Minitrix & Fleischmann-Piccolo – Unheiteres Sägen am eigenen Ast.

Die Modellbahn in 1:160 ist eine tolle Sache: Viel älter, als H0 (N: 1912, H0: 1935) und außerdem platzsparend. In letzter Zeit häufen sich Beschwerden über die Qualität der N-Lokomotiven und Waggons. Und das wird so langsam gefährlich.

Wenn man ein Produkt erwirbt, egal welcher Art, dann möchte man den geforderten Preis widergespiegelt bekommen. Durch Qualität, Features und / oder den Markennamen. Denn die Modellbahnerei ist vor allem auch eine Identifikations-Möglichkeit. Es gibt Hersteller, die ihre Kunden mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis über Jahrzehnte erfolgreich an sich binden. Betrachtet man aber die jünsten Auslieferungen der beiden großen Namen in der Baugröße ‚N‘, dann entstehen Zweifel, ob das so noch lange gutgehen kann.

Der Spur N erging es ein bisschen, wie der Musik-Cassette gegenüber der Schallplatte: H0 und LP waren zuerst da – also verehrt man sie als ‚heilig‘. Die modernere Variante, also die N-Bahn oder eben die Cassette, kamen später, wurden zuerst verlacht und später zumindest fortwährend diskriminiert. Wie ein Generations-Konflikt, der stur über Jahrzehnte ausgetragen wird.

Allerdings kann es auch vorkommen, dass das Geschmähte sich selbst torpediert, indem zum Beispiel billigeres Band-Material verwendet wird und sich die Haltbarkeit verschlechtert. Die Kunden nehmen dann schnell Abstand. Ähnlich ergeht es derzeit leider der Spur N.

Fleischmann-‚piccolo‘ – inzwischen ein Trauerspiel.

Eine ganze Reihe von Händlern berichten, dass sie unter den vielen, vielen reklamierten Fahrzeugen in Schachteln mit erneuertem ‚Fleischmann‘-Logo (mit abgeschnippeltem ‚M‘) geradezu „absaufen“. Einige Äußerungen klangen geradezu verbiestert, weil es derartiges bei original-Fleischmann nicht gegeben hat. B-Ware? Wie man hört, damals allerhöchstens Geheimsache. Und heutzutage der Normalfall?

Nun ist Fleischmann-‚piccolo‘ für viele N-Bahner das Synonym für die N-Bahn, vor allem, seitdem Hornbys eigentümliche Mannschaft die Marke ‚Arnold‘ vom Kult-Produkt zum HaveBeen hat verkommen lassen. Auf die Piccolo war Verlass gewesen. Längst aber hat eine Erosion des Vertrauens eingesetzt, und so etwas ist schwer zurückzugewinnen – speziell im Fall der Firma, der die Fleischmann-Formen inzwischen gehören.

Mir ist es eigentlich egal, wo Modellbahnen produziert werden. Klar ist mir eine Fertigung im eigenen Land am Liebsten. Wir sprechen hier immerhin über Deutschland, und hier ging mal was. Die Firma Sandakan in China hat in den Nullerjahren brilliante Qualität geliefert, an alle möglichen Hersteller, die ich hier natürlich nicht nenne. Leider gibt es diese Firma nicht mehr. Und was aktuell in Fleischmann Kartons ausgeliefert wird, das hat mich ein paar Mal vom Kauf Abstand nehmen lassen – gut für die Nerven derer Entscheider, schlecht für ihren Umsatz.

Minitrix – absurd teuer, Qualität frustrierend.

Ähnlich ergeht es leider der Minitrix, und damit sind gleich beide großen Namen der Spur N im europäischen Raum angeschlagen. Zusammen mit Arnold Anfang der 60er Jahre war Trix Begründer der N-Bahn, aber heute erkennt man die Marke kaum noch wieder. Eine Märklinisierung hat eingesetzt, die den N-Bahnern nicht schmeckt. Was in H0-AC funktioniert, das läuft in N angesichts der großen Konkurrenz, international zudem, noch lange nicht.

Decoder in den Loks ab Werk – geschenkt. Schließlich konfiguriert niemand sein Smartphone selbst. Aber jede neue Lok ab Werk mit Sound zu Listenpreisen von um 300 Euro, das wird in N auf Dauer nur noch eine Minderheit bezahlen wollen. N ist aber für den Massenmarkt gedacht, anders, als Z, die wirklich nur für eine sehr spezielle Klientel produziert wird. N war die Modellbahn für Jedermann, die de facto in jeder Wohnung Platz findet.

Zudem: ‚Sound‘ in ‚N‘ klingt niemals wirklich satt. Das geht gar nicht, jedenfalls nicht nach derzeitigem Stand. Und märklins Soundfiles sind alles andere, als überzeugend.

Die teuren Minitrix-Sound-Loks und die aktuellen Personenwagen, deren Formen in weiten Teilen 20, 30 Jahre alt sind, und die heute pro Exemplar für 50 Euro angeboten werden, das wirkt alles sehr verzweifelt: Wenn die Stückzahlen nicht stimmen, dann versucht man eben, aus den wenigen verbliebenen Kunden etwas mehr Zaster herauszupressen. Im Ergebnis schiebt man die Minitrix so langsam aber sicher aufs Abstellgleis. Denn allein von „Rechtsanwälten und Ärzten“ wird die Minitrix nicht überleben.

Wieso ist der Minitrix-Steuerwagen kürzer, als seine Mittelwaggons…? ?

Abbgesehen von den Preisen stellen sich mehr und mehr Qualitäts-Probleme als Ärgernis heraus, eben, wie auch bei Fleischmann-N. Sie alle aufzuzählen, würde langweilig. Hier nur ein paar Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung.

  • Mir ist kaum ein Minitrix-Fahrzeug aus der Fertigung von Anfang des Jahrtausends bis heute bekannt, dessen Achsen nicht irgenwie eiern. Wie das beim Fahren aussieht, kann man sich denken.
  • Die bananen-förmigen roten Doppeldecker auszuliefern war eine Frechheit. „Ist ja nur Minitrix“?
  • Aktuelle Kupplungen haben zuviele Schwimmhäute, sodass sie sich nicht frei in den Kupplungs-Schächten bewegen können.
  • Die Dächer aktueller Silberlinge sind zumeist verzogen, auch mal zu kurz, und dieser seitliche Überstand ist mir völlig neu.
  • Der Karlsruher Kopf von Minitrix ist kürzer, als seine Mittelwaggons. Eine Glanzleistung.
  • Dessen Schleppschalter funktioniert nicht, und die Radschleifer sind viel zu stramm, d.h. zu dick. Man muss hier nachträglich einen Decoder einlöten und feinere Radschleifer einbauen, damit sowohl Fahrverhalten als auch Beleuchtung überzeugen.
  • Kupplungshalter der neuen, teuren Minitrix-103 hängt schräg herab. Nach diversen Varianten denkt man wohl darüber nach, dieses Teil neu zu machen. Reichlich spät.
  • Die Fenster neuerer Minitrix-Silberlinge ragen seitlich nach außen aus dem Gehäuse. In H0 wäre derartiges unverkäuflich.
  • Die roten Zierstreifen der neuen 103 mit komplett rotem Rahmen sind ungleichmäßig dick und zudem ausgefranst aufgedruckt. Für mich ist die Lok deswegen uninteressant.
  • Die City-Bahn Köln-Gummersbach bekam stur kieselgraue Fensterrahmen, obwohl ihre Vorbilder großteils beigefarbene Fensterrahmen besaßen. In H0 hatte märklin vor Jahren sogar silberne Rahmen aufgedruckt, ebenso Piko in H0 und G sowie Tillig in TT. Soviel Unsinn. Gänzlich anders bei Fleischmann: Sowohl in H0 als auch N haben die Franken diese Fahrzeuge mehrmals in richtigen Farben ausgeführt.
    Wozu leisten sich die Hersteller eigentlich Dokumentations-Abteilungen?

