S-Bahn Rhein-Ruhr von Piko (Update 03 2020)

Orange, wohin man blickt. 🙂

Pikos neu ausgelieferte S-Bahn Wagen nach Vorbildern der Bundesbahn der 80er Jahre gefallen auf den ersten Blick. Dass sie etwas handfester konstruiert wirken, als Rocos ältere Pendants, entspricht der Qualität, die man von Piko erwartet. Man findet viel Schönes aber auch ein paar Kritikpunkte. In Summe machen mir diese Fahrzeuge viel Spaß. Aber man sollte schon ein paar Ungereimtheiten abstellen. Wie das geht, beschreibe ich nachfolgend.

Derzeit sind folgende Fahrzeuge lieferbar:

2. Klasse 58500: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=27452&vw_name=detail

1./2. Klasse 58502: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=27458&vw_name=detail

Steuerwagen 58501: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=27453&vw_name=detail

Ausführung.

Eng, aber ohne Zwang – gut so. 🙂

Die Waggons sind maßstäblich lang konstruiert und dank ihrer kürzeren Vorbilder auch für märklin- und Fleischmann-Fahrer geeignet, deren Waggons eher nur etwa 282mm lang sein sollen. Die Kulissen für Kurzkupplungen halten die Waggons wirklich nah beieinander, anders, als noch bei Pikos Schnellzugwagen, die etwas ängstlich zueinander auf Abstand bleiben.

Mit einem Lackmaler imitiert man die Griffstangen.

So aufwändig Pikos bei den x-Wagen viele Details auch darstellt, ausgerechnet die auffälligen Griffstangen an den seitlichen Wagen-Enden sind als ‚Balken‘ im Gehäuse angeformt. Dies konnte Roco besser, und das vor bereits 32 Jahren: Kleine Metallstifte im Gehäuse stellen diese Griffstangen sauber, wenngleich wenig vorbildgerecht dar. Bei Piko muss man sich mit einem silbernen oder besser kieselgrauen Lack-Strich behelfen (gut trocknen lassen!).

Separate Scheibenwischer und seitliche Griffstangen. Der Staub kam nicht aus dem Werk.

Immerhin, der Steuerwagen besitzt neben den Führerstandstüren separat eingesteckte Griffstangen, vorbildentsprechend gekröpft. Dazu passen die separat eingesetzten Scheibenwischer und kleine extra-Griffe. Die Wirkung dieser Teile ist großartig.

Im Bereich der Fahrgestelle findet man viele filigrane, extra angesetzte Details, die man allerdings nur sieht, wenn man nach ihnen sucht. Diese eigenartige Inkonsequenz, dass Piko die Detaillierung im Fahrgestell quasi übertreibt, sich zugleich aber am Gehäuse Details spart, kennt man schon von der 103:

Die Drehgestelle von Pikos 103 besitzen unfassbar viele separat eingesteckte Teile. Ausgerechnet aber die auffälligen Scheibenwischer sind mittig geteilt, da jeweils zur Hälfte an Gehäuse und Fenster angeformt. Das sieht man bei jedem Blick. Ich vermisse hier eine sachkundige Führung von Konstruktions-Prinzipien.

Piko hat tatsächlich das Abteil der 1. Klasse in der Form nachgebildet. Vorn sieht man die Bodenschwelle und die Abteil-Wände.

Die seitlichen Fensterbänder liegen etwas zu weit im Gehäuse, das erinnert frappierend an Rocos Modelle. So ein Zufall! Und gerade die Fenster hätte man bei einer Neukonstruktionen von 2018 wirklich eleganter gestalten sollen. Wieso checkt man bei Piko so etwas nicht?

Tatsächlich stimmt Pikos Werbe-Versprechen, diese Waggons seien „wackelfrei“. Allerdings: Dass diese Aussage für diverse andere Waggons von Piko eben nicht gilt, sei hier des Fairplays wegen angemerkt.

