder nun umständlich ins Führerhaus. Und das sieht blöd aus.

Diese Umbau-Idee entstand eigentlich aus Übermut. Irgendwann fiel mir die große Aussparung in der Bodenwanne auf. Da könnte doch ein Decoder hineinpassen… Man braucht zwar einen wirklich kleinen Decoder, aber zum Beispiel Esu bietet einen ‚Nano‘ Mini-Decoder an.

Zuerst schraubt man die Köf auseinander und nimmt den Motor heraus. Dann befreit man die Platine aus dem Fahrgestell restlos von elektrischem ‚Vogelfutter‘, bis nur die Radschleifer übrig sind.

Der Decoder wird mit einem Klecks Sekundenkleber auf der Platine befestigt, sodass er später gut in der Vertiefung der metallenen Bodenplatte verschwinden kann. Am Decoder kürzt man die Kabel weiß, gelb, grün, violett und blau und bändigt sie mit einem kurzen Schrumpfschlauch: Vielleicht möchte man in der Zukunft digital lösbare Rangierkupplungen oder Anderes einbauen.

Die Kabel schwarz und rot kürzt man ebenfalls sinnvoll und lötet sie direkt an die Platinen der Radschleifer. Nur orange und grau belässt man zunächst lang. Platine, Radsätze und Kupplungshalter werden wieder eingesetzt, dabei führt man die Kabel grau und orange nach oben zum Motor, kürzt sie und lötet sie an die Kontakt-Ösen des Motors. (Wieso hat der Motor meiner Lok eigentlich keine Schwungmasse…?)

Nun die Bodenplatte einsetzen, die erste Schraube festdrehen, den Gehäuse-Vorbau einschieben, die zweite Schraube eindrehen und schließlich das Führerhaus aufstecken. Fertig.

Tipps:

  • Lampen: Die Optik gewinnt, wenn man alle sechs Lampengläser innen weiß auslegt. Zum Herauslösen der gläsernen Einsätze habe ich einen Pin verwendet. Von unten sanft zwischen Lampe und Gehäuse pieken, dann lösen sich die Gläser schon von allein. Nun die Rückseiten dünn (!) mit weißer Farbe auslegen und über Nacht trocknen lassen. Erst danach wieder einsetzen.
  • Lokführer: Anstelle von Rocos Standard-Beamten kann man eine freundlichere Person einkleben, Noch und Preiser bieten dazu eine nette Auswahl. Zu einer Rangierlok passt vielleicht besonders gut ein halbierter Rangierer mit orangefarbener Weste.