Und so weiter…

…der lachende DriTTe…

Dabei hat inzwischen ein leiser Trend eingesetzt, hin zu kleineren Modellbahnen. In den 90er Jahren war H0 einfach ‚das Ding‘. Aber inzwischen merken mehr und mehr Modellbahner, dass man für H0 schon mehr Platz braucht, als ein blödes Türbrett. Teppichbahning ist auf Dauer unpraktisch. Und In N oder auch TT kann man schon mehr aufbauen.

Insofern ist es geradezu behämmert, ausgerechnet in N an der Qualität zu sparen, weil man hier einen belebenden Trend befeuern könnte. Aber man orientiert sich an den langjährigen Kunden, und offenbar geht man davon aus, dass diese schon alles schlucken werden. Mitnichten. Wäre das so, gäb es kein Revival der Spur Null, die vor allem von älteren Herren gekauft wird.

Die Gleichgültigkeit der Entscheider (das müssen keineswegs immer die direkten Produktmanager sein) dürfte sich auf Dauer geschäftsschädigend auswirken. Wer vorhat, über die kommenden Jahrzehnte eine schöne Modellbahn-Sammlung in 1:160 aufzubauen, dem kann man leider nicht gerade die aktuellen Produkte der beiden großen Namen empfehlen. Immerhin, es gibt einen 50jährigen Backkatalog…

Ausgerechnet Tillig könnte das Versagen der Anderen freuen. Denn deren TT Sortiment zusammen mit Herstellern wie Kres, Kühn, Piko und ehemals Roco ergibt ebenfalls eine respektable Auswahl – in einer Baugröße, die Unvorbelasteten zumeist auf Anhieb sympathischer ist, als die N, die immerzu als „klein“ wahrgenommen wird. Nicht jeder braucht ein Status-Symbol, sondern wünscht sich einfach eine bezahlbare Modellbahn, die sich auch wirklich fest aufbauen lässt.

BASS, BASS, wir brauchen BASS! (im TEE und Lyntog von Roco)

…rappt ‚Das Bo‘, und recht hat er: Auch Modellbahn-Loks klingen besser mit Bassreflex-Boxen.

Wer glaubt, dass die aktuell beliebten Lautsprecher im ‚Zuckerwürfel‘ Format guten Sound produzieren, hat noch nie die Bassreflex-Speaker von DCC Supplies gehört. Kurz gesagt: Die! Haben! Wumms!

…ein alter TEE von Roco mit LED-Innenbeleuchtung, Esu Sound und Bassreflex-Box.

Offensichtlich probehalber habe ich so ein Ding in einen TEE von Roco eingebaut und wohl ein bisschen naiv die Taste F1 gedrückt. …und eine Bestie erwachte zum Leben! 😀

Schnell das Dach aufgeklippst (die runden Gitter sitzen dann direkt über dem Lautsprecher), und es klingt direkt noch satter. Sowas in H0, das ist unglaublich und bedarf im Spielbetrieb dringend der Lautstärken-Regulierung.

Zwar passen diese Lautsprecher nicht überall hinein, aber in klassischen H0-Loks von Fleischmann und märklin kriegt man die schon unter.

Meiner Einschätzung nach sind das die derzeit besten Lautsprecher für Modellbahnen, die man kaufen kann. Apropos, Bezugsquellen sind entweder ebay oder natürlich die DCC Supplies Website:

https://www.dccsupplies.com/cl-108/miniature-speakers.htm

…könnte allerdings sein, dass man danach an normalen ‚Zuckerwürfeln‘ die Lust verliert.

Führerstände für Rocos TEE

Seit 1983 besitzt der ‚Trans Europ Express‚ von Roco den Makel, dass man durch die Fenster der Führerstände direkt auf die zumeist knallgrünen Platinen schauen kann – denn trotz der feinen Gehäuse-Detaillierung hat es nicht für die Nachbildung der Führerstände gereicht. Bis heute ist das so. ??‍♂️

Dabei gibt es inzwischen ein passendes Bauteil: Zum Erscheinen der dänischen Variante ‚Lyntog‘ (Blitzzug) konstruierte man bei Roco einen solchen Führerstand, der dann im speziellen Steuerwagen zum Einsatz kam. Dieser Führerstand passt aber auch in den Motorwagen und zwar so exakt, dass man Absicht vermuten darf. Leider ist man bei Roco zu doof, diesen Führerstand ab Werk in beide Fahrzeuge einzusetzen – der Jubi-TEE wird es zeigen, ob man in Österreich aufgewacht ist.

So sieht ein TEE bzw. ein Lyntog mit Führerstand aus.

Das Ersatzteil hat übrigens die Nummer 115347 und ist zur Onlinestellung dieses Artikels nicht lieferbar. Man sollte also immer mal wieder Rocos Ersatzteil-Website checken, ob sich daran etwas geändert hat. Denn wie die Bilder zeigen, wertet so ein Führerstand das Fahrzeug wirklich extrem auf.

Fehlt nur noch der oder (die beiden) Lokführer.

Bremsscheiben

Beim Vorbild besitzen die acht (vier) angetriebenen Räder auffällige Bremsscheiben. Auch deren Nachbildung spart sich Roco seit 1983, immerhin ist die Form der Räder in deren Bereich erhaben ausgeführt. Das erleichtert die Nach-Arbeit.

Bremsscheiben, wie sie sein sollen.

Verwendet habe ich kein normales Silber (das kann ja jeder), sondern Humbrol Polished Steel 27003. Diese Farbe pinselt man sorgfältig auf, lässt sie gut trocknen, und erst am nächsten Tag poliert man sie mit einem weichen Tuch glänzend, bis es ‚echt‘ aussieht. Der Effekt ist fantastisch.

Wer dabei eine gewisse Ungereimtheit feststellt, was Rad-Zentrum und in der Blende dargestellte Radlager betrifft, der hat recht: Diese sollten eigentlich übereinstimmen. Tun sie aber nicht. Und seltsamerweise findet sich ganz genau dieser Fehler auch beim märklin-Modell aus 2002. Welches überdies ebenfalls keine Führerstände besitzt. ?Also wirklich. ZUFÄLLE gibt es…

Piko Pimping: Vectron 59970 Railpool mit Zugziel-Anzeige & Fernlicht.

Pikos H0-Vectron bringt alle Voraussetzungen für interessante Licht-Spielereien mit. Aber wie so oft hat sich Piko auch beim Vectron das Bestücken mit den zusätzlichen LED gespart. Schon 1995 besaß märklins ’12x‘ schaltbare Fernscheinwerfer, das nur mal als Vergleich.

Es ist schon eigenartig, dass Piko zwar Lokomotiven der Epochen 3 & 4 mit LED für Maschinenraum-Beleuchtungen ausstattet, gerade aber moderne Fahrzeuge, die besonders viele Licht-Funktionen besitzen, spartanisch bestückt ausliefert. Bis heute. Obwohl gerade deren Zielgruppe, zumeist eher jüngere Modellbahner, dank ihrer Prägung auf Digitaltechnik für deren Möglichkeiten offener sind.

In den Loks ist zudem (fast) alles Erforderliche vorhanden: Lötpads für die LED & Widerstände und die jeweiligen Lichtleiter. Es sind wirklich nur Cent-Artikel, die Piko einspart. Logik? Da bin ich gespannt.

Was geht bei Pikos Vectron:

Im Fall aller mir bekannten Vectron-E-Loks von Piko in H0 sind Fernscheinwerfer realisierbar. Speziell die Railpool-Variante erhält außerdem funktionsfähige ZugzielAnzeigen.