Piko hat wie üblich ein Produkt-Video veröffentlicht:

Farb-Differenzen.

Der Führerstand des Steuerwagens zeigt ein äußerst passgenau eingesetztes Front-Fenster, dessen Rahmen aber statt silbern leider schwarz bedruckt wurde und so völlig anders wirkt, als das Vorbild. Auch hier fragt man sich, warum so etwas nicht vor der Produktion korrigiert wird.

Trauerflor…?

Denn leider kommen unnötige Farb-Fehler in Pikos Expert-Reihe immer wieder vor. So wurde auch der Wagenboden des Steuerwagens in leicht von den anderen Waggons abweichendem Braun-Ton eingefärbt, auch seine seitlichen Rahmenwangen lackierte Piko in genau demselben abweichenen Farbton.

Unten der Steuerwagen – braun ist nicht braun.

Auch das Orange meiner Piko-Lokomotive BR 111 weicht in der Farbtemperatur leicht von den drei Waggons ab.

Zwar kann man alles weg-erklären mit „Abweichungen gab es beim Vorbild auch“, aber hier geht es nicht um rhetorische Klimmzüge, hier geht es um eine inkonsequente, schwankende Produkt-Qualität. Dabei wäre es ganz wunderbar, könnte man sich bei Piko auf einheitliche und richtige Farben verlassen. Ich würde auch lieber alles über den grünen Klee loben. Geht aber nicht.

Decoder für Lichtwechsel. Und so.

LED Technik hat ihre Vorteile.

Besonders viel Mühe gab sich Piko mit den umfangreichen Möglichkeiten der Beleuchtung: Stirn- und Schlussbeleuchtung, Zugzielschild, Führerstand und beide Aborte sind mit LED bestückt und separat einschaltbar, sofern man einen Funktions-Decoder einsetzt.

Auch eine nachträglich eingebaute Innenbeleuchtung kann über den Decoder geschaltet werden. Die Mittelwaggons benötigen hier einen kompletten Satz Innenbeleuchtungen inklusive Radschleifern. Piko hat dazugelernt und die primitiven Achsschleifer endlich gegen sinnvolle Radkontakte ersetzt, die eine Achtpunkt-Stromaufnahme ermöglichen. So hätte es von Anfang an sein sollen, sogar bei Trix gibt es solche Dinge seit vielen Jahren.

Innenbeleuchtung Mittelwaggons Piko 56291:
https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=28051&vw_name=detail

Innenbeleuchtung Steuerwagen Piko 56292:
https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=28052&vw_name=detail

Zum Anschluss des Lichtwechsel-Decoders setzt Piko nicht auf bewährte Schnittstellen wie mtc21 oder Plux22, sondern auf eine eigen(sinnig)e Lösung: Unter der Platine finden sich zwei Buchsen aus dem Elektronik-Bereich, in denen eine Blind-Platine mit viel Kabelage den Analog-Betrieb ermöglicht. Piko bietet also einen Funktionsdecoder an, dessen zwei (!) Stecker mit sinnfällig angeschlossenem Kabel-Verhau in die Dosen eingedrückt werden müssen. Er ist derzeit der Einzige seiner Art, der mit diesen Steckern angeboten wird. Und das wird sicher auch so bleiben, wozu gibt es genormte Schnittstellen.

Piko versucht, den freien Einsatz von Funktionsdecodern zu torpedieren. Das klingt nach 1959, nicht nach 2019. Was Piko hier treibt, wie auch beim ICE4, das ist märklin-für-Arme. Und natürlich übergehe ich jeden derartigen Versuch der Gängelung.

Ich hoffe wirklich, dass man sich bei Piko endlich besinnt und zukünftig Steuerwagen und ICE4 mit genormten Plux22 Schnittstellen ausliefert: Für Modellbahner und Händler ist dieser Schnittstellen-Egoismus äußerst lästig. Piko sollte Bewährtes übernehmen und sich in das Vorhandene einreihen.