Demontage

Um das Gehäuse abzunehmen, dreht man die vier kleinen Schrauben heraus, die im Rahmen neben den Drehgestellen sitzen.

Zugziel-Anzeige (Schrift)

Vorsichtig entfernt man nun die dicken, dunkelgrauen Lichtleiter-Gehäuse aus dem Lok-Inneren. Auf deren Lichtleiter klebt man die von Andreas Nothaft extra angefertigten Schiebebilder; eine ausführliche Anleitung liegt denen bei. https://www.modellbahndecals.de/ Nach dem Trocknen steckt man die Lichtleiter wieder ins Gehäuse.

Heeerlich, hömma! 🙂

Aus Spaß und etwas Lokal-Patriotismus habe ich diesen Vectron als Ersatz-Lokomotive einer typischen Regionalbahn-Route des Ruhrgebiets vorgesehen ‚S6 Essen‘. Ob das beim Vorbild überhaupt technisch möglich war, ist mir schnuppe: Bei meiner Bahn ist das möglich. 🙂

In den Fronten Pikos Railpool Vectrons befinden sich klarsichtige Kunststoff-Körper, die die von außen sichtbaren Display-Körper nachbilden. Sie klemmen zwischen Gehäuse und äußeren Verkleidungen. Und leider sind sie ab Werk rückseitig grau lackiert: Als ob mich ein Farb-Auftrag vom ‚Pimpen‘ abhalten würde. 😉

Um diese lästige Farbschicht zu entfernen, sollte man die Glaskörper jeweils einzeln in Händen halten können. Dazu hebelt man mit allergrößter Vorsicht aus den Lok-Fronten die separaten, silbernen Gehäuse-Einsätze heraus. Dabei sehr behutsam vorgehen.

Mit Wattestäbchen und reinem (!) Alkohol habe ich das auflackierte Grau entfernt. Von anderen Chemikalien rate ich ab, weil diese das klarsichtige Plastik angreifen und stumpf werden lassen können. Die nun glasklaren Einsätze legt man zurück in die Fronten und klemmt sie sie mit den Kunststoffplatten fest.

Zugziel-Anzeige & Fernlicht (LED)

Man braucht insgesamt nur vier zusätzliche LED: Pro Führerstandsseite jeweils eine in warmweiß und eine in orange. Typ 0603, dazu jeweils einen Widerstand mit 10 kOhm in der Bauform 1206. Wo das alles angebracht wird erkennt man auf den Fotos, oben rot, mittig weiß für das Fernlicht.

…und es ward Licht.
Die orangefarbenen Kabel versorgen Fernlicht & ZZA. Links auf der Platine schief aufgelötete, neue Widerstände.

Zunächst lötet man die Widerstände auf die Rückseite der Lichtplatinen, kurze Litzen verbinden sie mit den Kontakten der Hauptplatine. Hier kann man nach eigener Auffassung frei wählen, Pikos Platinen sind ja netterweise klar beschriftet.

Anschluss unter Führerstand 2.
Anschluss unter Führerstand 1.

Auf den Fotos sieht man einen ersten Versuch: Die Tasten F1 und F2 schalten die Beleuchtung führerstandsseitig komplett aus (im Decoder von mir so programmiert), die Taste F4 schaltet die Zugziel-Anzeige simultan beidseitig, und die Tasten F6 und F7 jeweils die Fernlichter. Ich finde, das muss irgendwie noch eleganter gehen, dazu später mal mehr.

Bitte recht freundlich. 🙂 In echt ist das natürlich nicht so über-hell.
Apropos hell. 😀

Räder

Schicke Schlappen für Pikos Vectron. 🙂

Die urspünglichen Scheibenräder sehen natürlich furchtbar aus, deswegen wurden sie direkt gegen die recht günstigen neuen Räder mit Bremsscheiben ausgetauscht. Die Mitten der Radscheiben habe ich beim ‚Wiener‘ Vectron farblich passend zu den Drehgestellblenden quarzgrau lackiert, beim Railpool wird das noch folgen.

Innen sind die Radflächen farblich angepasst: Quarzgrau.

Radsätze: https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=24409&vw_name=detail

Farbe: https://shop.elita.de/epages/ElitaModelleShop.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/ElitaModelleShop/Products/57039

Die Pantos werden in naher Zukunft ebenfalls den feineren Varianten weichen.

https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=24406&vw_name=detail

Fazit:

Diese Arbeiten sind recht schnell erledigt, und die Lok ist einem danach persönlich umso wertvoller. Aber natürlich hätte das Piko auch ab Werk so liefern können.

…und wer etwas lernen möchte: www.ruhrgebietssprache.de 🙂

Piko Pimping: Schnellzug-Wagen der Bundesbahn

Pikos D-Zug Wagen können mit etwas Nach-Arbeit sehr wohl gefallen.

Als ich vor einigen Jahren einen D-Zug der 70er Jahre haben wollte, kam das einzige komplette Angebot in maßstäblicher H0-Länge von Piko. Denn Roco fand mal wieder Ost-Europa wichtiger, und LSmodels war allerorten ausverkauft.

Also griff ich zu Piko und war einigermaßen überrascht ob des Gebotenen. Anderen Modellbahnern ging es damals möglicherweise ähnlich, denn der niedrigste Online-Preis für diese Waggons lag zu der Zeit bei €18. Achtzehn.

Inzwischen ist natürlich bekannt, was einen erwartet: Schnörkellose, nett gemachte Nachbildungen der Vorbilder mit angegossenen Griffstangen und einteiligen Einrichtungen. Das Alles ist per se nichts Schlechtes, denn die Fahrzeuge machen ja einen guten ersten Eindruck. Wenn es doch nur so bliebe.

Nach kurzer Zeit des Fahres hatten sich viele Achsspitzen dieser Waggons in den Kunststoff der Drehgestelle hineingebohrt. Außerdem blieb die metallische Farbe der Fensterrahmen auf Dauer nicht grifffest. Piko tauschte mir die betroffenen Gehäuse netterweise aus; später wiederholte sich das Phänomen.

Drehgestelle & Radsätze

Das Wichtigste war und ist für mich sicherer Fahrbetrieb. Dazu setzte ich in sämtliche Drehgestelle dieser Waggons die Metall-Lager von Peter Horn ein. Diese und das passende Werkzeug gibt es hier: http://peho-kkk.de/mshop/index.php/spur-h0.html

An Pikos Popwagen deutlich zu sehen: Die Rad-Zentren sind nicht mehr auf Höhe der Achslager. Diagnose: Eingefressen. Nach drei Tagen.
An diesem Popwagen von Piko ist noch alles in Ordnung. Bis auf den fehlenden kieselgrauen Zierstreifen über den Fenstern…

Der Einbau erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl. Es gibt zwei Bohrer, mit dem Großen senkt man die vorhandenen Vertiefungen weiter ab, bis die Lagerschalen komplett hineinpassen. Sekundenkleber fixiert die Metall-Lager im Kunststoff. Gut anziehen lassen, erst dann die neuen Achsen einsetzen.

Man muss beim Bohren schon sehr vorsichtig und sanft vorgehen, denn denn der Kunststoff der Drehgestelle ist recht weich und kann bei grobem Bohren mitdrehen und brechen. Aber ich habe das ja auch hingekriegt. 🙂 Am Besten mit kaum merklichem Druck und sehr langsam drehend vorarbeiten. Bedacht ist angesagt.

So bohrt man vorsichtig die Vertiefungen für die Peho-Achsslager.

Mit dem dünneren Bohrer kann man die Lagerschalen innen nachträglich etwas vertiefen, wenn die Achsen etwas zu stramm sitzen. Bei meinen Waggons war das aber nur selten nötig; immerhin gut, dass man es kann. In jedes Lager gehört ein Tröpchen Öl, damit’s später nicht quietscht.

Und so sieht das Ergebnis aus.

Und weil Pikos Räder dank extrem rauer Laufflächen jede Form von Schmutz nicht nur aufnahmen sondern auch ungleichmäßig verteilten, orderte ich zusätzlich zu den Lagern von Peter Horn passende Achsen von Thomschke: https://www.modellbahn-radsatz.de/h0/radsaetze-h0-gleichstrom/piko/piko-lkdm-114mm—achse-244mm.php

Achsen von Thomschke, seitlich zum Drehgestellrahmen passend schwarz eingefärbt. Die Radreifen belasse ich metallisch, sieht schicker aus.

Im Ergebnis rollen die Waggons dank der Metall-Lager und neuen Achsen sogar merklich leiser.

Aber: 32 Achsen plus 64 Lager. Aufwand & Aufpreis sind wahrlich beträchtlich dafür, nur die eigentliche Funktion der Modelle auch langfristig zu sichern. Andere Hersteller bieten mehr Komfort: Sie verwenden hochwertigere Materialen, und man kann ihre Fahrzeuge aus dem Karton heraus jahrelang einsetzen. Auch preislich bietet Piko inzwischen keinen auffallenden Vorteil mehr.

Inneneinrichtung Abteilwagen

Die Kaugummi-Farben der Inneneinrichtungen in HubbaBubba-rosa und Gift-grün sind völlig inakzeptabel. Punkt. Welche Gründe auch immer bei Piko zu diesen Farben geführt haben, es waren die falschen. Wirklich jeder andere Hersteller hat in den vergangenen Jahrzehnten sympathischere Grundfarben ausgewählt. Bastler können hier natürlich nacharbeiten. Aber wieso sollten sie das überhaupt müssen.

Piko-Inneneinrichtung in grün.
Piko Inneneinrichtung in rot.

Wer diese Waggons also sein Eigen nennt, greift sich am Besten eine lange, lange Hörspiel-Reihe (um den Kopf frei zu halten), diverse Farben (zum Beispiel von elita) und gute Pinsel. Dazu Kilometer Tesa-Film zum Abkleben. Dann setzt sich an den Basteltisch, lässt sich akustisch unterhalten und fängt an, zu lackieren.

Die Schritte lauten: Alle Wände konsequent beidseitig beige lackieren. Nur nicht im Waggon 1. Klasse, da gehören sie braun.

…erstmal ‚Beige‘ RAL 1001 für die Wände der Abteile 2. Klasse.

Nach dem Trocknen klebt man in einer extrem nervigen Aktion die Wände über den Sitze ab und pinselt diese in rot (Raucher), grün (Nichtraucher) und blaugrau (1. Klasse). Wieder trocknen lassen.

Das Abkleben ist echt ätzend. Aber es hilft, wenigstens gerade Trennlinien zu erhalten…
…die dann nach dem Abziehen schräg aussehen können. Tesafilm ist nicht die beste Lösung. Die Ausreißer arbeitet man einfach Nochmal nach. Ist ja ein Hobby, und wir haben ja alle viel Zeit….

Erst am nächsten Tag den Tesafilm vorsichtig abziehen. Für den den Boden habe ich Flächen entworfen, die man sich auf grauen Karton ausdrucken kann. Sauber ausgeschnitten und in die Waggons geklebt ergeben sich von allein saubere Farbkanten, und wer später Innenbeleuchtungen einbaut, freut sich über die farblichen Abstufungen. (Download-Datei folgt.)

Wer wirklich sauber pinselt, kann einen mittelgrauen Boden aufmalen. Dabei das Atmen nicht vergessen. 🙂

Inneneinrichtung Halbspeisewagen

Halbspeisewagen: Abteile.
Halbspeisewagen: Speiseraum.

Hier gilt dasselbe Prinzip, nur, dass die Wände alle braun lackiert werden, im Speiseraum eher rötlichbraun, um die Abteil dunkelbraun. Die Sitze in den Abteilen pinselt man weinrot und die im Speiseraum blaugrau. Die Tischflächen gehören natürlich weiß und der Boden grau. Beschreibung der Innenbeleuchtung folgt. 🙂 Genauere Infos über das Vorbild bietet diese Website mit exzellenten Fotos: http://www.eisenbahn-harzvorland.de/htm/arm_216_1.htm

Abteiltüren sämtlicher Fahrzeuge:

Wennschon, dennschon: Die bei den Vorbildern messingfarbenen Abteiltüren habe ich mit einem Programm stilisiert nachgezeichnet, für beide Gangseiten: Damit man auch beim Blick von der Abteilseite Türrahmen sehen kann. Bitte darauf achten, dass die Türen für die erste Klasse etwas breiter sind, als die für die zweite Klasse. Und so kriegt man die Türen sauber in die Waggons:

In einigen Copy-Shops kann man sich Symbole als Metallfarbe in silbern (nett) oder gold (besser) auf klarsichtige, stabile Folie drucken lassen. Sauber ausgeschnitten und mit winzigen Punkten Sekundenkleber fixiert sieht das später wirklich gut aus. (Download-Datei folgt.)

Kupplungsträger

Lange Waggons anderer Hersteller rollen mit Rocos Kurzkupplung wirklich Gummi an Gummi, Pikos D-Zugwagen dagegen lassen einen überdeutlichen Abstand. Außerdem berühren die Haken der von mir verwendeten RTS Kupplungen manchmal die Pufferteller, weil die Kupplungsträger nicht weit genug ausschwenken – bei keinem anderen Fabrikat langer Waggons habe ich dieses Problem festgestellt. Also, hier wurde keineswegs optimal konstruiert.

Die Haken berühren beim Ausschwenken Pikos Puffer. Bei langen Roco-Waggons passiert das nicht.

Nun gibt es drei Möglichkeiten: 1. Resignieren, eine Kupplung nach Wahl einsetzen und den Abstand akzeptieren. 2. Mit Augenmaß die Kupplungsschächte an der Außenseite minimal kürzen und die Kupplungen einkleben. Manche Kleber lassen sich später auch wieder lösen. 3. Die Kupplungsträger wegen ihrer zu flachen ‚Möwen‘-Ausrundung herausnehmen und statt ihrer neue Kulissen von Symoba unter die Wagenböden kleben. In deren Normschächte passen dann alle Kurzkupplungen mit Normschächten, und je nach eigener Arbeit kommen sich die Waggons recht nahe. http://www.symoba-schniering.de/

Fazit:

Natürlich hatte ich überlegt, ob es nicht einfacher wäre, den kompletten Posten abzugeben. Produkte mit derartig viel ‚Nachbesserungs-Potenzial‘, um es nett zu sagen, sind schon wirklich selten. Diese Qualität entspricht keineswegs dem, was man erwartet oder von Anderen gewohnt ist. Dabei provoziert Piko den Vergleich gern ganz bewusst.

Eher aus Spaß an der Freud‘ habe ich mich dieses D-Zugs angenommen. Wer nicht basteln mag oder kann oder einfach keine Zeit dafür hat und Ready-to-run-Produkte bevorzugt, findet andernorts seine geeignete Alternative.

Den Umbau der passenden Diesellok der Baureihe 220 von Piko habe ich hier beschrieben:

Plastikpest bei Roco (2) 63377

Und wieder ist es so weit.

Ein paar Monate Ruhe haben meiner Roco V60 nicht gut getan: Nach wenigen Zentimetern Fahrt blieb die Lok mit klackernden Geräuschen stehen.