Abgesehen davon sind die vielen einzelnen Kabel und die kleinen Steckerchen schon sehr fummelig.

Decoder nach freier Wahl – das geht auch hier. 🙂

Freidenker finden sogar zwei einfache Möglichkeiten, einen Funktions-Decoder nach Wahl in den Steuerwagen einzubauen. Ein Lötkolben, eine Pinzette und etwas Geduld sind dazu notwendig. Ich habe einen günstigen Lokdecoder MX600 von Zimo verwendet, dessen Licht-Funktionen sich sehr nett programmieren und an den Lokdecoder MX637 angleichen lassen. Dabei sind „nur“ die ersten vier Funktionen schaltbar, also Licht weiß/rot, Führerstand und ZugZielAnzeige. Abort etc. bleiben duster. Aber darauf verzichte ich gern, als mich einem unnötig autoritär festgelegten Buchsen-Standard zu beugen. So.

Die nun folgenden Tipps erfolgen ausdrücklich ohne Gewähr!

Möglichkeit 1, Decoder bleibt steckbar: Man zupft die beiden Stecker der Blind-Platine aus den Buchsen. Dann werden die Kabel nacheinander, Funktion für Funktion, von der Blind-Platine ab- und jeweils sofort an die passende Stelle des neuen Funktionsdecoders angelötet. Tipp: Sorgfältiges Vorgehen erhöht die Erfolgs-Chancen. 🙂 Diese Arbeit ist etwas fummelig, aber es bleibt der Vorteil, dass der Decoder nur gesteckt ist und sich so einfach austauschen lässt.

Auf diese Weise kann man auch sehr günstige Decoder wie den Tams FD-R verwenden: https://tams-online.de/Funktionsdecoder-FD-R-Basic-2

Belegung der beiden Buchsen im x-Steuerwagen. Von OBEN betrachtet!
Der erste Versuch mit einem ESU-Decoder. Sauber löten können Andere ganz prima. 🙂 (funktioniert übrigens)
Der Decoder verschwindet…
…zwischen den beiden Wänden.

Möglichkeit 2, Decoder wird fest eingelötet: Auf der Platine finden sich kleine Löt-Pads mit eindeutigen klaren Angaben, welches Decoder-Kabel dort angeschlossen werden soll. Natürlich muss auch hier die Blind-Platine mit ihren Steckern aus den zwei Buchsen gezogen und aus dem Steuerwagen entfernt werden. Die Decoder-Kabel lötet man also direkt auf die Hauptplatine. Passend zu den genormten NEM-Kabelfarben habe ich Zeiger angebracht.

Ärgerliche Achsen.

Ein unschönes Kapitel sind bei einer ganzen Reihe meiner Waggons von Piko die Achsspitzen, die sich in die Drehgestelle einfräsen. Sämtliche meiner „Schnellzugwagen“ von Piko habe ich deswegen mit Messingbuchsen von Peho ausgestattet. Diese werden innen in die Drehgestell-Rahmen eingesetzt. So entsteht langfristige Sicherheit, und als netter Nebeneffekt reduziert sich das Rollgeräusch.

Peho Lagerbuchsen aus Messing & Werkzeug: http://peho-kkk.de/mshop/index.php/spur-h0.html

Auf der Achsspitze erkenbar Kunststoffreste aus dem Drehgestell-Rahmen.

Auch Pikos neue x-Wagen zeigten leichte Fräs-Spuren in den Drehgestellen. Und das, obwohl deren Räder neuerdings endlich glatte Oberflächen besitzen. Denn weil Pikos rauhe Radflächen Inder Vergangenheit sich überaus willig mit Schmutz zusetzten, habe ich irgendwann entnervt alle Piko-Achsen gegen die von Thomschke ausgetauscht. Piko verkauft nicht immer nur höchste Qualität…. https://www.modellbahn-radsatz.de/h0/radsaetze-h0-gleichstrom/piko/index.php

Ob auch im Fall der x-Wagen tatsächlich ‚Gefahr‘ für die Waggons bestand oder dies für die ersten Stunden normal ist, war mir dann egal: Sicherheitshalber habe ich weitere Buchsen geordert; schön genug sind die Waggons schließlich.