Der Grund: Die Zähne eines Zahnrades haben sich vollständig verabschiedet. Rundherum. Und das, obwohl die Lok bis vor wenigen Monaten einwandfrei fuhr. Ach ja, das heißt, bis der Motor kaputtging. (Sie haben richtig gelesen.)

Abgebrochene Zähne des linken Zahnrades.

Offensichtlich verwendet die Firma, die man unter ‚Roco‘ kennt, fortwährend Kunststoffe, die keineswegs langfristig haltbar sind. Wie man das von früher gewohnt war. Und das bei normalen Preisen der Fahrzeuge.

Die tun so, als wären sie noch die alte Firma ‚Roco‘. Sind sie aber nicht. Verlässliche Qualität: Offenbar war es einmal.

Da werde ich mal Pikos 260 checken, sobald sie im Sommer kommt…

Beim Auseinandernehmen zeigten sich weitere abgefallene Teile des oben gezeigten Zahnrades.

Rocos grausames Grau – und das Problem dahinter.

Während sich andere Modellbahnhersteller bemühen, ihre Produkte möglichst attraktiv zu gestalten, setzt die Firma, die ich kurz ‚Roco‘ nenne, nach Möglichkeit überall ein blaues Grau ein. Dahinter steckt eine fragwürdige Denkstruktur.

Aufgefallen ist mir das schon 1989, als es bei Roco diesen Farb-Putsch gab, um die Bettung des nahenden Bettungsgleises nicht im angenehmen und vorbildgerechten Braun zu färben, sondern in einem bläulichen Grau-Ton. Ich war damals 17 Jahre alt und wirklich geschockt über diese bekloppte Entscheidung. Tatsächlich färbte Roco über lange Zeit alles (un-) Mögliche in diesem Blaugrau ein, egal, ob die Farbe zu den jeweiligen Vorbildern passte oder nicht.

Oben das RocoLine Seriengleis in grau, unten eins der ersten Muster mit brauner Bettung.

…grau, grau, grau.

So erhielten Rocos Eilzugwagen in den Auflagen der 80er Jahre nicht nur grauen Rahmen, sondern auch Drehgestelle, Dachlüfter und Faltenbälge wurden derart falsch eingefärbt. So viel zum Mantra, Roco verwende „immer nur die originalen Farbtöne“. Mitnichten. Spätere Auflagen der Waggons besaßen die angesprochenen Teile übrigens in schwarz. Potz Blitz!

Graue Bettungen, graue Drehgestelle, ein grauer Rahmen, graue Lampen, graue Faltenbälge – sogar der Prellbock ist blaugrau! Roco war da schon konsequent.

Auch die Serie der Popwagen erhielt blaugraue Drehgestelle und Fahrzeug-Rahmen. LSmodels, Märklin und auch Piko färben diese Bereiche schwarz. Woran das wohl liegen mag. Eine komplette Neu-Auflage, dieses Mal mit Speisewagen, wäre sicher ein Erfolg.

Auch an diesem Roco-Waggon sind Rahmen und Drehgestelle falsch blaugrau. Genau passend zu Rocos ähnlich falsch gefärbten Drehgestellen der stahlbauen 181.2.

Sogar die Kupplungen färbt Roco seit etwa 1990 blaugrau, obwohl gerade diese Bauteile durch eine schwarze Färbung diskreter aussähen, wie das Foto beweist: Märklin, Fleischmann und sogar Liliput färben ihre Kupplungen schwarz – Roco alle grau. Alle. Drei.

Lustig ist das Argument, das man von Roco dazu hört: Der graue Kunststoff gleite besser übereinander, als der schwarze. Offenbar ein chemischer Geheimtipp, dessen Brisanz sich dem Rest der Branche entzieht. Zum Glück.

Oben drei graue Kupplungen von Roco, unten Pendants von Liliput, Fleischmann und märklin.

Hinter diesem Blau-Grau offenbart sich unfreiwillig eine ängstliche Denke, die das Programm der Marke Roco seit Ende der 80er Jahre durchzieht. Die tote Farbe ist nur eine Signifikanz dafür.

Denn Grau lässt einen kalt. Es erzeugt keine Emotionen. Roco bevorzugt den Weg des geringsten Widerstandes: Anstelle klarer Ansagen tarnt man sich im Ungefähren, damit möglichst niemand sich an irgendetwas Auffälligem stören könne. Sensible Naturen vermissen dagegen das Mögliche. Was Andere bieten. Das ist eins der signifikanten Probleme der Marke Roco.

Was ist eigentlich ‚Roco H0‘?

Anstelle sich zu einer ausdrucksstarken Konzeption des Produktes ‚Roco H0‘ zu bekennen, bietet man einen chaotischen Gemischtwaren-Laden an mit vier Kupplungen, ehemals sechs Gleissystemen, diversen Schnittstellen und drei Wagenlängen. Dass so etwas bei Kunden zu Verdruss führt, dürfte sich jedem klar Denkenden erschließen. Denn man braucht nicht für den Hersteller mitzudenken, das erledigt dieser schön selbst.

Modellbahnen kauft man zumeist über Jahrzehnte; das Hobby baut sich langsam auf, und es ist nicht nur Luxus oder Lifestyle. Die meisten Modellbahner identifizieren sich mit der Marke oder wenigstens der Ausrichtung der eigenen Sammlung – so, wie es eben einen Unterschied macht, ob man BMW oder Mercedes fährt.

Bei Roco aber hegt man offenbar die Befürchtung, durch ein klares Programm Kunden zu verprellen. Gerade diese ängstliche Konzeptlosigkeit vergrätzt nicht nur Neu- sondern auch langjährige Stamm-Kunden. Bei einem Sammelhobby möchte man wissen, woran man ist.

Alle Plastikteile der Steuerung dieser Roco-Dampflok sind blaugrau gefärbt. Völlig unpassend.

Wie oft haben wir in der Vergangenheit über eine immer wieder neue Ausrichtung von ‚Roco H0‘ gelesen, die jedesmal nach kurzer Zeit in Vergessenheit gebracht wurde. Sogar die eigentlich sehr sinnige Unterteilung in Playtime, Professional und Platin wurde nicht nur wenig nachvollziehbar umgesetzt, man gab sie auch nach kürzester Zeit wieder auf. Hü und hott.

Von der „Nachwuchs-Förderung“ durch den Unsinn „Next Generation“ ganz zu schweigen: Da war ich der Einzige, der diesem Quatsch einen 100%igen Mega-Flop vorhergesagt hat. Und wirklich jeder Gesprächspartner schulmeisterte mich, -ich sei zu engstirnig, -man müsse was für Kinder blah, -das Konzept sei toll, – und ich hätte eben keine Ahnung von Kindern und -sei vielleicht zu alt… Kurz gesagt, nach 18 Monaten war der unselige Spuk vorbei. Und Roco hatte keine „Nachwuchs-Förderung“ mehr. Man könnte sagen: Wie immer.

Immerhin fuhren die Lok von „Next Generation“ aus der Packung heraus mit DCC-digital, was Roco übrigens fortwährend vergaß, den Kunden mitzuteilen.

Auch Erwachsene würden sich über Loks mit Decodern freuen, denn auch das Prinzip der Schnittstelle ist ein Indiz dafür, dass man sich bei Roco seit über 25 Jahren nicht traut, dem Kunden fertige Produkte anzubieten: Der Kunde möge bittschön selber Hand anlegen und den „Decoder seiner Wahl“ einsetzen.

In Wahrheit birgt dies ein hohes Frustrations-Potenzial. Ich habe gestandene und wirklich nette Mannsbilder gesehen, die verzweifelt versucht haben, Griffstangen in ihre neuen Roco Loks einzusetzen. Was passiert wohl, wenn man solchen angehenden Modellbahnern zumutet, ein Gehäuse abzuklippsen, einen Decoder einzustecken – UND zu programmieren…? Klar, warum märklin das cooleres Image besitzt. Damit kommt jeder zurecht.

Und wer jetzt arrogant einwirft, solche Zeitgenossen seien eben nicht das richtige Publikum für Roco H0, der darf sich stolz zu den potenziellen Totengräbern von ‚Roco‘ zählen. Im Laden stellen sich die Dinge nämlich anders dar, als im Forum. Oder im Verein. Und im Laden wird das Geld verdient. Weder im Forum, noch im Verein.

Oben die veraltete 8polige Schnittstelle, unten die aktuelle mit 22 Kontakten.

Denn was schon 1995 fummelig war (und dem Fachhandel unnötige Arbeit bescherte!), das ist in 2020 ein muffiger Anachronismus. Heute erwartet man Produkte, die aus der Schachtel heraus funktionieren. märklin-Loks sind stabil, man nimmt sie aus der Schachtel, sie melden sich an der Zentrale an, und dann kann man digital Modellbahn spielen. So muss das in 2020 sein, und, peinlich für Roco, märklin-Loks können das seit 1984 (okay, Anmelden durch mfx seit 2005).

Mit Zimo hat Roco einen Decoder-Hersteller, dessen Decoder selbst in der €20.- Version auch analog wunderbar funktionieren. Mehr dazu hier:

Loks mit Decoderplatinen drin, gut abgestimmt und ready to run – bei märklin gibt es das. Bei Roco (und Piko) für DCC nur mit Sound. Bis heute versteckt sich Roco hinter dem Argument „der Markt verlangt analoge Loks“. Von wegen: Eine simple Steuerung ähnlich märklins 6021 oder Rocos Lokmaus1 und Loks zu normalen Preisen, plus klare Anleitungen, wie sich ältere Loks umbauen lassen, das wäre es schon.

Es fehlt eine klare Ausrichtung bei Roco. Natürlich baut die Marke schöne Modellbahnen. Und deren Fundus bietet sogar unzählige, nett gemachte Waggons in 1:100, über die sich viele Platz-beengte Modellbahner freuen würden.

Aber solange man bei Roco keine Idee hat, womit man sich eigentlich am ‚Markt‘ platzieren möchte, solange muss man eben mit dem österreichischen Chaos leben lernen. Oder resignieren und Schlüsse ziehen, jeder nach seiner Fasson. Kein Wunder, dass Rocos Kupplungen und die Line-Bettung noch immer grau sind… 🙂

Messe-Neuheiten 2020, ein paar Kommentare.

Die Spielwarenmesse 2020 hat für die Modellbahn keine Knaller-Neuheit gebracht. Das Meiste ist nur eine logische Fortsetzung des Vorhandenen. Es macht sich eine Tendenz zum Hochpreisigen bemerkbar, die ich vorerst umkommentiert lasse. Es folgen ein paar Bemerkungen zu Neuheiten, die mir aufgefallen sind. Dabei beziehe ich mich ausschließlich auf die Baugröße H0.

Meine absolute Lieblings-Neuheit ist der H0-Bausatz von Faller für ein modernes Büro-Gebäude, variabel zu gestalten:

(c) Faller Versicherungsgebäude H0 130891

https://www.faller.de/de/de/Produkte/Neuheiten-2020/H0-Programm/Handel-Gewerbe-Industrie/pid.14.17.1148/agid.2272.2278/atid.28410/ecm.at/Versicherungsgeb%C3%A4ude.html

Dicht gefolgt von den ‚gleichgeschlechtlichen Paaren‘ der Marke NOCH.

(c) NOCH 15511, na endlich: Nette Schwule und Lesben. ?️‍?

https://www.noch.de/de/noch-modell-landschaftsbau-neuheiten/noch-neuheiten-2020/gleichgeschlechtliche-paare-15511.html

Beide Produkte sind eigentlich seit fünfzehn Jahren überfällig; endlich sind sie da. Und es sind Faller und NOCH, die in der Jetztzeit angekommen sind. Und die Anderen so?

Kurz gesagt, märklin macht ‚Dienst nach Vorschrift‘ und bedient seine Kunden, die offenkundig begierig die höchstmöglichen Preise zahlen wollen: Der BIGBOY, Grundkonstruktion 19 Jahre alt, kostet 970.- Liste? Achso.

Bei der Marke Roco hat man dafür ganz offensichtlich keinen Plan: „Nie wieder verkürzte Waggons“ verlautbarte es vor Kurzem aus Österreich, und prompt kommen dieses Jahr Waggons in 1:100, noch dazu für die SBB vorbild-frei. Die neue Bogenweiche soll vielleicht Ende dieses Jahres (2020) erscheinen. IC2? BR612? Andere Eierköpfe? Ein maßstäblicher ICE1? Nix da.

Den maßstäblichen ICE1 avisiert dieses Jahr Hornby unter dem Label ‚Lima Expert‘ mit einer Längen-Angabe, die dem in 1:100 von märklin gleicht. Deswegen dreimal (!) bei Hornby angefragt, kam schließlich eine völlig nichtssagende blahblah-Antwort. Aus dem Stummiforum schließlich floss die Info, der ICE1 komme entgegen der Angabe sehr wohl komplett maßstäblich. Worst consumer experience ever, dear. https://www.hornby.com/uk-en/lima-expert-h0-1-87-db-4-unit-set-emu-class-401-ice-1-contains-2-powerheads-and-2-intermediate-coaches-period-iv-v.html

Nachtrag: Nur zwölf Stunden nach Veröffentlichung dieses Textes traf ganz zufällig eine Email von Hornby ein zum Thema ICE1 mit dem Wortlaut „Lima ICE1: Totally new tooling and first 100% H0 scale model of this train (competitors made it shorter). 2020 packs include a 2nd class and 1st class service car. Standard 1st class and restaurant carriages will be made 2021 to complete the train to correct length.“ Na also, warum denn nicht gleich so. Und die ‚Adler‘ kam ja auch aus UK. ?????

Irgendwie originell ist, wieviel Mühe man sich bei Roco gibt, die wirklich typische Variante einer blauen Kasten-110 nach Vorbild der 80er Jahre zu vermeiden: Mit blauem Dach, Klatte-Lüftern und Doppellampen. Inzwischen gab es wirklich alle anderen möglichen Kombinationen – bis eben auf die genannte Version. (Vom nicht vergleichbaren Modell in sogenannter ‚ClassiC‘-Qualität mal abgesehen.) Dieses Jahr bringt Roco eine blaue 110 mit blauen Dach und eben Klatte-Lüftern – aber Einfach-Lampen. Zu lustig. Nicht. Sicher werden in diesen Lampen wieder nicht die kleinen roten Schlusslichter sein, wie noch um 2008… https://www.roco.cc/de/product/242515-110-0-0-0-0-0-002-1/products.html Piko, übernehmen Sie!