*Ei, Ei, Ei…*

Die Radscheiben habe ich mit Silber und Graubraun eingefärbt, um auch hier möglichst nah am Vorbild zu sein. Abgesehen davon sieht es schick aus.

Bremsscheiben müssen sein.

Man kann zum Bearbeiten die Achsen im Drehgestell belassen. Um die Radscheiben einzufärben, hält man den Pinsel (mit sehr wenig Farbe!) dagegen und dreht mit einem Daumen das Rad in Richtung vom Pinsel weg.

Zuerst habe ich die mittleren Flächen silbern ausgelegt, um die Bremsscheiben darzustellen. Dabei die Farbe möglichst dünn auftragen, denn Bremsscheiben haben keine Struktur….

Nachdem alles durchgetrocknet war, wurde der vertiefte Rand Graubraun (RAL 8017) ausgelegt. Am Besten einen extrem feinen und teuren Pinsel verwenden und jeweils nur sehr wenig Farbe auftragen. Abschließend befreit man den äußeren Radreifen von der Farbe. Dazu drückt man ein Wattestäbchen schräg an den Radreifen, und dreht das Rad einmal herum. Im Ergebnis wirkt der Wagenverband optisch um einiges edler.

Erst nach dieser Arbeit stellte ich fest, dass bei allen drei Waggons einige Räder unpräzise auf die Achsen gezogen wurden und deswegen leicht eiern. Was sich in unruhigem Lauf der Waggons äußert. Ob ich auch hier wieder Thomschke Achsen einsetze und mir die Arbeit nochmal mache, muss ich mal sehen.

*Knack-Knack*

…ist keineswegs immer der „Gipfel der Genüsse“. Im Gegenteil. Meine x-Wagen von Piko gaben jedesmal ein penetrantes Knack-Geräusch von sich, sobald sie in Kurven einbogen oder gar S-Kurven durchfuhren. Anfangs brachte ein Tröpfchen Teflon-Schmiermittel Linderung. Zwischenzeitlich erreichten mich über diesen Blog Zuschriften, die sich ebenfalls an den Knack-Geräuschen störten. Und mir riss der Geduldsfaden: Fällt sowas eigentlich niemanden vor Auslieferung auf?

Also betrieb ich Ursachen-Forschung und fand eine Banalität: Die Kulissen-Führung ist in der mittigen Spitze zu scharfkantig. Vermutlich im Formenbau wurde nicht exakt genug gearbeitet, und so verhakt sich der Kupplungsträger beim Wechsel von links nach rechts. Und verursacht das ‚Knacken‘.

Natürlich kann man kann sich mal wieder behelfen. Aber ohne diese extra-Mühe machten einem die Waggons mehr Spaß…

Genau hinsehen: An der Spitze sind Grate zu erkennen. Unpräzise halt. ??‍♂️

Man demontiert die Waggons und entnimmt auch die Kupplungsträger. Mit einer sehr feinen (!) Feile streicht man nun ohne jeden Druck (!!) beidseitig um die Spitze der Kulissen-Führung.

Nun ist die Spitze glatt – so sollte es ab Werk sein.

Nochmal zum Merken: Sanft! Ohne Druck! Nur entlangstreichen! Dabei immer wieder mit dem Kupplungsträger ausprobieren, ob das Knacken verschwunden ist. Wenn ja: Sofortiges Stopp. Danach die Kupplungsträger wieder einsetzen.

Gutes Teflon-Zeug sorgt langfristig für geschmeidige Bewegungen.

Einen kleinen Tropfen Teflon-Schmiermittel auf die Mechanik geben und durch Bewegen der Mechanik verteilen. Waggon zusammenbauen – und endlich geschmeidigen Betrieb genießen.