Piko ist ohnehin unübersehbar im Attacke-Modus: Natürlich zielt die Dampflok der BR 78 zugleich auf Roco (Fleischmann-Modell, neu aufgelegt) und märklin (Jahres-Neuheit). https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=30469&vw_name=detail Die schrullige E-Lok der alten BR 191 dürfte ebenfalls gegen Roco gerichtet sein, später dürfte Piko dann die E60 nachreichen. Wirklich ein Zirkuspferd ist die E-Lok der BR S 499 der CSD https://www.piko-shop.de/index.php?vw_type=artikel&vw_id=30439&vw_name=detail, die mit ihren speziellen Formen und Farben sicher jeden Bauhaus-Fanatiker in den Wahnsinn treiben und dennoch auch den Mich(a)el erfreuen dürfte…

Bei der Produkt-Range von Viessmann, Kibri und Vollmer vermisse ich irgendwie die gute Laune; die Produkte wirken alle so gelangweilt zusammengestellt. Ebenso bei der Firma Lenz, deren Decoder fraglos das, was sie können sollen, sehr gut erledigen. Was aber im Vergleich zur Konkurrenz nur noch Basics sind. Ich persönlich finde ja, dass Handregler, die im Jahr 2020 weder Loknamen noch Funktions-Icons anzeigen können, nicht minimalistisch sind, sondern die Grammophone der Digitaltechnik. https://www.lenz-elektronik.de/digitalplus-handregler-lh101.php

Bei märklin macht mir das Einsteiger-Programm mehr Spaß, als der ernste Rest. Der Halloween-Zug ist schon mal direkt geordert. Dazu passend gibt es übrigens online in verschiedenen Shops die Villa der ‚Munsters‘ in 1:87, Das war eine alte, reichlich bekloppte Fernseh-Gruselserie. https://www.maerklin.de/de/suche/?q=halloween Auch der MyWorld Kran auf Rädern ist toll, und die Emma, wie alles von Michael Ende. https://www.maerklin.de/de/produkte/details/article/29199.

Aber sonst? In Summe baut märklin seit Mitte der Nullerjahre das gesamte H0-Sortiment neu und lässt dabei fast alles hinter sich, was früher charakteristisch für „märklin H0“ gewesen ist. Fast könnte man meinen, bei märklin gebe es Bestrebungen, die typische märklin-Bahn dem internationalen DC-Standard zu opfern, nur mehr der umständliche Mittelleiter ist noch übrig, in seinem Ursprung ein Relikt aus den grausamen 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ausgerechnet daran hält man fest? Diese Logik denke ich lieber nicht zuende.

Wirklich gelungen finde ich Hornbys Idee, Fahrzeuge nach ‚Steampunk‚ Ästhetik zu produzieren. Dazu passend bietet NOCH Landschafts-Segmente an unter dem Namen ‚ZITERDES‘.

(c) Hornby Steampunk Dampflok für normale H0 DC Gleise
(c) Hornby Steampunk Personenwagen für normale H0 DC Gleise

Wer Züge durch eine eigene Fantasie-Welt fahren lassen möchte, für den bietet sich hier eine tolle, kreative Möglichkeit. Mit einer gewissen kriminellen Energie ließe sich auch märklins MyWorld-Züge optisch in den Steampunk-Stil versetzen, entsprechende Design-Elemente bietet Hornby ebenfalls an. Und die MyWorld-Züge rollen ja sowieso auf AC- und DC-Gleisen. märklins Alpha-Bahn (auf eigenen Gleisen!) passt auch prima dazu; endlich mal ein Umstyling, bei dem niemand heult. 🙂

(c) NOCH, passend zum Steampunk eine ZITERDES Szene

HORNBY Steampunk: https://www.hornby.com/uk-en/bassett-lowke-steampunk

NOCH Ziterdes: https://www.ziterdes.de/

Zu allem Anderen finden sich genug Kommentare in den Foren und Zeitschriften. 🙂

Roco V200 43522 mit Sound & Licht

Seit 1985 gehören Rocos schöne Modelle der V200 zu den Klassikern auf H0 Gleisen. Mit ein bisschen Geschick bekommt man auch in älteste Versionen sichtbares Licht und sogar Sound hinein. Dieser Artikel wird später ergänzt, dann werden auch andere technische Versionen gezeigt.

Dieses Modell ist es wirklich wert, ‚gepimpt‘ zu werden, da hat Roco schon Mitte der 80er Jahre gezeigt, wie wirklich feine Modelle aussehen sollten.

…vielleicht mit Ausnahme der Glas-Einsätze für die Lampen, die könnten wirklich mal formneu und schöner gemacht werden. Das wäre dann ein Ersatzteil, dass sich für Loks aus 35 Jahren verkaufen ließe. 🙂

Diese V200 sollte Sound und ein sichtbares Schlusslicht bekommen. Beides lässt sich leicht realisieren, denn diese Lok wurde Ende der 90er Jahre produziert. Also schon mit Schnittstelle aber noch mit nur zwei Glühlampen und kurz/langen Lichtleitern ab Werk. Eigentlich sollte die Beleuchtung mit einer vorhandenen Austausch-Platine von Roco gelöst werden, aber auch damit war das Schlusslicht noch immer zu funzelig. Also mussten helle LED her.

Man nehme:

So klebt man die LED gegen die Lichtleiter. Eigentlich könnte man das auch mit warmweißen LED machen… Links versteckt sich bereits der Lautsprecher. Hinter der weißen Glühlampe ist ein Streifen Moosgummi zu erkennen.

Zuerst nimmt man die Führerstände heraus und kürzt die langen Lichtleiter. Die Trennstellen feilt man dann glatt (also anders, als auf den Fotos zu sehen), denn nur dann ist der Licht-Austritt optimal. Hier klebt man direkt die roten 19V LED gegen. Gut festwerden lassen.

Im Rahmen befindet sich eine Aussparung, in die eigentlich der Lokdecoder sollte. Ich nutze diese Vertiefung für den Lautsprecher, das passt zufällig ganz gut. Den Boden mit Isolierfolie auskleiden; die Kontakte des Lautsprechers kommen nach rechts.

So isoliert man den Boden der ex-Decoderkammer.

Nun den Sounddecoder mit harmlosem Kleber so auf der Platine befestigen, dass sein Ende mit nur zwei Kabeln so gerade unter dem Ausschnitt des oberen Metall-Bügels endet.

Wer hier noch ein durchgehendes massives Guß-Teil vorfindet, sollte dieses einfach zweimal durchsägen, sodass die Gehäuseschrauben nach wie vor greifen, die Mitte aber freiliegt; die Lok bleibt schwer genug.

Dann habe ich die Kabel am Schnittstellenstecker gekürzt neu angelötet, damit keine Kabel-Schlaufen herumliegen.

Anders, als auf dem Foto ist auch der Motor über die Schnittstelle angeschlossen, die grünen Drosseln wurden durch starre Drähte ersetzt, und der kleine Kondensator, der die Motorkontakte überbrückt wird ausgelötet: Nur nach diesem Eingriffen kann die Motorregelung sinnvoll arbeiten.

Diese Bereiche mit Folie aus Zellkautschuk abdecken, damit keine Kurzschlüsse entstehen können. WICHTIG: Auch auf den Stecker in der Schnittstelle einen Streifen Isolierfolie kleben. Denn das Gewicht darüber ist aus Metall… Und je lauter das *Bzzz* desto teuerer die Decoder-Reparatur. ?

Prinzip-Anordnung. Der Kondensator darf nicht wie gezeigt auf der Platine liegen. Er gehört darunter, wie später gezeigt wird. Der Tesastreifen fixiert den Decoder nur vorübergehend.

Der Lautsprecher kommt kopfüber in die isolierte Kammer, also mit der silbernen Fläche nach unten, damit der Sound möglichst klar erklingen kann. Die beiden violetten Kabel sinnvoll ablängen, mit den Kontakten am Lautsprecher verlöten, und diesen in die Kammer geben. Ein Streifen guter Kleber befestigt ihn wirksam an der Platine. Nun die Führerstände wieder einsetzen.

So wird der Lautsprecher eingesetzt. Ein Streifen Kleber befestigt ihn an der Platine.

Für die Schlussleuchten LED an die die Kabel grün (Führerstand 2!) braun (Führerstand 1!) und natürlich blau anschließen; für Letztere können auch Platinenflächen verwendet werden.

Um kleine Aussetzer zu überbrücken, legt Zimo seinem Sounddecoder einen kleinen Elko bei, diesen schließt man an die beiden Kabel grau und blau an, die am Sounddecoder einzeln abgehen. Man verstaut ihn man am Besten im Hohlraum unter der Platine vor dem Motor. Das war es.

Genau hier gehört der Elko hin. Zum Kardan lässt er genug Platz. Dann geht auch das Gehäuse stressfrei zu. Die Lötstelle des Todes bitte ignorieren…

Bei mir hat der Testbetrieb auf Anhieb prima funktioniert. Die üblichen CVs mussten noch programmiert werden, aber das war es dann auch schon. Mir macht es ja riesig Spaß, so eine ältere Lokomotive in die Jetztzeit zu bugsieren. 🙂

CV Werte

Motor-Anpassung

  • CV 09 auf 65
  • CV 56 auf 33

Licht simultan

  • CV 33 auf 05
  • CV 34 auf 10

sanfter Lichtwechsel

  • CV 125, 126, 128, 128 jeweils auf 88

Lautstärke auf 35

Die Liliput Kurz-Kupplung L939105 für H0 Züge.

Die Liliput-KK, bereits mit testweise angebrachter Höhen-Verriegelung.

…und so taugt sie was.

Es ist ja schon ziemlich mutig, dem großen Sortiment von KurzKupplungen ein weiteres Produkt hinzuzufügen. Liliput, also Bachmann, hat diesen Schritt gewagt. Und dabei trotz guter Ideen unnötige Fehler gemacht. Da mir die Kupplung aber prinzipiell gut gefällt, habe ich sie mir so angepasst, dass ihr Einsatz endlich Spaß macht.

Die Liliput-KK lässt genug Platz zu den Puffer-Tellern, ein weiterer Vorteil. Der Waggon-Abstand ist für mich völlig akzeptabel, so kuppeln die Waggons wenigstens sicher an.

Klar bedeutet das ein bisschen Bastel-Arbeit. Ausgerechnet für „doofe Kupplungen“. Allerdings finde ich die anderen Kupplungen großteils wirklich grauslig, und die Liliput-KK sieht nett aus. Da bastele ich lieber, und das Ergebnis gefällt mir, als mich weiter mit ‚Markt-üblichem‘ Zeug herumzuärgern.

Meine persönliche Einschätzung anderer Kupplungen:

Fleischmann-KK: Unauffälliges Aussehen, ungewollte Zug-Trennungen, Ankuppeln nur mit Karacho – das war schon 1987 blöd. Man hätte bei der Fox Kupplung bleiben sollen.

Märklin-KK: Sorgt bei unzähligen Fabrikaten außer eben märklin für Entgleisungen. Die im Katalog 1985/1986 gezeigten KK-Prototypen (Seiten 108/109) wären vielleicht doch die bessere Lösung gewesen…

Roco-KK: Verbiegt sich allein vom skeptisch angeschaut werden. Zudem in grau = billiges Aussehen.

Roco-UK: Mit den breiten Greifarmen und dem halben Querbalken ästhetisch eine Katastrophe. Zudem grau = billig. Zuletzt stellte ich viele Fertigungs-Fehler fest – nicht meine Sache.

RiBu-KK: Eigentlich gar nicht schlecht. Allerdings ein bisschen breit, der Einbau erfordert höchste Konzentration. Meine drittliebste Kupplung.

RTS-KK: Ohne die Strom-Bleche eigentlich richtig perfekt, um mit der Modellbahn zu spielen, zu rangieren, lange Züge zu fahren. Wird aber so nicht mehr angeboten: märklin hat auf den RTS-Kopf den lästigen hauseigenen Kupplungsbügel draufgepackt, vermutlich der Vertrautheit für märklin-Kunden halber. Typisch kleingeistiges märklin-Gehabe, damit sind die DC-Bahner mal wieder raus. Eigentlich meine Lieblingskupplung. Mehr dazu hier.

US-Kupplungen: Nicht für die kontinental verwendeten KK-Mechaniken ausgelegt, zuviel Spiel, Kupplungskopf auf Höhe der europäischen Puffer – unpraktisch.

Die Liliput-KK ist eigentlich ziemlich klug erdacht. Man kann damit sanft einkuppeln, sie schaut relativ unauffällig aus, und ihr Sitz im Normschacht ist fest genug. In der Praxis fallen einem dann ein paar Macken auf, die sich zum Glück mit wenig Aufwand abstellen lassen. Und nicht jeder mag das, was alle Anderen haben.

Höhen-Verriegelung

Das größte Ärgernis der Liliput KK ist, dass eine Höhen-Verriegelung fehlt. Die Köpfe können sich aneinander nach oben verschieben, was zum Verkanten und anschließender Entgleisung führt.

So sieht das aus, wenn sich die Kupplungen aneinander hocharbeiten.

Dabei ist es doch so einfach, diesen Mangel abzustellen: Man befestigt einfach unter jeder Kupplung einen schmalen Streifen festes 0,5mm ‚dickes’ Plastik, der beim Einkuppeln unter die Kupplung gegenüber ragen wird. Zwei Tröpfchen Sekundenkleber reichen zum Fixieren aus.

Liliput-KK, links Original, rechts mit Höhen-Verriegelung.

Nach dem Durchtrocknen biegt man das herausragende Stück mit einer Pinzette etwa auf 45°, um beim Ankuppeln eventuelle Unebenheiten auszugleichen. Fertig.

Dank zweier kleiner Plastikplättchen bleibt die Verbindung stabil, trotz des Unterschieds.

Für die Fotos habe ich weißes Plastik verwendet, aber natürlich sollte man schwarzes nehmen, damit die Kupplung so nett diskret bleibt. Man erhält schwarze Kunststoff-Platten mit 0,5mm ‚Dicke‘ zum Beispiel über ebay für wirklich wenig Geld.

Liliput-KK: Die Arme ragen jeweils unter die andere Kupplung. So rollen auch geschobene Wendezüge unfallfrei durch S-Kurven…

Natürlich hätte Liliput / Bachmann dieses Element längst in den Formenbau übernehmen können, sodass dieser Minus-Punkt ab Werk abgestellt ist, aber längst nicht jeder respektiert Eingaben „von außen“.

Haken bleibt stecken.

Manchmal bleibt der Kupplungshaken nach dem Trennen der Fahrzeuge oben stehen. Das liegt daran, dass die Fertigung leider etwas schlampig arbeitet und manche ‚gebogenen Ecken‘ zu rund geraten. Der Bügel kann sich dann beim Hochklappen an den Kanten des Kupplungskopfes, die bis hinten zu den Klippsen reichen, verklemmen. Aber auch hier ist Abhilfe einfach: Man bricht diese Kanten einfach; mit einer feinen Feile streicht man pro Seite zwei-, drei Mal darüber, und der Bügel fällt sicher wieder herab. Das geht schneller, als ich es hier aufschreiben kann.

Schwimmhäute am Kupplungskopf.

Liliput / Bachmann hat die KK nach kurzer Zeit überarbeitet. Danach trägt der nach vorne zeigende Finger der Kupplung so kleine Schwimmhäute. Auch diese einfach mit der Feile nach unten streichend entfernen, dann bewegen sich die Köpfe ungehindert ineinander.

Nur für den Kontrast in weiß: Nochmal die Höhen-Verriegelung.

Fazit:

Ob sich die Mühe lohnt? Aber sicher. Die Liliput-KK ist eine nette Sache. Sie ist relativ unauffällig, und sie funktioniert ganz wunderbar, wenn man sich ihr widmet. Dass sich eine namhafte Marke wie Liliput / Bachmann in der Vergangenheit entsprechenden Tipps stur widersetzt hat, kann den Modellbahnern jetzt egal sein: Individualisten wissen nun, wie sie sich diese Kupplung erobern können. Viel Spaß! 🙂