Fazit: Natürlich hat Piko bemerkenswerte S-Bahn Wagen auf den Markt gebracht, mit vielen netten Ideen. Aber viele nervige Kleinigkeiten hätten VOR Auslieferung abgestellt werden sollen. Und es sind gerade die Kleinigkeiten, an denen man erkennt, wie seriös sich jemand um seine Produkte kümmert.

Eigensinnige Decoder-Schnittstelle, eiernde Achsen und die knackenden Kulissen sind drei unschöne Aspekte. Man sollte sich bewusst sein, dass Pikos x-Wagen optisch schön gemacht sind, dass sie aber eben auch einer gewissen Nacharbeit bedürfen.

KKK für einen alten H0 Roco-Containerwagen

Zwei Produkte der 70er Jahre bereiten auch heute noch Freude.

Auf einem Flohmarkt kaufte ich einen alten aber ungebrauchten Containerwagen von Roco. Für zwölf Euro nimmt man den gerne mit, zumal man von diesem Waggon-Typ nie genug haben kann. 🙂

Und tatsächlich rollt er einwandfrei auf aktuellen RocoLine- und Trix-C-Gleisen, nur Kulissen für Kurzkupplung besitzt er nicht. Seine Kupplungen sind in Drehpunkten gelagert. Aber bereits in den 70er Jahren bot Roco Nachrüstsets mit Kulissen und eigenen Kurzkupplungen an. Für diesen Container-Waggon ist das Set 4591 das passende. Diese Teile findet man oft über Ebay.

Wer sich für ältere Roco-Modelle interessiert, sollte sich Kataloge aus den 70er oder frühen 80er Jahren besorgen. Diese listen alle Teilenummern auf.

Der Nachrüstbeutel.
Hier bitte versäubern.

Für ein paar Euro landete das Beutelchen in meinem Briefkasten, natürlich ohne Anleitung. Den Umbau beschreibe ich nachfolgend. Ein paar Unsauberkeiten entfernt man vorab mit einem schmalen Bastelmesser. Die Puffer braucht man eigentlich nur im Fall des Ab-Fallens.

So sieht der Waggon ab Werk von unten aus.

Man erkennt sofort die Kupplung mit Drehpunkt. Die rechteckige Abdeckung muss beidseitig vorsichtig herausgeklippst werden. Kupplungsträger und Deckel legt man zur Seite.

Die neue Feder.

Die speziell geformten Federn legt man so in den Wagenboden, dass ihre beiden Ösen die zwei Stäbchen umfassen.

Schmiermittel sorgt für langfristig sichere Funktion.
Der Kupplungsträger ist eingesetzt.

Nun wird der neue Kupplungsträger eingesetzt. Dazu schiebt man ihn aus Richtung Wagenmitte gegen die überkreuzten Federbeine. Nicht von außen, dann funktioniert die Federung nicht. Der vordere Pin gehört in die schwalbenförmige Aussparung, die beiden Pins der Enden in die rückwärtigen Mulden.

Deckel drauf, fertig. 🙂

Abschließend setzt man die Deckplatte wieder richtig herum ein. Mit einer Kurzkupplung nach eigener Wahl kann man diesen 40 Jahre alten Waggon nun in aktuelle Garnituren einreihen. Schön, dass Roco damals so weit voraus gedacht hat.

Zwei Generationen, 70er und Nuller-Jahre.
…davon braucht man Viele. (Viele!)


Roco Donnerbüchsen mit LED-Beleuchtung

Roco Donnerbüchse gleichmäßig mit LED beleuchtet.

Rocos „Donnerbüchsen“ gibt es zwar schon seit den 70er Jahren. Man gab sich damals aber so viel Mühe mit der optischen Gestaltung, dass diese Modelle auch heute noch neben aktuellen Konstruktionen bestehen können. Zudem gibt es vier verschiedene Fahrzeug-Typen, was die Züge schön abwechslungsreich aussehen lässt.

Um diese Fahrzeuge innen zu beleuchten, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man verwendet Rocos Set mit altmodischen Glühlampen, das außerdem zwei neue Achsen erfordert. Oder man sucht sich das passende Zubehör zusammen, was mir persönlich im Ergebnis besser gefällt: Eine günstige LED-Lichtleiste (pufferbar) und Radschleifer von Esu. Dazu ein Elko. Da Rocos Modellgenerationen dieser Waggons stark artverwandt sind, dürfte diese Anleitung für alle seit Erstauslieferung verfügbaren Waggons passen. Falls nicht, bitte ich um Hinweise. 🙂

Einbau

Zuerst wird das Waggon auseinandergenommen. Das Dach fasst man an den Enden an und zieht es sanft drehend nach oben. Dann nimmt man den Wagenkasten ab, die Klippse finden sich innen unten. Der Kunststoff älterer Waggons ist manchmal etwas spröde, hier sollte man die Klippse sanft mit einem Schraubendreher entriegeln.

Der Elko wird mit Doppelklebeband in das Abort-Abteil geklebt und seine Anschlüsse gekürzt. Für den elektrischen Anschluss braucht man insgesamt sechs Litzen. Um entspannt arbeiten zu können, sollte die Länge viermal 14cm (f+r die Radkontakte) und zweimal 7cm (für den Anschluss des Elkos) betragen.

Oben kommen die Litzen herein, unten der Flackerschutz.

Die langen Litzen lötet man bereits jetzt an die Radschleifer, noch bevor diese befestigt werden. Die kurzen Litzen lötet man an den Elko.

Während die Lötstellen abkühlen, entfernt man oben aus dem Gehäuse alle Querverbindungen, weil diese dem Licht im Weg sein können. Das Gehäuse bleibt auch ohne diese Streben stabil.

Nun fädelt man die Kabel der Radkontakte seitenweise von außen nach innen durch den Wagenboden und gibt Kleckse des Sekundenklebers auf die Querstreben der Bremsklötze. Die Radkontakte richtet man darauf so aus, dass sie mittig sitzen. Hier sollte man sich von einer Achse zur Anderen vorarbeiten. Nicht gleich beide mit Kleber versehen. Das mittige Ausrichten dauert schon ein paar Sekunden.

Die Radschleifer von Esu klebt man auf die Querstange.

Wenn alles festsitzt, zieht man die Litzen weiter durch den Wagenboden. Zwei Streifen Tesafilm halten sie geordnet. Die Litzen einer Waggonseite (zum Beispiel beide Kabel aus in Fahrtrichtung links) sollte man ganz am Ende der Litze mit einem kleinen Knoten markieren. Im Elko-freien Abort wird mit der heißen Lötspitze ein Loch in den Boden gestochen. Dort hindurch fädelt man die vier Litzen nach oben und setzt oder klebt die Einrichtung auf den Wagenboden. Nun das Gehäuse wieder aufklippsen.

Die Lichtleiste befestigt man mit dickem Doppel-Klebeband im Dach, schön mittig. Etwaige Anguss-Reste mit einer kräftigen Zange umfassen und drehend entfernen. Wer mag, kann den Poti zuvor gegen einen festen Widerstand austauschen, z.B. 2kOhm.

Alles gleichmäßig beleuchtet.

Die Litzen werden nun so weit gekürzt, dass das Dach später noch abgenommen werden kann, zusammengebaut die Kabel aber unsichtbar bleiben. Die langen Litzen gehören natürlich an das äußerste Ende der Lichtleiste, die kurzen Litzen vom Elko sollte man direkt an den hinteren Kontakten des Gleichrichters anlöten, dabei unbedingt die Polarität beachten. Die Kabel nun vorsichtig etwas zur Seite streichen und das Dach aufklippsen.

‚Goldweiße‘ LED passen gut zur älteren Waggon-Art.

Fertig ist der Umbau, und ein älterer Waggon ist modern illuminiert.

Material

Piko Pimping: Silberling – Steuerwagen aus 58113.

Die S-Bahn im Ruhrgebiet der 70er Jahre: Piko 58113 (DC)

Pikos Silberlinge gibt es derzeit in einer Sonder-Auflage nach Vorbild eines S-Bahnzuges aus dem Ruhrgebiet der 70er Jahre. Die passende Lokomotive, eine grüne BR 141, lässt sich dank Plux22 Schnittstelle problemlos mit einem Steck-Decoder bestücken. Aber der Steuerwagen kommt technisch geradezu archaisch daher. Diese Waggons waren eben als ‚Hobby‘-Modelle auf den Markt gekommen, und sie sind seitdem nicht überarbeitet worden. Diverse Bauteile von Esu versetzen ihn technisch in die Jetzt-Zeit.

Radschleifer

Pikos altmodische Radkontakte für Personenwagen greifen den Strom ausgerechnet dort ab, wo die Drehbewegung am Langsamsten ist, an der Achse. Der fester Anpressdruck erhöht den Rollwiderstand spürbar. Eine elegantere Lösung bietet Esu an. Deren klug geformte Radschleifer erfüllen diese Aufgabe weitaus sinnfälliger.

Oben Pikos Achsschleifer, unten Esu Radschleifer.

Man kann a.) die Original-Verkabelung belassen, der Strom wird weiterhin nur ‚vorne links‘ und ‚hinten rechts‘ aufgenommen, oder aber b.) man legt Wert auf eine sichere Versorgung der Beleuchtung. In diesem Fall müssen alle acht Räder in die Stromaufnahme einbezogen werden. Dazu bedarf es zweier weiterer Kabel, und man benötigt insgesamt vier Pärchen der Esu-Radkontakte.

Eine wirksame Stromabnahme von allen Rädern.

Zur Befestigung der Radschleifer verwende ich Sekundenkleber von Uhu. Dieser zieht schnell und hält recht sicher, aber zum Glück nicht ‚bombenfest‘, wie das früher der Fall war. Bei Bedarf lassen sich die Teile also wieder voneinander lösen, zum Beispiel mit der Klinge eines Schraubendrehers.

Schnittstelle & Decoder

Pikos LED-Platine besitzt weder Schnittstelle, noch Decoder On-Board. Einen Lichtwechsel-Decoder anzuschließen, erfordert schon gewissen Aufwand. Umso wichtiger, hier eine Schnittstelle einzusetzen, um im Fall eines Decoder-Aus-Falles nicht schon wieder löten zu müssen.

Vier angelötete Kabel, weiß, blau, gelb und grün.

Zunächst entfernt man zwei Widerstände mit dem Wert ‚0‘, wie im Foto und auf Pikos Zeichnung zu sehen:
https://www.piko-shop.de/media/org/orgb_P/orgid_1/k11/thumbs/3571_10619.jpg

Die Schnittstellen-Platine wird einfach direkt auf die Rückseite von Pikos LED-Platine geklebt, dabei darauf achten, den Durchlass unter den Platinen für die Verbindungskabel frei zu halten! So bleibt der Decoder später unsichtbar. (Das sollte natürlich besser ab Werk so gelöst sein…) Zwei Tröpfchen Sekundenkleber reichen dazu aus.

Litzen von der LED-Platine zur Schnittstelle.

Der Kabel-Anschluss ist recht einfach, wenngleich fummelig. Die Zeichnungen zeigen die Kabelfarben. Um die Schnittstelle mit der LED-Platine zu kontaktieren, reichen Kabel in weiß, gelb und blau mit jeweils zwei Zentimetern Länge.

Wer alle Räder zur Stromaufnahme heranziehen möchte, sollte direkt zwei weitere Kabel verlegen, jeweils rot und schwarz, kurz und lang, an einem Ende zum leichteren Anlöten verdrillt. Das Foto zeigt, wie das aussehen muss.

Flacker-Schutz ‚PowerPack mini‘

Als zusätzlichen Flackerschutz dient ein ‚Power Pack‘ von Esu. Diesen habe ich so plaziert, dass er von außen möglichst wenig zu sehen ist. Seine Kabel werden direkt an den Lichtwechsel-Decoder angeschlossen, aber das ist gar nicht so einfach: Ausdrücklich sei hier darauf hingewiesen, dass diese Löt-Arbeit wegen der winzigen Löt-Pads auf dem Decoder eine Herausforderung darstellt.

Das PowerPack könnte man noch durch eine Holzkiste tarnen.
So wird das PowerPack direkt an den Decoder angeschlossen .

Beim Programmieren mit Esus Lokprogrammer überschreibe ich gern die Werkswerte mit meinen eigenen Präferenzen, sodass diese nach einem möglichen Reset wieder aktiv sind: Sanftes Auf- und Abblenden der Lichter, eigene Adresse. Hin und wieder gibt es eine aktuelle Firmware; schön, dass sowas angeboten wird.

Mit Sandkästen am Drehgestell gefällt der Steuerwagen besser.

Radsätze

Wie viele andere Modelle von Piko besitzen auch diese Fahrzeuge Räder mit recht rauer Oberfläche. Darauf setzt sich auffallend schnell Schmutz ab, und bei meinen ‘Schnellzugwagen’ von Piko hatten sich die Radspitzen nach nur wenigen Stunden Fahrbetrieb in die Drehgestelle hineingefräst. Das muss ja nicht sein. Also ersetzte ich Pikos Achsen gegen Produkte von Thomschke. https://modellbahn-radsatz.de/h0/radsaetze-h0-gleichstrom/piko/piko-lkdm-114mm—achse-244mm.php

Sicherheitshalber wurden zusätzlich Messinglager von Peho in die Drehgestelle eingebracht. Vor dem Einsetzen der Achsen unbedingt ein Tröpfchen Öl spendieren.

Tipps

  • Die unteren, sichtbaren Bereiche der messingfarbenen Radschleifer kann man tiefschwarz lackieren, bzw. RAL graubraun 8019 bei den Silberlingen mit blauem Längs-Träger
  • In denselben Farben sollte man die Radscheiben seidenmatt schwarz bzw. graubraun 8019 auslegen. nur die äußeren Radreifen und natürlich die Spitzen bleiben frei. Dadurch wirken die Fahrzeuge ’schwerer‘ und vorbildgerechter.
  • Das Pult im Führerständ sollte mattgrün eingefärbt werden, ein Lokführer schadet nie.
  • Die Drehgestelle wurden zwischenzeitlich von Piko etwas überarbeitet. Seitdem halten sie die Wagenkästen auf gesundem Abstand. Hier im Vergleich sieht man links ein schwarzen Drehgestell neuer Fertigung, rechts ein braunes, älteres. Man kann neue Drehgestelle als Ersatzteile ordern, dabei immer auf aktuellste Artikelnummern und die passenden Farben achten.
links ein aktuelles Drehgestell, rechts die erste Ausführung.
Unterhalb der Klippse ist rechts mehr Raum bis zur Kante zu erkennen.

Materialliste

Esu Radkontakte 50707
http://www.esu.eu/produkte/innenbeleuchtungen/powerpack-radkontakt/

Esu Platine 51967
www.esu.eu/produkte/zubehoer/adapterplatinen/21mtc-adapterplatine-2/

Esu FX Decoder 54621 21mtc
http://www.esu.eu/produkte/lokpilot/lokpilot-fx-v40/

Messing-Lager
http://peho-kkk.de/mshop/index.php/spur-h0.html

Radsätze
http://www.das-service.de/modellbahn-radsatz/h0/radsaetze-h0-gleichstrom/piko/piko-lkdm-104mm—achse-244mm.php

LED 0603 in Glühlampen-Farbtemperatur
https://www.railroad24.com/epages/es10595924.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/es10595924/Products/5611